Die Wohnmobil- und Campervan-Vermietbranche erlebte zuletzt turbulente Zeiten. Im Herbst 2024 erschütterte eine Pleitewelle die Branche: Gleich mehrere Anbieter mussten Insolvenz anmelden. Kurz darauf folgten auch etabliertere Unternehmen wie Klinke Caravaning oder Freeway Camper, trotz voller Fahrzeughöfe fehlte plötzlich das Geld, um die großen Flotten zu finanzieren. Diese Insolvenzen trafen viele Kunden unvorbereitet: Wer bereits ein Wohnmobil gebucht und angezahlt hatte, blieb oft auf seinen Kosten sitzen, da Vorauszahlungen Teil der Insolvenzmasse wurden.
Die Ursachen sind vielfältig, doch ein zentraler Faktor war der vorangegangene Boom. Während der Corona-Pandemie schnellten Nachfrage und Buchungen in die Höhe. Viele Unternehmen stockten ihre Flotten in kürzester Zeit massiv auf, oft finanziert durch billig verfügbares Kapital und in Erwartung dauerhaft steigender Nachfrage. Doch ab 2022 änderte sich das Umfeld: Lieferkettenprobleme und Produktionsstaus führten zu verspäteten und teureren Fahrzeuglieferungen. Gleichzeitig ließen die Buchungszahlen nach, während die Zinsen stark stiegen. Plötzlich standen Vermieter auf großen Fuhrparks, die kaum mehr refinanzierbar waren.
Markus Dickhardt, Gründer des Vermieters Roadsurfer, beschreibt die Situation so: Wir mussten das Dreifache für Fahrzeugraten zahlen, während die Kundennachfrage nachließ. Hinzu kam die Saisonalität des Geschäfts: Der lange Winter 2024/25 wurde vielen zum Verhängnis, da monatelang Einnahmen fehlten, aber Zins- und Leasingkosten weiterliefen. Viele Unternehmen haben den Winter schlichtweg nicht überlebt, konstatiert der Caravaning-Branchenverband DCHV nüchtern. Einige Firmen konnten in letzter Minute Investoren oder Käufer finden, doch etliche wurden liquidiert, mit schmerzhaften Folgen für ihre Kunden.
Branchenkenner sprechen rückblickend von einer Marktkorrektur. Der Campingmarkt wächst stabil, aber nicht exponentiell, erklärt DCHV-Geschäftsführerin Ariane Finzel und kritisiert, viele Start-ups hätten auf unhaltbares Hyperwachstum gesetzt. Dickhardt von Roadsurfer ergänzt: Es ist kein Nachfrageproblem, es ist ein Problem falscher Erwartungen und zu optimistischer Finanzierungsmodelle. In der Tat ist die Nachfrage nach Campingreisen weiterhin vorhanden – doch Geschäftsmodelle müssen an realistischere Wachstumsraten und saisonale Schwankungen angepasst werden. Wer diese Durststrecke übersteht, kann sogar profitieren. Übriggebliebene Anbieter könnten von günstigeren Fahrzeugpreisen und weniger Konkurrenz profitieren.
Vor diesem Hintergrund stellen sich viele die Frage: Wie steht es um Roadsurfer? Könnte auch das bekannte Camper-Startup in Zahlungsschwierigkeiten geraten oder hat es die Krise unbeschadet überstanden?
Roadsurfer ist ein 2016 in München gegründetes Unternehmen, das sich rasant zum Marktführer im Bereich Camper-Reisen entwickelt hat. Das Geschäftsmodell umfasst nicht nur die klassische Campervan-Vermietung, sondern auch Wohnmobil-Abos sowie den Verkauf gebrauchter Campervans. Zudem betreibt Roadsurfer mit der Plattform Roadsurfer Spots einen Marktplatz für Stellplätze, was zusätzliche Einnahmequellen schafft.
Aktuell ist Roadsurfer international präsent und wächst weiter. Das Startup betreibt über 90 Standorte in 16 Ländern, darunter Deutschland, aber auch Fernziele wie die USA und Kanada. Die Flotte umfasst rund 10.000 Camper-Fahrzeuge namhafter Marken. Schon vor dem Saisonstart 2025 kündigte Roadsurfer ehrgeizige Ziele an: Man plane, die Fahrzeugflotte weiter auszubauen und den Umsatz um 30 Prozent zu steigern. Konkret visiert das Unternehmen für 2025 einen Jahresumsatz von rund 210 Millionen Euro an. Zum Vergleich: Viele insolvente Wettbewerber operierten mit deutlich kleineren Flotten und meist nur national.
Während andere Anbieter ums Überleben kämpfen, setzt Roadsurfer weiter auf Expansion. Besonders das Ausland steht im Fokus: In den USA ist Roadsurfer schon seit 2022 aktiv und betreibt Stationen in Los Angeles, Las Vegas und San Francisco. Im Jahr 2025 kamen vier neue Standorte hinzu, etwa in Seattle, Denver, Salt Lake City und Phoenix, um der wachsenden Nachfrage europäischer Kunden nach Nordamerika-Reisen gerecht zu werden. Aber auch in Europa wächst das Netz: Allein in Deutschland wurden 2025 mehrere neue Mietstationen eröffnet, ebenso expandierte Roadsurfer in Österreich, der Schweiz und Frankreich. Diese Internationalisierung hilft, saisonale Schwankungen abzufedern, etwa durch eine Auslastung der Camper in wärmeren Regionen während des europäischen Winters.
Trotz des Expansionskurses blieb Roadsurfer von den Branchenschwierigkeiten nicht völlig unberührt. Auch CEO Markus Dickhardt räumt ein, dass steigende Zinsen und Kosten eine Belastung darstellten. Doch anstatt in eine Liquiditätskrise zu geraten, hat Roadsurfer frühzeitig für finanzielle Rückendeckung gesorgt. Gleich zwei große Finanzierungsrunden innerhalb weniger Monate haben dem Unternehmen 2025 erhebliche Mittel verschafft, um weiter operieren zu können.
Im Februar 2025 investierte das Londoner Investmentunternehmen Avellinia Capital 30 Millionen Euro in Roadsurfer. Mit diesem Kapital sollte die Flotte von rund 8.500 auf etwa 10.000 Fahrzeuge aufgestockt werden. Laut Unternehmensangaben deckte diese Finanzierung sämtliche geplanten Fahrzeuginvestitionen für 2025 ab und ermöglichte die Expansion, ohne zusätzliches Eigenkapital aufbringen zu müssen.
Im August 2025 gab Roadsurfer den Abschluss einer weiteren Finanzierung über insgesamt 85 Millionen Euro bekannt. Diese Summe setzt sich aus einer ABS-Finanzierung über 60 Millionen Euro, bereitgestellt von der Macquarie Group, sowie 25 Millionen Euro Venture Debt von der spanischen Bank BBVA zusammen. Das Kapital dient dazu, die Flotte weiter auszubauen und die internationale Skalierung voranzutreiben. Gleichzeitig soll damit die digitale Weiterentwicklung des Unternehmens, etwa die Optimierung der Buchungsplattform und der Stellplatz-App, finanziert werden.
Diese Finanzspritzen unterstreichen das Vertrauen, das Kapitalgeber in Roadsurfers Geschäftsmodell setzen. Markus Dickhardt betont, dass diese Finanzierungsrunden das Vertrauen der Partner in das Geschäftsmodell widerspiegeln. Anders als man es bei einem insolvenzbedrohten Unternehmen erwarten würde, erhält Roadsurfer zusätzliche Kredite und Investitionen, anstatt Zahlungsstockungen hinnehmen zu müssen. Die frische Liquidität verschafft dem Unternehmen Luft, um laufende Kosten zu bedienen und gleichzeitig weiter in neue Märkte zu investieren.
Angesichts all dieser Entwicklungen lässt sich die eingangs gestellte Frage klar beantworten: Nach derzeitigem Stand ist Roadsurfer nicht von einer Insolvenz bedroht. Weder gibt es öffentliche Hinweise auf akute Zahlungsschwierigkeiten, noch Anzeichen für ein Insolvenzantragsverfahren. Im Gegenteil: Das Unternehmen expandiert und verfügt dank der jüngsten Finanzierungsrunden über erhebliche Mittel, um die kommenden Saisons zu bestreiten. Während Konkurrenten wie Roadfans und Off im vergangenen Jahr kapitulieren mussten, geht Roadsurfer gestärkt aus der Krise hervor. Das Münchner Startup konnte Investoren von seinem Konzept überzeugen und hat seinen Status als einer der führenden Camper-Anbieter weiter gefestigt.
Natürlich bleibt die Branche anspruchsvoll. Die hohen Zinsen und die Winterflaute stellen weiterhin ein Risiko dar, und nachhaltiger Erfolg wird davon abhängen, wie gut Roadsurfer sein Wachstum managt. Branchenexperten raten generell zu mehr Vorsicht: Für 2025 gelte es, Tempo rauszunehmen und solide statt spektakulär zu wirtschaften. Roadsurfer allerdings verfolgt einen ambitionierten Expansionsplan. Dank globaler Präsenz und diversifiziertem Geschäftsmodell hat das Unternehmen jedoch bessere Karten, die Saisonabhängigkeit auszugleichen. Zudem könnte Roadsurfer von der Marktbereinigung profitieren: Viele Kunden ehemaliger Wettbewerber dürften nun auf Roadsurfer ausweichen, und überschüssige Fahrzeuge am Markt sind günstig zu haben.
Unterm Strich zeichnet sich folgendes Bild: Roadsurfer ist aktuell weder zahlungsunfähig noch von der Pleite bedroht, sondern wächst weiter. Die Führung des Unternehmens scheint die Lehren aus der Branchenkrise zu kennen, man sicherte sich rechtzeitig Kapital und setzt auf Internationalisierung, um Risiken zu streuen. Für Camper-Reisende und Kunden besteht daher momentan kein Grund zur Annahme, dass Roadsurfer kurzfristig ausfallen könnte. Im Gegenteil, das Unternehmen startet mit voller Flotte und finanzieller Rückendeckung in die kommende Urlaubssaison. Nach heutigem Wissensstand ist Roadsurfer weit entfernt von einer Insolvenz. Die aktuellen Fakten sprechen eine deutliche Sprache: Roadsurfer steht stabil und baut seine Position in der Camping-Branche weiter aus.
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