In Deutschland gibt es tatsächlich zwei verschiedene Discounter mit dem Namen „Netto“ – und sie gehören unterschiedlichen Konzernen. Diese Namensgleichheit führt oft zu Verwirrung: Man spricht umgangssprachlich vom „Netto ohne Hund“ (gelb-rotes Logo) und „Netto mit Hund“ (gelb-schwarzes Logo mit schwarzem Terrier-Maskottchen). Hinter diesen beiden Marken stehen unabhängige Unternehmen. Der weitaus größere Netto Marken-Discount (ohne Hund im Logo) ist eine Tochtergesellschaft der deutschen EDEKA-Gruppe, während der kleinere Netto ApS & Co. KG (mit Hund im Logo) zur dänischen Salling Group gehört. Im Folgenden beleuchten wir die Entstehungsgeschichte beider Unternehmen, ihre Eigentumsverhältnisse und deren Entwicklung im Laufe der Zeit.
Netto Marken-Discount – der „Netto ohne Hund“ – ist heute fest in die EDEKA-Gruppe integriert und zählt zu den größten Lebensmittel-Discountern Deutschlands. Mit über 4.300 Filialen, rund 84.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von etwa 15,8 Milliarden Euro gehört Netto Marken-Discount zu den Branchenführern im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Als Teil der EDEKA-Familie tritt Netto Marken-Discount bundesweit auf und ergänzt das Portfolio des genossenschaftlich organisierten EDEKA-Verbunds im Discount-Segment. Doch wie kam es dazu, dass Netto Marken-Discount heute vollständig EDEKA gehört? Ein Blick in die Historie gibt Aufschluss.
Die Wurzeln von Netto Marken-Discount reichen bis in die Nachkriegszeit zurück. 1928 gründete Michael Schels in Regensburg einen Lebensmittelgroßhandel, aus dem sich später die Netto-Discountkette entwickeln sollte. Im Jahr 1971 eröffnete Schels die erste eigene Einzelhandelsfiliale unter dem Namen „SuDi“ (Kurzform für SuperDiscount). Bis Anfang der 1980er Jahre entstanden rund 50 SuDi-Märkte, vor allem in Bayern. 1983 wurde schließlich das Netto-Discountkonzept entwickelt und in der ersten Netto-Filiale in Regensburg umgesetzt. In den folgenden Jahren wurden alle SuDi-Filialen schrittweise auf das Netto Marken-Discount Konzept umgestellt (Abschluss der Umflaggung bis 1990). In dieser Expansionsphase wagte Netto auch den Schritt in neue Regionen: Nach der Wiedervereinigung eröffnete Netto Anfang der 1990er Jahre die ersten Märkte in Mittel- und Ostdeutschland. Parallel dazu entstanden neue Logistikzentren, etwa 1991/92 bei Regensburg, um das wachsende Filialnetz effizient zu versorgen.
Eigentümerseitig war Netto in dieser Zeit eng mit der Handelskette Spar verbunden. Tatsächlich firmierte das Unternehmen Michael Schels & Sohn in den 1980ern/90ern als Spar-Tochtergesellschaft. 1991 übernahm die Spar Handels-AG Netto Marken-Discount vollständig, sodass Netto fortan unter dem Dach der Spar-Gruppe operierte. Durch die Beteiligung des französischen Spar-Hauptaktionärs ITM (Intermarché) gab es Anfang der 2000er nochmals Veränderungen: 2004 übernahm ITM/Les Mousquetaires Netto komplett und bereitete einen Weiterverkauf an EDEKA vor.
Einen entscheidenden Einschnitt in der Eigentümerhistorie markiert das Jahr 2005: Die EDEKA-Gruppe übernahm im April 2005 Netto Marken-Discount von Spar/Intermarché. Damit wechselte das Unternehmen in den größten deutschen Lebensmittelhandelsverbund. EDEKA integrierte Netto als Discount-Tochter neben ihren Vollsortiment-Supermärkten. Bereits wenige Jahre später folgte der nächste große Wachstumsschub: Ende 2007 gaben EDEKA und die Tengelmann-Gruppe eine Vereinbarung bekannt, die Discountkette Plus (Tengelmann) mit Netto Marken-Discount zu verschmelzen. Diese Fusion wurde 2008 vom Bundeskartellamt mit Auflagen genehmigt. Im Januar 2009 wurden schließlich alle verbleibenden Plus-Filialen offiziell in Netto Marken-Discount überführt.
Durch die Plus-Integration wuchs Netto Marken-Discount um über 2.300 Filialen und schloss in seiner Marktpräsenz zu den großen Rivalen Aldi und Lidl auf. Allerdings erhielt Tengelmann im Gegenzug eine Minderheitsbeteiligung an Netto Marken-Discount: EDEKA hielt zunächst 85 % der Anteile, während Tengelmann 15 % als stille Beteiligung übernahm. Diese Konstellation – EDEKA als Mehrheits- und Tengelmann als Minderheitsgesellschafter – bestand über ein Jahrzehnt.
Erst 2020 zog sich Tengelmann vollständig zurück, womit die Eigentümerfrage endgültig geklärt wurde: EDEKA übernahm zum 1. Januar 2021 auch den letzten verbliebenen Minderheitsanteil an Netto Marken-Discount. Laut Unternehmensmitteilung handelte es sich dabei um die noch verbliebenen 10 % der Anteile, die nun an EDEKA zurückgingen. (Tengelmann war ursprünglich seit 2009 mit 15 % beteiligt, hatte diesen Anteil aber offenbar bereits zuvor auf 10 % reduziert.) Damit hat EDEKA nun „allein das Sagen bei Netto Marken-Discount“. Netto Marken-Discount ist heute ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der EDEKA Zentrale AG & Co. KG und fest in der EDEKA-Gruppe verankert.
Mit der Rückendeckung des EDEKA-Konzerns hat sich Netto Marken-Discount als drittgrößte Discountkette in Deutschland etabliert – nach Aldi und Lidl. Die Eingliederung in den EDEKA-Verbund bringt dem Unternehmen erhebliche Vorteile bei Einkauf, Logistik und Expansion. So profitiert Netto etwa von EDEKAs zentralem Wareneinkauf und Synergien in der Lieferkette, was wettbewerbsfähige Preise ermöglicht. Darüber hinaus kann Netto regionale Produkte aus dem EDEKA-Netzwerk sowie gemeinsame Eigenmarken anbieten. Mit rund 4.300 Filialen deutschlandweit deckt Netto Marken-Discount fast alle Regionen ab und erreicht wöchentlich über 21 Millionen Kunden. Der Hauptsitz der Gesellschaft befindet sich in Maxhütte-Haidhof in Bayern, doch operativ ist das Filialnetz in ganz Deutschland präsent.
Netto Marken-Discount erwirtschaftete 2023 schätzungsweise rund 19 Milliarden Euro Umsatz und trägt damit substanziell zum Gesamtumsatz der EDEKA-Gruppe bei. Als Tochter der genossenschaftlich organisierten EDEKA bleibt Netto zwar rechtlich eigenständig, ist aber strategisch voll in den EDEKA-Verbund integriert. Für die EDEKA-Gruppe ist Netto Marken-Discount ein wichtiger Pfeiler, um auch preisbewusste Kundensegmente anzusprechen. Insgesamt lässt sich festhalten: Netto Marken-Discount gehört heute zu 100 % EDEKA und bildet den Discount-Arm des größten deutschen Lebensmittelhändlers. Historische Beteiligungen Dritter (Spar, Tengelmann) sind inzwischen Vergangenheit.
Neben der EDEKA-Tochter existiert in Deutschland noch ein zweiter Netto-Discounter, erkennbar am schwarzen Hund im Logo. Diese Märkte firmieren als Netto ApS & Co. KG und sind ein Ableger der dänischen Salling Group. Oft wird diese Kette zur Abgrenzung „Netto Nord“ oder „Netto mit Hund“ genannt, da sie historisch vor allem in Nord- und Ostdeutschland vertreten ist. Netto ApS & Co. KG wurde 1990 als deutsch-dänisches Joint Venture gegründet, um nach dem Fall des Eisernen Vorhangs den Markteintritt des dänischen Netto in Ostdeutschland zu ermöglichen. Der erste Markt eröffnete im September 1990 in Anklam (Mecklenburg-Vorpommern). Partner auf deutscher Seite war zunächst die Spar-Gruppe, die an Netto (Nord) beteiligt war.
In den 1990er Jahren wuchs der „Netto mit dem Hund“ vor allem in den neuen Bundesländern. Ab 1992 betrieb Spar das Deutschland-Geschäft von Netto in Kooperation mit Dansk Supermarked (Salling Group), wobei die operative Führung bei den Dänen lag. Als EDEKA im Jahr 2005 die Spar Deutschland übernahm, erbte EDEKA dadurch auch eine 25 % Beteiligung an Netto ApS & Co. KG. Dieses Viertel der Anteile verkaufte EDEKA jedoch bis 2012 vollständig zurück an die dänische Muttergesellschaft, sodass Netto (Nord) seither wieder zu 100 % der Salling Group gehört. Die einstige personelle Verflechtung zwischen EDEKA und dem „Netto mit Hund“ ist damit schon seit Jahren gelöst.
Heute wird Netto ApS & Co. KG direkt von der Salling Group geführt und hat seinen Deutschland-Sitz in Stavenhagen (Mecklenburg-Vorpommern). Mit Stand 2020 betreibt die Kette rund 342 Märkte in acht nord- und ostdeutschen Bundesländern (Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Hamburg und Teile Niedersachsens). Das Filialnetz konzentriert sich dabei auf die Regionen Berlin/Brandenburg und den Nordosten (allein ~112 Märkte in Meck-Pomm). Insgesamt beschäftigt Netto ApS & Co. KG etwa 6.000 Mitarbeiter in Deutschland und erzielte 2020 einen Jahresumsatz von gut 1 Milliarde Euro – deutlich weniger als der größere Namensvetter von EDEKA, aber dennoch genug, um in Ostdeutschland als eines der größten Handelsunternehmen zu gelten.
Obwohl beide „Netto“-Ketten außer dem Namen nichts miteinander zu tun haben, sorgt die Überschneidung immer wieder für Irritationen bei Kunden. So vermuten manche Verbraucher, der schwarz-gelbe Netto gehöre irgendwie zum EDEKA-Konzern – historisch war dies durch die 25 % EDEKA-Beteiligung bis 2012 tatsächlich kurzfristig der Fall. Inzwischen gibt es jedoch keine kapitalmäßige oder organisatorische Verbindung mehr zwischen den beiden Unternehmen. Die Salling Group steuert Netto (mit Hund) eigenständig und investiert in dessen Ausbau: So kündigte das Unternehmen an, alle deutschen Netto-Filialen bis 2028 zu modernisieren. Außerdem werden neue Standorte gesucht, um weiter zu wachsen. Der Fokus dieser Kette liegt auf preisgünstigen Sortimenten mit skandinavischem Einschlag und – gerade in Ostdeutschland – auf regionalen Produkten. Der bekannte schwarze Scottish-Terrier im Logo (Spitzname „Scottie“) ist das Markenzeichen des dänischen Netto und steht sinnbildlich für die Sparsamkeit im Discount.
Zusammenfassend lässt sich die Frage „Wem gehört Netto?“ nur mit einem differenzierten Blick beantworten. Der Netto Marken-Discount mit dem gelb-roten Schriftzug gehört vollständig der EDEKA-Gruppe und ist als deren Discount-Tochter fest im deutschen Lebensmittelhandel etabliert. Die Marke Netto Marken-Discount entstand aus einem bayerischen Familienbetrieb, wurde von Spar übernommen und schließlich 2005 von EDEKA akquiriert – seit 2020 hält EDEKA 100 % der Anteile an diesem Unternehmen. Demgegenüber steht der Netto mit dem Hund (schwarz-gelbes Logo), der Teil der dänischen Salling Group ist und in Deutschland von deren Tochter Netto ApS & Co. KG betrieben wird. Dieses Unternehmen wurde 1990 in Kooperation mit Spar gegründet und später vollständig von der Salling Group übernommen, nachdem EDEKA aus der Zwischenbeteiligung ausgestiegen war.
Für Verbraucher bedeutet dies: Obwohl beide Discounter den Namen „Netto“ tragen, konkurrieren sie als eigenständige Mitbewerber. Der EDEKA-Netto (Marken-Discount) verfügt mit über 4.000 Filialen über ein wesentlich dichteres Netz und breiteres Sortiment bundesweit, während der dänische Netto rund 340 Märkte vor allem im Norden und Osten betreibt. Eigentümerseitig ist der Unterschied klar: Hier die genossenschaftliche EDEKA als Mutterkonzern, dort die private Salling Group aus Dänemark. Die Frage „Wem gehört Netto?“ lässt sich also nur beantworten, wenn man zwischen den beiden Netto-Discountern unterscheidet.
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