Erstellt von Lana

Simplon insolvent? Steht der Fahrradhersteller vor der Pleite?

In den vergangenen Monaten machten Gerüchte und Berichte die Runde, dass der Vorarlberger Premium-Fahrradhersteller Simplon in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten stecke. Besonders das Wort Insolvenz fällt immer wieder im Zusammenhang mit dem Traditionsunternehmen. Doch wie ist die Lage wirklich? Ist Simplon zahlungsunfähig, von einer Insolvenz bedroht oder konnte die Firma gerettet werden? Dieser ausführliche Überblick fasst die aktuelle Situation im Jahr 2025 zusammen und klärt, ob Simplon vor der Pleite steht.

Hintergrund: Ein Traditionsunternehmen in Turbulenzen

Simplon ist kein Neuling in der Fahrradbranche. Das Unternehmen wurde 1961 in Hard am Bodensee gegründet und hat sich auf hochwertige Premium-Fahrräder spezialisiert. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich der Familienbetrieb zu einem stattlichen Unternehmen mit breiter Produktpalette, inklusive E-Bikes. Heute zählt Simplon nach der KTM Fahrrad GmbH als der zweitgrößte Fahrradhersteller Österreichs. Umso überraschender kamen Ende 2024 Meldungen auf, dass ausgerechnet diese renommierte Marke ins Straucheln geraten war.

Die Nachricht von Simplons Insolvenzantrag schlug in der Öffentlichkeit Anfang Oktober 2024 ein wie eine Bombe. Die österreichische Presse sprach von einem regelrechten Knalleffekt, als bekannt wurde, dass der bekannte Radproduzent zahlungsunfähig ist. Auch große Medien berichteten umgehend über die Insolvenz und die hohe Schuldenlast. In Fachkreisen der Radbranche wurde Simplons Schieflage aufmerksam verfolgt – galt die Marke doch trotz aller Marktschwächen als Leuchtturm im Premium-Segment.

Bereits im Laufe des Jahres 2023 hatte sich die Marktlage eingetrübt. Nach den Boom-Jahren während der Corona-Pandemie schlitterte die Fahrradbranche insgesamt in eine Krise. Die Verkaufszahlen erreichten 2022 zwar Rekordwerte, doch 2023 flaute die Nachfrage plötzlich ab. Händler blieben auf vollen Lagern sitzen, während gleichzeitig Lieferkettenprobleme, Inflation und harter Wettbewerb für Preisdruck sorgten. Viele Fahrradfirmen kämpften mit Umsatzrückgängen und Überbeständen. Diese Entwicklung machte auch vor Simplon nicht halt.

Branchenkrise und erste Gegenmaßnahmen

Die Krise forderte zahlreiche Opfer in der Fahrradindustrie. Anfang 2024 rutschte etwa der britische Kult-Bikebauer Orange Bikes in die Insolvenz. In Deutschland meldete der Direktversender YT Industries im Juli 2025 Insolvenz an, nachdem ein Investor dort die Finanzierung entzogen hatte. Auch weitere Unternehmen – von polnischen Gravelbike-Marken bis hin zu E-Bike-Start-ups – gerieten ins Straucheln. Vor diesem Hintergrund ist der Fall Simplon Teil einer größeren Entwicklung: Nach den Boomjahren folgte in Europa eine Insolvenzwelle in der Fahrradbranche.

Der damalige Simplon-Geschäftsführer Jakob Luksch schlug bereits 2023 einen strikten Sparkurs ein und setzte Restrukturierungsmaßnahmen um. So wurden beispielsweise Teile des Produktportfolios erneuert und Kosten, auch Personalkosten, deutlich gesenkt, um das Unternehmen zu stabilisieren. Doch all diese Anstrengungen reichten nicht aus, um den Sturm zu überstehen.

Insolvenzantrag und Sanierungsverfahren im Herbst 2024

Im September 2024 war es schließlich so weit: Simplon sah keinen anderen Ausweg mehr und stellte beim Landesgericht Feldkirch einen Insolvenzantrag. Zugleich beantragte das Management die Eröffnung eines Sanierungsverfahrens mit Eigenverwaltung. Das bedeutet, dass die Geschäftsführung unter Aufsicht des Gerichts die Sanierung selbst in die Hand nehmen darf, anstatt alle Zügel aus der Hand zu geben. Dieses Verfahren sollte dem Unternehmen eine Atempause verschaffen, um einen Sanierungsplan umzusetzen und mögliche Investoren ins Boot zu holen.

Die Zahlen, die zu diesem Zeitpunkt bekannt wurden, zeichneten ein drastisches Bild: Die Verbindlichkeiten der Simplon Fahrrad GmbH beliefen sich auf rund 44,5 Millionen Euro. Ein Großteil dieser Schulden entfiel auf Bankkredite, zudem waren etliche Lieferanten unter den insgesamt 228 Gläubigern. Dem gegenüber standen Vermögenswerte von etwa 33,2 Millionen Euro – zu Liquidationswerten sogar nur rund 7,3 Millionen Euro. Insgesamt waren rund 155 Mitarbeiter von der Krise betroffen. Dennoch war das vorrangige Ziel, eine Zerschlagung zu vermeiden und den Traditionsbetrieb fortzuführen. Den Gläubigern wurde im Sanierungsverfahren ein Vergleich angeboten: Sie sollten innerhalb von zwei Jahren 30 Prozent ihrer Forderungen erhalten. Diese vergleichsweise geringe Quote verdeutlicht die Ernsthaftigkeit der Lage, sie war nur attraktiv, weil gleichzeitig die Fortführung des Unternehmens in Aussicht gestellt wurde.

Gründe für die finanzielle Schieflage gab es mehrere. Simplon selbst berichtete von einem branchenweiten Absatzrückgang von etwa 30 Prozent im Frühjahr 2024. Ein ungewöhnlich langer Winter und verregneter Frühling führten zu einem sehr späten Saisonstart, der die wichtigsten Verkaufsmonate für Fahrräder schrumpfen ließ. Gleichzeitig waren die Lager bei vielen Händlern nach dem Pandemie-Boom übervoll. Simplon blieb somit auf seinen Produkten sitzen, während sich die Konkurrenz mit Rabatten überbot. Diese Kombination aus Nachfragedelle und Überangebot brachte erhebliche Umsatzeinbußen, mit denen in dieser Größenordnung nicht gerechnet worden war. Dazu kamen hohe Kosten durch die Inflation und ein intensiver Preiskampf in der Branche. Kurz: Das Unternehmen geriet in einen perfekten Sturm, der schließlich den Gang zum Insolvenzgericht notwendig machte.

Trotz der brisanten Lage bestand noch Hoffnung. Der Insolvenzantrag bedeutete nicht das sofortige Aus, sondern sollte Zeit schaffen. Laut Simplon befand man sich bereits seit einiger Zeit in Gesprächen mit potenziellen Investoren, die Interesse an der renommierten Marke zeigten. Die laufenden Verhandlungen konnten während des Sanierungsverfahrens fortgeführt werden, da durch diesen Schritt der operative Betrieb vorerst abgesichert war und die Zahlungsfähigkeit stabilisiert werden konnte. Auch die Belegschaft zeigte sich motiviert, den Sanierungskurs mitzutragen. Die Eigentümer der Simplon Holding unterstützten den eingeschlagenen Weg und hofften auf einen baldigen Investoreneinstieg.

Rettung in letzter Minute: Investor übernimmt Simplon

Die kritischen Monate vergingen nicht ohne Gerüchte, doch Ende 2024 folgte schließlich die erlösende Nachricht: Simplon ist gerettet. Am 12. Dezember 2024 verkündete das Unternehmen den erfolgreichen Abschluss des Sanierungsverfahrens und die Übernahme durch einen neuen Eigentümer. Der Wiener Finanzinvestor SOL Capital Management steigt bei Simplon ein und übernimmt die Traditionsmarke vollständig. Diese Übernahme ist mit einer Kapitalspritze verbunden, um Simplon finanziell wieder handlungsfähig zu machen und die Zukunft des Unternehmens zu sichern.

Für Simplon bedeutet dies vor allem: Die Arbeitsplätze bleiben erhalten und der Produktionsstandort Vorarlberg ist gesichert. Rund 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können aufatmen, ihre Jobs sind nun langfristig geschützt. SOL Capital machte deutlich, dass man fest zur Fertigung in Österreich steht und die Marke weiterentwickeln will. Der neue Eigentümer betont, dass Simplon als Leitbetrieb tief in Vorarlberg verwurzelt sei und dass Firmensitz sowie Produktion in Österreich erhalten bleiben sollen. SOL Capital will gezielt in die Stärkung der Marke investieren und die Expansion auf dem europäischen wie internationalen Fahrradmarkt vorantreiben.

Mit dem Investor wechselte auch das Management: Der bisherige Geschäftsführer Jakob Luksch verließ das Unternehmen, nachdem er die Sanierung über 18 Monate lang vorangetrieben hatte. Neuer starker Mann an der Spitze ist Christoph Mannel, ein ehemaliger Accell-Manager, der als CEO und Co-Investor bei Simplon einsteigt. Mannel bringt langjährige Erfahrung aus der Fahrrad- und Sportartikelbranche mit und soll Simplon nun auf Wachstumskurs führen. Unterstützt wird er von SOL-Managing Partner Dr. Paul Niederkofler, der ebenfalls ein Turnaround-Experte ist. Niederkofler betonte, Simplon habe einen exzellenten Ruf im Premium-Segment und dieses Potenzial wolle man gemeinsam nutzen. Er zeigte sich erfreut darüber, eine österreichische Lösung gefunden zu haben, statt die Firma an ausländische Investoren zu verkaufen.

Die Übernahme stand zunächst noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und der formellen Bestätigung des Sanierungsplans durch das Gericht. Doch diese Hürden wurden rasch genommen: Der Sanierungsplan wurde von den Gläubigern einstimmig angenommen und vom Gericht bestätigt. Simplon war damit de facto entschuldet, zumindest zu 70 Prozent der ursprünglichen Schuldenlast, und konnte mit frischem Kapital neu starten. Die ersten öffentlichen Worte des neuen Managements machten deutlich, wie erleichtert alle Beteiligten waren: Nun ist der richtige Zeitpunkt, um nach vorne zu blicken und Simplon mit vereinten Kräften in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

Neustart und aktuelle Situation 2025

Mit dem Einstieg des Investors und dem Abschluss des Sanierungsverfahrens war die akute Krise bei Simplon Anfang 2025 überstanden. Das Unternehmen kommunizierte im Februar 2025 einen Neustart und präsentierte gleich eine Modelloffensive: Ein rundum erneuertes Produktportfolio für die Saison 2025 sollte zeigen, dass Simplon wieder voll handlungsfähig ist. Mehr als die Hälfte aller Modelle werde bis Ende 2025 auf den neuesten Stand gebracht sein, hieß es. Tatsächlich stellte Simplon neue E-Bikes und Gravel-Bikes vor und knüpfte damit an seine Innovationskraft an, für die die Marke bekannt ist.

Trotz der Insolvenzanmeldung 2024 ist Simplon nicht vom Markt verschwunden. Ganz im Gegenteil – das Unternehmen existiert weiter und verfolgt nun mit dem neuen Eigentümer eine klare Strategie. Die Frage „Steht Simplon vor der Pleite?“ lässt sich daher zum jetzigen Zeitpunkt klar verneinen. Simplon ist aktuell nicht von einer Zahlungsunfähigkeit bedroht, nachdem die Sanierung erfolgreich abgeschlossen wurde und ein finanzkräftiger Investor an Bord ist. Die dramatischen Meldungen aus dem Herbst 2024 sind durch die Ereignisse der Folgemonate relativiert worden. Aus der formellen Insolvenz in Eigenverwaltung wurde ein geordneter Übergang in eine neue Eigentümerstruktur – ohne dass der Geschäftsbetrieb eingestellt wurde.

Natürlich bleibt die Fahrradbranche 2025 ein herausforderndes Pflaster. Die Marktlage hat sich zwar etwas stabilisiert, doch von den Boomzeiten ist man weit entfernt. Einige andere Bike-Unternehmen mussten tatsächlich Insolvenz anmelden oder stehen weiterhin auf wackligen Beinen. Simplon jedoch ist ein Positivbeispiel dafür: Inmitten vieler Firmenpleiten ist auch eine erfolgreiche Sanierung möglich. Simplon zeigt, dass eine Insolvenz nicht zwangsläufig das Aus bedeuten muss. Durch das Sanierungsverfahren und den Investor konnte die Firma einen Neustart aus der Krise hinlegen. Branchenbeobachter sehen Simplon sogar wieder auf einem vorsichtigen Wachstumskurs. Konkret baut Simplon in Kooperation mit einem Partner in Rumänien einen zweiten Produktionsstandort auf, um zusätzliche Kapazitäten zu schaffen und künftig Auftragsspitzen besser abdecken zu können. Gleichzeitig bleibt die Zentrale in Hard mit Forschung, Entwicklung und einem erheblichen Teil der Fertigung erhalten – der Standort Vorarlberg wird also nicht aufgegeben. Diese Schritte unterstreichen, dass Simplon wieder nach vorne schaut und auf eine nachhaltige Zukunft setzt.

Fazit: Keine akute Pleitegefahr bei Simplon

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Simplon war insolvent, ist aber nicht pleite. Das Unternehmen geriet 2024 in eine ernste Liquiditätskrise und musste Insolvenz in Form eines Sanierungsverfahrens anmelden. Doch dank frühzeitiger Sanierungsmaßnahmen, intensiver Investorensuche und schließlich der Übernahme durch SOL Capital konnte die drohende Pleite abgewendet werden. Simplon hat alle notwendigen Schritte unternommen, um die finanzielle Basis zu stärken – inklusive Schuldenreduktion und frischem Kapital.

Aktuell, Stand Ende 2025, ist Simplon nicht von einer Insolvenz bedroht, sondern befindet sich im Gegenteil im Aufbruch. Die Marke bleibt am Markt präsent, die Produktion läuft weiter und das Produktprogramm wird modernisiert. Die rund 140 Arbeitsplätze sind gesichert, und mit Unterstützung des Investors hat Simplon wieder Perspektiven für Wachstum. Natürlich wird das Unternehmen auch in Zukunft vorsichtig agieren müssen, denn die Rahmenbedingungen der Fahrradbranche bleiben anspruchsvoll. Doch die entscheidende Botschaft lautet: Simplon ist weiterhin am Leben und radelt weiter. Die Insolvenz war für Simplon kein Endpunkt, sondern, so paradox es klingt, der Startschuss für einen Neuanfang.

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