Windhager, ein seit über 100 Jahren bestehender österreichischer Hersteller von Heizsystemen, sorgte Anfang 2024 mit beunruhigenden Schlagzeilen für Aufsehen. Das Unternehmen mit Sitz in Seekirchen am Wallersee in Salzburg hatte 2021 noch sein hundertjähriges Jubiläum gefeiert und 2022 einen Rekordumsatz verbucht. Umso überraschender kam die Nachricht vom Insolvenzantrag im Januar 2024, die viele Kunden und Branchenbeobachter verunsicherte. Steckt Windhager also in Zahlungsschwierigkeiten? Ist der Heizungsbauer von der Insolvenz bedroht oder sogar schon pleite? Dieser Frage gehen wir nach und beleuchten, wie es dem Unternehmen heute im Jahr 2025 geht.
Bereits die ersten Meldungen zeigten das Ausmaß der finanziellen Schieflage. Am 5. Januar 2024 kündigte Windhager an, Insolvenzanträge für mehrere Konzernfirmen zu stellen. Nur wenige Tage später wurden förmliche Verfahren eröffnet. Insgesamt waren Hunderte Mitarbeiter betroffen, und die Schulden gingen in die Dutzende Millionen Euro. Im Folgenden fassen wir die Chronologie der Windhager-Insolvenz und ihre Folgen zusammen, bevor wir die aktuelle Situation 2025 beurteilen.
Windhager kündigt an, für zentrale Firmen der Gruppe – die Windhager Zentralheizung Technik GmbH und die Windhager Zentralheizung GmbH – Insolvenz anzumelden. Grund sind akute Zahlungsschwierigkeiten.
Das Landesgericht Salzburg eröffnet formell Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung über die beiden genannten Gesellschaften. Zudem wird für eine Logistik-Tochter ein Konkursverfahren eingeleitet. Insgesamt sind 444 Beschäftigte betroffen, die unbesicherten Schulden betragen rund 86,4 Millionen Euro.
Als Hauptursache gilt eine teure Expansion: Windhager hatte in Pinsdorf in Oberösterreich ein neues Werk für Wärmepumpen sowie ein zentrales Logistikzentrum gebaut und sich damit finanziell übernommen. Etwa 85 Prozent des Projekts waren fertiggestellt, doch unsichere Förderbedingungen ließen die Finanzierung stocken. Gleichzeitig schwächelte das Kerngeschäft mit Biomasse-Heizungen seit Anfang 2023, was zusätzliche Verluste verursachte. Der Versuch, in letzter Minute mit Banken und Investoren eine Insolvenz abzuwenden, scheiterte schließlich.
Laut Kreditschutzverband blieben Windhagers Töchter in der Schweiz, Deutschland und Italien zunächst von der österreichischen Insolvenz unberührt. Doch insbesondere die deutsche Vertriebsgesellschaft geriet in Schwierigkeiten, da die Lieferungen aus Österreich ausblieben.
In Salzburg bemühen sich die Insolvenzverwalter um einen Käufer für das Unternehmen. Ende Januar und Anfang Februar zeichnet sich eine Lösung ab: Das österreichische Wassertechnologie-Unternehmen BWT, genauer deren Muttergesellschaft FIBA, signalisiert Interesse, Windhager zu übernehmen.
Die Verträge mit BWT werden unterzeichnet und die Übernahme von der Wettbewerbsbehörde genehmigt. Das Landesgericht Salzburg stimmt der Schließung der insolventen Alt-Gesellschaften zu, damit der Übergang reibungslos erfolgen kann.
Der Geschäftsbetrieb von Windhager wird offiziell auf neue Gesellschaften übertragen. Die Vertriebs- und Servicebereiche gehen in die BHT Best Heating Technology GmbH über, die Produktion in die HIDU GmbH. Beide neuen Firmen gehören zur BHT Holding GmbH, deren Eigentümer die FIBA ist. BWT-Chef Andreas Weißenbacher übernimmt persönlich die Geschäftsführung der neuen Windhager-Unternehmen. Wichtig: Die Marke Windhager bleibt erhalten, lediglich der Claim wird angepasst – aus Die Heizung mit der Energie von morgen wird Windhager Best Heating Technology.
Die deutsche Vertriebs-Tochter Windhager Zentralheizung GmbH mit Sitz in Gersthofen (Bayern) muss im März ebenfalls Insolvenzantrag stellen. Grund ist der Ausfall der Lieferungen aus Österreich sowie ein genereller Markteinbruch im Heizungssektor in Deutschland. Das Amtsgericht Augsburg ordnet am 15. März eine vorläufige Insolvenzverwaltung an. Etwa 92 Mitarbeiter in Deutschland sind betroffen.
Zum 1. Juni 2024 wird das Insolvenzverfahren in Deutschland offiziell eröffnet. Insolvenzverwalter Georg Jakob Stemshorn versucht, einen Investor oder eine Lösung für den deutschen Betrieb zu finden. Allerdings gründet BWT parallel eigene Niederlassungen in Deutschland und wirbt Windhager-Kunden und -Mitarbeiter ab. Der deutsche Windhager-Betrieb stellt Anfang Juli nach Aufbrauch aller Ersatzteile den Kundendienst ein.
Ende August gelingt es dem Insolvenzverwalter, mit BWT und BHT eine Einigung zu erzielen. Die deutsche Windhager GmbH wird zwar abgewickelt und Standorte wie Gersthofen geschlossen, aber BHT übernimmt auf vertraglicher Basis die Betreuung der Windhager-Kunden in Deutschland. Die Gläubigerversammlung stimmt dem Verhandlungsergebnis am 29. August zu. Für die Kunden bedeutet dies, dass Service und Garantie für Windhager-Heizungen weiter gewährleistet sind, nun direkt durch die neue Windhager/BHT-Organisation.
Die beinahe fertiggestellte neue Produktionshalle in Pinsdorf, die nicht von BWT übernommen wurde, wird aus der Konkursmasse verkauft. Damit ist geklärt, dass Windhager dieses Werk nicht selbst nutzen wird – BWT hatte zwar Interesse gezeigt, ging hier aber leer aus.
Aufgrund der großen Schäden für Gläubiger leitet die Staatsanwaltschaft Salzburg im Frühjahr 2025 Ermittlungen gegen zwei ehemalige Geschäftsführer von Windhager ein. Es besteht der Verdacht auf betrügerische Krida und Betrug. Die Ermittlungen stehen allerdings erst am Anfang. Solche Untersuchungen sind bei Großinsolvenzen üblich, um mögliches Fehlverhalten zu prüfen.
Im April 2025 findet am Landesgericht Salzburg die finale Tagsatzung für eine der insolventen Windhager-Gesellschaften statt. Damit dürfte das österreichische Insolvenzverfahren in die Endphase treten. Die Gläubiger haben voraussichtlich die gesetzliche Mindestquote von 20 Prozent erhalten beziehungsweise zugesichert bekommen.
Trotz der dramatischen Entwicklung gibt es aus heutiger Sicht eine positive Kernbotschaft: Windhagers Geschäft konnte gerettet und fortgeführt werden. Die Übernahme durch BWT und FIBA hat dafür gesorgt, dass der Markenname und große Teile der Belegschaft erhalten blieben. Tatsächlich wurde der Betrieb nahtlos von den neuen Gesellschaften weitergeführt, wenn auch in verkleinerter Form.
Etwa 90 der 440 Mitarbeiter mussten im Zuge der Sanierung ihren Job abgeben, die übrigen rund 350 Beschäftigten erhielten neue Arbeitsverträge unter dem Dach von BWT und BHT. Diese Zahlen bestätigen, dass der Großteil der Belegschaft übernommen werden konnte, aber dennoch ein spürbarer Personalabbau notwendig war. Einige der entlassenen Mitarbeiter fanden offenbar bei BWT selbst eine neue Perspektive. Für die Region Salzburg war die Windhager-Pleite dennoch ein harter Schlag, handelte es sich doch um die größte Firmeninsolvenz des Bundeslandes im Jahr 2024.
Mit der neuen Struktur als Windhager Best Heating Technology ist das Traditionsunternehmen nun Teil eines größeren Technologiekonzerns. BWT ist in Europa bekannt für Wasseraufbereitung und bringt finanzielle Ressourcen sowie Erfahrung mit, was Windhager langfristig Stabilität geben dürfte. Der Markenname Windhager bleibt ausdrücklich erhalten und soll weiter für Qualität im Heizungsbau stehen. Die Produktpalette – Pelletheizungen, Holzheizungen, Wärmepumpen und mehr – wird unter dem neuen Eigentümer fortgeführt und ausgebaut. Auch auf der Branchenmesse ISH 2025 in Frankfurt war Windhager wieder präsent, nun mit dem Zusatz Best Heating Technology im Logo.
Für die deutschen Kunden von Windhager stellte sich nach der Insolvenz zunächst die Frage, ob Wartung, Ersatzteile und Garantieleistungen weiter verfügbar sein würden. Die deutsche Vertriebsgesellschaft war rechtlich eigenständig und befand sich in Liquidation. Die gute Nachricht ist: Durch die Einigung mit BHT konnten Service und Vertrieb in Deutschland gesichert werden. Best Heating Technology hat in Deutschland neue Niederlassungen gegründet und übernimmt die Betreuung aller Windhager-Produkte. Künftige Windhager-Heizungen werden in Deutschland ebenfalls über BHT vertrieben und gewartet. Zwar musste der deutsche Hauptsitz in Gersthofen geschlossen werden und nahezu alle Mitarbeiter dort verloren ihren Arbeitsplatz, doch die Marke verschwindet nicht vom deutschen Markt.
Für Bestandskunden bedeutete die Übergangslösung zunächst einige Monate der Ungewissheit, insbesondere im Sommer 2024, als Windhager Deutschland den Kundendienst einstellen musste. In dieser Phase konnten Reparaturen und Wartungen nur eingeschränkt erfolgen. Mit dem Einstieg von BHT normalisierte sich die Situation jedoch wieder. Kunden in Deutschland können sich seither direkt an Windhager Best Heating Technology wenden. Auf rechtlicher Ebene dürfte BHT auch Markenrechte und Lagerbestände übernommen haben, sodass Ersatzteile verfügbar bleiben.
Rund ein Jahr nach der turbulenten Insolvenzwelle kann Entwarnung gegeben werden: Windhager ist derzeit nicht von einer Pleite bedroht. Das Unternehmen ist zwar insolvent gewesen, jedoch wurde das operative Geschäft durch den Investor übernommen und stabilisiert. Die Frage, ob Windhager insolvent ist, lässt sich somit mit Nein, nicht mehr beantworten. Die Insolvenz liegt in der Vergangenheit, und das Heizungsunternehmen arbeitet fortan unter neuem Eigentümer weiter.
Die laufenden insolvenzrechtlichen Vorgänge – etwa Gerichtsverfahren zur Verwertung der Altgesellschaften oder behördliche Ermittlungen – betreffen im Wesentlichen die Vergangenheit und die Verantwortlichen von damals, nicht den aktuellen Geschäftsbetrieb. Für die Zukunft des Unternehmens Windhager, jetzt als Teil von BWT, sind diese juristischen Nachspiele aber sekundär. Der neue Eigentümer hat klar gemacht, dass er an die Marke glaubt und sie weiterentwickeln will.
Aus heutiger Sicht deutet nichts darauf hin, dass Windhager oder BHT erneut in Zahlungsnöte geraten könnten. Im Gegenteil: Durch den Anschluss an die finanzstarke BWT-Gruppe verfügt Windhager über Rückhalt und Kapital, um die Herausforderungen der Heizungsbranche – von der Wärmewende bis zu schwankenden Märkten – besser zu bewältigen. Natürlich bleibt der Wettbewerb intensiv, gerade im Bereich der Wärmepumpen und neuen Heiztechnologien. Doch Windhager ist nun strategisch neu positioniert.
Windhager war insolvent, ist aber nicht pleite. Das Unternehmen wurde erfolgreich restrukturiert. Für Kunden, Mitarbeiter und Partner vermittelt die aktuelle Lage 2025 ein überwiegend positives Bild: Die Traditionsmarke existiert weiter und ist nicht akut insolvenzgefährdet, sondern hat im vergangenen Jahr einen Neuanfang unter dem Dach von BWT hingelegt. Windhager ist heute stabilisiert und setzt seinen Weg in die Zukunft fort.
© All rights reserved.