Erstellt von Lana

VBH insolvent? Die aktuelle Situation des Bauzulieferers im Jahr 2025

VBH steht für Vereinigter Beschlaghandel. Heute ist VBH ein international tätiger Bauzulieferer, der sich auf Beschläge und Montagematerial für Fenster- und Türenbauer spezialisiert hat. Das Sortiment umfasst ein vollständiges Angebot an Produkten und Systemlösungen rund um Herstellung und Einbau von Fenstern und Türen, einschließlich eigener Marken wie greenteQ sowie Sicherheits- und Montagezubehör. Die VBH-Gruppe mit Hauptsitz in Kornwestheim/Korntal-Münchingen bei Stuttgart ist in über 20 Ländern mit Tochtergesellschaften präsent und beschäftigt weltweit rund 1.600 Mitarbeitende. Davon entfielen zuletzt etwa 450 Beschäftigte auf Deutschland. Im Jahr 2024 erwirtschaftete VBH einen Umsatz von knapp 500 Millionen Euro.

Als einer der größten Großhändler für Baubeschläge in Deutschland galt VBH lange als feste Größe in der Baubranche. Doch seit einigen Jahren geriet das Unternehmen in schwierigere Fahrwasser. Insbesondere die schwächelnde Baukonjunktur in Deutschland setzte VBH erheblich unter Druck. Die Bauwirtschaft steckt in einer handfesten Krise, Aufträge im Neubausektor brechen ein, viele Projekte werden aufgrund hoher Zinsen und Kosten gestoppt oder verschoben. Dieser Abschwung trifft zahlreiche Unternehmen der Bau- und Zulieferbranche; VBH bildet hier keine Ausnahme.

Insolvenzantrag im April 2025

Bereits seit längerem kämpfte VBH Deutschland mit finanziellen Schwierigkeiten. Sinkende Umsätze bei gleichzeitig steigenden Kosten führten zu einer angespannten Liquiditätslage. Eine schnelle Besserung des Marktumfelds war nicht in Sicht. Vor diesem Hintergrund entschied sich die Geschäftsführung Anfang 2025 zu einem drastischen Schritt.

Am 2. April 2025 stellte die VBH Deutschland GmbH beim Amtsgericht Ludwigsburg einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung. Das bedeutet, dass das Unternehmen zwar zahlungsunfähig bzw. überschuldet war, jedoch die Sanierung aus eigener Kraft unter Aufsicht des Gerichts versucht werden sollte. Das Amtsgericht stimmte dem Antrag wenig später zu. Infolgedessen erhielten die rund 450 Beschäftigten zunächst Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit, um die Löhne für drei Monate zu sichern. Der Geschäftsbetrieb lief zunächst uneingeschränkt weiter und Kunden sollten von der Insolvenzsituation vorerst nichts spüren.

Sanierung in Eigenverwaltung

Die Eigenverwaltung ist eine besondere Form des Insolvenzverfahrens, die es Unternehmen erlaubt, sich unter Führung der bestehenden Geschäftsleitung und ohne einen externen Insolvenzverwalter zu sanieren. Im Fall von VBH Deutschland blieben die Geschäftsführer Fekke van Dijk und Michael Karthaus im Amt und steuerten weiterhin das Tagesgeschäft. Unterstützt wurden sie dabei von dem Restrukturierungsexperten Rechtsanwalt Martin Mucha, dem vom Gericht Generalvollmacht erteilt wurde. Das Gericht bestellte außerdem mit Rechtsanwalt Dr. Holger Leichtle (Kanzlei GÖRG) einen vorläufigen Sachwalter, der das Verfahren fachkundig überwachte.

Diese Konstruktion sollte VBH den nötigen Freiraum geben, um in enger Abstimmung mit Gläubigern einen Sanierungsplan auszuarbeiten. Der Vorteil der Eigenverwaltung: Die unternehmerische Verantwortung verbleibt im Haus und es gibt keinen klassischen Insolvenzverwalter, der das Ruder übernimmt. Voraussetzung für dieses Verfahren ist, dass das Unternehmen rechtzeitig aktiv wird und noch Aussicht auf eine erfolgreiche Sanierung besteht. Beides sah man bei VBH Deutschland gegeben: Zum Zeitpunkt des Antrags hoffte die Geschäftsführung, das Ruder noch einmal herumreißen und VBH Deutschland wieder nachhaltig profitabel machen zu können.

Auch die Muttergesellschaft, die VBH Holding GmbH, stellte sich hinter den Sanierungsplan. Lubomir Boháč, CEO der VBH Holding, erklärte im April optimistisch, dass man zuversichtlich sei, die VBH Deutschland GmbH durch die Sanierung und Konzentration auf ertragreiche Geschäftsbereiche wieder profitabel machen zu können. Dieses Vertrauen beruhte darauf, dass nur die deutschen Aktivitäten betroffen waren. Das Auslandsgeschäft der VBH-Gruppe lief weiterhin erfolgreich und wuchs in vielen Regionen. Während der Sanierungsphase unterstützte die Holding ihre deutsche Tochter personell und finanziell, um möglichst doch noch eine Fortführungslösung zu ermöglichen.

Ursachen der finanziellen Schieflage

Der Fall VBH ist ein Beispiel dafür, wie stark die allgemeine Baukrise selbst etablierte Zulieferer in Bedrängnis bringen kann. Bereits vor dem Insolvenzantrag hatte VBH Deutschland mit rückläufigen Geschäften zu kämpfen. Wie das Unternehmen selbst mitteilte, waren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Baubranche seit längerem herausfordernd, und eine rasche Besserung war nicht abzusehen. Seit Jahren sanken die Umsätze, während Kosten etwa für Material, Energie und Personal stiegen. Diese Entwicklung drückte die Margen. Hinzu kam 2023/2024 der Einbruch im Neubau: Steigende Zinsen, Inflation und unsichere Förderbedingungen führten zu einem Rückgang bei Wohnungsbau-Projekten, was die gesamte Zulieferindustrie belastete.

Als Großhändler war VBH zudem vom harten Wettbewerb und Margendruck betroffen. Viele Kunden, etwa Fenster- und Türenbauer oder Baubetriebe, litten selbst unter Auftragsflaute und Kostendruck, was sich in geringeren Bestellmengen niederschlug. VBH versuchte gegenzusteuern, etwa durch Kostenreduzierungen und neue Serviceangebote, doch die Schere zwischen Umsatz und Aufwand ließ sich nicht mehr schließen. Diese Faktoren führten schließlich zur finanziellen Schieflage, die den Insolvenzantrag notwendig machte.

Gescheiterte Investorensuche und geplante Abwicklung

Der insolvente Bauzulieferer VBH Deutschland GmbH muss seinen Geschäftsbetrieb zum 31. Dezember 2025 schrittweise einstellen. Trotz monatelanger Gespräche mit möglichen Investoren konnte keine tragfähige Lösung zur Weiterführung des Unternehmens gefunden werden. Am 6. August 2025 informierte die Geschäftsleitung die Belegschaft über das bevorstehende Aus für VBH Deutschland. Damit steht fest: Nach über 45 Jahren Präsenz verabschiedet sich VBH aus dem deutschen Markt.

Diese Entscheidung markiert das Scheitern des Sanierungsversuchs. Noch am 1. Juli 2025 hatte das Amtsgericht Ludwigsburg das offizielle Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. In der Zwischenzeit hatten die Geschäftsführer Fekke van Dijk und Michael Karthaus gemeinsam mit Generalbevollmächtigtem Martin Mucha intensiv nach Investoren gesucht. Zur Diskussion standen sowohl eine Übernahme des gesamten Unternehmens als auch der Verkauf einzelner Unternehmensteile. Parallel wurden Alternativszenarien für eine geordnete Abwicklung vorbereitet. Leider führten all diese Bemühungen zu keinem Erfolg: Kein Interessent war bereit, VBH Deutschland zu übernehmen.

Angesichts dieser Lage blieb nur der geordnete Rückzug. Geschäftsführer Fekke van Dijk erklärte, dass man keine langfristig tragfähige Lösung für die VBH Deutschland GmbH finden konnte und das Unternehmen daher zum 31. Dezember 2025 stilllegen müsse. Bis Ende Oktober 2025 nimmt VBH Deutschland noch Bestellungen der Kunden an und will diese wie gewohnt ausliefern. Anschließend sollen die Lagerbestände kontrolliert abverkauft werden, um den Kunden einen geordneten Übergang zu anderen Anbietern zu ermöglichen. Zum Jahresende schließlich wird der Geschäftsbetrieb vollständig eingestellt und VBH Deutschland abgewickelt.

Auswirkungen auf Mitarbeiter und Kunden

Die Schließung von VBH Deutschland trifft vor allem die Belegschaft hart. Rund 450 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Für sie wird derzeit ein Sozial- und Kompensationspaket verhandelt, um die Folgen etwas abzumildern. Geschäftsführung und Betriebsrat befanden sich im August 2025 in fortgeschrittenen Verhandlungen über Abfindungen und Unterstützung für die betroffenen Mitarbeiter, mit dem Ziel, bis spätestens Ende August eine Einigung zu erzielen. Geschäftsführer Bernd Grupp dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ausdrücklich für ihr Engagement, besonders in den schwierigen Monaten des Sanierungsverfahrens, und versprach, den Abbau sozialverträglich zu gestalten.

Auch Kunden und Lieferanten von VBH Deutschland werden die Auswirkungen spüren. Für langjährige VBH-Kunden, viele Fenster- und Türenbauer, bedeutet die Abwicklung, dass sie sich neue Lieferquellen suchen müssen. VBH hat angekündigt, bestehende Aufträge bis Jahresende zu erfüllen und in den kommenden Monaten eine Übergangszeit zu gestalten. Man will den Kunden helfen, schrittweise zu anderen Marktteilnehmern zu wechseln, bevor VBH die Tore schließt. Der geordnete Abverkauf der Warenlager soll sicherstellen, dass kein Baustopp entsteht und die Branche die Lücke auffangen kann. Für Lieferanten bedeutet die Insolvenz den Verlust eines wichtigen Vertriebspartners. Einige müssen nun alternative Absatzwege in Deutschland finden. VBH unterstützt dabei mit frühzeitiger Kommunikation und Kooperation, um Chaos in der Lieferkette zu vermeiden.

Branchenbeobachter sehen im Aus von VBH Deutschland ein alarmierendes Signal. Die Krise im Bausektor fordert damit ein weiteres prominentes Opfer. Zuvor hatten bereits andere Unternehmen der Bauzulieferindustrie Insolvenzanträge gestellt oder Restrukturierungen eingeleitet. Für Handwerksbetriebe und Bauunternehmen bedeutet der Wegfall von VBH zumindest kurzfristig eine weitere Herausforderung. Mittelfristig könnten jedoch Wettbewerber einspringen und die Versorgung sicherstellen, zumal VBH selbst einen koordinierten Übergang fördert.

VBH im Ausland weiterhin erfolgreich

Wichtig zu betonen ist, dass die Insolvenz ausschließlich die VBH Deutschland GmbH betrifft. Die internationalen Tochtergesellschaften der VBH-Gruppe sind von dem Verfahren nicht berührt. Im Gegenteil: In ihren Auslandsregionen ist die VBH-Gruppe erfolgreich tätig und befindet sich auf Wachstumskurs. Das Auslandsgeschäft trug einen erheblichen Teil zum Umsatz von 500 Millionen Euro bei und läuft trotz der Schwierigkeiten in Deutschland stabil weiter. So gesehen bedeutet das Aus in Deutschland nicht das komplette Ende der Marke VBH.

Die VBH Holding hat signalisiert, dass man sich nun verstärkt auf die profitablen Auslandsmärkte konzentrieren werde. Es ist durchaus möglich, dass einzelne Geschäftsbereiche oder Produkte von VBH Deutschland im Ausland fortgeführt oder an Partner übertragen werden. Beispielsweise könnten bestimmte Eigenmarken-Produkte wie greenteQ weiterhin international verkauft werden. Dennoch: Der Rückzug vom deutschen Markt bedeutet einen erheblichen Einschnitt. VBH verliert seine Heimatbasis, was auch symbolisch für die Schwere der Baukrise in Deutschland steht.

Fazit: Steht VBH vor der Pleite?

Ist VBH nun pleite? Diese Frage kann nicht pauschal mit Ja oder Nein beantwortet werden, sondern benötigt eine Differenzierung. VBH Deutschland, die deutsche Landesgesellschaft des Konzerns, ist insolvent und wird zum Jahresende 2025 abgewickelt. Trotz aller Sanierungsbemühungen ließ sich die Zahlungsunfähigkeit nicht beseitigen, und ein geeigneter Investor wurde nicht gefunden. Damit ist VBH Deutschland faktisch von der Pleite betroffen, das Unternehmen hört in Deutschland auf zu existieren. Die Frage, ob VBH pleite ist, muss für die deutsche Einheit also bejaht werden. Zahlungsschwierigkeiten hatten sich bereits seit längerem angedeutet, und nun ist klar, dass VBH Deutschland den Geschäftsbetrieb einstellen muss.

Allerdings bedeutet dies keine komplette Pleite der VBH-Gruppe. International gehen die Geschäfte weiter, und die ausländischen Tochtergesellschaften sind weiterhin solvent und aktiv. Die Marke VBH wird außerhalb Deutschlands fortleben, und die VBH Holding hofft, in diesen Märkten die Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben. Es ist also nicht die gesamte Firma VBH global in Auflösung, sondern nur der deutsche Ableger, der der anhaltenden Bauflaute zum Opfer fällt.

Für die deutschen Kunden und Mitarbeiter ist diese Unterscheidung nur ein schwacher Trost. Fakt ist: VBH Deutschland ist zahlungsunfähig und sieht keine Zukunftsperspektive mehr, weshalb die geordnete Abwicklung erfolgt. Von einer vorübergehenden Zahlungsschwierigkeit kann nicht mehr die Rede sein, das Unternehmen ist insolvent und scheidet aus dem Markt aus. Andere Marktteilnehmer werden die Lücke schließen müssen. Die Aussage nach heutigem Stand lautet also klar: Ja, VBH Deutschland ist von einer Pleite betroffen, das Unternehmen befindet sich im Insolvenzverfahren und wird zum Jahresende geschlossen. Die VBH-Gruppe an sich bleibt indes bestehen und konzentriert sich künftig auf das Auslandsgeschäft, wo bessere Perspektiven bestehen.

Der Bauzulieferer VBH in Deutschland steckt in akuten Zahlungsschwierigkeiten und hat im April 2025 Insolvenz angemeldet. Ein Sanierungsversuch in Eigenregie scheiterte; mangels Investor wird der Geschäftsbetrieb Ende 2025 eingestellt. Rund 450 Mitarbeiter verlieren ihren Job, Kunden müssen sich neue Lieferanten suchen. VBH Deutschland ist somit insolvent und tatsächlich pleite, auch wenn die internationale VBH-Gruppe außerhalb Deutschlands weiter existiert und wirtschaftet.

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