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JTL Versandstatus & Shipping-Status: So erkennen Sie Probleme frühzeitig und optimieren Ihre Versandprozesse

Im dynamischen Umfeld des Online-Handels stellt die Logistik nicht nur einen operativen Prozess, sondern einen wesentlichen Wettbewerbsfaktor dar. Eine verzögerte Lieferung oder ein unklarer Versandstatus führen unmittelbar zu Kundenunzufriedenheit und erhöhterm Serviceaufwand. Für Nutzer der JTL-Wawi bildet der JTL Versandstatus das zentrale Instrument zur Qualitätssicherung der Logistikkette. Die Fähigkeit, den Status von Sendungen in Echtzeit zu überwachen und Anomalien sofort zu identifizieren, unterscheidet effiziente Handelsunternehmen von solchen mit hohen Reibungsverlusten.

Dabei geht es nicht allein um die Frage, ob ein Paket das Lager verlassen hat. Vielmehr muss der gesamte Datenfluss – von der Erstellung des Labels über die Übermittlung an den Carrier (DHL, Hermes, DPD, UPS) bis hin zur Rückmeldung der Tracking-Informationen – lückenlos überwacht werden. Man stellt fest, dass Störungen häufig in den Schnittstellen zwischen dem Warenwirtschaftssystem und den APIs der Versanddienstleister auftreten. Eine proaktive Überwachung dieser Schnittstellen verhindert, dass Bestellungen im Status „in Bearbeitung“ verharren oder aufgrund fehlerhafter Adressdaten nicht zugestellt werden können.

Die Komplexität erhöht sich durch die Nutzung verschiedener Versandarten und Dienstleister. Während nationale Pakete oft standardisiert ablaufen, führen internationale Sendungen (Schweiz, Non-EU) oder spezifische Services wie Express-Versand häufiger zu Validierungsfehlern. Ein tiefes Verständnis der JTL-Shipping-Architektur ist daher unerlässlich, um die Ursachen von Störungen wie dem Fehlercode 1101 oder Authentifizierungsproblemen präzise zu diagnostizieren und nachhaltig abzustellen.

Technische Architektur der JTL-Versandverwaltung

Um Versandprobleme an der Wurzel zu packen, ist ein Verständnis der technischen Prozesse innerhalb der JTL-Wawi erforderlich. Die Versandverwaltung operiert nicht isoliert, sondern ist in ein komplexes Geflecht aus Datenbankabfragen, Hintergrunddiensten und externen API-Calls eingebunden.

Die Funktion des JTL-Workers und Hintergrundprozesse

Das Rückgrat der Automatisierung in JTL-Wawi bildet der JTL-Worker. Dieser Hintergrunddienst übernimmt die asynchrone Kommunikation mit externen Plattformen, darunter Webshops (Shopware, JTL-Shop), Marktplätze (Amazon, eBay) und eben auch Versanddienstleister. Der JTL Shipping-Status fungiert hierbei als Monitor für die Gesundheit dieses Dienstes. Zeigt der Status an, dass der Worker inaktiv ist oder Fehler meldet, werden Versanddaten nicht übertragen, selbst wenn in der Wawi alle Einstellungen korrekt erscheinen. Man beobachtet oft, dass ein einfacher Neustart des Workers oder des Host-Systems Verbindungsprobleme löst, die durch temporäre Timeouts oder Speicherüberläufe verursacht wurden.

Es ist essenziell, dass der Worker auf einem stabilen Server mit ausreichender Performance läuft. Da er kontinuierlich Datenbankabfragen ausführt, kann eine überlastete SQL-Datenbank dazu führen, dass der Worker „hängt“ und Statusmeldungen der Logistiker nicht verarbeitet werden. Dies resultiert in Diskrepanzen, bei denen ein Paket physisch versendet wurde, der Status in der Wawi (und somit im Shop des Kunden) jedoch nicht aktualisiert wird.

Integration via JTL-ShippingLabels

Die Schnittstelle JTL-ShippingLabels (früher JTL-Shipping) verbindet die Wawi direkt mit den APIs der Logistikpartner. Im Gegensatz zum veralteten CSV-Export, bei dem Daten passiv in eine Datei geschrieben wurden, findet hier eine aktive Zwei-Wege-Kommunikation statt:

  1. Request: Die Wawi sendet Gewichts-, Adress- und Service-Daten an den Dienstleister.
  2. Response: Der Dienstleister validiert die Daten in Echtzeit.
  3. Result: Bei Erfolg werden Label-PDF (oder ZPL-Daten) und Tracking-ID zurückgesendet. Bei Misserfolg wird ein Error Code übermittelt.

Diese direkte Integration bedeutet jedoch auch, dass jede Unstimmigkeit in den Stammdaten (z.B. fehlende Hausnummer, ungültige Zeichen, falsche Gewichte) sofort zu einem Abbruch der Label-Erstellung führt. Man muss verstehen, dass die Fehlermeldungen, die in der Wawi angezeigt werden, meist 1:1 die Rückmeldungen der Dienstleister-API sind.

Statusmeldungen: Kategorisierung und Bedeutung

In der täglichen Arbeit mit der JTL-Versandverwaltung begegnet man verschiedenen Statuszuständen. Die korrekte Interpretation dieser Zustände ist der erste Schritt zur Fehlerbehebung.

Unterscheidung: Versendet vs. Exportiert

Ein häufiges Missverständnis liegt in der Differenzierung zwischen den Status „Versendet“ und „Exportiert“.

  • Versendet: Dieser Status impliziert in der Regel, dass der logistische Prozess in der Wawi abgeschlossen ist. Der Lieferschein wurde erstellt, die Ware vom Lagerbestand abgebucht und idealerweise wurde ein Label über JTL-ShippingLabels erzeugt. Dies ist der Zielzustand für eine erfolgreiche Abwicklung.
  • Exportiert: Dieser Status tritt auf, wenn Versandarten so konfiguriert sind, dass sie Daten via CSV oder XML exportieren (z.B. für Legacy-Systeme wie DHL EasyLog oder UPS WorldShip). Hierbei bestätigt die Wawi lediglich, dass die Datei erfolgreich im Zielverzeichnis abgelegt wurde. Es gibt keine Rückmeldung darüber, ob das externe System das Label tatsächlich drucken konnte. Fehler im externen System werden nicht in die Wawi zurückgespielt, was eine „blinde“ Stelle im Monitoring erzeugt.

Teillieferungen und der Status „Teilversendet“

Der Status „Teilversendet“ signalisiert, dass ein Auftrag nicht vollständig bedient werden konnte, oft mangels Bestand. Hierbei ist besondere Aufmerksamkeit geboten: Wenn ein Auftrag fälschlicherweise in diesen Status gerät, obwohl alle Artikel lieferbar wären, deutet dies oft auf einen Fehler bei der Erstellung des Lieferscheins hin. Manchmal wird der Prozess angestoßen, bricht aber beim Labeldruck ab, wodurch der Lieferschein im System verbleibt, aber nicht abgeschlossen wird. Solche „Geister-Lieferscheine“ müssen unter „Versand > Lieferscheine > Offen“ identifiziert und manuell bearbeitet werden.

Detaillierte Fehleranalyse und Troubleshooting

Die effektive Fehlerbehebung erfordert den Zugriff auf die detaillierten Protokolle. Ein bloßer Blick auf die Liste der offenen Lieferscheine reicht oft nicht aus.

Die Funktion „Meldungen anzeigen“

Wenn ein Versandlabel nicht gedruckt wird, verbleibt der Lieferschein oft im Ordner „Offen“. Um die Ursache zu ermitteln, muss man im Bereich „Pakete“ (rechts unten in der Versandmaske) das betroffene Paket mit der rechten Maustaste anklicken und „Meldungen anzeigen“ wählen. Dies öffnet ein Fenster mit dem exakten Fehlercode und der Textmeldung des Dienstleisters. Ohne diesen Schritt ist eine Diagnose spekulativ.

Fehlercode 1101: Probleme beim internationalen Versand

Der Fehlercode 1101, oft begleitet von dem Text „Bitte geben Sie die Beschreibung an“, ist ein Klassiker im internationalen Versand (z.B. DHL Weltpaket in die Schweiz).

  • Ursache: Für den Zoll (CN22/CN23) fehlen Pflichtangaben. Dies betrifft meist die Artikelbeschreibung, das Ursprungsland oder die Zolltarifnummer in den Artikelstammdaten. Ein Sonderfall sind Aufträge, die nur aus Freipositionen bestehen. Da Freipositionen keine hinterlegten Stammdaten besitzen, kann die Wawi keine Gewichts- oder Inhaltsdaten an die API übergeben.
  • Lösung: Man muss sicherstellen, dass alle Artikel gepflegte Stammdaten im Reiter „Versand/Sonstiges“ haben. Bei Freipositionen empfiehlt sich die Anlage eines „Dummy-Artikels“ mit Standardwerten für Gewicht und Zolltarifnummer, der anstelle einer reinen Textposition verwendet wird.

Authentifizierungsfehler und API-Zugangsdaten

Meldungen wie „Benutzername oder Passwort falsch“ oder „Authentication failed“ treten oft unvermittelt auf.

  • Passwort-Rotation: Viele Dienstleister (insb. DHL Geschäftskundenportal) erzwingen regelmäßige Passwortänderungen. Wird das Passwort im Webportal geändert, muss es zwingend auch in der JTL-Wawi unter „Versand > Versandarten > [Versandart] > Einstellungen“ aktualisiert werden.
  • Benutzer-Konflikte: Ein häufiger Konfigurationsfehler ist die Verwechslung von Login-Benutzern und API-Benutzern. Oft benötigen Schnittstellen (wie DHL Versenden) einen speziellen Systembenutzer, der in der Benutzerverwaltung des DHL-Portals angelegt werden muss. Die Verwendung des Haupt-Admin-Logins für die API kann zu Sperren oder Berechtigungsfehlern führen.

Spezifische Herausforderungen bei Hermes (HSI) und DPD

Jeder Dienstleister hat spezifische „Empfindlichkeiten“.

  • Hermes HSI: Hier führen oft Netzwerkprobleme zu Fehlern wie „Connection attempt failed“. Hermes prüft zudem die Absenderadresse („divergentSenderAddress“) sehr strikt. Weicht die in der Wawi hinterlegte Firmenadresse auch nur minimal von der bei Hermes hinterlegten Adresse ab (z.B. „Str.“ vs „Straße“), kann dies die Label-Erstellung blockieren. Auch Probleme mit offenen Ports (Firewall Port 443) sind bekannt.
  • Adressvalidierung (Leitcodierung): DHL und andere Anbieter prüfen Adressen auf Existenz (Leitcodierbarkeit). Ist die Option „Nur leitcodierbare Sendungen zulassen“ aktiviert, wird bei unbekannten Adressen (z.B. Neubaugebiete) kein Label erzeugt. Man erhält keine direkte Fehlermeldung beim Druckversuch, sondern findet den Hinweis erst in den Meldungen. Die Lösung ist oft das kurzzeitige Deaktivieren der Leitcodierpflicht (unter Inkaufnahme von Nachentgelten) oder die Korrektur der Adresse via Google Maps.

Optimierung der Versandprozesse durch Automatisierung

Um manuelle Eingriffe zu minimieren, bietet JTL-Wawi umfangreiche Möglichkeiten zur Automatisierung mittels JTL-Workflows.

Proaktive Fehlerbenachrichtigung via E-Mail

Anstatt täglich Listen zu prüfen, kann man Workflows einrichten, die bei Fehlern aktiv alarmieren.

  • Trigger: Ereignis „Paket > Sendungsstatus aktualisiert“.
  • Bedingung: Statusmeldung enthält „Fehler“, „Error“ oder „Problem“.
  • Aktion: E-Mail senden an den Lagerleiter. In der E-Mail können Variablen wie {{ Vorgang.Sendungsnummer }} und {{ Vorgang.Auftrag.Auftragsnummer }} sowie die Fehlermeldung selbst ausgegeben werden. So kann das Problem oft behoben werden, bevor der Kunde überhaupt bemerkt, dass der Versand stockt.

Adresskorrektur und Validierung

Workflows können auch genutzt werden, um Adressfehler vor dem Versand zu erkennen.

  • Logik: Wenn das Zielland „Deutschland“ ist und die PLZ nicht 5-stellig ist, wird der Auftrag automatisch auf „Prüfung“ gesetzt und farblich markiert. Dies verhindert, dass solche Aufträge überhaupt erst an die Versandstation gelangen und dort den Betrieb aufhalten.
  • Externer Aufruf: Für komplexe Fälle kann ein Workflow einen Link zu Google Maps mit der Kundenadresse generieren und im Browser öffnen, um dem Sachbearbeiter die Validierung zu erleichtern.

Versandarten-Steuerung

Um Kosten zu sparen und Fehler zu vermeiden, lässt sich die Wahl der Versandart automatisieren.

  • Szenario: Ein Paket überschreitet 31,5 kg.
  • Workflow: Ändere Versandart von „DHL Paket“ auf „Spedition“. Dies verhindert, dass Pakete am Packtisch abgelehnt werden, weil sie die Gewichtsgrenzen des Dienstleisters überschreiten. Ebenso kann basierend auf dem Warenwert automatisch eine Versandart mit höherer Versicherungssumme gewählt werden.

Fazit: Transparenz schafft Effizienz

Die Überwachung des JTL Versandstatus ist kein Selbstzweck, sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Wer die Bedeutung der Statusmeldungen versteht und weiß, wie man Fehlercodes wie 1101 oder Authentifizierungsprobleme interpretiert, kann Ausfallzeiten drastisch reduzieren. Die Kombination aus technischem Know-how – etwa der Nutzung der Funktion „Meldungen anzeigen“ – und der intelligenten Automatisierung durch Workflows verwandelt die Versandabteilung von einer Fehlerquelle in einen Effizienzmotor. 

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