Erstellt von Lana

Wem gehört OpenAI?

OpenAI ist durch den Erfolg von ChatGPT zu einem der bekanntesten KI-Unternehmen der Welt geworden. Doch wem gehört OpenAI eigentlich? Die Antwort ist alles andere als trivial, denn OpenAI hat einen ungewöhnlichen Werdegang vom gemeinnützigen Forschungsprojekt hin zu einer hybriden Firmenstruktur durchlaufen. Das Unternehmen wurde ursprünglich als Non-Profit gegründet, nahm später Investoren an Bord und blieb dennoch unter der Kontrolle einer Stiftung.

Gründung als gemeinnützige Organisation

OpenAI wurde im Dezember 2015 von einer Gruppe prominenter Technologieführer gegründet, darunter Sam Altman und Elon Musk. Die Gründer formierten OpenAI bewusst als gemeinnützige Organisation (eine 501(c)(3) in den USA) mit dem ambitionierten Leitgedanken, künstliche allgemeine Intelligenz (AGI) zum Wohle aller Menschen zu entwickeln. Um dieses Ziel zu finanzieren, sagten Investoren und Tech-Milliardäre in einer ersten Finanzierungsrunde insgesamt etwa 1 Milliarde US-Dollar als Spenden zu – unter ihnen Elon Musk, Sam Altman, Peter Thiel, Reid Hoffman sowie Unternehmen wie Amazon Web Services. Allerdings wurde ein Großteil dieser Zusagen zunächst nicht eingelöst: Tatsächlich erhielt OpenAI bis 2019 insgesamt nur rund 130 Millionen US-Dollar an Spenden. Dies deutet darauf hin, dass einige Großspender ihre Versprechen nicht vollständig erfüllten. So stieg Elon Musk im Jahr 2018 aus dem Projekt aus, offiziell wegen möglicher Interessenkonflikte mit Teslas eigener KI-Entwicklung. Laut Medienberichten hatte Musk ursprünglich bis zu 1 Milliarde Dollar Unterstützung in Aussicht gestellt, letztlich aber nur etwa 100 Millionen Dollar beigetragen, bevor er sich zurückzog. Der Ausstieg Musks hinterließ eine spürbare Finanzierungslücke und sorgte dafür, dass OpenAI seine ambitionierten Forschungsziele mit begrenzten Mitteln weiterverfolgen musste.

Trotz dieser frühen Finanzierungsprobleme hielt OpenAI zunächst an seinem Non-Profit-Charakter fest. Die Organisation zahlte ihren Forschern Gehälter, konnte aber – anders als private Tech-Firmen – keine Unternehmensanteile als Anreiz vergeben. Projekte und Ergebnisse wurden in den ersten Jahren oft offen mit der Allgemeinheit geteilt, im Sinne der Transparenz und des Gemeinwohls, das sich OpenAI auf die Fahnen geschrieben hatte. Allerdings wurde immer deutlicher, dass die Entwicklung fortschrittlicher KI enorme Ressourcen erforderte – sowohl finanziell als auch personell. Schon 2016 gab OpenAI Millionen für Rechnerinfrastruktur und Talente aus, und die Kosten stiegen mit komplexeren KI-Modellen rapide an. Im Laufe der ersten Jahre zeigte sich, dass Spenden allein nicht ausreichen würden, um mit Tech-Giganten wie Google oder Facebook im Wettrennen um KI-Entwicklungen mitzuhalten. Vor diesem Hintergrund begann OpenAI, über neue Finanzierungswege nachzudenken, ohne dabei die gemeinnützige Mission zu gefährden.

Der Wandel zum „Capped-Profit“-Unternehmen (2019)

Im Jahr 2019 vollzog OpenAI eine markante Strukturänderung: Aus der reinen Non-Profit-Organisation wurde ein Hybridmodell mit einer gewinnorientierten Tochtergesellschaft. Konkret gründete man die OpenAI LP, ein Unternehmen mit beschränkter Gewinnerzielung („capped-profit“). Dieses Konzept bedeutet, dass Investoren und Mitarbeiter zwar Anteile am Unternehmen erhalten und am Gewinn beteiligt werden, ihre Rendite aber auf einen bestimmten Faktor gedeckelt ist. Im Fall von OpenAI wurde der Gewinn für externe Geldgeber zunächst auf das 100-Fache ihrer Investition begrenzt. Gewinne, die über diese Kappungsgrenze hinausgehen, sollen an die ursprüngliche gemeinnützige Organisation zurückfließen. Mit diesem Schritt wollte OpenAI das Beste aus beiden Welten verbinden: Zum einen benötigte man frisches Kapital und konnte nun klassische Investoren gewinnen, zum anderen sollte die Kontrolle über das langfristige AGI-Ziel in gemeinnützigen Händen bleiben.

Die neue Struktur von OpenAI ist daher zweigeteilt. Formell gibt es weiterhin die gemeinnützige Mutterorganisation (OpenAI Inc.), die als Eigentümerin und Kontrollorgan fungiert. Gleichzeitig existiert die gewinnorientierte Tochter (OpenAI LP), welche operative Geschäfte führt, Forschungsergebnisse kommerzialisiert und Anteile an Investoren ausgeben kann. Die OpenAI Inc. (Non-Profit) behält über eine Konstruktion mit einem General Partner (OpenAI GP LLC) die volle Kontrolle über die Tochtergesellschaft. Alle entscheidenden Stimmrechte liegen somit bei der Non-Profit-Organisation, obwohl diese wirtschaftlich kaum am Gewinn partizipiert. Anders ausgedrückt: OpenAI Inc. hält zwar (direkt oder indirekt) die Mehrheit der Stimmrechte an OpenAI LP, aber nur einen sehr kleinen Teil der ökonomischen Anteile – ihr „Hauptnutznießer“ soll die Menschheit sein, nicht etwa private Aktionäre.

Für die OpenAI LP wurden Investoren und Mitarbeitern erstmals Anteile zugeteilt. Viele Top-Forscher, die zuvor vielleicht zu Google, DeepMind oder Facebook abgewandert wären, konnten nun bei OpenAI bleiben und dennoch am künftigen Unternehmenserfolg teilhaben. OpenAI betonte, dass dieses Modell nötig sei, um im Wettbewerb um Talente zu bestehen und genug Kapital für teure KI-Entwicklung zu beschaffen. Wichtig ist: Die Gemeinnützigkeit bleibt im Kern verankert. Die Satzung verpflichtet auch die gewinnorientierte Einheit darauf, OpenAIs Mission – die sichere und breite Nutzbarmachung von KI – zu verfolgen. Sogar der CEO Sam Altman besitzt keine direkten Anteile an OpenAI. Laut OpenAI hat Altman lediglich indirekt über einen kleinen Investmentfonds (Y Combinator Continuity) einen Anteil, ansonsten aber bewusst kein persönliches Aktienpaket, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Ebenso dürfen die meisten Vorstandsmitglieder keinerlei finanzielles Interesse am Unternehmen halten. Diese ungewöhnliche Selbstbeschränkung unterstreicht, dass OpenAI sich weiterhin primär seiner gemeinnützigen Vision verpflichtet fühlt, auch wenn es nun eine kommerzielle Komponente gibt.

Microsoft als Großinvestor und strategischer Partner

Bereits kurz nach der Einführung des capped-profit-Modells gewann OpenAI einen mächtigen Partner: Microsoft. Im Juli 2019 gaben OpenAI und Microsoft eine weitreichende Kooperation bekannt, bei der Microsoft zunächst 1 Milliarde US-Dollar in OpenAI investierte. Ein Großteil dieser Summe wurde in Form von Cloud-Guthaben bereitgestellt, um OpenAIs rechenintensive KI-Modelle auf Microsofts Azure-Cloud zu trainieren. Im Gegenzug wurde Microsoft zum bevorzugten Cloud-Partner von OpenAI und erhielt exklusive Rechte, bestimmte OpenAI-Technologien in die eigenen Produkte zu integrieren. So läuft etwa ChatGPT vollständig auf Azure, und Microsoft baute OpenAIs KI-Modelle in Dienste wie Bing (als ChatGPT-ähnliche Bing Chat Funktion) und GitHub Copilot ein. Diese Partnerschaft verband OpenAIs Forschungs-Know-how mit Microsofts Infrastruktur und Kapital – ein für beide Seiten vorteilhaftes Geschäft.

Wichtig ist jedoch, was Microsofts Investment nicht beinhaltet: keine Kontrollmehrheit und kein klassisches Eigenkapital an OpenAI. Microsoft erhielt stattdessen einen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg der OpenAI LP bis zu einer vereinbarten Obergrenze. Berichten zufolge ist Microsoft berechtigt, bis zu 49 % der Gewinne der OpenAI LP abzuschöpfen – allerdings nur solange, bis es eine bestimmte Rendite (mutmaßlich den 10-fachen Return auf die Investition) erreicht hat. Dieses Konstrukt bedeutet, dass Microsoft zwar erheblich am Erfolg von OpenAI partizipieren kann, aber formal kein Mitspracherecht in gleichem Maße wie ein Anteilseigner hat. Tatsächlich hat Microsoft keinen Sitz mit Stimmrecht im OpenAI-Vorstand erhalten. Laut OpenAI war es „nie eine Option“, Microsoft einen regulären Board-Sitz zu geben. Stattdessen bekam Microsoft lediglich einen Beobachterstatus im Board (ohne Stimmrecht), um die Zusammenarbeit zu koordinieren. OpenAI blieb darauf bedacht, die Unabhängigkeit des Unternehmens trotz Microsofts Milliardeninvestment zu wahren.

In den Folgejahren weitete Microsoft sein Engagement noch aus. Anfang 2023 schlossen die Partner ein drittes Investmentpaket ab, das laut Medien rund 10 Milliarden US-Dollar umfasste. Microsoft selbst bestätigte lediglich eine „multimilliardenschwere“ Investition, ohne genaue Summe. Insgesamt soll Microsoft über die Jahre etwa 13 Milliarden US-Dollar in OpenAI gesteckt haben. Dennoch hält Microsoft weiterhin keine Aktien im klassischen Sinne, sondern eben eine vertraglich geregelte Minderheitsbeteiligung wirtschaftlicher Art. OpenAI änderte im Dezember 2023 sogar die öffentliche Darstellung auf seiner Website: Statt Microsoft als „Minderheitseigentümer“ zu bezeichnen, wird nun korrekter von einem „Minderheits-Investor mit wirtschaftlichem Interesse“ gesprochen. Diese Klarstellung erfolgte vor dem Hintergrund, dass Aufsichtsbehörden in Großbritannien und der EU begonnen haben, die enge Verzahnung zwischen Microsoft und OpenAI unter die Lupe zu nehmen. Die Europäische Kommission prüft beispielsweise, ob Microsofts OpenAI-Beteiligung als kontrollrelevanter Unternehmenszusammenschluss anzusehen ist. Microsoft betonte dazu in einem Statement: „Microsoft besitzt keinen Anteil an OpenAI im Sinne von Unternehmensanteilen, sondern hat lediglich Anspruch auf einen Teil der Gewinnausschüttungen“. Mit anderen Worten: OpenAI bleibt ein unabhängiges Unternehmen, das zwar eng mit Microsoft kooperiert, aber nicht von Microsoft kontrolliert wird.

Weitere Investoren und Beteiligte

Neben Microsoft haben in den letzten Jahren auch zahlreiche Venture-Capital-Firmen und andere Geldgeber bei OpenAI investiert. Diese Investitionen liefen meist über Kapitalerhöhungen oder Anteilsverkäufe der OpenAI LP. So berichtete TechCrunch im April 2023, dass eine Gruppe namhafter Silicon-Valley-Investoren – darunter Sequoia Capital, Andreessen Horowitz (a16z), Thrive Capital, K2 Global und Founders Fund – rund 300 Millionen US-Dollar in OpenAI investiert haben. Diese Finanzspritze erfolgte im Rahmen eines Secondary-Deals (anteilige Übernahme von Mitarbeiteranteilen) und bewertete OpenAI in der Größenordnung von 27 bis 29 Milliarden US-Dollar. Laut dem Bericht hielten externe Investoren damit zusammengenommen bereits über 30 % der Anteile an OpenAI. Wichtig zu beachten: Hier sind Microsofts Anteile nicht einmal eingerechnet – die VC-Investoren kamen als Finanzinvestoren on top hinzu, losgelöst von Microsofts strategischer Beteiligung. Im Unterschied zu Microsoft verfolgen diese Risikokapitalgeber vor allem monetäre Interessen und mischen sich operativ kaum ein. Ihre Anteile sind jedoch ebenso an die capped-profit-Logik gebunden, d.h. auch ihre Gewinnausschüttungen sind begrenzt und sie haben keine Stimmrechte im gemeinnützigen Board.

Neben diesen bekannten VC-Firmen sind auch Mitarbeiter von OpenAI Anteilseigner geworden. Im Zuge der Umstrukturierung 2019 wurde ein Mitarbeiterbeteiligungsprogramm aufgelegt, das es Forschern und Angestellten erlaubt, Equity in OpenAI LP zu halten. Damit trägt die Belegschaft zum Teil selbst zur Eigentümerstruktur bei und profitiert von OpenAIs Unternehmenserfolg – freilich ebenfalls nur bis zur Kappungsgrenze der Rendite. Für OpenAI hatte dies den Vorteil, Talente zu binden: In der hart umkämpften KI-Branche sind Aktienoptionen oder Anteile oft ein ausschlaggebendes Argument bei der Mitarbeitergewinnung. Während andere Tech-Unternehmen wie Google oder Meta hohe Gehälter plus Aktienpakete bieten, konnte OpenAI dank der neuen Struktur ein vergleichbares Incentive schaffen, ohne seine gemeinnützigen Prinzipien völlig aufzugeben.

Ein zentraler Bestandteil der Eigentümerstruktur ist weiterhin die OpenAI Non-Profit Inc. (die ursprüngliche Stiftung). Sie ist formal die Mehrheitsgesellschafterin im Sinne der Kontrolle – besitzt also die Stimmenmehrheit und stellt den Vorstand. Allerdings hält die Non-Profit-Entität nur einen sehr kleinen Teil der ökonomischen Anteile an der OpenAI LP (zahlreiche Berichte sprechen von etwa 2 %). Ihr Einfluss speist sich aus der satzungsmäßigen Konstruktion und nicht aus einer Kapitalmehrheit. Die Non-Profit-Organisation fungiert gewissermaßen als Hüterin der Unternehmensmission: Sie hat vertraglich verankert, dass jeglicher Mehrwert oberhalb der Gewinn-Cap letztlich der Allgemeinheit zufließen muss. Zudem behält sie über den Mehrheitsanteil am Stimmrecht das letzte Wort bei strategischen Entscheidungen. Der OpenAI-Vorstand ist identisch mit dem Board der gemeinnützigen Mutter und mehrheitlich mit unabhängigen Direktoren besetzt, die selbst keine Investoren sind. Aktuell gehören dem Board unter anderem der frühere Salesforce-Co-CEO Bret Taylor (als Chairman), Quora-Gründer Adam D’Angelo, der ehemalige US-General Paul Nakasone und Ex-Finanzminister Larry Summers an, neben Sam Altman als CEO. Diese unabhängige Besetzung soll sicherstellen, dass Entscheidungen immer im Sinne der langfristigen Mission getroffen werden – selbst wenn Investoren oder das Management andere kurzfristige Interessen haben.

Ein bemerkenswertes Beispiel für die Macht dieses unabhängigen Boards ereignete sich im November 2023. Damals enthob der OpenAI-Vorstand CEO Sam Altman überraschend seines Postens, mit der Begründung, das Vertrauen in seine Kommunikation und Führungsweise sei erschüttert. Diese Entscheidung löste ein Beben im Unternehmen aus – fast das gesamte Team drohte aus Solidarität zu kündigen oder zu Microsoft überzuwechseln, sollte Altman nicht zurückkehren. Microsoft, obwohl ohne formales Stimmrecht, spielte hinter den Kulissen eine Rolle und bot Altman prompt einen Posten an. Nach wenigen turbulenten Tagen wurde Altman tatsächlich wieder als CEO eingesetzt und der Vorstand neu zusammengesetzt. Dieser Vorfall brachte die ungewöhnliche Governance-Struktur ins Rampenlicht: Ein Non-Profit-geführter Vorstand kontrollierte ein Milliardenunternehmen und kollidierte mit den Interessen von Geschäftsführung und Investoren. Das Beispiel zeigt, dass OpenAIs Eigentums- und Kontrollarchitektur reale Auswirkungen hat – im Zweifel konnte die gemeinnützige Instanz selbst den gefeierten Gründer-CEO vor die Tür setzen, um die satzungsgemäße Mission zu wahren. Solche Spannungen sind in einem hybriden Unternehmen angelegt, das sowohl Profit- als auch Gemeinwohlziele verfolgt. Bis heute bleibt OpenAIs Board-Struktur ein Novum in der Tech-Welt.

Aktuelle Finanzierung und zukünftige Entwicklung

Die explosive Popularität von ChatGPT Ende 2022 bescherte OpenAI nicht nur weltweite Bekanntheit, sondern lockte auch weiteres Kapital in bis dato ungeahnten Größenordnungen an. Im Jahr 2023 und 2024 stieg der Unternehmenswert von OpenAI sprunghaft an – Schätzungen bewegten sich von rund 20–30 Mrd. $ Anfang 2023 auf über 80 Mrd. $ im Sommer 2023 und in neue Sphären bis jenseits der 150 Mrd. $ im Herbst 2024. Im Oktober 2024 schließlich schloss OpenAI eine weitere große Finanzierungsrunde ab, die noch einmal 6,6 Milliarden US-Dollar einbrachte. An dieser Runde beteiligten sich neben Microsoft (erneut) auch neue Investoren wie der Chip-Hersteller Nvidia sowie namhafte Kapitalgeber wie Thrive Capital, Khosla Ventures, Altimeter Capital, Fidelity, SoftBank und der staatsnahe Investitionsfonds MGX aus Abu Dhabi. Die Runde erfolgte über wandlungsfähige Darlehen (Convertible Notes), was bedeutet, dass das Geld zunächst als Fremdkapital zufloss, aber zu einem späteren Zeitpunkt in Eigenkapital umgewandelt werden kann. Die Bewertung von OpenAI wurde dabei mit stolzen 157 Milliarden US-Dollar beziffert – das würde OpenAI zu einem der wertvollsten privaten Technologieunternehmen der Welt machen.

Brisant sind die Bedingungen dieser Finanzierung: Die neuen Investoren haben vereinbart, dass ihre Darlehen nur dann in Anteile umgewandelt werden, wenn OpenAI seine Struktur so anpasst, dass die Non-Profit-Organisation nicht mehr die Kontrolle hat und die Gewinnbegrenzung aufgehoben wird. Mit anderen Worten, die Geldgeber von 2024 setzen darauf, dass OpenAI sich in absehbarer Zeit von seinem bisherigen Modell lösen und zu einem „normalen“ gewinnorientierten Unternehmen werden könnte. Erst dann würden sie echte Eigenanteile entsprechend der 157-Mrd.-Bewertung erhalten. Darüber hinaus haben sich die Investoren Absicherungen zusichern lassen: Sollte die geplante Umstrukturierung innerhalb von zwei Jahren nicht umgesetzt werden, können sie ihr Kapital zurückfordern oder die Konditionen neu verhandeln. Diese Klauseln zeigen, wie sehr die jüngsten Geldgeber darauf drängen, OpenAIs bisherige Eigentumsverhältnisse zu verändern. Offenbar erwarten viele von ihnen auf lange Sicht höhere Renditechancen, wenn OpenAI ohne Deckelung der Profite operieren und eventuell an die Börse gehen würde. Für OpenAI steht damit ein Balanceakt an: Einerseits benötigt das Unternehmen immense Mittel für Forschung (nach eigenen Prognosen wird allein 2024 ein Verlust von über 5 Mrd. $ erwartet bei ~3,6 Mrd. $ Umsatz, während 2025 schon 11 Mrd. $ Umsatz avisiert sind), andererseits war die ungewöhnliche Struktur bisher Teil der Identität und der Sicherheitsphilosophie des KI-Projekts. Die neuen Kapitalgeber haben indes klargemacht, dass CEO Sam Altman im Zuge der Umwandlung auch endlich einen nennenswerten Eigenanteil erhalten soll – was wiederum dessen persönliche Anreize mit den kommerziellen Zielen stärker in Einklang brächte.

Fazit: Wer besitzt OpenAI?

In der Summe lässt sich sagen, dass OpenAI keinem einzelnen Eigentümer gehört – es ist vielmehr ein Geflecht aus gemeinnütziger Kontrolle und Investorenbeteiligungen. Formal dominiert die OpenAI-Stiftung: Sie stellt das Entscheidungsgremium und hält die Kontrollmehrheit. Wirtschaftlich betrachtet sind jedoch vor allem Microsoft (als größter Geldgeber) sowie diverse Venture-Fonds und OpenAI-Mitarbeiter die Anteilseigner der kommerziellen OpenAI LP. Deren Gewinne sind vertraglich limitiert, und übertreffende Erlöse würden an die Non-Profit-Organisation und damit an gemeinnützige Zwecke fließen. OpenAI hat damit eine bisher einzigartige Eigentümerstruktur geschaffen, die Profitstreben und Allmende-Gedanken zu vereinen versucht. Für eine durchschnittlich informierte Person mag es ungewohnt sein, dass ein KI-Unternehmen dieser Größenordnung weder börsennotiert noch vollständig in privater Hand ist, sondern einem hybriden Modell folgt. Genau das ist aber der status quo: OpenAI wird von einer Non-Profit-Instanz geführt, doch finanziert von Investorengeldern. Angesichts der jüngsten Entwicklungen könnte OpenAI in einigen Jahren deutlich konventionellere Eigentumsverhältnisse haben – vielleicht mit Großaktionären, frei handelbaren Anteilen und aufgehobenen Gewinnlimits. Doch Stand heute bleibt OpenAI ein Sonderfall, in dem die Frage „Wem gehört OpenAI?“ keine einfache Antwort in Form eines einzigen Besitzers zulässt, sondern ein Verständnis für die komplexe Verzahnung von Mission und Kapital erfordert.

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