letzte Aktualisierung: Apr. 2026
Gucci gehört seit 2004 vollständig dem französischen Luxuskonzern Kering. Kering selbst wird von der Familie Pinault kontrolliert: Ihre Holdinggesellschaft Artémis hält rund 40 bis 43 Prozent der Kering-Anteile und damit die Mehrheit der Stimmrechte. Die Gründerfamilie Gucci ist seit 1993 nicht mehr an dem Unternehmen beteiligt, das ihren Namen trägt.
| Ebene | Eigentümer | Anteil |
|---|---|---|
| Gucci direkt | Kering S.A. | 100% |
| Kering-Hauptaktionär | Artémis S.A. (Familie Pinault) | ca. 40 bis 43% |
| Kering-Streubesitz | Institutionelle und Privatinvestoren | ca. 57 bis 60% |
Kering ist an der Pariser Börse notiert und Teil des CAC 40, des führenden französischen Aktienindex. Die Familie Pinault hält über Artémis zwar nur rund 40 bis 43 Prozent der Aktien, kontrolliert aber die Mehrheit der Stimmrechte. Das bedeutet: Strategische Entscheidungen über Gucci liegen fest in den Händen der Pinaults.
Kering ist einer der weltweit größten Luxusgüterkonzerne. Das in Paris ansässige Unternehmen wurde 1963 von François Pinault gegründet, zunächst als Holzhandelsunternehmen, bevor es sich zum Luxusimperium wandelte. Heute vereint Kering unter seinem Dach einige der bekanntesten Modemarken der Welt: neben Gucci auch Saint Laurent, Bottega Veneta, Balenciaga, Alexander McQueen und Brioni. Im Jahr 2024 erzielte Kering einen Umsatz von 17,2 Milliarden Euro.
Seit 2025 durchläuft Kering eine Neuausrichtung: François-Henri Pinault, der Sohn des Gründers und langjähriger CEO, übergab den Vorstandsvorsitz an Luca de Meo, den ehemaligen Renault-Chef. Pinault bleibt Präsident des Konzerns. Kering verkaufte zudem im Oktober 2025 seine Kosmetiksparte für vier Milliarden Euro an L’Oréal.
Die Pinaults gehören zu den wohlhabendsten Familien Frankreichs. Gründer François Pinault baute aus einem kleinen Holzhandel ein globales Industrieimperium auf. Heute führt sein Sohn François-Henri Pinault die strategische Ausrichtung der Gruppe. Die Familie ist auch für ihr kulturelles Engagement bekannt: François Pinault besitzt eine der bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt und betreibt mehrere Museen in Venedig und Paris.
Die Familienholding Artémis hält neben dem Kering-Anteil auch eine Beteiligung an Puma, dem deutschen Sportartikelhersteller. Artémis ist damit nicht nur für Gucci relevant, sondern ein breiter Investmentkonzern mit Positionen in Luxusgütern, Sport und Kultur.
Die Geschichte der Gucci-Übernahme beginnt mit dem Ende der Gründerfamilie. 1993 verkaufte Maurizio Gucci, der letzte Familienvertreter an der Unternehmensspitze, alle seine Anteile für 170 Millionen Dollar an die Investmentfirma Investcorp aus Bahrain. Die Familie Gucci war damit vollständig aus dem eigenen Unternehmen ausgestiegen.
Was folgte, war eines der dramatischsten Bietergefechte der Luxusbranche. 1999 erwarb François Pinaults Konzern PPR (Pinault-Printemps-Redoute) einen Anteil von 42 Prozent an Gucci. Gleichzeitig hatte der Rivale LVMH unter Bernard Arnault bereits 34 Prozent der Gucci-Anteile aufgekauft und strebte eine Mehrheit an. Es entwickelte sich eine zweijährige Schlacht um die Kontrolle über Gucci, die mehrfach vor Gericht landete. Am Ende siegte Pinault: 2004 übernahm PPR, das später in Kering umbenannt wurde, für 8,8 Milliarden US-Dollar sämtliche verbliebenen Gucci-Anteile.
Gucci wurde 1921 von Guccio Gucci in Florenz gegründet. Guccio stammte aus einer Handwerkerfamilie, arbeitete als junger Mann im Londoner Nobelhotel Savoy als Hotelpage und Aufzugführer und beobachtete dabei, welche hochwertigen Reisegepäckstücke die aristokratischen Gäste mit sich führten. Nach seiner Rückkehr nach Florenz eröffnete er 1921 ein kleines Lederwarengeschäft und begann, hochwertige Sättel, Koffer und Accessoires für reitbegeisterte Kunden herzustellen.
Sein Sohn Aldo Gucci baute das Unternehmen in den 1950er und 1960er Jahren zur Weltmarke aus. Er eröffnete 1953 den ersten Gucci-Store in New York, gestaltete das Doppel-G-Logo aus den Initialen seines Vaters und machte Gucci zur Lieblingsmarke von Hollywoodstars wie Grace Kelly, Audrey Hepburn und Jackie Kennedy. Letztere trug eine Gucci-Handtasche so regelmäßig, dass sie nach ihr umbenannt wurde: die „Jackie Bag“.
Was nach außen wie ein erfolgreiches Familienimperium aussah, war intern von Streit, Neid und krimineller Energie zerfressen. In den 1980er Jahren liefen allein vor der italienischen Justiz rund 18 Verfahren zwischen Familienmitgliedern. Paolo Gucci, Sohn von Aldo, denunzierte seinen eigenen Vater wegen Steuerhinterziehung. Aldo landete im Gefängnis. Maurizio musste vor der Steuerpolizei in die Schweiz fliehen.
Das dramatische Ende kam 1993: Maurizio Gucci verkaufte alle Anteile an Investcorp und beendete damit die Familienzeit. Zwei Jahre später, am 27. März 1995, wurde er in Mailand auf dem Weg zu seinem Büro erschossen. Seine Ex-Frau Patrizia Reggiani hatte einen Auftragsmord bestellt. Sie wurde 1998 zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Diese Geschichte wurde 2021 von Regisseur Ridley Scott mit Lady Gaga und Adam Driver unter dem Titel „House of Gucci“ verfilmt.
Unter Kering entwickelte sich Gucci zu einem der stärksten Luxusgüterunternehmen weltweit. Kreativdirektor Tom Ford rettete die Marke in den 1990er Jahren durch eine radikale Neupositionierung. Ab 2015 sorgte Alessandro Michele mit einem maximalistischen Designstil für einen neuen Höhenflug. Gucci wurde zur meistgesuchten Luxusmarke unter jüngeren Konsumenten und erzielte 2022 einen Umsatz von 12,7 Milliarden Euro.
Ab 2023 begann jedoch eine Krise: Sinkende Nachfrage aus China, ein verblasstes Markenimage und der Weggang von Alessandro Michele bremsten das Wachstum. Kering reagierte mit Personalwechseln an der Gucci-Spitze. Die Stabilisierung von Gucci gilt als wichtigste Aufgabe für den neuen Kering-CEO Luca de Meo, der 2025 übernahm.
Weitere Informationen zur Eigentümerstruktur anderer Unternehmen finden sich in den Artikeln Wem gehört Aldi und Wem gehört Ferrari.
Foto: https://unsplash.com/de/fotos/braun-schwarzes-betongebaude-thTnnyB4oks
© All rights reserved.