Vom harten Pflaster des Vertriebs zum strategischen Investor in internationalen Wachstumsmärkten: Maximilian Reichwald hat eine Laufbahn hinter sich, die beweist, dass harte Arbeit sich auszahlt. Im Gespräch mit dem Unternehmerblatt spricht er über die „10.000-Stunden-Regel“, warum Motivation oft trügerisch ist und weshalb er heute bei Geschäftsbeziehungen vor allem darauf achtet, wer wirklich anpacken kann.
Unternehmerblatt: Maximilian, vielen Dank, dass du unserer Einladung gefolgt bist. Dein Name fällt inzwischen immer öfter in Immobilienkreisen in Dubai und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Viele stoßen dann auf Begriffe wie “Vertriebsexperte“ oder „Immobilieninvestor“. Das wirkt, als wäre dein Weg schon früh klar gewesen. War das wirklich dein Plan, als du gestartet bist?
Maximilian Reichwald: (lacht) Keineswegs. Ich habe ganz normal im Vertrieb angefangen. Damals war ich ständig unterwegs. Bei jedem Wetter und viele Stunden auf der Autobahn, um meine Kunden zu erreichen. Von einem bequemen Büro war ich weit entfernt.
Unternehmerblatt: Viele, die heute im Verkauf oder als Selbstständige starten, versuchen diese Phase zu überspringen. Sie suchen nach Abkürzungen des Operativen und wollen direkt in die Strategie übergehen.
Maximilian Reichwald: Und genau das ist oft der Fehler. Es gibt da eine spannende Theorie von Malcolm Gladwell, die 10.000-Stunden-Regel. Die besagt, dass man eine Tätigkeit 10.000 Mal oder 10.000 Stunden lang ausführen muss, um wirklich Profi zu werden. Ob man der Theorie glauben will oder nicht, der Punkt ist, dass Übung sich nicht einfach überspringen lässt. Ich habe meine 10.000 Stunden auf jeden Fall absolviert. Und zwar nicht in einem dunklen Zimmer über Theoriebücher gebeugt, sondern draußen in der echten Welt, im direkten Kontakt mit Menschen. Wer diese Basisarbeit überspringt, dem fehlt später oft das Fundament für eine weiterführende Karriere.
Unternehmerblatt: Du betonst hier die Bedeutung der Basisarbeit im Vertrieb. Was genau lernt man denn dort, das man später als Investor noch braucht?
Maximilian Reichwald: Resilienz und Demut. Im Vertrieb ist „Nein“ die Standardantwort, die man erhält. Das ist auf der einen Seite natürlich sehr anstrengend und teilweise frustrierend, aber es hat mich auch gelehrt, dass ein „Nein“ nur eine statistische Notwendigkeit auf dem Weg zum „Ja“ ist. Das härtet ab. Wenn heute ein Deal platzt oder der Markt volatil ist, gerate ich nicht in Panik. Wer allerdings nie gelernt hat, mit Ablehnung oder Ungewissheit umzugehen, der wird es im Alltag als Investor schwierig haben.
Unternehmerblatt: Das klingt nach viel Disziplin. Viele verlassen sich lieber auf Motivation.
Maximilian Reichwald: Motivation ist toll, solange alles gut läuft und die Umsätze stimmen. Aber was tust du an einem verregneten Dienstag im November, wenn seit drei Tagen nichts mehr funktioniert hat? Dann ist’s mit der Motivation schnell mal vorbei. Disziplin hingegen ist eine Entscheidung, die nicht auf Launen basiert. Ich habe im Vertriebsalltag gelernt, immer der Smarteste im Raum zu sein. Wenn die anderen 50 Versuche machen, etwas zu verkaufen, machst du 100. Motivation ist schön und gut, aber ohne eine disziplinierte Arbeitseinstellung geht gar nichts.
Unternehmerblatt: Heute investierst du Kapital und triffst strategische Entscheidungen. Hilft dir die Erfahrung im Vertrieb auch dabei, gute Investments zu erkennen?
Maximilian Reichwald: Ja sicher. Ganz besonders, wenn es um Menschenkenntnisse geht. Wenn mir heute jemand ein Konzept vorstellt, schaue ich nicht nur auf die Zahlen, sondern sehe mir auch den Menschen dahinter ganz genau an. Hat diese Person ihre Hausaufgaben gemacht? Versteht sie den Markt, in dem sie unterwegs ist? Durch meine Tätigkeit im Vertrieb habe ich einen siebten Sinn für Menschen entwickelt, die einfach nur nach schnellen Lösungen suchen. Was ich brauche, sind Partner, die wissen, dass man nur mit gewissenhafter Arbeit wirklich gute Ergebnisse erhält.
Unternehmerblatt: Das Image des Vertriebs ist in Deutschland oft negativ behaftet. Du scheinst das anders zu sehen.
Maximilian Reichwald: Weil es oft falsch verstanden wird. Guter Vertrieb hat nichts mit bloßem Überreden oder schmierigen Tricks zu tun. Auf dem Level, auf dem ich es betrieben habe und heute verstehe, ist der Vertrieb nichts anderes als die Kunst der Kommunikation und der Problemlösung. Es ist die ehrlichste Form des Unternehmertums. Lieferst du Mehrwert und sorgst dafür, dass jemand danach besser dasteht, bekommst du ein positives Ergebnis. Wenn du keinen Mehrwert lieferst, bekommst du auch nichts.
Unternehmerblatt: Eine letzte Frage an dich als jemanden, der diese Phasen durchlaufen hat: Was rätst du jemandem, der noch am Anfang seiner Karriere steht und nach dem schnellen Erfolg sucht?
Maximilian Reichwald: Verabschiede dich von der Idee des schnellen Erfolgs. Nicht, weil er nur schwer erreichbar ist, sondern weil er schlicht nicht existiert. Zumindest nicht für lange. Und damit einhergehend, fokussiere dich nicht nur auf das Endergebnis, sondern auf den Prozess selbst. Fokussiere dich auf die tägliche Arbeit. Akzeptiere, dass du sinnbildlich deine 10.000 Stunden absolvieren musst. Wer bereit ist, diesen Weg zu gehen, wird rückblickend feststellen, dass es von Anfang an der einzige Weg war, der sich wirklich nachhaltig lohnt.
Unternehmerblatt: Max, vielen Dank für das Gespräch.
Maximilian Reichwald: Danke für die Einladung.
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