Die Wurzeln von DAZN liegen in der Perform Group, einem britischen Digital-Sportmedienunternehmen. Die Perform Group entstand 2007 durch den Zusammenschluss zweier Firmen – Premium TV Limited und Inform Group. Hinter dieser Fusion standen die Unternehmer Simon Denyer und Oliver Slipper, die ihre jeweiligen Firmen zusammenlegten, um ein neues Geschäftsmodell im digitalen Sportmarkt aufzubauen. In den Anfangsjahren konzentrierte sich Perform Group auf digitale Sportinhalte, Rechtehandel und Videoplattformen für Dritte und baute ein umfangreiches Portfolio an Sportrechten sowie Online-Plattformen auf.
Die Idee für einen eigenen Streamingdienst innerhalb der Perform Group reifte Mitte der 2010er-Jahre, als Dienste wie Netflix und Spotify zeigten, wie Streaming ganze Branchen revolutionieren kann. Perform erkannte die Chance, auch den Sportkonsum ins digitale Zeitalter zu führen. 2015 wurde daher das Projekt DAZN ins Leben gerufen – eine Plattform nach Vorbild eines „Netflix für Sport“. Nach einer Entwicklungsphase ging DAZN im August 2016 live, zunächst in Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie in Japan. Von dort aus expandierte DAZN rasch in weitere Länder; innerhalb weniger Jahre startete der Dienst in Kanada, Italien, den USA, Spanien, Brasilien und anderen Märkten. Mit seinem Angebot an Live-Sportübertragungen auf Abruf etablierte sich DAZN schnell als wichtiger Akteur im globalen Sportstreaming-Geschäft.
Eine Schlüsselrolle bei Gründung und Wachstum von DAZN spielt der in Odessa (Ukraine) geborene Milliardär Leonard „Len“ Blavatnik. Er ist Gründer und Inhaber der Beteiligungsgesellschaft Access Industries, die hinter der Perform Group und damit auch hinter DAZN steht. Blavatnik wanderte als junger Mann in die USA aus und baute ab 1986 mit Access Industries ein globales Investment-Imperium auf. Das Unternehmen investiert in verschiedenste Branchen – von Chemie und Immobilien bis Medien und Technologie – und hält unter anderem Beteiligungen an der Warner Music Group, dem Musikstreamingdienst Deezer und früher auch an Spotify. Laut Forbes beläuft sich Blavatniks Vermögen auf über 30 Milliarden US-Dollar, was ihn zu einem der reichsten Menschen der Welt macht.
Bereits 2007 stieg Blavatnik mit Access Industries bei der Perform Group ein und erwarb eine Mehrheitsbeteiligung an dem jungen Sportmedien-Unternehmen. Als Perform Group 2011 an die Londoner Börse ging, hielt Access weiterhin einen großen Anteil. Doch das Unternehmen tat sich an der Börse schwer – nach anfänglichem Wachstum folgte 2013 ein Gewinneinbruch. Blavatnik nutzte die Chance: 2014 bot Access Industries an, alle restlichen Aktien der Perform Group zu übernehmen, und bewertete die Firma dabei mit rund 702 Millionen Pfund (ca. 1,2 Mrd. USD). Im November 2014 wurde Perform schließlich von der Börse genommen, nachdem Blavatnik seinen Anteil von 42,5 % auf 77 % erhöht hatte. In der Folge übernahm Access Industries Perform vollständig. Damit wurde die Perform Group zu einem privat geführten Unternehmen unter der Kontrolle von Len Blavatnik – DAZN war von Beginn an ein Projekt aus Blavatniks strategischer Vision und mit seinem Kapital.
Mit DAZN verfolgte Blavatnik ein klares Ziel: den traditionellen, von Pay-TV dominierten Sportrechte-Markt zu disruptieren. Durch eine benutzerfreundliche Streaming-Plattform, flexible Monatsabos und ein vergleichsweise günstiges Preismodell wollte man eine Alternative zu kostspieligen Kabel- und Satelliten-Paketen bieten. Dafür investierte Blavatnik massiv in exklusive Sportrechte auf der ganzen Welt – von Fußball (Bundesliga, Champions League, La Liga, Serie A) über US-Sportarten (NFL, NBA) bis hin zu Boxen, Motorsport und mehr. Insbesondere der Kauf der japanischen J-League-Rechte 2016 für rund 2 Milliarden US-Dollar demonstrierte früh das finanzielle Gewicht hinter DAZN. Blavatniks Milliarden-Dollar-Power verlieh DAZN also den nötigen Rückenwind, um binnen kurzer Zeit global im Sportstreaming mitzuspielen.
Mit dem rasanten Wachstum von DAZN gingen auch organisatorische Veränderungen einher. Zunächst blieb die Perform Group die Muttergesellschaft von DAZN. Doch 2018/19 strukturierte Blavatniks Unternehmen den Bereich neu: Die Perform Group wurde in zwei Geschäftsbereiche aufgeteilt – DAZN als eigenständige Streaming-Plattform und Perform Content als Sparte für Sportdaten und -inhalte für Geschäftskunden. Ende 2018 erfolgte im Zuge dieser Neuausrichtung die Umbenennung der Perform Group in DAZN Group. Kurz darauf, im April 2019, verkaufte die DAZN Group ihre Sports-Daten-Sparte (Perform Content) an die Investorengruppe Vista Equity Partners. Aus der Fusion von Perform Content mit dem US-Datenanbieter STATS entstand später das Unternehmen Stats Perform, wobei die DAZN Group noch eine Minderheitsbeteiligung daran behielt. Dieser Schritt erlaubte DAZN, sich voll auf das Streaming-Geschäft zu fokussieren, während der Bereich Sportdaten ausgegliedert wurde.
Parallel holte sich DAZN auch frisches Kapital und Know-how von externen Partnern. 2018 stieg der japanische Werbe- und Medienriese Dentsu bei DAZN ein und übernahm rund 10 % der Anteile der damaligen Perform Group. Medienberichten zufolge investierte Dentsu circa 300 Millionen Pfund, was einer Unternehmensbewertung von etwa 3 Milliarden Pfund entsprach. Die Kooperation mit Dentsu zielte insbesondere auf den japanischen Markt ab – so machte eine Partnerschaft mit dem Mobilfunkanbieter NTT Docomo den DAZN-Dienst in Japan einem breiteren Publikum zugänglich. Trotz Dentsus Einstieg blieb Access Industries klarer Mehrheitseigner. Ebenfalls an Bord kam später die in London ansässige Aser Ventures des italienischen Medienunternehmers Andrea Radrizzani. Radrizzani verkaufte 2022 seine Sportstreaming-Plattform Eleven Sports sowie das Social-Media-Netzwerk Team Whistle an DAZN und erhielt im Gegenzug Anteilsrechte: Aser Ventures zählt seit 2023 zu den Anteilseignern von DAZN und Radrizzani erhielt einen Sitz im Board der DAZN Group. Diese Beteiligungen von Dentsu und Aser brachten DAZN nicht nur Kapital, sondern auch strategische Partnerschaften und Marktkenntnis in Asien bzw. Europa.
Auch personell verstärkte sich DAZN mit prominenten Branchenexperten. So wurde John Skipper, der frühere Präsident von ESPN, 2018 Aufsichtsratsvorsitzender der DAZN Group. Ab 2021 übernahm Kevin Mayer (ehemals Disney+ und TikTok) diese Rolle. Vor allem aber holte Blavatnik den erfahrenen Manager Shay Segev an Bord: Segev, zuvor CEO beim Wettanbieter Entain, wurde 2020 zunächst Co-CEO und ist seit 2021 alleiniger CEO der DAZN Group. Mit Segev leitete das Unternehmen eine strategische Neuausrichtung ein – neben Live-Sport sollen nun verstärkt interaktive Funktionen, Sportwetten, E-Commerce und andere digitale Geschäftsmodelle für zusätzliche Erlöse sorgen. Diese Diversifizierung markiert den Wandel von DAZN vom reinen Streaminganbieter hin zu einer umfassenden Sport-Entertainment-Plattform.
Heute ist DAZN in der DAZN Group Limited mit Sitz in London organisiert. Haupteigentümer ist weiterhin Len Blavatniks Access Industries, das den Streamingdienst finanziell kontrolliert. Blavatnik bleibt der zentrale Geldgeber hinter den Kulissen und ohne sein Vermögen wäre der globale Expansionskurs von DAZN kaum möglich gewesen. Access Industries hält Schätzungen zufolge einen Wert von rund 6 Milliarden Euro in DAZN-Anteilen – ein Indikator für die immensen Investitionen, die bislang in die Plattform geflossen sind.
Neben Access Industries gibt es zwei wichtige Minderheitsgesellschafter. Zum einen Dentsu, der japanische Werbekonzern, der seit 2018 mit ungefähr 10 % beteiligt ist. Zum anderen Aser Ventures von Andrea Radrizzani, das im Zuge des Eleven-Sports-Deals Anteile an der DAZN Group erhalten hat. Laut einer Unternehmenspräsentation verteilt sich das Eigentum an DAZN auf diese drei Hauptshareholder – Access Industries, Dentsu und Aser Ventures. Access Industries bleibt dabei der klare Mehrheitseigner, während Dentsu und Aser strategische Partnerrollen einnehmen. Alle Entscheidungen und die finanzielle Hauptverantwortung liegen letztlich bei Blavatniks Access-Gruppe, die DAZN als privates Unternehmen führt (eine Börsennotierung besteht bisher nicht).
Die finanzielle Rückendeckung durch Blavatnik ist für DAZN von entscheidender Bedeutung. Seit dem Start hat der Streamingdienst enorme Summen in Rechte und Technologie investiert, war aber auch jahrelang defizitär. Tatsächlich schrieb DAZN zunächst tiefrote Zahlen – alleine 2021 betrug der Verlust über 2 Milliarden Euro. Blavatnik glich diese Verluste immer wieder aus und stockte das Eigenkapital kontinuierlich auf. Ende 2021 wandelte er beispielsweise Darlehen in Aktienkapital um, wodurch auf einen Schlag rund 4 Milliarden Euro frisches Eigenkapital in die Firma flossen. Insgesamt hat Blavatnik bis Anfang 2025 schätzungsweise über 6 Milliarden US-Dollar in DAZN investiert. Ohne diesen fortwährenden Geldfluss wären die kostspieligen Exklusiv-Rechte – vom Fußball über US-Sport bis Boxen – kaum finanzierbar.
Trotz seines schnellen Aufstiegs sieht sich DAZN mit einigen Herausforderungen konfrontiert. Die hohen Kosten für Sportübertragungsrechte, der harte Wettbewerb mit etablierten Anbietern (wie Sky, ESPN+ oder Amazon) sowie die COVID-19-Pandemie, die 2020 zahlreiche Live-Sportereignisse zum Erliegen brachte, belasteten das Geschäft in den vergangenen Jahren. Um nachhaltige Profitabilität zu erreichen, sah sich DAZN gezwungen, seine Strategie anzupassen: Das Unternehmen führte Preiserhöhungen durch, straffte sein Rechteportfolio und diversifizierte mit neuen Einnahmequellen (z.B. Pay-per-View-Events, Wettplattform DAZN Bet, Merchandise und Ticketing). Die jüngsten Finanzberichte deuten auf Verbesserungen hin – so konnte DAZN den Verlust bis 2022 deutlich reduzieren und verzeichnet steigende Umsätze. Dennoch schreibt das Unternehmen weiterhin Verluste, sodass Blavatniks Unterstützung nach wie vor elementar ist.
DAZN bleibt indes auf Wachstumskurs. 2024 wagte der Streaminganbieter mit einer Großakquisition den Schritt in neue Märkte: DAZN kündigte an, für rund 3,4 Milliarden AUD (2 Mrd. USD) den australischen Pay-TV-Anbieter Foxtel zu übernehmen. Dieser Zukauf – der größte in der Firmengeschichte – soll den Zugang zum wichtigen australischen Sportmarkt sichern und das Abonnentengeschäft weiter ausbauen. CEO Shay Segev betont, man habe noch viel vor: DAZN peilt langfristig bis zu eine Milliarde Nutzer weltweit an und wolle als erster truly globaler Sport-Streamingdienst neue Maßstäbe setzen. Diese ambitionierten Ziele unterstreichen, dass Blavatnik DAZN als zentralen Bestandteil seines Medien-Portfolios sieht. Mit der starken Kapitaldecke von Access Industries im Rücken und strategischen Partnern an der Seite ist DAZN gut positioniert, um auch künftig im Bieterwettstreit um attraktive Sportrechte mitzuhalten und den digitalen Sportunterhaltungsmarkt weiter zu prägen.
Fazit: Formal gehört DAZN der DAZN Group Ltd. in London, welche ihrerseits direkt von Len Blavatniks Access Industries kontrolliert wird. In der Praxis bedeutet das: DAZN „gehört“ dem Milliardär Len Blavatnik, der als finanzkräftiger Eigentümer hinter dem Streamingdienst steht. Über die Jahre haben sich mit Dentsu und Aser zwar weitere Anteilseigner hinzugesellt, doch die Mehrheit liegt fest in Blavatniks Händen. Die Entstehungsgeschichte von DAZN – von der Perform Group über Blavatniks Vision bis hin zur heutigen globalen Streaming-Plattform – zeigt, wie entscheidend ein mächtiger Geldgeber für den Aufbau eines solchen Unternehmens ist. Blavatniks Kapital und strategischer Weitblick haben DAZN innerhalb weniger Jahre an die Spitze der Sportstreaming-Welt katapultiert. Gleichzeitig bleibt spannend, wie der Dienst die Balance zwischen teuren Rechte-Investitionen und wirtschaftlichem Erfolg findet. Eines steht jedoch außer Frage: Die Antwort auf „Wem gehört DAZN?“ lautet letztlich Len Blavatnik und seiner Access Industries – und damit einem der einflussreichsten Investoren im globalen Medien- und Sportgeschäft.
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