Erstellt von Lana

Wem gehört Amazon?

Das geschwungene Pfeil-Logo von Amazon ist weltweit zum Symbol des E-Commerce geworden – doch wem gehört das Unternehmen eigentlich? Juristisch ist die Antwort klar: Amazon.com, Inc. ist ein börsennotierter US-Konzern ohne Alleineigentümer. Gründer Jeff Bezos ist mit etwa 10 % der größte Einzelaktionär; die restlichen ~90 % liegen bei institutionellen Anlegern, Investmentfonds und Millionen Privatanlegern. Einen dominierenden Mehrheitseigner gibt es somit nicht. Ökonomisch lohnt dennoch ein Blick auf die Machtstruktur: Große Finanzinvestoren wie Vanguard und BlackRock halten zusammen bedeutende Stimmrechtsanteile, und Bezos’ Einfluss bleibt als größter Aktionär und langjähriges „Gesicht“ des Unternehmens spürbar.

Seit wann gibt es das Unternehmen?

Amazon wurde in den frühen Tagen des kommerziellen Internets gegründet. Jeff Bezos startete das Unternehmen am 5. Juli 1994 in seiner Garage in Bellevue (Washington), zunächst unter dem Namen „Cadabra“. Bald darauf benannte er es – inspiriert vom größten Fluss der Welt – in „Amazon“ um. Bezos’ Vision war ein Online-Buchhändler, der den rasant wachsenden Internetmarkt nutzen sollte. 1995 ging die Website online, und binnen weniger Monate verkaufte Amazon Bücher in alle 50 US-Bundesstaaten und 45 Länder – ein früher Hinweis auf das globale Potenzial.

Von Beginn an setzte Amazon auf Wachstum statt kurzfristigen Gewinn. Bereits im Mai 1997 wagte Bezos den Gang an die Börse (NASDAQ-IPO zu 18 US-Dollar je Aktie). Obwohl Amazon zu diesem Zeitpunkt noch keinen Gewinn vorweisen konnte, vertrauten Investoren auf das enorme Wachstumspotenzial – zu Recht, wie sich zeigte. Ende der 1990er Jahre erweiterte Amazon Schritt für Schritt das Sortiment (ab 1998 z. B. Musik, Videos, Elektronik, Spielzeug usw.) und gewann über 3 Millionen Kunden.

Die Dotcom-Blase um 2000 traf auch Amazon: Der Aktienkurs brach ein, und das Unternehmen schrieb weiter Verluste. Bezos hielt jedoch am langfristigen Kurs fest. Durch Kostensenkungen – etwa den Abbau von 1.300 Stellen im Jahr 2001 – und Fokussierung auf das Kerngeschäft überstand Amazon die Krise, während viele Konkurrenten verschwanden. 2003 verbuchte Amazon erstmals einen Jahresgewinn. Aus dem Buchhändler von 1994 war ein diversifizierter Online-Marktplatz geworden, der international (Amazon.de startete 1998) immer mehr Kunden erreichte. Heute, rund 30 Jahre nach der Gründung, zählt Amazon zu den größten Konzernen der Welt.

Wer ist der Gründer?

Jeff Bezos (geb. 1964) zählt zu den einflussreichsten Internet-Unternehmern. Er wuchs in Albuquerque und Houston auf, studierte Informatik und Elektrotechnik in Princeton (Abschluss 1986) und arbeitete anschließend in der Finanzbranche (zuletzt als Vizepräsident bei D. E. Shaw). 1994 kündigte Bezos seinen gut dotierten Job gegen den Rat seines Chefs, zog nach Seattle und gründete mit 10.000 US-Dollar Startkapital den Online-Buchladen Amazon (zunächst „Cadabra“). Seine Eltern und erste Investoren unterstützten ihn dabei. Bezos’ Mut zum Risiko zahlte sich aus: Amazon überstand die Anfangsjahre und die Dotcom-Krise und begann, den Einzelhandel zu revolutionieren.

Als Gründer-CEO prägte Bezos die Kultur von Amazon nachhaltig. Sein Prinzip kompromissloser Kundenorientierung („customer obsession“) und der Fokus auf langfristiges Wachstum wurden zum Markenzeichen. Er war bereit, kurzfristige Gewinne zu opfern, um Marktanteile und neue Technologien aufzubauen. Unter seiner Führung investierte Amazon früh in Innovationen wie den E-Reader Kindle, Cloud-Services (AWS) und die Sprachassistentin Alexa. Der enorme Börsenwert des Unternehmens machte Bezos zeitweise zum reichsten Menschen der Welt – sein Vermögen überschritt 2020 die Marke von 200 Mrd. US-Dollar; 2025 lag es bei ca. 256 Mrd. $.

Im Juli 2021 gab Bezos nach 27 Jahren den Posten als CEO an Andy Jassy ab, blieb dem Unternehmen jedoch als Executive Chair (geschäftsführender Verwaltungsratsvorsitzender) erhalten. Mit etwa 10 % der Aktien behält er weiterhin großen Einfluss. Zudem widmet sich Bezos verstärkt anderen Projekten, etwa der Raumfahrtfirma Blue Origin. Sein unternehmerisches Lebenswerk bleibt jedoch Amazon – die Firma, die er aus dem Nichts zum globalen Imperium formte.

Wer ist der aktuelle CEO?

Andy Jassy (Jg. 1968) ist seit dem 5. Juli 2021 CEO von Amazon. Der Amazon-Veteran trat 1997 – kurz nach dem Börsengang – in das Unternehmen ein und baute ab Mitte der 2000er Jahre die Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) auf. AWS wurde unter Jassys Führung zu einem weltweit führenden Cloud-Anbieter und trägt heute erheblich zu Amazons Umsatz und Gewinn bei. Als Jeff Bezos 2021 den Staffelstab an Jassy übergab, war Amazon mit einer Marktkapitalisierung von 1,7 Billionen US-Dollar bereits ein Gigant. Der Führungswechsel markierte einen Einschnitt und stellte Jassy vor große Herausforderungen.

Nach dem pandemiebedingten Boom leitete Jassy eine Phase der Konsolidierung ein, um Amazon effizienter aufzustellen. 2022/23 initiierte er die größten Entlassungsrunden der Firmengeschichte (ca. 27.000 Stellen), um Kosten zu senken und Überkapazitäten aus den COVID-Jahren abzubauen. Zugleich strich er Nebenprojekte und schärfte die Prioritäten, schützte aber strategische Initiativen wie AWS, Prime und die Logistikinfrastruktur.

Parallel dazu forciert Jassy neue Wachstumsfelder, allen voran Künstliche Intelligenz. 2023/24 investierte Amazon Milliarden in KI-Entwicklungen und machte klar, dass KI zahlreiche Geschäftsprozesse verändern wird. Intern betont Jassy, Amazon müsse sich „neu erfinden“ und die Belegschaft solle KI einsetzen, um Innovation für Kunden voranzutreiben. Extern sieht er sich verschärfter Regulierung in den USA und Europa sowie wachsender Konkurrenz (z. B. Walmart, Microsoft) gegenüber. Jassy muss Amazon in diesem Umfeld wettbewerbsfähig halten, die Kultur aus der Gründerära bewahren und die Erwartungen der Aktionäre erfüllen. Sein Führungsstil gilt als pragmatisch: Er trägt Bezos’ Innovationsgeist mit, achtet aber stärker auf Effizienz und Fokus.

So viel Umsatz macht das Unternehmen

Amazon erzielt inzwischen Umsätze und Gewinne in gigantischer Höhe. 2024 erwirtschaftete der Konzern 638 Mrd. US-Dollar Umsatz – 11 % mehr als 2023 (574,8 Mrd. $) und fast dreimal so viel wie 2018 (233 Mrd. $). Die Profitabilität zog ebenfalls an: Der operative Gewinn lag 2024 bei 68,6 Mrd. $, der Nettogewinn verdoppelte sich auf 59,2 Mrd. $. Zum Vergleich: 2022 verzeichnete Amazon einmalig einen Nettoverlust von 2,7 Mrd. $, 2023 aber wieder 30,4 Mrd. $ Überschuss.

Die Umsätze verteilen sich auf diverse Sparten. 2023 stammten nur etwa 40 % der Erlöse aus dem klassischen Online-Handel mit eigenen Produkten. Rund 24 % kamen vom Marketplace (Gebühren und Provisionen von Drittanbietern) und 16 % von Amazon Web Services. Der Rest entfiel auf Werbeeinnahmen (~8 %), Abonnementdienste wie Prime (~7 %) und stationäre Läden (~3,5 %). Diese breite Aufstellung verschafft Amazon mehrere Einnahmequellen und verringert die Abhängigkeit von einzelnen Märkten. Dennoch bleibt das Kerngeschäft E-Commerce mit insgesamt über 60 % Umsatzanteil die Basis.

Aktuell wächst Amazon wieder dynamisch. Im ersten Halbjahr 2025 stieg der Umsatz im Jahresvergleich um rund 11 % auf über 320 Mrd. $, begleitet von kräftigen Gewinnen. Für das Gesamtjahr 2025 wird ein weiterer Anstieg erwartet. Zum Vergleich: Der deutsche Volkswagen-Konzern erzielte 2024 etwa 307 Mrd. $ Umsatz – Amazon setzt also beinahe das Doppelte in nur zwölf Monaten um. Diese Dimension unterstreicht Amazons enormes wirtschaftliches Gewicht.

So verlief die unternehmerische Erfolgsgeschichte

In den 1990er-Jahren entwickelte sich Amazon vom Online-Buchhändler zum „Everything Store“. Bezos’ kühne Idee, Bücher über das Internet zu verkaufen, sorgte mit über einer Million lieferbaren Titeln für einen sprunghaften Start. Bereits 1999 erklärte Bezos, dass Amazon langfristig „jede Art von Produkt“ anbieten wolle. Folgerichtig erweiterte Amazon das Sortiment Ende der 90er Jahre kontinuierlich um weitere Produktkategorien und wurde zum führenden E-Commerce-Anbieter jener Zeit.

Ein Meilenstein war im Jahr 2000 die Einführung des Amazon Marketplace, auf dem nun auch Drittanbieter ihre Waren verkaufen konnten. Dieses Plattformmodell vervielfachte das Angebot und band Kunden enger, während Amazon an jeder Bestellung mitverdiente. Der Marketplace wurde zu einer wichtigen Gewinnquelle und machte Amazon zum zentralen Marktplatz des Online-Handels.

Technologische Neuerungen trieben das Wachstum ebenfalls voran. 2005 startete Amazon das Abo-Programm Prime mit kostenlosem Premium-Versand – zunächst belächelt, letztlich ein Geniestreich, der Millionen Kunden band. 2006 folgte Amazon Web Services (AWS) als Cloud-Plattform für externe Kunden – aus der Pionieridee wurde ein weltweit führender Cloud-Service und neuer Gewinnbringer.

Parallel expandierte Amazon international. Ab 1998 ging der Konzern in Europa und Asien an den Start (u. a. Deutschland, UK, Frankreich, Japan) und ist heute in über 20 Ländern präsent. Nicht überall gelang der Durchbruch (in China etwa blieb er aus), doch insgesamt wuchs Amazon global. Auch Übernahmen erschlossen neue Bereiche – etwa Zappos (Schuhe), Twitch (Gaming) und Whole Foods (Lebensmittel).

In den 2010er-Jahren stieg Amazon in die Spitzengruppe der Weltkonzerne auf. 2018 überschritt die Marktkapitalisierung erstmals 1 Billion US-Dollar. Amazon reihte sich damit unter die größten Tech-Giganten (neben Apple, Microsoft, Alphabet und Meta) ein. Jeff Bezos wurde 2017 zum reichsten Menschen der Welt. Gleichzeitig wurde Amazon kulturell einflussreich – Amazon Studios gewannen etwa Film- und Serienpreise. Doch es gab auch Kritik: bezüglich harter Arbeitsbedingungen, des Umgangs mit Marktplatz-Händlern und der Marktmacht gegenüber Lieferanten. Amazons Wachstum bremste das nicht: Die COVID-19-Pandemie 2020/21 verstärkte den Trend zum Online-Shopping und bescherte Amazon zusätzliche Rekorde.

Heute steht Amazon erneut an einem Wendepunkt. Der Konzern treibt die Digitalisierung des Konsums weiter voran – mit blitzschnellen Lieferungen (Same-Day Delivery), kassenlosen Läden (Amazon Go) und dem verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Die Erfolgsgeschichte ist also noch nicht zu Ende. Amazons Aufstieg fußt auf einer einzigartigen Kombination aus Kundenfokus, Innovationsdrang, Diversifikation und konsequenter Reinvestition von Gewinnen. Mit dieser Formel hat Amazon in drei Jahrzehnten den Sprung vom Online-Buchladen zu einem globalen Technologiekonzern geschafft – eine beispiellose unternehmerische Leistung.

Wer hält die größten Anteile am Unternehmen?

Direkte Eigentümer von Amazon sind ausschließlich seine Aktionäre – es gibt keinen Mutterkonzern. Seit dem Börsengang 1997 befinden sich nur Stammaktien im Umlauf; Gründeraktien mit Mehrfachstimmrecht o. ä. existieren nicht. Die Stimmrechte entsprechen daher genau den Anteilen. Größter Aktionär ist Jeff Bezos mit etwa 10 %. Die übrigen ~90 % verteilen sich auf viele Investoren, vor allem institutionelle: So hält z. B. der Vermögensverwalter Vanguard rund 7 %, BlackRock ca. 4 % und State Street etwa 3 %. Insgesamt befinden sich über 60 % der Anteile in institutioneller Hand.

Auch CEO Andy Jassy hält kaum Aktien (< 0,1 %). Bezos’ Ex-Ehefrau MacKenzie Scott erhielt 2019 durch die Scheidung etwa 4 % der Aktien und war damit zeitweise zweitgrößte Einzelaktionärin. Seither hat sie den Großteil ihres Anteils gespendet oder verkauft; Anfang 2024 lag ihr Besitz nur noch bei rund 1,9 %.

Amazons Belegschaft hält über Aktienprogrammen ebenfalls kleine Anteile am Unternehmen. Abgesehen von den genannten Großaktionären ist der restliche Aktienbesitz breit gestreut, darunter zahllose Privatanleger. Amazon gehört damit de facto „dem Markt“. Diese vielfältige Eigentümerstruktur ist für einen Konzern dieser Größe typisch.

Fazit

Amazon befindet sich heute vollständig in Streubesitz und ist damit seinen Aktionären verpflichtet. Die Anteile liegen bei einer Vielzahl von Investoren, angeführt von Jeff Bezos (~10 %) und großen Vermögensverwaltern (zusammen ~65 %). Keine einzelne Interessengruppe hat die volle Kontrolle, was ein gewisses Gleichgewicht schafft. Bezos’ Gründergeist prägt das Unternehmen zwar noch, doch die breite Eigentümerbasis verhindert, dass ein Akteur Amazon lenken könnte. Management und Aufsichtsrat müssen vielmehr zwischen langfristiger Vision (à la Bezos) und den kurzfristigen Erwartungen des Kapitalmarkts vermitteln.

Man kann daher sagen: Amazon „gehört“ den Kräften des Marktes. Bezos und einige Großinvestoren halten zwar große Anteile, aber letztlich muss Amazon alle Eigentümer – ob groß oder klein – durch anhaltenden Erfolg überzeugen. Bezos’ Anteil schrumpfte von über 40 % beim Börsengang auf etwa 10 % heute – jede Kapitalerhöhung finanzierte Wachstum, verwässerte aber seine Besitzquote. Diese breite Eigentümerbasis ermöglichte Amazons Aufstieg zum 1,5-Billionen-Dollar-Konzern, setzt den Konzern jedoch auch permanent unter den Druck zahlreicher Investoren. Rechtlich gehört Amazon damit all seinen Aktionären – keiner Person allein. Faktisch prägen Jeff Bezos als größter Einzelaktionär und Visionär sowie große Fonds als Kapitalgeber maßgeblich die Ausrichtung des Unternehmens. Diese Konstellation hat Amazon zu einem der mächtigsten Konzerne der Welt gemacht.

Chronologische Übersicht – Eigentümerwechsel

  • 1994: Gründung durch Jeff Bezos in Seattle („Cadabra“, später Amazon)
  • 1997: Börsengang, Bezos behält > 40 %
  • 2019: Scheidung – MacKenzie Scott erhält ca. 4 %, reduziert später stark
  • 2024: Bezos ~10 %, MacKenzie Scott ~2 %, Vanguard/BlackRock zusammen ~12 %, Rest breit gestreut

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