letzte Aktualisierung: Mai 2026
Der Entwickler und KI-Spezialist Joel Burghardt hat mit seinem Team bereits Dutzende interne Tools für eine Unternehmensgruppe mit 80 Beteiligten gebaut. Im Interview spricht er darüber, warum klassische Software-Abos bald der Vergangenheit angehören und was das für Unternehmen bedeutet, die noch zu warten.
„Ich sage meinen Kunden inzwischen offen: Warum zahlt ihr noch 300 Euro im Monat für ein Tool, das 80 Prozent eurer Anforderungen erfüllt? Den Rest baut ihr euch selbst. In Stunden, nicht Wochen.“ Das sagt Joel Burghardt, Entwickler, KI-Spezialist und Gründer von Lightweb Media und DRIVE Ventures. Im Gespräch mit uns spricht er über den Wandel in der Softwareentwicklung, seine eigenen Systeme und die Frage, warum er der Meinung ist, dass klassische Entwickler zunehmend ihren Job neu erfinden müssen.
Joel Burghardt arbeitet heute nicht nur für seine eigenen Unternehmen. Er ist Teil einer Unternehmensgruppe mit 80 Beteiligungen und 250 Mitarbeitern, für die er interne KI-Tools und Automatisierungen baut. Kein theoretisches Beratungsmandat. Operative Arbeit, täglich.
„Der Unterschied liegt nicht im Wissen über KI, sondern im täglichen Umgang damit“
Unternehmerblatt.de: Wie kam es dazu, dass eine ganze Unternehmensgruppe auf dich setzt, wenn es um KI geht?
Joel Burghardt: „Die haben gemerkt, dass es einen Unterschied gibt zwischen jemandem, der KI erklärt, und jemandem, der damit täglich produktiv arbeitet. Ich baue seit Jahren eigene Systeme, teste sie live und weiß, was funktioniert und was nicht. Das ist der Unterschied.“
Unternehmerblatt.de: Was baust du dort konkret?
Joel Burghardt: „Eigene Betriebssysteme für interne Prozesse. Tools, die genau auf die Abläufe der einzelnen Beteiligungen zugeschnitten sind. Performance-Automatisierungen, SEO-Systeme, Analyse-Tools. Dinge, die es so nicht zu kaufen gibt. Und wenn es sie gäbe, würden sie trotzdem nicht passen.“
Unternehmerblatt.de: Klingt aufwendig. Warum nicht einfach einkaufen, was am Markt verfügbar ist?
Joel Burghardt: „Weil das, was am Markt verfügbar ist, für den Durchschnitt gebaut wurde. Nicht für dich. Ich habe Kunden, die zahlen monatlich für fünf verschiedene Tools, die sich schlecht integrieren und trotzdem Lücken lassen. Das summiert sich schnell auf 500, 600 Euro im Monat. Für Lösungen, die halb passen. Das macht keinen Sinn mehr.“
„Klickbarer Prototyp in zehn Minuten: Das ist keine Übertreibung“
Ein konkretes Produkt, das Joel Burghardt mit seinem Team entwickelt hat, ist asps.ai. Ein System, das aus einer Idee innerhalb weniger Minuten einen klickbaren Prototypen baut.
Unternehmerblatt.de: Wie läuft das ab?
Joel Burghardt: „Du beschreibst deine Idee. Das kann ein Text sein, eine Skizze, ein Screenshot von etwas, das du dir vorstellst. Das System stellt strukturierte Rückfragen, generiert ein Lastenheft und baut daraus einen Prototypen, den du sofort anklicken und testen kannst. In zehn Minuten. Dann gibst du Feedback direkt im Prototypen. Noch fünf Minuten. Neue Version.“
Unternehmerblatt.de: Und was passiert danach?
Joel Burghardt: „Du gehst in die Entwicklung, auf einer komplett validierten Basis. Keine Überraschungen. Keine nachträglichen Änderungswünsche, weil sich jemand etwas anders vorgestellt hat. Das klassische Lastenheft-Pingpong zwischen Kunde, Projektmanager und Entwickler entfällt komplett. Wir haben damit Projekte, die früher vier Wochen Vorbereitungszeit gebraucht haben, auf wenige Tage reduziert.“
„Entwickler, die heute noch nur coden können, sind in drei Jahren outdated“
Joel Burghardt hat auf LinkedIn regelmäßig zu diesem Thema geschrieben und dabei eine klare Reaktion geerntet: Viel Zustimmung. Aber auch Widerstand, vor allem von Entwicklern.
Unternehmerblatt.de: Was sagst du denen?
Joel Burghardt: „Ich sage: Das ist kein Angriff auf euch. Es ist eine Einladung, euch neu zu erfinden. Die Entwickler, die in fünf Jahren noch gefragt sind, sind keine Coder mehr. Sie sind Architekten. Menschen, die Systeme denken, Anforderungen strukturieren und KI als Werkzeug einsetzen. Der Code selbst wird zunehmend generiert. Die Qualität der Anforderungen entscheidet.“
Unternehmerblatt.de: Glaubst du das wirklich? Oder ist das Hype?
Joel Burghardt: „Ich sehe es täglich. In meinem eigenen Team, bei den Beteiligungen, mit denen ich arbeite. Ein Mitarbeiter ohne klassischen Entwicklungshintergrund hat bei uns mit einer klaren Problembeschreibung und den richtigen Tools ein funktionierendes System gebaut. Das wäre vor drei Jahren nicht möglich gewesen. Heute ist es normal.“
„SaaS-Tools werden unter Druck geraten“
Joel Burghardt ist überzeugt, dass sich der Markt für Unternehmenssoftware fundamental verändern wird. Eine These, die nicht jeder teilt.
Unternehmerblatt.de: Was passiert mit Produkten wie HubSpot, Personio oder ähnlichen Tools?
Joel Burghardt: „Die, die wirklich einzigartige Daten oder eine echte Netzwerkwirkung haben, werden bleiben. Aber der große Teil der SaaS-Welt lebt davon, dass Unternehmen nicht gebaut haben, was sie brauchen, weil es zu aufwendig war. Dieser Grund fällt gerade weg. Ich kann mir heute ansehen, was ein Tool macht, und meinem Team sagen: Baut das. In einem Tag haben wir eine Version, die für uns passt. Warum sollte ich dann noch 200 Euro im Monat zahlen?“
Unternehmerblatt.de: Was empfiehlst du Unternehmen, die jetzt anfangen wollen?
Joel Burghardt: „Fangt nicht mit einem riesigen KI-Projekt an. Nehmt einen konkreten Prozess, der heute zu viel Zeit kostet. Fragt euch: Was passiert hier eigentlich? Welche Schritte wiederholen sich? Dann baut dafür eine Lösung. Nicht kaufen. Bauen. Wer das einmal gemacht hat, denkt danach anders.“
Zur Person: Joel Burghardt ist Gründer und Geschäftsführer von Lightweb Media und DRIVE Ventures. Er arbeitet an der Schnittstelle aus KI-Enablement, Softwareentwicklung und Company Building und unterstützt Unternehmensgruppen operativ dabei, KI produktiv einzusetzen.
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