Erstellt von Lana

Ist OCEANSAPART insolvent? Die Hintergründe zur Krise der Activewear-Marke

In den letzten Monaten sorgten Schlagzeilen um die Berliner Activewear-Marke OCEANSAPART für Verunsicherung. Medien titelten unter anderem Activewear-Marke OCEANSAPART insolvent und fragten direkt: Ist OCEANSAPART insolvent? Viele Kundinnen und Kunden fragen sich, ob das Unternehmen Zahlungsschwierigkeiten hat, von einer Insolvenz bedroht ist oder sogar bereits pleite gegangen ist. In diesem Artikel beleuchten wir ausführlich die aktuelle Situation (Stand 2025) und klären, was hinter den Schlagzeilen steckt. Am Ende soll klar sein, ob OCEANSAPART tatsächlich vor dem Aus steht oder ob es für die Yogawear-Marke doch eine Zukunft gibt.

Vom Social-Media-Phänomen zum erfolgreichen Activewear-Label

OCEANSAPART wurde 2017 in Berlin gegründet. Das Unternehmen fokussierte sich von Beginn an stark auf Influencer- und Social-Media-Marketing mit großem Erfolg. Über Instagram und andere Kanäle baute sich OCEANSAPART schnell eine große Fangemeinde auf. Vor allem junge Frauen wurden mit farbenfroher Yogakleidung, Leggings und Sport-BHs angesprochen. Im Marketing setzte die Marke nahezu ausschließlich auf bekannte Influencerinnen und lockte mit hohen Rabatten auf ihre Produkte. Diese aggressive Social-Media-Strategie kurbelte das Wachstum an: Bereits 2023 erzielte OCEANSAPART einen Jahresumsatz von rund 65 Millionen Euro. Das Label expandierte in mehrere europäische Länder. Neben der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) ist OCEANSAPART auch in Frankreich, Italien, Spanien und Polen mit eigenen Online-Shops vertreten. Zudem kooperierte das Unternehmen mit großen Plattformen wie Zalando, um seine Activewear zu vertreiben. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich OCEANSAPART so vom Startup zu einer bekannten Marke im Bereich Yoga- und Sportbekleidung.

Erste Warnsignale: Strategiewechsel und finanzielle Schwierigkeiten

Trotz des schnellen Wachstums zeigten sich 2023 erste Warnsignale. OCEANSAPART unternahm eine strategische Neuausrichtung: Der Online-Shop wurde komplett überarbeitet, und das Sortiment aus Leggings, Sport-BHs, Loungewear und Accessoires neu aufgestellt. Auch personell gab es einschneidende Veränderungen. Im Jahr 2023 holte die Firma die erfahrene Branchenexpertin Silvana Bonello als neue Geschäftsführerin (CEO) an die Spitze. Bonello kam vom britischen Modeunternehmen Superdry, wo sie als COO tätig gewesen war, und hatte zuvor 18 Jahre bei Nike gearbeitet. Kurz vor der Krise stieß zudem Sam Lee als neue Finanzchefin zum Team – ebenfalls von Superdry kommend. Diese Personalien zeigten: OCEANSAPART versuchte, mit erfahrenem Management das Ruder herumzureißen und langfristig profitabler zu werden.

Trotz aller Maßnahmen geriet das Unternehmen jedoch in finanzielle Schieflage. Die starke Abhängigkeit von Rabattaktionen und Influencer-Marketing könnte die Margen belastet haben, denn permanente Preisnachlässe schmälern den Gewinn. Hinzu kamen offenbar Probleme bei der Finanzierung: Der Mehrheitseigner, der schwedische Private-Equity-Investor Altor, war seit 2021 an Bord, um das Wachstum zu unterstützen. Doch im Jahr 2024 blieb eine erwartete Finanzierungsrunde aus. Frisches Kapital, das dringend benötigt wurde, blieb aus, sodass OCEANSAPART zunehmend Liquiditätsprobleme bekam. Diese Kombination aus hohen Kosten, Strategiewechsel und ausbleibender Finanzspritze mündete schließlich in einer akuten Krise.

Insolvenzanmeldung im Juli 2024

Im Sommer 2024 spitzte sich die Lage so weit zu, dass die Insolvenz unvermeidbar wurde. Am 10. Juli 2024 stellte die Berliner Rise Up Fashion GmbH, die juristische Trägergesellschaft hinter OCEANSAPART, beim Amtsgericht Charlottenburg einen Insolvenzantrag. Vergangenes Missmanagement oder die allgemeine Marktlage der Modebranche dürften hierzu beigetragen haben. Tatsächlich war OCEANSAPART kein Einzelfall: Im ersten Halbjahr 2024 stieg die Zahl großer Firmeninsolvenzen in Deutschland deutlich an. Besonders betroffen waren Mode- und Einzelhandelsunternehmen, die unter Pandemie-Folgen, Konsumflaute und schwierigen Finanzierungsbedingungen litten. OCEANSAPART reiht sich in diesen Trend ein.

Zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags beschäftigte OCEANSAPART noch 129 Mitarbeitende. Die Nachricht bedeutete zunächst Ungewissheit für die Angestellten. Immerhin wurden Löhne und Gehälter vorerst durch das Insolvenzgeld abgesichert. Gleichzeitig bemühte sich der vom Gericht bestellte vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Florian Linkert um den Erhalt des Geschäftsbetriebs. Der Online-Verkauf lief weiter: Kundinnen konnten weiterhin Bestellungen aufgeben und erhielten ihre Ware ohne Verzögerung. Der Geschäftsbetrieb wurde bis auf Weiteres fortgeführt. Für die Kundschaft änderte sich in dieser Phase also zunächst nichts – außer der unsicheren Frage, wie lange es die Marke noch geben würde.

Parallel begann die Suche nach einem Investor. Die Insolvenzverwaltung beauftragte die M&A-Beratung Pluta Management damit, potenzielle Käufer für OCEANSAPART zu finden. Interesse schien vorhanden: OCEANSAPART ist eine starke Marke, die in mehreren europäischen Ländern präsent ist, und es gab zahlreiche Anfragen von Kaufinteressenten. Das Ziel war klar: eine übertragende Sanierung, bei der der Geschäftsbetrieb an einen neuen Eigentümer verkauft werden sollte, um die Marke und möglichst viele Arbeitsplätze zu retten.

Rettung in letzter Minute: Übernahme durch SNOCKS

Die erlösende Nachricht kam schließlich im Herbst 2024. Am 1. November 2024 wurde das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet, und zeitgleich konnte ein Käufer präsentiert werden. Neuer Eigentümer von OCEANSAPART wurde das Mannheimer E-Commerce-Label SNOCKS. SNOCKS, gegründet 2016, ist bekannt für Socken und Unterwäsche und hatte seinen Umsatz zuletzt ebenfalls stark gesteigert. Die beiden Gründer Johannes Kliesch und Rehan Choudhry sahen trotz der schwierigen Lage großes Potenzial in OCEANSAPART und entschieden sich, die Marke zu übernehmen.

Der Deal wurde als Asset Deal strukturiert: Eine neu gegründete Tochtergesellschaft von SNOCKS, die More than Oceans Apart GmbH, erwarb die Kernwerte von Rise Up Fashion wie Marke, Webshop und Warenlager. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Klar ist jedoch: Durch den Verkauf konnte ein gutes Ergebnis erzielt werden, und die Marke OCEANSAPART bleibt erhalten.

SNOCKS übernahm den laufenden Online-Geschäftsbetrieb nahtlos weiter und integrierte die Systeme, ohne dass Kundinnen etwas merkten. Von ehemals 129 Beschäftigten konnten allerdings nur 24 Mitarbeiter in der neuen Struktur weiterbeschäftigt werden. Dieser Personalabbau war notwendig, um OCEANSAPART schlanker aufzustellen. Dennoch bedeutete die Übernahme für den verbleibenden Kern der Belegschaft eine neue Perspektive. Ihre Jobs sind vorerst gesichert, und sie wurden ins Team von SNOCKS integriert.

Warum hat SNOCKS zugeschlagen? Laut Co-CEO Rehan Choudhry passt OCEANSAPART strategisch sehr gut ins Portfolio: SNOCKS hatte kurz zuvor begonnen, Sportbekleidung für Frauen anzubieten – ein Segment, in dem OCEANSAPART bereits stark ist. Zudem erhofft sich SNOCKS Know-how in puncto Internationalisierung, während OCEANSAPART im Gegenzug vom datenbasierten Geschäftsansatz von SNOCKS profitieren soll. Es scheint also ein Win-Win möglich: SNOCKS stärkt seine Marktposition im Activewear-Segment, OCEANSAPART erhält die finanzielle Stabilität und Strukturen, um neu durchzustarten. Die Übernahme am 22. November 2024 führte OCEANSAPART de facto aus der Insolvenz heraus. Gleichzeitig bedeutete sie den Ausstieg von Altor als Eigentümer, der sich vollständig zurückzog.

Neustart unter neuem Dach: Die Situation im Jahr 2025

Wie steht OCEANSAPART nun im Jahr 2025 da? Zunächst die wichtigste Nachricht: Der Geschäftsbetrieb geht weiter wie gewohnt, und die Marke existiert fort. Für Kundinnen und Kunden hat sich im Alltag nichts geändert. Bestellungen im Online-Shop sind weiterhin möglich und sicher, die Lieferungen erfolgen zuverlässig, und auch Rücksendungen werden normal bearbeitet. Der neue Eigentümer SNOCKS hat deutlich gemacht, dass OCEANSAPART als eigenständige Marke erhalten bleibt. Beide Labels werden zwar unter einem Dach zusammenarbeiten, aber getrennt am Markt auftreten. Kundinnen sollen beim Einkauf keine Veränderung bemerken.

Hinter den Kulissen arbeitet das neue Management daran, OCEANSAPART wieder auf Erfolgskurs zu bringen. In Mannheim und Berlin schmieden die Teams beider Firmen gemeinsame Pläne. Erste Anpassungen wurden bereits vorgenommen, um effizienter zu werden, ohne den Markenkern zu verändern. So bleibt OCEANSAPART weiterhin die Adresse für feminine Yoga- und Activewear, nur eben mit der Unterstützung und Erfahrung eines größeren Partners im Rücken. In einer Stellungnahme erklärte das Unternehmen: In erster Linie bedeutet die Übernahme, OCEANSAPART ist gerettet. Die Finanzierung ist dank des Investors langfristig gesichert.

Auch aus Investorensicht blickt man optimistisch in die Zukunft. Die Investition ermöglicht nicht nur die Fortführung der Geschäftstätigkeit, sondern schafft auch Synergien, von denen OCEANSAPART und SNOCKS gleichermaßen profitieren. So plant SNOCKS, die Prozessoptimierung und die datengesteuerten Marketingstrategien, in denen man selbst stark ist, bei OCEANSAPART einzuführen. Im Gegenzug soll OCEANSAPART SNOCKS helfen, international zu wachsen. Solche Synergien könnten beiden Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Für die verbliebenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet der Neustart zwar ein kleineres Team, aber auch die Chance, unter neuer Führung nochmals durchzustarten. Nach Monaten der Ungewissheit herrscht Erleichterung, dass es überhaupt weitergeht. Die Stimmung ist vorsichtig zuversichtlich.

Fazit: Droht OCEANSAPART aktuell die Pleite?

Nein, aktuell droht OCEANSAPART keine Pleite. Zwar war das Unternehmen im Juli 2024 faktisch insolvent und die Zukunft der Marke stand auf der Kippe. Doch durch die Übernahme durch SNOCKS wurde OCEANSAPART aus dem Insolvenzverfahren herausgeführt und hat nun einen finanzstarken Partner im Rücken. Der Geschäftsbetrieb läuft weiter, die Finanzierung ist gesichert und die Marke bleibt bestehen. Weder ist OCEANSAPART derzeit zahlungsunfähig, noch befindet es sich aktuell in akuter Insolvenzgefahr. Die schlimmste Krise scheint überwunden. Stand Ende 2025 lässt sich festhalten: OCEANSAPART ist gerettet und nicht von einer erneuten Pleite bedroht. Kunden können also beruhigt weiter ihre Yoga-Leggings shoppen und gespannt darauf schauen, wie das nächste Kapitel der OCEANSAPART-Geschichte unter SNOCKS Regie verlaufen wird.

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