letzte Aktualisierung: Apr. 2026
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Wem gehört REWE? Die Antwort ist so einfach wie ungewöhnlich: REWE gehört seinen Mitgliedern. Die REWE Group ist eine Genossenschaft, kein börsennotiertes Unternehmen, kein Familienkonzern und keine Beteiligung eines Finanzinvestors. Hinter einem der größten Handelskonzerne Europas stehen rund 1.573 selbstständige Kaufleute, die gleichzeitig Eigentümer und Unternehmer sind.
Dieses Modell besteht seit 1927 und hat REWE zu einem der bemerkenswertesten Beispiele für erfolgreiches genossenschaftliches Wirtschaften im modernen Handel gemacht. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte REWE erstmals in seiner fast hundertjährigen Geschichte einen Jahresüberschuss von über einer Milliarde Euro. Zum Vergleich: Netto Marken-Discount gehört vollständig der EDEKA-Gruppe, und die Schwarz-Gruppe hinter Lidl ist vollständig in privater Hand. REWE ist strukturell von beiden grundlegend verschieden.
Schnellübersicht
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Eigentümer | Genossenschaft: Eigentümer sind die selbständigen Mitglieds-Kaufleute |
| Rechtsform | REWE-Zentralfinanz eG (Obergesellschaft) und REWE-Zentral AG |
| Hauptsitz | Köln |
| CEO | Lionel Souque (Vorstandsvorsitzender) |
| Gesamtaußenumsatz 2024 | 96 Mrd. Euro (plus 4,6 %) |
| Jahresüberschuss 2024 | Erstmals über 1 Mrd. Euro (Rekord in fast 100-jähriger Geschichte) |
| Mitarbeiter | 380.000 (davon 272.000 in Deutschland) |
| REWE-Kaufleute | 1.573 selbständige Kaufleute, Umsatz 19 Mrd. Euro |
| Börsennotiert | Nein. Kein Börsengang geplant. |
Eigentümerstruktur
Die REWE Group ist kein Unternehmen im üblichen Sinne, sondern ein Verbund aus genossenschaftlich organisierten Gesellschaften. Die Obergesellschaft ist die REWE-Zentralfinanz eG, eine eingetragene Genossenschaft mit Sitz in Köln. Deren Mitglieder sind die selbständigen Kaufleute und regionale Genossenschaften, die gemeinsam die Kontrollmacht über den Konzern halten.
Das Modell funktioniert so: Ein selbständiger REWE-Kaufmann führt seinen Markt eigenständig in der Rechtsform einer OHG, hält typischerweise 80 Prozent der Anteile, während REWE 20 Prozent hält. Gleichzeitig ist der Kaufmann Mitglied der Genossenschaft und damit Miteigentümer des Gesamtkonzerns. Er profitiert vom Zentraleinkauf, der Logistik und der Markenstärke, bleibt aber unternehmerisch eigenverantwortlich.
Rund 40 Prozent aller REWE-Märkte in Deutschland werden von solchen selbständigen Kaufleuten geführt, der Rest sind Regiefilialen des Konzerns. Die 1.573 selbständigen Kaufleute erzielten 2024 gemeinsam einen Umsatz von 19 Milliarden Euro, ein Plus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Unternehmerperspektive: Das REWE-Kaufleute-Modell ist ein hybrides Unternehmertum: Man ist selbständiger Unternehmer mit eigenem Risiko, aber gleichzeitig Teil eines Milliarden-Konzerns mit zentralem Einkauf, Logistik und Markendach. Für Gründer und Selbständige im Einzelhandel ist das ein strukturell interessantes Modell, das zwischen Franchise und Genossenschaft liegt.
Die genossenschaftliche Struktur schließt einen Börsengang strukturell aus. Ein Börsengang würde externe Aktionäre mit Renditeforderungen ins Unternehmen bringen und den Einfluss der Kaufleute-Mitglieder verwässern. Diese langfristige Stabiliät ist kein Zufall, sondern bewusstes Design: REWE wurde 1927 als Genossenschaft gegründet und hat diese Struktur durch alle wirtschaftlichen Krisen, zwei Weltkriege und mehrere Jahrzehnte Handelskonsolidierung beibehalten.
Konzernstruktur
Die REWE Group ist weit mehr als ein Supermarktbetreiber. Unter dem Dach der Genossenschaft vereint der Konzern drei Geschäftsfelder: Lebensmittelhandel in Deutschland und Europa, Convenience (Unterwegsversorgung) und Touristik.
| Marke | Bereich | Umsatz 2024 |
|---|---|---|
| REWE (DE) | Vollsortiment Deutschland | 31,6 Mrd. Euro (+3,4 %) |
| Penny (DE) | Discounter Deutschland | 9,8 Mrd. Euro (+3 %), 2.124 Filialen |
| Handel International (BILLA, BIPA, IKI u.a.) | Österreich, CEE, Penny International | 20,1 Mrd. Euro (+4,6 %) |
| Lekkerland | Convenience (Tankstellen, Kioske, Bäckereien) | 15,1 Mrd. Euro (stabil) |
| DERTOUR Group | Touristik (Dertour, ITS, Kuoni, Apollo u.a.) | Plus 21,7 % (starkes Wachstum) |
| toom Baumarkt | Bau- und Gartenmärkte Deutschland | Teil des Gesamtkonzerns |
Geschichte
Die Geschichte von REWE beginnt 1927 in Köln: 17 Kaufleute gründeten den „Revisionsverband der Westkauf-Genossenschaften“, kurz REWE, um ihre Einkaufsmacht zu bündeln. Die Idee war simpel und wirkungsvoll: Gemeinsam besser einkaufen als allein. Dieses genossenschaftliche Grundprinzip gilt bis heute.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs im August 1945 folgte in den 1970er Jahren ein entscheidender Schritt: 1974 beteiligte sich REWE an der Leibbrand-Gruppe und übernahm damit die Discountermarke Penny und toom Baumarkt. 1982 folgte die Eigenmarke „ja!“. In den 1990er Jahren expandierte REWE international, 1996 mit der Übernahme von BILLA und Merkur in Österreich. 2006 wurde die Dachmarke REWE Group eingeführt. 2019 kam Lekkerland als Spezialist für die Unterwegsversorgung hinzu.
Chronologie: Wichtige Meilensteine
1927: Gründung durch 17 Kölner Kaufleute als „Revisionsverband der Westkauf-Genossenschaften“ (REWE).
1974: Beteiligung an der Leibbrand-Gruppe. REWE übernimmt damit Penny und toom Baumarkt.
1982: Einführung der Eigenmarke „ja!“ als günstige Alternative zu Markenprodukten.
1996: Übernahme von BILLA und Merkur in Österreich. REWE wird auf einen Schlag Marktführer in Österreich.
2006: Zusammenfassung der Konzernobergesellschaften unter dem Namen REWE Group.
2019: Übernahme der Lekkerland Gruppe (Convenience-Spezialist, 61.000 Verkaufsstellen beliefert).
2024: Erstmals über 1 Mrd. Euro Jahresüberschuss. Gesamtaußenumsatz 96 Mrd. Euro. Eigenkapital auf 11 Mrd. Euro gestiegen.
Geschäftsjahr 2024
Im April 2025 veröffentlichte die REWE Group ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2024. Das Ergebnis ist historisch: Zum ersten Mal in der fast hundertjährigen Unternehmensgeschichte überstieg der Jahresüberschuss die Marke von einer Milliarde Euro, das Eigenkapital stieg auf 11 Milliarden Euro. CEO Lionel Souque sprach von „konstant kerngesund“ und einem „bislang besten Unternehmensergebnis“.
Der Gesamtaußenumsatz stieg um 4,6 Prozent auf 96 Milliarden Euro, der Konzernumsatz (ohne selbstständige Kaufleute) auf 87,9 Milliarden Euro. Die Investitionssumme für die Jahre 2024 bis 2028 liegt bei 16 Milliarden Euro, die in Immobilien, Lagerinfrastruktur, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Innovationen fließen sollen.
Highlights Geschäftsjahr 2024
Jahresüberschuss erstmals über 1 Mrd. Euro: Historischer Rekord in 97-jähriger Unternehmensgeschichte. Das Eigenkapital der Genossenschaft stieg auf 11 Mrd. Euro.
Touristik mit plus 21,7 Prozent: Die DERTOUR Group legte überdurchschnittlich stark zu. Mit dem Wegfall von FTI als Wettbewerber (Insolvenz 2024) gewann REWE auch im Reisemarkt Marktanteile.
46.000 neue Mitarbeiter in Deutschland: REWE stellt in einem Umfeld, in dem andere Branchen Jobs abbauen, massiv ein. Insgesamt 10.600 Ausbildungsplätze und 5.000 neue Azubis 2024.
Eigenmarken wachsen stärker als Marken: Bei REWE plus 7,5 Prozent, bei Penny plus 3 Prozent. Zeichen, dass Kunden preisbewusster kaufen und REWE davon profitiert.
Investitionsplan 2024 bis 2028: 16 Mrd. Euro in Immobilien, Lager, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. REWE setzt damit ein klares Signal für langfristiges Wachstum in Deutschland und Europa.
Einordnung
Gemeinsam mit Edeka, der Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland) und Aldi decken REWE und Penny über 70 Prozent des deutschen Lebensmittelmarktes ab. REWE ist dabei die Nummer zwei hinter Edeka. Während Lidl zur privat geführten Schwarz-Gruppe gehört und Netto Marken-Discount vollständig EDEKA-Eigentum ist, steht REWE mit seinem genossenschaftlichen Modell für einen dritten Weg. Auch dm-drogerie markt und Norma setzen auf familiennahe oder stiftungsgebundene Strukturen ohne Kapitalmarkt-Einfluss.
Der wesentliche Unterschied zu börsennotierten Handelskonzernen: REWE kann langfristig investieren, ohne Quartalsergebnisse veröffentlichen zu müssen. Die Genossenschaft hat kein Interesse an kurzfristiger Gewinnmaximierung auf Kosten der Kaufleute oder der Marktpositionen.
Fazit
Bewertung: Stand April 2026
REWE gehört seinen Mitgliedern. Die Genossenschaftsstruktur mit rund 1.573 selbständigen Kaufleuten besteht seit 1927 und ist nicht veräußerbar.
Rekordjahr 2024: 96 Mrd. Euro Gesamtaußenumsatz, erstmals über 1 Mrd. Euro Jahresüberschuss, 380.000 Mitarbeiter, 16 Mrd. Euro Investitionsplan bis 2028.
Kein Börsengang geplant. Die genossenschaftliche Struktur schließt externe Aktionäre mit Renditeerwartungen aus.
Drei Geschäftsfelder: Handel (REWE, Penny, BILLA, IKI), Convenience (Lekkerland) und Touristik (DERTOUR Group). Touristik wuchs 2024 um fast 22 Prozent.
REWE ist einer der größten Arbeitgeber Deutschlands und ein Paradebeispiel dafür, dass Genossenschaftsstrukturen wettbewerbsfähig sind. Das Modell verbindet unternehmerische Selbstständigkeit der Kaufleute mit der Stärke eines Milliarden-Konzerns und kommt dabei ohne externe Eigentümer, Quartalsdruck oder Börsennotierung aus. Wer die Eigentümerstrukturen im deutschen Lebensmittelhandel verstehen will, liest dazu auch unsere Artikel zu Netto Marken-Discount, dm und Norma.
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