letzte Aktualisierung: Mai 2026
Galeria steckt im Mai 2026 tiefer in der Krise als zu irgendeinem Zeitpunkt seit der letzten Insolvenz 2024. Die Warenhauskette hat alle 83 Vermieter um Stundung der Mietzahlungen gebeten, mehrere April-Mieten sind gar nicht eingegangen, und Bain Capital hat einen Notkredit von 10 Millionen Euro bereitgestellt, um die akute Liquiditätsnot zu überbrücken. Gleichzeitig laufen Verhandlungen über die Schließung von mindestens acht Standorten, und Creditreform stuft das Unternehmen mit dem schlechtesten Bonitätswert kurz vor dem Maximum ein. Handelsexperten sprechen offen von einer vierten Insolvenz als realer Gefahr.
Das Ausmaß der Liquiditätsprobleme ist gravierender als zunächst bekannt. Galeria hat nicht nur bei einzelnen Vermietern die Miete nicht gezahlt, sondern nach eigenen Angaben alle 83 Vermieter um eine Stundung der Mietzahlungen gebeten. Das bestätigte das Unternehmen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Vermieter, die einer Stundung zugestimmt haben, sollen ihr Geld zu einem späteren Zeitpunkt inklusive Zinsen erhalten.
Mehrere Vermieter haben die Stundung jedoch nicht akzeptiert oder nicht bestätigt. Bei der Filiale am Berliner Alexanderplatz, die der Commerz Real gehört, ist die April-Miete schlicht nicht eingegangen. Ein Sprecher der Commerz Real erklärte gegenüber der DPA: „Wir beobachten das mit Sorge. Bisherige Kontaktversuche sind ins Leere gelaufen. Es ist niemand erreichbar, sodass wir uns fragen, wie es jetzt weitergeht.“ Auch bei der Filiale am Münchner Rotkreuzplatz soll laut BR-Informationen im April keine Zahlung erfolgt sein.
Galeria selbst äußert sich zu konkreten Standorten nicht öffentlich. Das Unternehmen verwies auf laufende Verhandlungen und bat um Verständnis dafür, keine Vertragsdetails zu kommentieren.
Am 22. April 2026 wurde bekannt, dass Bain Capital, ein Minderheitsgesellschafter von Galeria, einen Überbrückungskredit von 10 Millionen Euro bereitstellt. Das Unternehmen bestätigte die Finanzierung gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Bereits im Vorjahr hatte Bain Capital Galeria mit einem Kredit unterstützt.
Galeria-Geschäftsführer Tilo Hellenbock kommentierte die Lage mit bemerkenswert offenen Worten: „Die Liquiditätslage zeigt harte Schwankungen.“ Er zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass sich die Situation stabilisieren werde. Ein Unternehmen, das sich mit 10 Millionen Euro Überbrückungskredit über Wasser hält und gleichzeitig bei 83 Vermietern um Mietstundung bittet, kämpft offensichtlich mit ernsthaften Cashflow-Problemen.
Bereits im März 2026 hatte Galeria angekündigt, die Mietverträge von acht Standorten neu verhandeln zu wollen. Das Unternehmen formulierte damals: Sollten die Verhandlungen scheitern, bestehe die Möglichkeit von Schließungen. Betroffen sind folgende Standorte:
| Stadt | Standort |
|---|---|
| Berlin | Kurfürstendamm und Hermannplatz |
| München | Rotkreuzplatz |
| Köln | Hohe Straße und Breite Straße |
| Mannheim | Innenstadt |
| Braunschweig | Innenstadt |
| Aschaffenburg | Innenstadt |
Parallel zu den Mietverhandlungen laufen laut ver.di bereits Gespräche über Sozialpläne. Wenn Sozialpläne verhandelt werden, ist das in aller Regel ein sicheres Zeichen dafür, dass Schließungen nicht mehr als theoretisches Szenario betrachtet werden, sondern als konkrete Planung.
Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform bewertet Galeria aktuell mit einem Bonitätsindex von 500. Die Skala reicht bis 600, wobei 600 den schlechtesten möglichen Wert darstellt. Ein Wert von 500 ist bereits nahe am unteren Ende. Creditreform rät ausdrücklich von Kreditvergaben an Galeria ab und stuft Geschäftsverbindungen mit dem Unternehmen als riskant ein.
Diese Einschätzung gilt unverändert seit dem Abschluss des letzten Insolvenzverfahrens 2024. Für Lieferanten und Dienstleister, die mit Galeria zusammenarbeiten, ist das eine klare Warnung: Neue Vorleistungen oder offene Zahlungsziele sollten aktuell kritisch geprüft werden.
Im Herbst 2025 hatte die Galeria-Geschäftsführung noch erklärt, das erste Geschäftsjahr nach der Insolvenz operativ profitabel abgeschlossen zu haben. Alle Standorte hätten schwarze Zahlen geschrieben. Doch zum Jahresende kippte die Lage. Die Fachzeitschrift Textilwirtschaft berichtete, dass Umsatz und Gewinn eingebrochen seien. Das Unternehmen wollte sich dazu nicht öffentlich äußern.
Laut einem Spiegel-Bericht vom Januar 2026 lagen Umsatz und Gewinn in der ersten Woche des neuen Geschäftsjahres bereits mehr als 17 Prozent unter Vorjahr. Die Erlöse lagen rund 20 Prozent unter dem internen Plan. Interne Manager sollen demnach vor einer drohenden vierten Insolvenz gewarnt haben, falls kein Kurswechsel erfolge.
Gewerkschaft ver.di sieht die Entwicklung mit großer Sorge und spart nicht an deutlichen Worten. Silke Zimmer, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand, erklärte am 20. April 2026: „Es ist seit Jahren ein unerträgliches Ping-Pong-Spiel: Galeria verkauft seine eigenen Immobilien, dann werden diese teuer angemietet, dann beklagt die Galeria-Leitung die hohen Mieten und schließlich sollen die Beschäftigten mit Lohnverzicht oder Jobverlust die Zeche zahlen.“
Ver.di fordert, dass Mieten und Investitionskosten transparent auf den Tisch kommen, und verlangt von Eigentümer Bernd Beetz endlich echte Investitionen statt leerer Versprechen. Für die rund 12.000 Galeria-Beschäftigten, die seit Jahren unter Reallohnverlusten leiden, viele verdienen bis zu 30 Prozent weniger als im Flächentarifvertrag des Einzelhandels, ist die Situation nach Jahren des Kämpfens zermürbend.
Handelsexperte Johannes Berentzen von der Beratungsgesellschaft BBE attestiert Galeria zwar einzelne positive Ansätze seit der letzten Insolvenz, etwa gesunkene Mieten an einigen Standorten und Partnerschaften mit Lidl und Decathlon als Shop-in-Shop-Konzepte. Sein Gesamturteil ist jedoch eindeutig: „Ohne ausreichend Investitionskapital lässt sich ein Kaufhaus nicht transformieren. Das rächt sich jetzt.“ Eine vierte Insolvenz sei eine reale Gefahr.
Jörg Funder, Handelsexperte an der Hochschule Worms, urteilt noch schärfer: Am Konzept von Galeria habe sich kaum etwas verändert. Aus den gescheiterten Sanierungsrunden sei offenbar wenig gelernt worden.
Beide Einschätzungen verweisen auf dasselbe strukturelle Problem: Die versprochenen Investitionen der neuen Eigentümer von bis zu 100 Millionen Euro sollen laut internen Managern nie angekommen sein. Stattdessen betrug das eingebrachte Eigenkapital beim Kauf 2024 laut Spiegel-Recherchen lediglich drei Millionen Euro. Das ist für ein Unternehmen mit 83 Filialen, 12.000 Mitarbeitern und einem sanierungsbedürftigen Warenhausmodell eine strukturell prekäre Ausgangslage.
Wer als Lieferant, Vermieter, Dienstleister oder Geschäftspartner mit Galeria in Verbindung steht, sollte die Lage aktiv beobachten und konkrete Maßnahmen prüfen.
Unabhängig davon, wie sich die Lage entwickelt: Die Signale aus dem Frühjahr 2026 sind ernst zu nehmen. Ob Galeria die Krise mit dem Bain-Capital-Kredit und erfolgreichen Mietverhandlungen übersteht oder ob die vierte Insolvenz kommt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
Weitere Hintergründe zum Thema finden sich im Artikel Playmobil Insolvenz 2026 sowie im Ratgeber Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
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