Erstellt von Lana

Just Legends insolvent? Steht das Gaming-Startup vor der Pleite?

letzte Aktualisierung: Okt. 2025

Ist das Berliner Gaming-Getränke-Startup Just Legends zahlungsunfähig? Seit Monaten kursieren Gerüchte und Berichte über Zahlungsschwierigkeiten bei dem 2020 gegründeten Unternehmen, das vor allem für seine pulverbasierten Gaming Booster und Energy-Drinks in der E-Sport-Szene bekannt ist. Influencer melden ausbleibende Zahlungen, Kunden beschweren sich über nicht gelieferte Bestellungen, und sogar ein Gericht in Berlin hat bereits ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe der Krise, fasst aktuelle Medienberichte zusammen und klärt, ob Just Legends tatsächlich vor der Insolvenz steht oder bereits mittendrin steckt.

Hintergrund: Ein aufstrebendes Startup der Gaming-Szene

Just Legends wurde im Jahr 2020 von der GES Nutrition GmbH in Berlin ins Leben gerufen. Mit dem Versprechen, innovative und hochwertige Lebensmittel für Gamer anzubieten, positionierte sich die Firma in einer Nische zwischen Nahrungsergänzung und Lifestyle-Getränken. Das Konzept: Pulver zum Anmischen von Energy-Drinks, Hydration-Getränken und sogar schlaffördernden Drinks, zugeschnitten auf die Bedürfnisse von Gamern. In der Praxis bedeutet das zuckerfreie Koffein-Booster für lange Gaming-Sessions, aber auch koffeinfreie Drinks zur Hydration sowie Pulver für besseren Schlaf.

Unter Gamern und Streamern gewann Just Legends schnell an Bekanntheit, nicht zuletzt durch eine aggressive Influencer-Marketing-Strategie. Zahlreiche YouTuber und Twitch-Streamer warben für die knallbunten Dosen mit Geschmacksrichtungen wie Ice Tea Peach oder exotischen Namen. Konkurrenz bekam Just Legends früh von ähnlich ausgerichteten Marken wie LevlUp, Holy Energy oder GamersOnly, die ebenfalls mit Influencer-Unterstützung um die Gunst der meist jugendlichen Gamer warben. In der Community der Gamer und E-Sport-Enthusiasten galt Just Legends zeitweise als wichtiger Akteur und schien seinen Platz in diesem umkämpften Markt gefunden zu haben.

Doch hinter den Kulissen kriselte es offenbar schon länger. Während nach außen bunte Werbekampagnen und Rabattaktionen liefen, kämpfte die GES Nutrition GmbH, so der rechtliche Name hinter Just Legends, zunehmend mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Interne Fehlkalkulationen und externe Faktoren führten schließlich zur ernsten Liquiditätskrise, die das junge Unternehmen Ende 2024 an den Rand der Zahlungsunfähigkeit brachte.

Erste Warnsignale: Ausbleibende Zahlungen und Bestellstopp

Die Probleme traten für Außenstehende im Herbst 2024 deutlich zutage. Einer der bekanntesten Werbepartner, der YouTuber und Meinungsblogger Just Nero, schlug Alarm: In einem Video offenbarte er, dass Just Legends ihm noch 25.000 Euro schulde und dass er nicht der einzige Influencer sei, der auf ausstehende Honorare warte. Diese Enthüllung ließ aufhorchen: Offensichtlich war die finanzielle Lage so angespannt, dass selbst wichtige Marketingpartner seit längerem kein Geld mehr gesehen hatten.

Kurz darauf folgte das nächste Indiz für ernste Schwierigkeiten. Auf dem offiziellen Discord-Server von Just Legends, wo sich die Community normalerweise über Geschmacksrichtungen und neue Produkte austauschte, verkündete ein Administrator alarmierende Neuigkeiten: Der Betrieb stehe still. Aktuell arbeite niemand mehr im Unternehmen, Bestellungen würden nicht länger bearbeitet. Rund 1.600 Kundenbestellungen seien noch offen, 2.500 Support-Tickets unbeantwortet. Kunden, die bereits bezahlt hatten, wurden aufgefordert, sich an Zahlungsdienstleister wie Klarna oder PayPal zu wenden, um ihr Geld zurückzufordern. Mit anderen Worten: Just Legends konnte seine Verpflichtungen gegenüber Kunden nicht mehr erfüllen.

Auch in sozialen Medien mehrten sich entsprechende Berichte. Auf X (vormals Twitter) wurde dem Unternehmen vorgeworfen, über Monate weiter Bestellungen angenommen zu haben, obwohl es de facto längst insolvent gewesen sei. Die Kritik war deutlich: Die Firma habe womöglich wissentlich ihren Zahlungsausfall verschleiert, um noch letzte Verkäufe mitzunehmen.

Kundenbewertungen zeigten ein ähnliches Bild. Auf Bewertungsplattformen häuften sich ab Ende 2024 negative Rezensionen. Ein verärgerter Kunde sprach im Juli 2025 gar von einem Exit-Scam – also einem Betrugsszenario, bei dem die Betreiber sich mit dem Geld aus dem Staub machen. Der Firmeninhaber habe Promoter nicht mehr bezahlt und Mitarbeiter dazu gebracht, nach außen alles in Ordnung zu spielen, um noch letzte Verkäufe zu erzielen. So dramatisch solche Worte klingen, sie spiegeln doch die Enttäuschung vieler Fans wider, die der Marke vertraut hatten.

Vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet

Am 24. Oktober 2024 hat das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg ein vorläufiges Insolvenzverfahren über die GES Nutrition GmbH, also Just Legends, angeordnet. Ein vorläufiges Insolvenzverfahren bedeutet, dass ein vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt wird, um die Finanzlage zu sichern und zu prüfen, ob genug Masse für ein reguläres Verfahren vorhanden ist. Für Just Legends war dies der Punkt, an dem aus Zahlungsschwierigkeiten ein formeller Insolvenzantrag wurde – ein Schritt, der meist erfolgt, wenn ein Unternehmen seine Rechnungen nicht mehr begleichen kann.

Ein Blick in die Finanzzahlen des Unternehmens erklärt, wie es so weit kommen konnte. Laut dem offengelegten Jahresabschluss 2022 der GES Nutrition GmbH wies die Firma schon damals einen Fehlbetrag von rund 1,75 Millionen Euro auf. Das Unternehmen hatte erheblich mehr Schulden als Vermögen. Die Bilanz war tiefrot und die Überschuldung offenbar bereits seit 2021 ein Thema. Besonders alarmierend: Der Kassenbestand und die Bankguthaben schrumpften von 2021 auf 2022 drastisch – von etwa 725.000 Euro auf nur noch 282.000 Euro. Gleichzeitig stiegen die Verbindlichkeiten von rund 1 Million Euro auf knapp 2,4 Millionen Euro. Diese Entwicklung deutet auf eine akute Liquiditätskrise hin.

Das vorläufige Verfahren diente zunächst der Bestandsaufnahme. Anfang 2025 wurde schließlich das reguläre Insolvenzverfahren eröffnet. Für Kunden und Gläubiger bedeutet dies, dass sich ein Insolvenzverwalter um die Abwicklung bzw. eventuelle Sanierung kümmert.

Ursachen: Pandemie-Effekt und Fehleinschätzungen

Wodurch geriet Just Legends derart in Schieflage? Die Ursachen sind vielseitig. Branchenbeobachter nennen an erster Stelle steuerliche Lasten nach der Corona-Pandemie. Viele Unternehmen hatten während der Pandemie Steuerzahlungen gestundet – auch Just Legends könnte hiervon Gebrauch gemacht haben. Nach Auslaufen der Stundungen mussten die aufgelaufenen Beträge nachgezahlt werden, was die Liquidität stark belastete. Gleichzeitig sanken nach der Pandemie vielerorts die Umsätze, da der Online-Boom nachließ.

Auch der harte Wettbewerb im Markt für Gaming-Getränke spielte eine Rolle. Der Hype um Energy- und Koffein-Booster zog zahlreiche Anbieter an. Just Legends stand in direkter Konkurrenz zu Marken wie LevlUp, Holy oder GamersOnly. Der Preiskampf und die hohen Marketingkosten könnten die Margen stark gedrückt haben. Trotz kreativer Geschmacksrichtungen, Merchandise-Artikeln und Community-Bindung reichten offenbar weder die Kundentreue noch die Neukundenquote aus, um die Kosten zu decken.

Hinzu kommt der Verdacht auf Missmanagement. Die schweren Vorwürfe von Kunden deuten darauf hin, dass intern einiges aus dem Ruder lief. Wenn tatsächlich Mitarbeiter angehalten wurden, bis zuletzt nach außen zu kommunizieren, alles sei in Ordnung, während man wusste, dass kein Geld mehr da ist, wäre das ein gravierendes Fehlverhalten der Geschäftsleitung. Von Geschäftsführer Ole Schaumberg selbst gibt es keine öffentlichen Stellungnahmen. Die Kommunikation nach außen fand hauptsächlich über den Discord-Server statt, während der Webshop kommentarlos den Bestellstopp verkündete.

Folgen für Kunden und Community

Die Insolvenzkrise von Just Legends traf eine engagierte Community von Gamern und Fans. Viele hatten nicht nur Geld in Produkte investiert, sondern identifizierten sich mit der Marke – #TeamJustLegends lautete der offizielle Slogan. Entsprechend groß war die Enttäuschung, als klar wurde, dass Bestellungen ausblieben und Support-Anfragen unbeantwortet blieben. Wer via PayPal oder Klarna gezahlt hatte, konnte sein Geld zurückfordern, andere Kunden wurden zu Gläubigern im Insolvenzverfahren.

Auch operativ sind die Folgen sichtbar. Die Website des Unternehmens ist seit Ende 2024 offline. Neue Bestellungen sind nicht mehr möglich, das Lagerpersonal wurde abgezogen und Lieferungen eingestellt. Die Discord-Community existiert jedoch weiterhin. Die Administratoren betonten, dass der Server als Treffpunkt für Fans erhalten bleiben solle. Einige Stammkunden zeigten Mitgefühl mit den ehemaligen Mitarbeitern, andere fühlten sich betrogen. Die Stimmung schwankt zwischen Trauer über das Ende einer beliebten Marke und Wut über die Abwicklung.

Zukunft ungewiss: Rebranding oder Ausverkauf?

Wie geht es nun weiter mit Just Legends? Offiziell befindet sich das Unternehmen in Insolvenzverwaltung. Ein Insolvenzverwalter prüft, ob Teile des Betriebs noch zu retten oder zu verwerten sind – etwa Restbestände, Markenrechte oder Kundendaten. Es soll zwar Interessenten gegeben haben, doch eine Übernahme gilt als unwahrscheinlich, da der Ruf der Marke massiv beschädigt ist und erhebliche Schulden bestehen.

Eine mögliche Option wäre ein Rebranding unter neuem Namen und Konzept. Entsprechende Andeutungen gab es in der Community, konkrete Schritte blieben jedoch aus. Stand Oktober 2025 ist kein Nachfolgeprojekt bekannt. Währenddessen versuchen andere Anbieter, die entstandene Marktlücke zu füllen, und buhlen gezielt um ehemalige Just-Legends-Kunden.

Fazit: Steht Just Legends vor der Insolvenz?

Nach aktuellem Kenntnisstand ist Just Legends de facto insolvent. Das Unternehmen befindet sich seit Ende 2024 im Insolvenzverfahren, der Geschäftsbetrieb ist eingestellt. Alle Anzeichen – vom Insolvenzantrag bis zur Abschaltung des Webshops – zeigen, dass Just Legends zahlungsunfähig ist. Eine Rettung durch Investoren oder ein Neustart unter neuem Namen ist bislang nicht in Sicht.

Damit lässt sich die Frage, ob Just Legends von einer Insolvenz bedroht ist, eindeutig beantworten: Ja, Just Legends ist zahlungsunfähig und insolvent. Das Unternehmen gilt als gescheitert, und es bleibt abzuwarten, ob aus diesem Fall ein Neustart oder lediglich eine Mahnung für andere Startups entsteht. Die Community hat jedenfalls ihre Lehren gezogen, und die Branche beobachtet aufmerksam, welche Legenden aus diesem Fall entstehen.

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