Erstellt von Lana

Wem gehört Bugatti?

Bugatti – der Name steht für legendäre Supersportwagen, technische Meisterleistungen und automobile Exklusivität. Doch wem gehört Bugatti heute? Jahrzehntelang war die französische Luxusmarke im Besitz des Volkswagen-Konzerns, doch in jüngerer Zeit haben sich die Eigentumsverhältnisse grundlegend geändert. Dieser Artikel beleuchtet sachlich und analytisch die Eigentumsverteilung und -verhältnisse von Bugatti – von den historischen Wurzeln über die Ära Volkswagen bis zur aktuellen Joint-Venture-Struktur mit neuen Partnern. Außerdem wird erläutert, warum es zu diesem Wandel kam, und was er für die Zukunft der Marke bedeutet.

Historischer Überblick: Von Ettore Bugatti bis zur Übernahme durch Volkswagen

Die Geschichte von Bugatti begann 1909, als Ettore Bugatti die Marke im elsässischen Molsheim gründete. Vor dem Zweiten Weltkrieg feierte Bugatti große Erfolge mit Renn- und Luxuswagen und erwarb sich einen Ruf für Innovation und Eleganz. Nach dem Krieg geriet das Unternehmen jedoch in Schwierigkeiten – Tod des Gründers, wirtschaftliche Krisen und veränderte Märkte führten zu einem Niedergang. 1963 wurde Bugatti schließlich an den französischen Flugzeug- und Motorenhersteller Hispano-Suiza verkauft. Damit endete vorerst die Ära Bugatti als eigenständiger Automobilhersteller; die Marke schlummerte für einige Zeit im Dornröschenschlaf.

Erst in den späten 1980er Jahren lebte der Mythos Bugatti wieder auf. 1987 kaufte der italienische Unternehmer Romano Artioli die Namensrechte und gründete die Bugatti Automobili S.p.A. in Italien. Unter Artioli entstand der Supersportwagen Bugatti EB110, der 1991 vorgestellt wurde und technisch seiner Zeit voraus war (u.a. mit Allradantrieb und über 340 km/h Spitze). Trotz aller Ingenieurskunst blieb der kommerzielle Erfolg aus – hohe Kosten und eine Weltwirtschaftskrise brachten das Unternehmen in Bedrängnis. 1995 meldete Bugatti Automobili Insolvenz an, und die Marke stand erneut vor dem Aus.

Den nächsten Rettungsanker warf kurz darauf der Volkswagen-Konzern. 1998 erwarb VW unter Vorstandschef Ferdinand Piëch die Rechte an Bugatti, mit der Vision, die Glanzmarke wiederzubeleben. Volkswagen investierte großzügig und verlegte die Produktion zurück an den historischen Standort Molsheim in Frankreich. 2005 präsentierte Bugatti unter VW den Veyron 16.4, einen 1001-PS starken Supersportwagen, der als technisches Meisterwerk galt und neue Maßstäbe bei Leistung und Geschwindigkeit setzte. Bugatti avancierte so erneut zum Symbol für ultimative Ingenieurskunst, auch wenn die Stückzahlen gering blieben. In den folgenden Jahren folgte mit dem Chiron ein weiteres Modell in dieser Extraklasse. Über zwei Jahrzehnte hinweg blieb Bugatti ein Prestigeprojekt innerhalb des Volkswagen-Konzerns – eine Marke, die mehr dem Image als dem Volumenabsatz diente.

Prestige unter VW und Strategiewechsel: Warum Volkswagen Bugatti abgab

Lange Zeit genoss Volkswagen das Prestige, einen Hersteller wie Bugatti im Markenportfolio zu haben. Allerdings waren Bugattis Verkaufszahlen stets exklusiv und niedrig – im Jahr 2020 wurden weltweit lediglich 77 Fahrzeuge der Marke ausgeliefert. In Anbetracht neuer strategischer Ziele bei Volkswagen (Stichwort Elektromobilität und Klimaneutralität) geriet Bugatti zunehmend aus dem Fokus. Konzernchef Herbert Diess betonte, dass Größe allein kein Maßstab mehr sei, sondern Profitabilität und technologischer Wandel im Vordergrund stünden. Eine Luxusmarke mit einem 16-Zylinder-Verbrennungsmotor und sehr hohem CO₂-Ausstoß passte nicht mehr recht ins Bild einer zunehmend auf Elektroantriebe ausgerichteten Strategie.

Branchenanalysten bewerteten den Teilverkauf von Bugatti als logischen Schritt vor diesem Hintergrund. Für einen Massenhersteller wie VW, der pro Jahr rund 10 Millionen Fahrzeuge verkauft, sind ein paar Dutzend Hypercars betriebswirtschaftlich kaum relevant – selbst wenn diese profitabel sein sollten. Sie binden überproportional viel Managementaufmerksamkeit und Ressourcen, ohne nennenswert zum Konzernergebnis beizutragen. Mit verschärften Renditezielen und dem Ziel der Klimaneutralität bis 2050 standen Nischenmarken wie Bugatti daher auf dem Prüfstand. Vor diesem Hintergrund begann Volkswagen, Optionen für Bugattis Zukunft auszuloten.

Bereits im Spätsommer 2020 kursierten erste Gerüchte über einen möglichen Verkauf von Bugatti an den kroatischen Elektro-Sportwagenbauer Rimac. Diese Verdichteten sich Anfang 2021, befeuert durch Aussagen von Porsche-Chef Oliver Blume, wonach Rimac und Bugatti technologisch gut zueinander passen würden. Blume, dessen Unternehmen Porsche innerhalb des VW-Konzerns für den Sportwagensektor zuständig ist, drängte darauf, die Verhandlungen zügig abzuschließen. Die strategische Idee dahinter: Bugattis Kompetenz im Luxus- und High-Performance-Bereich verbinden mit Rimacs Expertise in elektrischen Antrieben.

Bugatti Rimac: Neue Eigentümer durch Joint Venture mit Rimac und Porsche

Im Juli 2021 war es dann so weit – Volkswagen und Porsche verkündeten offiziell die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens namens Bugatti Rimac. In diesem Joint Venture übernahm der kroatische Elektroauto-Pionier Rimac Automobili eine Mehrheitsbeteiligung von 55 %, während die Porsche AG (als Vertreterin des VW-Konzerns) 45 % der Anteile hält. Volkswagen selbst brachte Bugatti dazu aus seinem Konzern heraus in das neue Unternehmen ein und übertrug anschließend die Bugatti-Anteile vollständig auf Porsche. Offizieller Startschuss für die neue Firma war – nach Freigabe durch diverse Kartellbehörden – im vierten Quartal 2021. Das Joint Venture hat seinen Hauptsitz in Sveta Nedelja bei Zagreb (Kroatien).

Mit der Gründung von Bugatti Rimac wechselte auch die operative Führung: Der Rimac-Gründer Mate Rimac übernahm als CEO die Leitung des neuen Unternehmens. Porsche entsendet seinerseits Vorstandschef Oliver Blume und Finanzvorstand Lutz Meschke in den Aufsichtsrat von Bugatti Rimac. Der bisherige Bugatti-Chef Stephan Winkelmann legte sein Amt nieder (er konzentriert sich fortan wieder auf Lamborghini), während andere Schlüsselpersonen wie Christophe Piochon im Management blieben. Wichtig zu betonen ist, dass Bugatti als Marke erhalten bleibt: Produktion und Fertigung verbleiben in Molsheim (Frankreich) am historischen Stammsitz, und auch Rimac Automobili agiert weiter von Zagreb aus – beide Marken werden eigenständig fortgeführt. Das Tagesgeschäft und die Entwicklung neuer Modelle finden jedoch unter dem Dach der gemeinsamen Bugatti Rimac Gruppe statt, was Synergien ermöglicht. So profitieren beide Seiten vom Know-how des Partners: Bugatti bringt seine über 100-jährige Erfahrung in der Kleinserien-Fertigung von Hypercars ein, während Rimac modernste Batterietechnologie und Elektro-Expertise liefert.

Interessant an dieser Eigentümerstruktur ist auch die Verflechtung mit Porsche: Die Porsche AG war bereits seit 2018 strategischer Partner von Rimac und hat ihre Beteiligung an Rimac Automobili schrittweise auf rund 20–24 % ausgebaut. Das bedeutet, Volkswagen (über Porsche) bleibt indirekt auch an Rimac beteiligt – die Kooperation ist also eng abgestimmt. Porsche fungiert im Joint Venture als strategischer Gesellschafter und sorgt mit seiner Erfahrung und Finanzkraft dafür, dass Bugatti weiterhin in die Unternehmensstrategie der erweiterten Gruppe eingebettet ist. Rimac wiederum hält als Haupteigentümer 55 % an Bugatti Rimac und stellt mit Mate Rimac den CEO, was deutlich macht, dass die operative Kontrolle bei den Kroaten liegt. Diese konzertierte Allianz spiegelt die Zukunftsvision für Bugatti wider: Eine Verbindung aus Tradition und Innovation, bei der die traditionsreiche französische Marke mit Hilfe neuer Elektrotechnologie in die Zukunft geführt wird.

Fazit: Wem gehört Bugatti heute?

Zusammengefasst lässt sich die zentrale Frage klar beantworten: Bugatti gehört heute einem zukunftsweisenden Joint Venture, an dem Rimac Automobili 55 % und die Porsche AG 45 % halten. Die operative Führung liegt bei Rimac, während Porsche als wichtiger Partner und Minderheitsgesellschafter mit an Bord ist. Nach über zwei Jahrzehnten unter dem Dach des Volkswagen-Konzerns ist Bugatti nun Teil der Bugatti Rimac Group – einer neuen Unternehmensstruktur, die die jeweiligen Stärken zweier Spezialisten vereint. Die Marke Bugatti bleibt dabei bestehen und steht weiterhin für automobile Exzellenz, nun jedoch unterstützt durch modernste Elektrotechnik im Hintergrund. Dieses Eigentümerkonstrukt zeigt, wie in der Automobilindustrie Tradition und Innovation Hand in Hand gehen können: Eine legendäre Marke mit über 100-jährigem Erbe wird fit gemacht für die Zukunft, indem sie von der Expertise eines jungen Technologiekonzerns profitiert.

Eigentümer-Chronologie von Bugatti: Zur Einordnung der Besitzverhältnisse im Zeitverlauf ein kurzer Überblick der wichtigsten Meilensteine:

1909: Gründung von Bugatti durch Ettore Bugatti in Molsheim (Familienbesitz).

1963: Verkauf der Marke an Hispano-Suiza (Einbindung in die Luftfahrtindustrie).

1987: Neugründung der Bugatti Automobili S.p.A. in Italien durch Romano Artioli (privater Eigentümer).

1995: Insolvenz der Bugatti Automobili S.p.A. und vorübergehendes Aus der Marke.

1998: Übernahme von Bugatti durch den Volkswagen-Konzern als Prestigeprojekt.

2021: Gründung des Joint Ventures Bugatti Rimac – 55 % Rimac, 45 % Porsche (VW) – und Übergang der Kontrolle an Rimac.

Heute: Bugatti ist Teil der Bugatti Rimac Group und wird gemeinschaftlich von Rimac und Porsche getragen.

Damit ist Bugatti zwar nicht mehr ausschließlich im Besitz von Volkswagen, aber der Konzern bleibt über Porsche beteiligt. Die Luxusmarke aus Molsheim erfährt durch die Partnerschaft mit Rimac einen Technologieschub, während Rimac von Bugattis Erfahrung im Luxusautomobilbau profitiert. Eigentümerseitig ist Bugatti nun weder allein Volkswagen noch völlig unabhängig, sondern eingebettet in ein Joint Venture, das als eigenständiger Akteur im Hochleistungs-Automobilsektor agiert. Diese Konstellation sichert Bugatti eine spannende Perspektive: Sie kann ihrer Tradition treu bleiben und zugleich die Herausforderungen der Elektrifizierung meistern – getragen von einem starken Doppelfundament aus Porsche und Rimac.

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