letzte Aktualisierung: Okt. 2025
Gärtner Pötschke, ein traditionsreicher Versandhändler für Gartenbedarf aus Kaarst, hat erneut Insolvenz angemeldet. Bereits am 2. Juni 2025 stellte das über 110 Jahre alte Unternehmen beim Amtsgericht Düsseldorf einen Insolvenzantrag. Es ist das dritte Mal seit 2019, dass Gärtner Pötschke zahlungsunfähig ist. Viele stellen sich nun die Frage, ob das Unternehmen diesmal endgültig vor dem Aus steht oder ob noch Rettung in Sicht ist. Aktuell laufen die Geschäfte zwar vorerst weiter, doch die Zeichen deuten auf eine finale Abwicklung bis Ende des Jahres hin.
Klare Antwort: Nach derzeitigem Stand ist Gärtner Pötschke tatsächlich von der Pleite bedroht, mehr noch, die Schließung des Traditionsunternehmens bis Jahresende 2025 ist bereits beschlossen. Was hat zu dieser Entwicklung geführt und warum konnte die Firma trotz verschiedener Rettungsversuche nicht stabilisiert werden? Im Folgenden fassen wir die Hintergründe der Insolvenz und die aktuelle Situation zusammen.
Gärtner Pötschke wurde 1912 gegründet und gilt als eines der ältesten Versandhäuser Deutschlands. Über Jahrzehnte hinweg war der Pflanzenversender mit seinen bunten Katalogen eine Institution. Millionen Haushalte bestellten Blumen, Samen und Gartenzubehör bei Pötschke. Doch die glorreichen Zeiten liegen lange zurück. Bereits 2019 geriet das Familienunternehmen erstmals in die Insolvenz. Damals sprang die Düsseldorfer Droege Group als Investor ein und führte den Betrieb weiter. Dennoch gelang es nicht, das Geschäft nachhaltig zu sanieren.
2024 folgte die zweite Insolvenz, ausgelöst durch Schwierigkeiten bei der Muttergesellschaft Weltbild. Erneut wurde Gärtner Pötschke gerettet und weitergeführt, diesmal direkt unter dem Dach der Droege Group. Doch der erhoffte Erfolg blieb aus. Im Juni 2025 dann der nächste Rückschlag: Gärtner Pötschke stellte zum dritten Mal binnen sechs Jahren einen Insolvenzantrag. Diese dritte Insolvenz, die zweite unter Droege-Führung, markiert nun den Tiefpunkt einer jahrelangen Abwärtsspirale.
Mitarbeiter und Kunden: Zuletzt beschäftigte Gärtner Pötschke rund 138 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Viele von ihnen sind seit Jahrzehnten im Betrieb und identifizieren sich stark mit der Traditionsmarke. Entsprechend groß sind Schock und Unsicherheit: Die Belegschaft bangt um ihre Jobs und hoffte zunächst auf eine Fortführung des Betriebs. Für die treuen Kunden bedeutete die Insolvenz die Sorge, ob laufende Bestellungen noch ausgeführt werden – gerade in der Gartensaison. Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Christian Holzmann versicherte jedoch zunächst, dass der Versandhandel vorerst weiterläuft. Mithilfe der Insolvenzgeld-Vorfinanzierung konnten Gehälter und Betrieb bis auf Weiteres gesichert werden, während die Suche nach Investoren anlief.
Was hat dazu geführt, dass ein über 100 Jahre altes Unternehmen mit bekanntem Namen derart in die Krise rutschte? Laut Insolvenzverwalter Holzmann kamen mehrere ungünstige Faktoren zusammen:
Diese Mischung aus hausgemachten Problemen und äußeren Faktoren trieb Gärtner Pötschke in die Zahlungsunfähigkeit. Besonders kritisch: Kurz vor der Insolvenz hatte ein Sohn des Droege-Gründers, als neuer Geschäftsführer geholt, um das Ruder rumzureißen, überraschend das Handtuch geworfen. Sein Rückzug, nur wenige Tage vor Insolvenzanmeldung, war ein alarmierendes Signal für die finanzielle Schieflage.
Die Droege Group, ein Düsseldorfer Milliardärs-Konzern, hatte sich in den letzten Jahren als Retter von Gärtner Pötschke präsentiert. 2019 übernahm Droege das Unternehmen über die Weltbild-Gruppe und bewahrte es zunächst vor dem Aus. Nach der zweiten Insolvenz 2024 stieg Droege erneut ein und führte Pötschke als eigenständige Tochterfirma weiter. Viele hofften, mit dem finanziell starken Mutterkonzern im Rücken würde Pötschke endlich solide aufgestellt.
Doch im Frühjahr 2025, als die Krise sich zuspitzte, blieb die erhoffte Unterstützung aus. Zur neuerlichen Insolvenz im Juni 2025 verweigerte die Droege Group jede öffentliche Stellungnahme. Intern wurde zwar ein Droege-Familienmitglied in die Geschäftsführung entsandt, doch dessen schneller Rücktritt sprach Bände. Für viele Beobachter stellte sich die Frage, ob der Mutterkonzern sein Gartenbau-Engagement womöglich aufgegeben hat.
Nach der Insolvenzanmeldung im Juni startete Insolvenzverwalter Holzmann einen Investorenprozess, um doch noch einen Retter für Pötschke zu finden. Zunächst bestand etwas Hoffnung: Bis Ende August 2025 wurden Gespräche mit potenziellen Übernahmekandidaten geführt. Gärtner Pötschkes bekannter Markenname und die lange Tradition machten das Unternehmen prinzipiell attraktiv für bestimmte Wettbewerber oder Investoren.
Doch das Ergebnis war ernüchternd: Mitte September 2025 musste die Kanzlei Brinkmann & Partner als Insolvenzverwaltung den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mitteilen, dass keine Übernahme zustande kommt. Gärtner Pötschke wird nach über 110 Jahren endgültig geschlossen. Warum scheiterte die Rettung in letzter Minute?
Es lag an den Konditionen: Die Droege Group wollte die wertvollen Markenrechte sowie die Betriebsimmobilie in Kaarst nicht mitverkaufen. Potenziellen Investoren wurden nur Lizenz- und Mietmodelle zu marktüblichen Konditionen angeboten. Das bedeutete, ein Käufer hätte die Marke Gärtner Pötschke nicht vollständig übernehmen, sondern von Droege lediglich gegen Gebühr nutzen dürfen. Ebenso sollte die Immobilie nur gemietet statt verkauft werden.
Aus Sicht interessierter Investoren war das offenbar wenig attraktiv. Zwei ernsthafte Interessenten, ein großer Versandhändler aus Niedersachsen und ein Wettbewerber aus der Region Hamburg, sollen ein mehrjähriges Angebot in Millionenhöhe für Marke und Geschäft vorgelegt haben. Doch Droege lehnte ab. Ohne Entgegenkommen des Mutterkonzerns fand sich kein Investor, der Gärtner Pötschke übernehmen wollte. Damit blieb dem Insolvenzverwalter letztlich nur, die Firma zu liquidieren.
Die bittere Konsequenz aus der gescheiterten Investorensuche ist die vollständige Abwicklung des Traditionsversenders. Bis Ende 2025 soll der Betrieb komplett eingestellt werden. In einer Betriebsversammlung Mitte September wurden die über 100 noch verbliebenen Beschäftigten informiert, dass nach über einem Jahrhundert Unternehmensgeschichte nun Schluss ist. Für die Mitarbeiter bedeutet das den Verlust ihrer Arbeitsplätze, sofern nicht doch noch in letzter Sekunde einzelne Firmenteile gerettet oder übernommen werden können. Derzeit wird versucht, zumindest Teile wie den Kundenstamm oder den Online-Shop separat zu verwerten, allerdings steht auch der Standort Kaarst selbst vor dem Aus.
Kunden des Gartenversands konnten bis zuletzt weiterhin bestellen, allerdings nur noch für kurze Zeit. Gärtner Pötschke hat einen Räumungsverkauf gestartet, um Restware abzuverkaufen, und verspricht bis zum letzten Tag gewohnte Qualität. Laut Informationen auf der Unternehmenswebsite werden alle Bestellungen, die bis zum 15. November 2025 eingehen, noch regulär bearbeitet und ausgeliefert. Nach diesem Stichtag nimmt der Shop keine Aufträge mehr an. Für Stammkunden bedeutet das die letzte Chance, sich mit Lieblingsprodukten einzudecken oder eventuell vorhandene Gutscheine einzulösen. Der Abschied erfolgt mit Rabattaktionen, um das Lager zu leeren. Es ist ein Ausverkauf mit Wehmut, das Unternehmen bedankt sich bei seinen Kunden für die teils jahrzehntelange Treue und appelliert, die Werte des Gärtner Pötschke im Herzen weiterleben zu lassen.
Ja, Gärtner Pötschke ist aktuell insolvent und die Anzeichen deuten klar auf eine bevorstehende endgültige Betriebsschließung hin. Anders als in früheren Krisen gibt es diesmal keinen rettenden Investor, der das Traditionsunternehmen weiterführt. Der vorläufige Gläubigerschutz ist vorbei, das Insolvenzverfahren wurde am 26. September 2025 offiziell eröffnet, und alle Bemühungen um einen Verkauf sind gescheitert. Die Muttergesellschaft Droege Group hat eine Fortführung letztlich ausgeschlossen, sodass die Firma nach heutigem Stand abgewickelt wird.
Für die deutschen Hobbygärtnerinnen und -gärtner endet damit eine Ära. Nach über einem Jahrhundert verschwindet ein bekannter Name aus der Garten-Branche vom Markt. Gärtner Pötschke ist zwar noch nicht vollständig vom Netz, Kunden können im Herbst 2025 ein letztes Mal bestellen, aber eine Pleite im Sinne der vollständigen Geschäftsaufgabe steht nun unmittelbar bevor. Aktuell muss man klar festhalten: Das Unternehmen ist zahlungsunfähig und ohne Aussicht auf Rettung, also faktisch pleite. Die Werte und Erinnerungen, die mit der Marke verbunden sind, werden bei vielen in guter Erinnerung bleiben, doch wirtschaftlich ist dies der Schlusspunkt unter eine lange Firmengeschichte.
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