letzte Aktualisierung: Apr. 2026
Kaum ein Unternehmen prägt europäische Wohnzimmer so stark wie IKEA. Der Billy-Regalschrank, das Köttbullar-Restaurant, die blauen Tragetaschen: IKEA ist längst mehr als ein Möbelhaus. Doch wie begann alles? Wer hat IKEA gegründet? Die Antwort lautet: Ingvar Kamprad, geboren 1926 in der schwedischen Provinz Småland, ein Bauernsohn mit Legasthenie, ausgeprägtem Geschiafssinn und einer Beharrlichkeit, die seinesgleichen sucht.
Ingvar Feodor Kamprad wurde am 30. März 1926 in Pjätteryd, einer kleinen Gemeinde im südschwedischen Småland, geboren. Er wuchs auf dem elterlichen Bauernhof Elmtaryd auf, in einer Region, die für ihre Kargheit bekannt war. Die Menschen dort hatten nie viel gehabt und mussten mit wenig auskommen. Sparsamkeit, Erfindungsreichtum und Pragmatismus waren keine Tugenden, die man dort lehrte: Sie waren schlicht Notwendigkeit.
Schon als Kind zeigte Kamprad unternehmerisches Talent. Mit fünf Jahren verkaufte er Streichhölzer an Nachbarn, etwas später radelte er durch die umliegenden Dörfer und verkaufte Fischkonserven, Kugelschreiber und Weihnachtskarten. Mit einer lernschwäche, die er später als Legasthenie beschrieb, fiel ihm die Schule schwer. Sein Kopf arbeitete anders. Zahlen, Logistik, Verhandlungen: Das waren seine Welt.
| Jahr | Meilenstein |
|---|---|
| 1926 | Geburt in Pjätteryd, Småland, Schweden |
| 1943 | Gründung von IKEA im Alter von 17 Jahren |
| 1948 | Erste Möbel ins Sortiment aufgenommen |
| 1951 | Erster IKEA-Katalog erscheint |
| 1956 | Erfindung der Flatpack-Verpackung |
| 1958 | Erstes IKEA-Einrichtungshaus in Älmhult |
| 1963 | Erste Filiale außerhalb Schwedens (Norwegen) |
| 1974 | Erste Filiale in Deutschland (Eching bei München) |
| 1982 | Gründung der IKEA Foundation |
| 2018 | Tod Ingvar Kamprads im Alter von 91 Jahren |
Im Juli 1943 ließ Kamprad sein Unternehmen offiziell registrieren: IKEA, ein Akronym aus seinen Initialen und den Anfangsbuchstaben seines Heimatorts. I steht für Ingvar, K für Kamprad, E für Elmtaryd (der Bauernhof seiner Familie) und A für Agunnaryd (das Dorf, in dem er aufwuchs). Er war 17 Jahre alt. Das Startkapital von 300 Kronen, umgerechnet rund 30 Euro, hatte ihm sein Vater geschenkt.
Das erste Lager war ein Schuppen auf dem elterlichen Hof. Versand übernahm der Milchwagen, der ohnehin täglich durch die Region fuhr. Kamprad verkaufte Kugelschreiber, Uhren, Nylonstrümpfe, Bilderrahmen: Alles, was sich günstig einkaufen und mit Aufschlag weitergeben ließ. Er war kein Erfinder. Er war ein Händler mit einem Sinn für Preisunterschiede und Logistiklosen.
1948 nahm Kamprad erstmals Möbel ins Sortiment auf. Schweden erlebte nach dem Krieg einen massiven Wohnungsbauboom, und der Bedarf an erschwinglichen Einrichtungsgegenständen war enorm. Kamprad erkannte die Chance und agierte als Vermittler zwischen günstigen Herstellern und preisbewussten Käufern.
Die Revolution kam 1956. Ein Mitarbeiter, überliefert wird der Name Gillis Lundgren, montierte die Beine eines Tisches ab, damit er in einen Lieferwagen passte. Kamprad erkannte sofort die Tragweite: Wenn Möbel zerlegt transportiert werden, sinken die Logistikkosten drastisch. Der Kunde baut die Möbel selbst zusammen, dafür bekommt er einen deutlich niedrigeren Preis. Das Flatpack-Prinzip war geboren. Das erste zerlegbare Möbelstück war der Tisch LÖVET.
Dieses Prinzip veränderte die gesamte Möbelbranche. Nicht die Qualität des Produkts war das Alleinstellungsmerkmal, sondern die Effizienz der gesamten Wertschöpfungskette: vom Design über die Produktion bis zur Lieferung direkt in die Hände des Kunden.
Der Erfolg hatte seinen Preis. Anfang der 1960er Jahre riefen etablierte schwedische Möbelhändler zum Boykott von IKEA auf. Sie forderten Zulieferer auf, IKEA nicht mehr zu beliefern, da sie sonst keine Aufträge mehr bekommen würden. Kamprads Reaktion war typisch für seinen Charakter: Er verlegte die Produktion nach Polen, wo die Kosten noch niedriger waren, und drückte die Preise weiter.
Dieser Schritt machte IKEA noch wettbewerbsfähiger und legte den Grundstein für die spätere internationale Beschaffungsstrategie des Konzerns. Kamprad interpretierte jeden Widerstand als Aufforderung, cleverer zu werden.
Anfang der 1980er Jahre stand Kamprad vor einer Frage, die jeden erfolgreichen Unternehmer irgendwann beschäftigt: Wie sichert man das Lebenswerk für die Zukunft? Seine Lösung war radikal. Er baute eine komplexe Stiftungskonstruktion auf, die IKEA von der Eigentumsfrage dauerhaft entkoppeln sollte.
Das operative Möbelgeschäft liegt bei der Ingka Group, die ihrerseits der in den Niederlanden ansässigen Stichting INGKA Foundation gehört. Das IKEA-Konzept und die Markenrechte liegen bei der Inter IKEA Group, die ebenfalls über Stiftungen kontrolliert wird. Kein Einzelner kann IKEA kaufen oder vererben. Das war Kamprads ausdrückliche Absicht: Er wollte, dass IKEA ein ewiges Leben“ hat.
Kamprad lebte die Werte, die er IKEA einschrieb. Er flog Economy Class, fuhr mit dem Linienbus zur Arbeit und kaufte seine Kleidung auf dem Flohmarkt. überliefert ist, dass er mit dem Seniorenrabattticket im ÖPNV zur Arbeit fuhr, weil es günstiger war. Seine Mitarbeiter berichteten, er habe Salz- und Pfefferpakete vom Restauranttisch mitgenommen.
Diese Sparsamkeit war kein Gestümper, sondern Programm. In seinem 1976 verfassten Manifest „Das Testament eines Möbelhändlers“ schrieb er: „Verschwendung ist eine Sünde.“ Das Dokument gilt noch heute als kulturelle Grundlage des Unternehmens und wird neuen IKEA-Mitarbeitern weltweit ausgehändigt.
1994 deckten schwedische Medien auf, dass Kamprad in seiner Jugend einer nationalsozialistischen Organisation in Schweden angehört hatte. Er hatte die Nysvenska Rörelsen von Per Engdahl finanziell unterstützt und war ab 1942 aktives Mitglied. Spätere Recherchen zeigten, dass seine Verbindungen zu dieser rechtsextremen Gruppe bis in die 1950er Jahre reichten.
Kamprad entschuldigte sich in einem handgeschriebenen offenen Brief an seine Mitarbeiter und bezeichnete die Verbindungen als „größte Dummheit meines Lebens“. Er verwies auf seinen deutschen Großvater und seine sudetendeutsche Großmutter als Einfluss. Ob die Entschuldigung die historische Verantwortung hinreichend adressierte, blieb umstritten. Die öffentliche Debatte darüber hinterließ dauerhaften Schaden am Image des Gründers, weniger an dem des Unternehmens.
Kamprad übergab die Unternehmensführung 1986 an professionelle Manager und starb am 27. Januar 2018 auf seinem Anwesen in Liatorp, Småland. Er wurde 91 Jahre alt und blieb bis zuletzt dem Ort seiner Herkunft verbunden. Seine letzten Worte an die Mitarbeiter, überliefert durch das Unternehmen: “Lebe gut. Du stehst erst am Anfang einer glorreichen Zukunft.“
IKEA ist heute in über 60 Ländern präsent und betreibt weit über 400 Einrichtungshäuser weltweit. Deutschland ist der wichtigste Einzelmarkt mit 54 Filialen und den höchsten Verkaufszahlen weltweit. Was 1943 in einem Schuppen auf einem schwedischen Bauernhof begann, ist zum größten Möbelkonzern der Welt geworden.
Die Gründungsgeschichten weiterer bekannter Unternehmen finden sich in den Artikeln Gründer von Nike und Gründer von Apple.
Bildquelle: https://unsplash.com/de/fotos/ein-ikea-schild-an-einer-stange-vor-blauem-himmel-14KzeKimDyI
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