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DEPOT: Neustart nach Insolvenz

Die bekannte Deko Handelskette Depot, die von der Gries Deco Company GDC aus Niedernberg betrieben wird, befindet sich nach bewegten Monaten mitten im Insolvenzverfahren und hat nun die nächste Etappe dieses Prozesses erreicht. Im Sommer 2024 stellte das Unternehmen einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung, um einen drohenden finanziellen Zusammenbruch abzuwenden. Inzwischen startet Depot einen radikalen Neustart nach der Insolvenz, wobei das Filialnetz deutlich verkleinert und das Geschäftsmodell neu ausgerichtet wird. Welche Ursachen führten in die Krise, welche Schritte wurden zur Sanierung eingeleitet und wie soll der Neuanfang gelingen? Der folgende Beitrag fasst die zentralen Hintergründe der Insolvenz sowie Reaktionen von Experten, Kunden und Beschäftigten zusammen.

Wirtschaftliche Hintergründe der Insolvenz

Depot galt über viele Jahre als Erfolgsgeschichte im Handel mit Wohnaccessoires und Dekorationsartikeln. In Hochzeiten umfasste das Filialnetz mehr als 600 Standorte im In und Ausland. Doch jüngere Entwicklungen setzten das Unternehmen zunehmend unter Druck, Umsatzrückgänge und verschiedene Krisenfaktoren sorgten für deutliche Verluste. Inhaber Christian Gries verwies insbesondere auf mehrere Auslöser der wirtschaftlichen Schieflage.

Pandemie Folgen: Während der Corona Zeit mussten zahlreiche Filialen wochenlang schließen. Die Warenbestände blieben liegen und konnten nicht verkauft werden, was zu erheblichen finanziellen Ausfällen führte.

Konsumschwäche und Inflation: Auch nach der Pandemie zeigte sich die Kundschaft zurückhaltend. Die verbreitete Unsicherheit, verstärkt durch den Ukraine Krieg und steigende Lebenshaltungskosten, wirkte sich negativ auf den Umsatz aus.

Lieferketten Probleme: Weltweite Logistikstörungen trafen Depot empfindlich. Weihnachtsartikel erreichten manche Filialen erst im Januar und somit zu spät für das wichtige Jahresendgeschäft. Hohe Transportkosten und geopolitische Risiken verschlechterten die Situation zusätzlich.

Harter Wettbewerb: Der Markt hat sich stark verändert. Online Anbieter wie Temu und preisaggressive Wettbewerber wie Action erhöhen den Druck auf etablierte Handelsketten. Viele Kunden erwarten niedrige Preise und ständig neue Trends, womit Depot zunehmend Schwierigkeiten hatte.

Diese verschiedenen Faktoren führten letztlich zu deutlichen Liquiditätsengpässen. Im Jahr 2023 lag der Umsatz der GDC Gruppe mit rund 390 Millionen Euro deutlich unter dem Niveau der Vorjahre, das vor der Pandemie stets über 410 Millionen Euro gelegen hatte. Anfang 2024 wurde ersichtlich, dass grundlegende Veränderungen erforderlich waren. Christian Gries, der Enkel des Gründers, übernahm im März 2024 selbst wieder die operative Leitung, trennte sich von Teilen des Managements und leitete harte Sparmaßnahmen ein. Rund 90 Filialen mit auslaufenden Mietverträgen wurden auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft, doch selbst diese Schritte konnten die Insolvenz letztlich nicht verhindern.

Insolvenzantrag und Sanierungsverfahren

Am 15. Juli 2024 stellte Depot schließlich beim Amtsgericht Aschaffenburg einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Das Gericht bewilligte das Schutzschirmverfahren, eine spezielle Form des Insolvenzverfahrens, die dem Unternehmen ermöglicht, sich unter Aufsicht, aber in eigener Verantwortung zu sanieren. Der Geschäftsbetrieb wurde zunächst vollständig aufrechterhalten, die Löhne der rund 4.400 Mitarbeiter waren bis Ende September 2024 über das Insolvenzgeld gesichert.

Der Mutterkonzern GDC erklärte, das Filialnetz künftig konsequent an die veränderten Marktbedingungen anpassen zu wollen. Die Restrukturierungsexperten Sven Tischendorf und Alexander Höpfner verstärkten die Geschäftsführung, um zusammen mit Gries den Sanierungsplan zu entwickeln. Der Unternehmenschef betonte, die Vorbereitung des Schutzschirmverfahrens sei ein bewusster Schritt gewesen. Man wolle alle relevanten Gruppen wie Mitarbeiter, Vermieter, Lieferanten und Geschäftspartner zeitnah einbinden und gemeinsam die nächsten Schritte festlegen. Ziel sei es, die Geschäftsstruktur langfristig zu stabilisieren und zukunftsfähig auszurichten.

Ein wesentlicher Vorteil des Verfahrens lag darin, dass Depot problematische Verträge schneller beenden und Einsparungen effizienter umsetzen konnte. Personalkosten wurden kurzfristig durch das Insolvenzgeld abgefedert, Mietverträge ließen sich neu verhandeln. Restrukturierer Tischendorf zeigte sich optimistisch, da die Lagerbestände gefüllt und bereits bezahlt waren und das Unternehmen keine Bankschulden hatte. Dennoch blieb die Ertragslage schwierig, denn Depot schrieb weiterhin Verluste.

Der bestellte vorläufige Sachwalter sowie ein Gläubigerausschuss überwachten den Verlauf des Verfahrens. Bis spätestens Ende 2024 sollte ein Insolvenzplan vorliegen, der die dauerhafte Neustrukturierung ermöglicht. Ein zentraler Bestandteil bestand darin, jede Filiale auf ihre Rentabilität zu prüfen. Standorte ohne Aussicht auf positive Deckungsbeiträge mussten geschlossen werden. Christian Gries betonte frühzeitig, dass Filialen ohne Gewinnperspektive konsequent aufgegeben würden.

Radikaler Sparkurs: Filialschließungen und Personalabbau

Kurz nach Beginn des Insolvenzverfahrens leitete Depot weitreichende Einschnitte im Filialnetz ein. Bis Jahresende 2024 sollten mindestens 27 Standorte dauerhaft geschlossen werden. 17 Filialen wurden umgehend aufgegeben, wodurch das Netz auf 285 Standorte schrumpfte. Weitere Schließungen zeichneten sich ab. In etlichen Fällen versuchte Gries, durch Gespräche mit Vermietern eine Reduzierung der Mietkosten zu erreichen. Wo dies nicht gelang, folgte die Schließung. Ein Großteil der betroffenen Beschäftigten konnte in andere Filialen wechseln, etwa 50 Mitarbeiter verloren jedoch im Zuge der ersten Maßnahmen ihren Arbeitsplatz. Auch in der Verwaltung in Niedernberg wurde Personal abgebaut, die Belegschaft sank dort von rund 650 auf 500 Beschäftigte.

Doch dieser erste Schritt war nur der Auftakt. Anfang 2025 wurde deutlich, dass noch umfassendere Einschnitte erforderlich waren, um die Rentabilität des Unternehmens wiederherzustellen. Im Frühjahr 2025 kündigte Gries daher eine deutlich größere Restrukturierungswelle an. Bereits im ersten Quartal wurden 45 zusätzliche Filialen geschlossen, im April und Mai kamen weitere 54 hinzu. Insgesamt gab Depot somit mehr als 100 der rund 300 deutschen Standorte auf, was über ein Drittel aller Filialen entsprach. Künftig sollen lediglich 150 bis 180 Standorte weitergeführt werden, um auf einer stabilen Basis operieren zu können.

Diese weitreichenden Schließungen hatten erhebliche Auswirkungen auf die Belegschaft. Während in der ersten Phase vergleichsweise wenige Kündigungen nötig waren, fielen im Zuge der zweiten Welle rund 2.000 der zuletzt etwa 3.300 Arbeitsplätze weg. Ein Teil der Belegschaft wechselte in die neue Unternehmensstruktur, viele verloren jedoch ihren Arbeitsplatz. Insgesamt entfiel etwa die Hälfte aller Stellen im Unternehmen, ein gravierender Einschnitt, der aus Sicht der Unternehmensführung jedoch notwendig war.

Auch international hinterließ die Krise deutliche Spuren. Die Schweizer Tochter meldete Ende Januar 2025 Konkurs an, sämtlichen 34 Filialen dort wurde der Betrieb gleichzeitig entzogen. Die vollständige Aufgabe des Schweizer Geschäfts führte zu erheblicher Aufmerksamkeit, galt die Marke dort doch als etabliert. Eine tragfähige Lösung ließ sich trotz intensiver Bemühungen nicht finden. In Österreich verringerte sich das Filialnetz auf etwa 27 Standorte, nachdem zuvor rund 50 betrieben worden waren.

Für die Kundschaft brachte die Insolvenz ebenfalls Einschränkungen mit sich. Gutscheine konnten seit der Insolvenzeröffnung Mitte Juli 2024 weder online noch in Geschäften eingelöst werden. Kundinnen und Kunden mussten vorhandene Geschenkgutscheine als Forderung anmelden, wobei die Aussicht auf Erstattung gering ausfiel. Rückgaben und Umtausch waren zeitweise ebenfalls eingeschränkt. Viele Kunden hofften dennoch auf eine erfolgreiche Sanierung, da sie sonst den vollständigen Verlust etwaiger Guthaben fürchten mussten.

Neustart unter neuer Gesellschaft und Strategie

Trotz aller Einschnitte gab es Anzeichen für einen Neuanfang. Depot wird weitergeführt, jedoch in wesentlich kleinerem Rahmen und unter einer neuen Gesellschaftsstruktur. Im April 2025 wurde bekannt, dass die Gries Deco Company GmbH im Zuge des Insolvenzverfahrens abgewickelt wird und eine Auffanggesellschaft mit dem Namen GDC Deutschland GmbH den Geschäftsbetrieb übernimmt. Der Gläubigerausschuss stimmte diesem Vorgehen zu, wodurch zumindest eine teilweise Erfüllung offener Forderungen gewährleistet werden konnte.

Christian Gries bleibt weiterhin Unternehmenschef. Verstärkt wird er durch Marco De Benedetti, den früheren Deutschland Leiter von Tupperware, der im März 2025 ins Unternehmen eintrat. De Benedetti bringt umfangreiche Erfahrung aus Sanierungsprozessen mit und bildet zusammen mit Gries die neue Geschäftsführung. Auffällig war, dass keine externen Investoren gefunden wurden. Gries setzt daher auf eine interne Lösung, die durch den Wegfall alter Verpflichtungen und eine verschlankte Struktur neue Chancen ermöglichen soll.

Die strategische Neuausrichtung von Depot folgt einem klaren Konzept. Das Filialnetz wird reduziert, um kosteneffizienter zu arbeiten und ausschließlich rentable Standorte fortzuführen. Gleichzeitig soll der Online Vertrieb deutlicher gestärkt werden. Gries kündigte an, künftig verstärkt auf digitale Verfügbarkeit zu setzen und Waren direkt aus Asien an Endkunden liefern zu lassen, ohne sie zuvor in zentrale Lager einzusteuern. Dies soll die Reaktionsgeschwindigkeit auf Trends erhöhen und die Flexibilität des Sortiments verbessern.

Parallel werden neue Vertriebskonzepte verfolgt. Bereits vor der Insolvenz testete Depot verschiedene Rooms Flächen, also Shop in Shop Modelle in Supermärkte und Baumärkte wie Rewe, Edeka oder Toom. Diese kleineren Einheiten sind kostengünstiger zu betreiben und erreichen zusätzliche Kundengruppen. Rund 150 bis 165 dieser Mini Depots bestehen bereits. Sie sollen weiterhin genutzt und möglicherweise ausgebaut werden, nachdem einige unrentable Flächen bereits geschlossen wurden. Insgesamt soll Depot künftig moderner, digitaler und näher an den Kunden agieren.

Reaktionen und Ausblick

Die umfangreichen Maßnahmen blieben in der Branche nicht ohne Resonanz. Experten betrachten den eingeleiteten Neustart als möglicherweise letzte Chance, das Unternehmen langfristig zu stabilisieren. Nach Jahren des Erfolgs und einer Phase deutlicher Rückschläge gilt der radikale Umbau als notwendiger Schritt. Ob die Sanierung letztlich greifen wird, bleibt angesichts anhaltender Herausforderungen jedoch offen. Der weiterhin schwache Konsum und der intensive Wettbewerb durch preisstarke Anbieter wie Action sowie international agierende Online Händler stellen Depot vor anhaltende Schwierigkeiten. Während günstige Konkurrenten Marktanteile gewinnen, geraten etablierte Unternehmen wie Depot oder vergleichbare Händler zunehmend ins Wanken.

Unter den Kunden waren die Reaktionen gemischt. Viele treue Käufer äußerten Sorge über die Insolvenz und die zahlreichen Filialschließungen, besonders in innerstädtischen Lagen. Verärgerung gab es über ungültige Gutscheine und begrenzte Rückgabemöglichkeiten, während andere Kunden die Rabattaktionen in den zur Schließung vorgesehenen Filialen nutzten. Trotz aller Schwierigkeiten ist die Marke bei vielen Verbrauchern weiterhin beliebt, was für den Neustart hilfreich sein könnte.

Auch innerhalb der Belegschaft herrschte eine zwiespältige Stimmung. Der Verlust zahlreicher Arbeitsplätze führte zu großer Unsicherheit und Enttäuschung. Gleichzeitig sehen viele der verbliebenen Beschäftigten eine Chance für einen Neuanfang und möchten den Transformationsprozess aktiv mitgestalten. Gries hatte mehrfach betont, wie wichtig die Mitarbeiter seien und dass man versuche, möglichst viele Stellen zu erhalten. Ein Teil der Belegschaft konnte schließlich in die neue Gesellschaft wechseln, wenn auch unter veränderten Rahmenbedingungen.

Zum Abschluss des Insolvenzverfahrens im Jahr 2025 zeigte sich, dass Depot vorerst weiterbesteht. Der Geschäftsbetrieb läuft in reduzierter Form weiter und die neu geschaffene Gesellschaft hat eine Basis geschaffen, um die Zukunft zu gestalten. Dennoch hatte der Sanierungskurs seinen Preis, denn nahezu die Hälfte der Filialen und Arbeitsplätze ging verloren. Obwohl Depot nach wie vor insolvent ist, besteht noch Hoffnung. Die kommenden Monate werden entscheidend sein. Wenn es gelingt, mit einer schlankeren Struktur, angepassten Konzepten und loyaler Kundschaft wieder profitabel zu werden, könnte Depot eine neue Position im Markt finden. Sollte dies nicht gelingen, drohen weitere Einschnitte oder eine endgültige Aufgabe. Derzeit jedoch hat die Deko Kette die Chance auf einen Neustart erarbeitet.

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