Opel – die traditionsreiche deutsche Automarke mit dem Blitz-Logo – hat in ihrer über 160-jährigen Geschichte mehrfach den Besitzer gewechselt. Vielen Autokäufern ist heute nicht unmittelbar klar, wem Opel aktuell gehört, denn aus dem ehemals familiengeführten Unternehmen wurde erst eine US-Tochter und später Teil eines internationalen Konzerns. Tatsächlich befindet sich Opel mittlerweile in ausländischen Händen: Seit 2021 ist die Marke Bestandteil des neu formierten Stellantis-Konzerns. Im Folgenden beleuchtet dieser Artikel die Entwicklung Opels von der Gründung bis zur heutigen Eigentümersituation – von den Anfängen im 19. Jahrhundert über die Zeit unter General Motors bis zur Eingliederung in Stellantis.
Opel kann auf eine sehr lange Unternehmensgeschichte zurückblicken. Gegründet wurde Opel im Jahr 1862 im hessischen Rüsselsheim am Main. Firmengründer Adam Opel begann damals nicht etwa mit Autos, sondern produzierte Nähmaschinen, später auch Fahrräder. Erst 1899 stieg Opel in den Automobilbau ein, als die Familie Opel nach dem Tod des Gründers mit der Fertigung erster Automobile begann. Dank des frühen Einstiegs in die junge Automobilbranche und modernster Fertigungsmethoden entwickelte sich Opel rasch zu einem der größten Fahrzeughersteller in Deutschland. So gehörte Opel zu den Pionieren der Fließbandproduktion in Europa und erreichte bereits 1928 einen Marktanteil von 44 % im Deutschen Reich – damit war Opel damals der größte Autohersteller des Landes. Im selben Jahr 1928 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, was den Weg für externe Investoren ebnete.
Diese rasante Entwicklung machte Opel auch für internationale Konzerne interessant. Bereits 1929 stieg der US-Autobauer General Motors (GM) bei Opel ein und erwarb zunächst 80 % der Anteile. Bis 1931 übernahm GM Opel dann vollständig, was vor allem durch die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise begünstigt wurde. Damit ging Opel nach rund 67 Jahren als Familienbetrieb erstmals in den Besitz eines ausländischen Großkonzerns über.
Der Firmengründer Adam Opel (1837–1895) war der Sohn eines Schlossermeisters aus Rüsselsheim. Schon in jungen Jahren erlernte er in Belgien, England und Frankreich das Handwerk des Nähmaschinenbaus. Zurück in der Heimat machte sich Adam Opel im August 1862 mit einer kleinen Werkstatt selbstständig und baute dort seine erste eigene Nähmaschine. Mithilfe seiner Ehefrau Sophie Opel (geb. Scheller), die er 1868 heiratete, und durch viel Fleiß wuchs der Betrieb stetig: Bis 1880 produzierte Opel bereits 20.000 Nähmaschinen. Später kamen auch Fahrräder hinzu – ein Markt, in dem Opel zeitweise zum größten Hersteller der Welt aufstieg.
Adam Opel selbst erlebte die Automobilproduktion seines Unternehmens nicht mehr. Er starb 1895 im Alter von 58 Jahren in Rüsselsheim. Seine Witwe Sophie und die fünf Söhne – Carl, Wilhelm, Heinrich, Fritz und Ludwig Opel – führten danach den Betrieb weiter. Erst nach Adams Tod entschieden sich die Söhne, in das Automobilgeschäft einzusteigen. Im Jahr 1899 präsentierten sie das erste Opel-Automobil, den „Opel Patent-Motorwagen System Lutzmann“. Damit legten die Nachfahren des Gründers den Grundstein für Opels Aufstieg zu einem bedeutenden Automobilhersteller. Die Marke Adam Opel lebt bis heute im Firmennamen fort und ehrt den visionären Gründer, der mit handwerklichem Geschick und Unternehmergeist den Ausgangspunkt für eine deutsche Automobil-Ikone geschaffen hat.
Aktueller Geschäftsführer (CEO) der Opel Automobile GmbH ist Florian Huettl. Der 48-jährige Manager hat im Juni 2022 die Führung von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall übernommen. Huettl stieß bereits 2018 zu Opel und war zunächst Vertriebs- und Marketingchef, bevor er vom Aufsichtsrat zum Vorstandsvorsitzenden befördert wurde. Als Opel-CEO gehört Huettl gleichzeitig dem obersten Führungsteam des Stellantis-Konzerns an und berichtet direkt an den Stellantis-Konzernchef.
Florian Huettl folgte auf Uwe Hochgeschurtz, der Opel nur kurz leitete und dann eine andere Aufgabe im Stellantis-Konzern übernahm. Huettl selbst bringt rund 20 Jahre Branchenerfahrung mit: Vor seinem Wechsel zu Opel war er in internationalen Führungspositionen beim Renault-Konzern tätig. Unter Huettls Leitung soll Opel seinen Kurs der Transformation fortsetzen – insbesondere mit Blick auf Elektromobilität und die Positionierung der Marke innerhalb des Stellantis-Verbunds. Im Dezember 2024 wurde Huettls Vertrag vom Opel-Aufsichtsrat vorzeitig um drei Jahre bis 2028 verlängert, was auf das Vertrauen in seine Strategie hindeutet. Damit steht Opel auch in den kommenden Jahren unter der Führung eines deutschen Managers, der die traditionsreiche Marke im globalen Konzernverbund vertritt.
Opel zählt zwar nicht (mehr) zu den absatzstärksten Autobauern der Welt, erwirtschaftet aber dennoch beachtliche Erlöse. Im Jahr 2018 erzielte Opel einen Jahresumsatz von rund 18,3 Milliarden Euro. Diese Zahl stammt aus dem ersten vollen Geschäftsjahr nach der Übernahme durch die französische Groupe PSA und zeigt, dass Opel damals etwa ein Viertel zum Gesamtumsatz des PSA-Konzerns beitrug. Zum Vergleich: 2016, im letzten vollständigen Jahr unter General Motors, lag der Opel-Umsatz bei etwa 18,7 Mrd. US-Dollar (ca. 17 Mrd. Euro) – die Größenordnung blieb also ähnlich.
Besonders bemerkenswert: Nach zwei Jahrzehnten in der Verlustzone schaffte Opel 2018 wieder den Sprung in die Profitabilität. Unter dem Sanierungsplan des neuen Mutterkonzerns PSA schrieb Opel erstmals seit 1999 wieder schwarze Zahlen und verbuchte ein operatives Ergebnis von 859 Millionen Euro. Dieser Turnaround kam nach einer langen Durststrecke von 18 Verlustjahren und umfangreichen Restrukturierungen. Die Zahl der Beschäftigten bei Opel reduzierte sich in diesem Zuge – 2019 waren es noch rund 14.000 Mitarbeiter weltweit.
Heute werden Opel-Umsätze in den Konzernzahlen von Stellantis berichtet. Stellantis ist einer der größten Autokonzerne der Welt, der 2022 insgesamt über 179 Milliarden Euro Umsatz erzielte (Opel als einzelne Marke wird darin nicht separat ausgewiesen). Opel selbst verkauft jährlich mehrere hunderttausend Fahrzeuge, hauptsächlich in Europa. In Deutschland lag Opels Marktanteil zuletzt bei etwa 5 %, während die Marke in einigen anderen europäischen Ländern (etwa Großbritannien unter dem Namen Vauxhall) ebenfalls fest etabliert ist. Trotz der starken Konkurrenz durch Volkswagen & Co. trägt Opel somit einen soliden Anteil zum Geschäft des Stellantis-Konzerns bei.
Opel blickt auf eine wechselvolle Erfolgsgeschichte mit großen Höhen und einigen Tiefen. Bereits in den 1910er- und 1920er-Jahren etablierte sich Opel als Innovator – etwa durch frühe Fließbandfertigung und den preisgünstigen „Doktorwagen“, der ab 1909 vielen Ärzten zur Mobilität verhalf. In den 1930er-Jahren war Opel unter GM-Regie der erste deutsche Hersteller mit über 100.000 produzierten Fahrzeugen pro Jahr (1935) und brachte Erfolgsmodelle wie den Opel Olympia heraus, einen der ersten Wagen mit selbsttragender Ganzstahl-Karosserie. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte der Neubeginn: Opel modernisierte die Werke und feierte in den Wirtschaftswunder-Jahren mit Modellen wie Rekord, Kadett oder Kapitän große Verkaufserfolge. In den 1960er bis 1980er Jahren war Opel zeitweise Marktführer in Deutschland und rangierte in Europa auf Augenhöhe mit Volkswagen. Die Marke stand für zuverlässige Familienautos aus deutscher Produktion – „Opel, der Zuverlässige“ lautete ein Werbeslogan dieser Ära.
Doch nicht immer ging es bergauf. Ab den 1990er Jahren geriet Opel in Schwierigkeiten: Qualitätsmängel und Absatzrückgänge nagten am Image. Unter dem Dach von GM musste Opel mehrfach saniert werden. Der Tiefpunkt kam während der globalen Finanzkrise 2008/09, als der Mutterkonzern GM selbst Insolvenz anmelden musste. Opel wurde in dieser Phase vorübergehend in eine Treuhandgesellschaft ausgelagert und fast an das kanadisch-österreichische Unternehmen Magna sowie russische Partner verkauft. Die Übernahmepläne zerschlugen sich jedoch Ende 2009, worauf GM Opel zunächst behielt und eigenständig sanierte. Dennoch blieb die Situation angespannt: Zwischen 1999 und 2017 schrieb Opel fast durchgehend Verluste in Milliardenhöhe.
Den Wendepunkt brachte schließlich der Eigentümerwechsel im Jahr 2017. Die französische Groupe PSA (Peugeot S.A.) übernahm Opel/Vauxhall von GM und integrierte die Traditionsmarke in ihren Konzern. Mit dem Sanierungsprogramm „PACE!“ wurden Kosten rigoros gesenkt, Werke umstrukturiert und das Modellportfolio auf Wettbewerbsfähigkeit getrimmt. Bereits 2018 „blitzte“ Opel wieder: Das Unternehmen schrieb erstmals seit zwei Jahrzehnten Gewinn. Zudem treibt Opel seither die Elektromobilität voran – vom Ampera-e bis zum aktuellen Corsa-e. Die Erfolgsgeschichte von Opel zeigt sich somit zweifach: Zum einen in der historischen Bedeutung als deutscher Automobilpionier, zum anderen in der Fähigkeit, sich nach schweren Krisen neu aufzustellen und langfristig am Markt zu behaupten.
Die zentrale Frage „Wem gehört Opel?“ lässt sich heute eindeutig beantworten: Opel gehört zu 100 % dem Stellantis-Konzern. Stellantis ist ein multinationaler Automobilkonzern mit Sitz in den Niederlanden, der im Januar 2021 aus der Fusion der Groupe PSA mit Fiat Chrysler hervorging. Opel ist dabei die einzige deutsche Marke unter den 14 Automobilmarken des Stellantis-Verbundes. Formal ist Opel (als Opel Automobile GmbH) eine Tochtergesellschaft von Stellantis N.V., sodass der Mutterkonzern der direkte Eigentümer ist.
Doch wer steckt hinter Stellantis? Die Aktien dieses Großkonzerns sind an der Börse notiert und befinden sich in Händen verschiedener internationaler Großaktionäre. Die größten Einzelanteile an Stellantis halten: Exor N.V., die Investmentgesellschaft der italienischen Agnelli-Familie (ehemals Fiat-Eigentümer) mit rund 14,2 %, die französische Peugeot-Familie über ihre Holding Peugeot Invest mit 7 %, sowie die französische Staatsbank Bpifrance mit etwa 6 %. Daneben sind weitere Anteile im Streubesitz globaler Investoren – kein einzelner Eigentümer kontrolliert also die Mehrheit. Operativ wurde Stellantis bis Ende 2024 vom langjährigen PSA-Chef Carlos Tavares geleitet; seit Juni 2025 steht Antonio Filosa als CEO an der Spitze.
Für Opel bedeutet diese Eigentümerstruktur, dass das Unternehmen nicht mehr in deutschem Besitz ist. Schon seit der Übernahme durch GM im Jahr 1929 war Opel kein Familienbetrieb mehr, doch nun ist es Teil eines weltumspannenden Konzerns mit französisch-italienischen Wurzeln und internationaler Aktionärsbasis. Auch wenn Opel in Deutschland produziert und entwickelt (Stammsitz Rüsselsheim ist zugleich Deutschland-Zentrale von Stellantis), liegen die strategischen Entscheidungen bei der Konzernführung in Amsterdam und den Großaktionären im Hintergrund. Mit anderen Worten: Opel gehört heute Stellantis – und damit letztlich dessen Aktionären, von denen kein einziger aus Deutschland stammt.
Opel hat in seiner langen Firmengeschichte einen bemerkenswerten Wandel durchlaufen: vom kleinen Familienunternehmen zum Teil eines globalen Automobilriesen. Gegründet 1862 von Adam Opel, blieb die Firma gut sechs Jahrzehnte in Familienhand, ehe sie 1929 unter das Dach des US-Konzerns General Motors kam. Fast 90 Jahre lang war Opel eine GM-Tochter, bevor 2017 der nächste große Einschnitt folgte und Opel in französischen Besitz (PSA) wechselte. Heute, nach der Fusion von PSA mit Fiat-Chrysler, ist Opel ein Bestandteil von Stellantis, des weltweit viertgrößten Autoherstellers.
Für die Öffentlichkeit mag die Frage „Wem gehört Opel?“ überraschende Antworten liefern: Weder einem deutschen Unternehmen noch dem Staat, sondern einem transnationalen Konzern. Die Eigentumsverhältnisse sind somit komplexer geworden, doch Opel selbst präsentiert sich weiterhin als deutsche Traditionsmarke. Im Alltag der Kunden ändert die Eigentümerfrage wenig – ein Opel Astra bleibt ein Opel, auch wenn die Plattform womöglich mit Peugeot entwickelt wurde. Aus wirtschaftlicher Sicht jedoch hat der Eigentümerwechsel Opel neue Chancen eröffnet: Unter Stellantis kann Opel auf die Ressourcen eines Großkonzerns zugreifen, Synergien nutzen und etwa gemeinsame Elektroauto-Technologien einsetzen.
Trotz aller Veränderungen der Besitzverhältnisse ist Opel sich in vielem treu geblieben. Die Marke fertigt noch immer in Deutschland, trägt einen deutschen Markenkern und symbolisiert technische Ingenieurskunst aus Rüsselsheim. Zusammenfassend lässt sich sagen: Opel gehört heute zum Stellantis-Konzern – und damit indirekt einigen internationalen Großinvestoren. Die Marke selbst aber gehört vor allem zu einem Stück deutscher Industriegeschichte, die erfolgreich in die Zukunft geführt wird.
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