letzte Aktualisierung: Mai 2026
KiK schließt im Jahr 2026 rund 135 Filialen in Deutschland. Das bestätigte Finanzvorstand Christian Kümmel am 24. März 2026 gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Europaweit werden bis Ende 2026 etwa 300 Standorte aufgegeben und 75 neue eröffnet. Damit schrumpft das KiK-Filialnetz in Deutschland von derzeit rund 2.335 auf etwa 2.200 Filialen. Das Unternehmen spricht von einer strategischen Bereinigung des Portfolios.
Finanzvorstand Christian Kümmel brachte die Strategie auf eine knappe Formel: „Wir trimmen unser Portfolio auf Profitabilität.“ Das Unternehmen erklärt, die frühere Expansionsstrategie sei zu aggressiv gewesen. „Wir hatten eine zu dichte Expansion“, räumt KiK intern ein. Manche Standorte liegen zu nah beieinander und konkurrieren faktisch um dieselben Kunden. Andere schreiben laut Insiderberichten der Lebensmittelzeitung rote Zahlen: Europaweit sollen rund 400 Filialen wirtschaftliche Probleme haben, in Deutschland etwa 170 Märkte.
Gleichzeitig betont das Unternehmen: Deutschland bleibt der wichtigste Markt. „Deutschland ist und bleibt unser wichtigster Markt, bei dem wir in den allermeisten Regionen und Städten vertreten sind“, erklärte KiK gegenüber der Presse. Mit über 2.200 Filialen nach den Schließungen wäre KiK weiterhin der größte Textildiscounter Deutschlands.
Die Schließungswelle ist kein spontaner Krisenreflex, sondern das Ergebnis mehrerer struktureller Entwicklungen, die sich über Jahre aufgebaut haben.
| Grund | Erläuterung |
|---|---|
| Kaufzurückhaltung | Anhaltende Inflation führt dazu, dass Verbraucher auch bei Bekleidung sparen. KiK spürt das an sinkender Kundenfrequenz in schwächeren Lagen. |
| Verschärfter Wettbewerb | Online-Anbieter wie Shein und Temu greifen die Kernzielgruppe von KiK direkt an. Der Wettbewerb um kaufkraftschwache Zielgruppen ist intensiver geworden als je zuvor. |
| Zu dichtes Filialnetz | Jahrelange aggressive Expansion hat zu einer Filialdichte geführt, bei der benachbarte Standorte sich gegenseitig kannibalisieren. Die Korrektur war überfällig. |
KiK hat bislang keine vollständige Liste der betroffenen Standorte veröffentlicht. Das Unternehmen bestätigt lediglich die Gesamtzahl. Bekannt ist, dass die Schließungen in Wellen erfolgen: Ein erster Block wurde bereits im ersten Quartal 2026 vollzogen (rund 25 Filialen in Deutschland). Weitere folgen in den kommenden Monaten. Vereinzelte Schließungen wurden regional bestätigt, etwa in Schweinfurt und Rottenburg, wo der Vermieter die Fläche anderweitig nutzen wollte.
Als Grundprinzip gilt laut KiK: Profitabilität entscheidet. Filialen, deren Mietvertrag ausläuft und die keine angemessene Wirtschaftlichkeit erreichen, werden nicht verlängert. Filialen, die trotz laufendem Mietvertrag dauerhaft unprofitabel sind, werden durch Verhandlungen mit Vermietern oder frühzeitige Auflösungen beendet. Parallel entstehen 75 neue Filialen an strategisch günstigeren Standorten.
KiK beschäftigt in Deutschland über 19.000 Mitarbeiter, 93 Prozent davon im Filialbereich. Das Unternehmen hat ausdrücklich betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen: „Im Falle von Filialschließungen werden wir die Mitarbeitenden der betroffenen Filialen in anderen Filialen weiterbeschäftigen oder anderweitig eine Lösung finden. Kündigungen sind nicht geplant“, erklärte KiK. Da das Filialnetz dicht ist, sieht das Unternehmen in aller Regel zumutbare Alternativen in der Nähe.
Für betroffene Mitarbeiter bedeutet das in der Praxis: Sie werden versetzt, nicht entlassen. Ob das immer reibungslos funktioniert, hängt von der Entfernung zum nächsten Standort und den persönlichen Umständen ab. Wer in einem Ort mit nur einer KiK-Filiale arbeitet und diese schließt, muss möglicherweise längere Wege in Kauf nehmen.
KiK ist seit Jahrzehnten einer der wichtigsten Ankermieter in kleinen Innenstädten, Fachmarktzentren und Nebenlagen. Wo KiK als Mieter wegfällt, entstehen Leerstände. Das ist kein rein wirtschaftliches Problem: Fällt ein Frequenzbringer wie KiK in einem Fachmarktzentrum weg, geraten auch benachbarte Mieter unter Druck. Die Kundenfrequenz sinkt, was weitere Schließungen begünstigen kann.
Der Handelsverband Deutschland rechnet für 2026 nur noch mit rund 296.600 stationären Geschäften bundesweit. Das entspricht einem weiteren Rückgang gegenüber den Vorjahren. KiK-Schließungen sind ein Teil eines strukturellen Trends, der den stationären Einzelhandel in Deutschland seit Jahren unter Druck setzt.
Für Vermieter, die KiK als Mieter verlieren, stellt sich die Frage der Nachnutzung. Flächen zwischen 400 und 750 Quadratmetern in Nebenlagen sind schwer zu vermieten. Drogeriemärkte, Bäckereien oder Fitnessstudios kommen als Nachfolger infrage, aber nicht jede Fläche lässt sich problemlos umnutzen.
Die Schließungswelle ist keine Schrumpfkur ohne Perspektive. KiK plant parallel 75 Neueröffnungen in Europa und ein umfangreiches Modernisierungsprogramm für die verbleibenden Standorte. Bis 2028 soll europaweit ein neues Filialkonzept mit übersichtlicherer Warenanordnung, modernen Shop-in-Shop-Bereichen und saisonalen Highlight-Artikeln auf alle Filialen ausgerollt werden. Ziel ist eine klarere Positionierung als Nahversorger mit zeitgemäßem Einkaufserlebnis.
Außerdem hat KiK seine Führungsstruktur gestärkt: Seit August 2025 verantwortet Christian Kümmel als neuer Finanzvorstand die strategische Neuausrichtung. Seit November 2025 leitet Agnieszka Jaworska alle kundennahen Bereiche einschließlich Einkauf und Sortimentsgestaltung. Das Unternehmen setzt damit auf erfahrene Führungskräfte, um den Umbau professionell zu steuern.
KiK ist nicht Galeria. Das Unternehmen hat keine Liquiditätsprobleme, zahlt seine Mieten und ist nicht insolvenzgefährdet. Die Filialschließungen sind eine aktive strategische Entscheidung, keine erzwungene Krisenreaktion. Das unterscheidet den Fall deutlich von anderen Einzelhandelsinsolvenzen.
Dennoch ist die Entwicklung ein klares Signal: Selbst die größte Textildiscountkette Deutschlands muss ihr überdimensioniertes Filialnetz korrigieren. Das stationäre Modell funktioniert nur noch an Standorten mit ausreichender Frequenz und vertretbarer Mietbelastung. Wer als Unternehmer im Einzelhandel tätig ist oder Gewerbeflächen vermietet, sollte diesen Trend aktiv in seine Planung einbeziehen.
Weitere aktuelle Wirtschaftsnachrichten finden sich im Artikel Galeria Krise Mai 2026 sowie im Ratgeber Betriebshaftpflicht Kosten.
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