Erstellt von Lana

KaDeWe insolvent? Die Fakten zur finanziellen Lage des Traditionskaufhauses

letzte Aktualisierung: Nov. 2025

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Ist das berühmte Berliner Luxuskaufhaus Kaufhaus des Westens (KaDeWe) in Zahlungsschwierigkeiten oder gar von der Insolvenz bedroht? In den vergangenen Monaten sorgten Schlagzeilen über Insolvenzanträge für Verwirrung. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe: Wie kam es zur Krise beim KaDeWe, was bedeutet der Insolvenzantrag der KaDeWe Group und steht das Traditionshaus wirklich vor der Pleite?

Ein ikonisches Kaufhaus unter Druck

Das KaDeWe in Berlin zählt zu den bekanntesten Warenhäusern Europas. Über Generationen war es ein Symbol des westdeutschen Wirtschaftswunders und zieht bis heute Millionen Besucher an. Umso alarmierender wirkten Meldungen Anfang 2024, wonach die KaDeWe Group, Betreiberin des KaDeWe in Berlin sowie der Luxus-Kaufhäuser Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München, Insolvenz anmelden musste. Wie passt das zu einem Unternehmen, das noch kurz zuvor Rekordumsätze erzielt hatte?

Tatsächlich vermeldete die KaDeWe Group im Geschäftsjahr 2022/2023 einen Umsatz von fast 728 Millionen Euro, dem höchsten in ihrer Geschichte und rund 24 Prozent mehr als vor der Pandemie. Das operative Geschäft lief also glänzend. Doch eine andere Kennziffer bereitete große Sorgen: die Mietkosten. Seit 2018/2019 waren die Mieten für die Luxus-Kaufhäuser um fast 37 Prozent gestiegen. Diese erdrückende Mietlast brachte die ansonsten profitable KaDeWe-Gruppe in Bedrängnis. Das Geschäft war vor Miete klar profitabel, nach Miete aber eindeutig nicht. Mit anderen Worten: Allein die hohen Mieten drückten ein florierendes Luxus-Warenhaus in die roten Zahlen.

Hintergrund: Warum die Mieten so hoch waren

Um zu verstehen, warum die Mietkosten das KaDeWe derart belasteten, lohnt ein Blick auf die Eigentümerstruktur. Die KaDeWe Group gehörte bis vor Kurzem zur Signa Holding, dem Imperium des österreichischen Investors René Benko, sowie mehrheitlich bereits der thailändischen Central Group. Signa war Eigentümer der Immobilien, während Central seit 2015 die Mehrheit am Warenhaus-Betrieb hielt. Signa, das auch an Karstadt und Galeria Kaufhof beteiligt war, geriet 2023 jedoch selbst in schwere Turbulenzen und meldete Insolvenz an. Infolge des Signa-Zerfalls standen zahlreiche Immobilienprojekte und Mietverträge auf der Kippe.

Im Fall KaDeWe führte dieses Konstrukt zu einem Konflikt: Signa agierte als Vermieter und verlangte trotz eigener Schieflage weiterhin hohe Mieten vom KaDeWe-Betrieb, den Central Group führte. Alle Verhandlungen über Mietminderungen blieben erfolglos. Die Mietforderungen waren so hoch, dass sie die Gewinne der KaDeWe-Häuser komplett auffraßen. Obwohl das Geschäft brummte, drohte aufgrund dieser Struktur eine finanzielle Schieflage. Die KaDeWe Group war also nicht wegen fehlender Kundschaft oder Umsatzrückgang in Gefahr, sondern wegen zu hoher Mieten an den eigenen, inzwischen insolventen, Vermieter.

Insolvenzantrag als Ausweg (Januar 2024)

Angesichts dieser verfahrenen Situation entschied sich die KaDeWe Group zu einem drastischen Schritt: Im Januar 2024 stellte sie einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung. Dies bedeutete nicht, dass das KaDeWe sofort schließen musste. Vielmehr nutzte man das Insolvenzrecht als Werkzeug, um sich von den erdrückenden Verträgen zu lösen und den Fortbestand des Unternehmens zu sichern. Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg stimmte dem Antrag zu und bestellte einen vorläufigen Sachwalter. Die KaDeWe-Warenhäuser blieben währenddessen normal geöffnet – für die Kunden änderte sich zunächst nichts. Im Hintergrund liefen Verhandlungen und ein Sanierungsplan wurde erarbeitet.

Der Insolvenzantrag war Teil eines Plans, um das KaDeWe aus den Fesseln der Altlasten zu befreien. Konkret wollte man die überhöhten Mietverträge loswerden. KaDeWe-Geschäftsführer Michael Peterseim betonte, man sei gezwungen gewesen, diesen Schritt zu gehen, um sich von den hohen Mieten zu entkoppeln. Trotz zahlreicher Gespräche mit dem Vermieter habe sich nichts bewegt. Die Insolvenz in Eigenverwaltung bot nun die Möglichkeit, Mietverträge neu zu verhandeln oder im Zweifel zu kündigen. Wichtig: Der operative Betrieb war gesund, was durch die Eigenverwaltung signalisiert wurde – das Management blieb am Ruder, um die Sanierung selbst zu steuern.

Übernahme durch Central Group und Sanierung

Die Lösung für das Dilemma kam schließlich durch die konsequente Übernahme des KaDeWe durch die bisherige Mehrheitseignerin, die Central Group aus Thailand. Central hielt bereits 50,1 Prozent der KaDeWe Group und beschloss 2024, nun auch die restlichen Anteile sowie die Immobilien zu erwerben. Ein erster Meilenstein war der Kauf des KaDeWe-Gebäudes in Berlin im April 2024 für rund eine Milliarde Euro. Durch den Erwerb des Gebäudes entfiel die Mietproblematik in Berlin: Central wurde zum Eigentümer des KaDeWe-Hauses an der Tauentzienstraße. Vittorio Radice, Europavorstand der Central Group, nannte den Kauf einen wichtigen Meilenstein, um die KaDeWe Group wieder zu einem nachhaltig rentablen Geschäft zu machen.

Im Juni 2024 einigte sich Central Group dann mit der insolventen Signa auf den Kauf der verbleibenden Vermögenswerte der KaDeWe Group. Damit übernahm Central auch die beiden anderen Warenhäuser Alsterhaus und Oberpollinger vollständig. Alle drei Traditionshäuser blieben erhalten, es wurden keine Standorte geschlossen. Voraussetzung für die Übernahme war, dass neue Mietkonditionen vereinbart werden – was offenbar gelang. Ende Juli 2024 teilte das KaDeWe-Management den Mitarbeitern mit, dass die Mietverhandlungen für Hamburg und München erfolgreich abgeschlossen seien. Die Zukunft aller Häuser sei gesichert. Dieses Schreiben an die Belegschaft bezeichnete die Einigung als weiteren Meilenstein und stellte klar, dass die künftige Eigentümerin Central Group langfristig als strategischer Investor wirken werde.

Allerdings ging die Sanierung nicht ohne Schmerzen: Rund 100 Stellen fielen den Umstrukturierungen zum Opfer. Betroffen waren vor allem Verwaltungsmitarbeiter sowie Beschäftigte der Feinkostabteilung. Diese Kürzungen sollten die Kostenbasis schlanker machen und die Weichen für einen Neustart stellen. Am 1. August 2024 war es schließlich so weit: Die neue KaDeWe GmbH unter dem Dach der Central Group nahm offiziell den Betrieb auf. Zugleich gab es einen Wechsel an der Spitze: Timo Weber, zuvor bereits fast zehn Jahre im KaDeWe tätig, übernahm als Geschäftsführer die Leitung der Warenhauskette. Der bisherige Chef, Michael Peterseim, schied aus, nachdem er den Übergang erfolgreich begleitet hatte.

Central-Group-CEO Tos Chirathivat verkündete in diesem Zusammenhang, die Übernahme aller drei Häuser beende eine Zeit der Unsicherheit für das Unternehmen. Man sei sehr erfreut, KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger nun wieder vollständig im eigenen Portfolio zu haben und das zu verbesserten Konditionen. Zudem halte Central nun auch die Immobilie in Berlin, eines der wichtigsten Wahrzeichen der Stadt, im eigenen Besitz. Diese Aussagen verdeutlichen: Das KaDeWe wurde durch die Übernahme finanziell neu aufgestellt und von der erdrückenden Vermieterlast befreit.

Aktuelle Situation 2025: Keine akute Pleitegefahr

Wie steht es nun im Jahr 2025 um das KaDeWe? Die gute Nachricht: Das Unternehmen ist nicht von einer Pleite bedroht. Nach der erfolgreichen Sanierung befindet sich die KaDeWe Group wieder in ruhigerem Fahrwasser. Seit August 2024 ist die KaDeWe Group vollständig in thailändischer Hand. Die insolvente Signa-Gruppe ist vollständig ausgestiegen, wodurch alte Risiken weggefallen sind. Alle drei Luxuskaufhäuser KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger bleiben geöffnet und werden fortgeführt. Für Stammkunden und Besucher hat sich im Alltagsbetrieb nichts Negatives ergeben; das KaDeWe empfängt weiterhin seine Gäste mit dem gewohnten Warenangebot auf sieben Etagen.

Auch strukturell wurden die Weichen für die Zukunft gestellt. Mit Central Group als alleinigem Eigentümer verfügt KaDeWe nun über einen finanzstarken internationalen Betreiber, der bereits Erfahrung mit Luxus-Warenhäusern in Europa hat. Central hat betont, dass man langfristige Ziele mit KaDeWe verfolgt und die Position des Hauses im Luxussegment weiter festigen will. Dazu gehört, dass investiert wird: So durchläuft das KaDeWe in Berlin eine behutsame Modernisierung seiner Verkaufsflächen, etwa in der Luxusmode- und Schmucketage. Zudem expandiert die Marke: In Düsseldorf soll das historische Carsch-Haus zu einem neuen Luxus-Kaufhaus unter der Marke KaDeWe umgebaut und 2025/26 neu eröffnet werden. Diese Projekte wären nicht denkbar, stünde das Unternehmen vor der Zahlungsunfähigkeit.

Finanziell hat sich die Situation entspannt, nachdem die Mietlast neu verhandelt bzw. durch Eigentumsübergang beseitigt wurde. Während der Insolvenz in Eigenverwaltung konnte das KaDeWe seine Gläubiger überzeugen, dass der Sanierungsplan tragfähig ist – der Geschäftsbetrieb lief profitabel weiter. Beobachter weisen darauf hin, dass dieser Schritt ein Sonderfall war: Formal war die KaDeWe Group insolvent, praktisch aber keines der Warenhäuser pleite im üblichen Sinne – es ging um die Bereinigung eines strukturellen Problems. Mit Abschluss des Verfahrens zum 1. August 2024 ist diese Phase der Unsicherheit nun vorbei.

Fazit: Ein gerettetes Warenhaus-Imperium

Die Frage, ob das KaDeWe insolvent ist oder kurz vor der Pleite steht, lässt sich nach aktueller Lage klar beantworten: Nein, das KaDeWe ist derzeit nicht von einer Insolvenz bedroht. Zwar musste die KaDeWe Group Anfang 2024 aus strategischen Gründen einen Insolvenzantrag stellen, doch diente dieser Schritt der Sanierung und nicht der Abwicklung des Unternehmens. Dank der vollständigen Übernahme durch die Central Group und erfolgreich neu verhandelter Mietverträge konnte die Krise abgewendet werden. Alle Standorte bleiben erhalten, das Unternehmen schreibt vor Mieten schwarze Zahlen und hat mit der finanzstarken thailändischen Mutter im Rücken eine stabile Perspektive für die Zukunft.

Natürlich bleibt die Lage im Einzelhandel herausfordernd. Die Warenhausbranche in Deutschland erlebt seit Jahren einen Wandel, und viele Traditionshäuser mussten Filialen schließen oder Insolvenzen durchlaufen. Das KaDeWe konnte sich in diesem schwierigen Umfeld behaupten, nicht zuletzt durch sein Luxuskonzept und eine zahlungskräftige internationale Kundschaft. Gerade weil die Umsätze stark geblieben sind, konnte das Haus gerettet werden – im Unterschied zu manch anderem Warenhaus, dem Kunden und Umsatz fehlten.

Für die Berliner und alle KaDeWe-Fans heißt es also Entwarnung: Eine unmittelbare Pleite des KaDeWe steht aktuell nicht im Raum. Vielmehr hat das Traditionskaufhaus turbulente Monate hinter sich, an deren Ende es gestärkt hervorgegangen ist. Die Übernahme beendete eine Zeit der Unsicherheit. Bleibt zu hoffen, dass das KaDeWe mit dieser neuen Stabilität noch viele Jahre ein fester Bestandteil der deutschen Einzelhandelslandschaft bleibt und dass Schlagzeilen über eine drohende Insolvenz bald der Vergangenheit angehören.



Bildquelle: https://unsplash.com/de/fotos/blau-weisses-unks-gebaude-iwaxKRgPtYM

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