letzte Aktualisierung: März 2026
Aktualisierung – März 2026
Dieser Artikel wurde im März 2026 vollständig neu verfasst. HABA hat das Insolvenzverfahren zum 1. März 2024 erfolgreich beendet. Das Unternehmen existiert weiter, hat sich aber erheblich verkleinert. Jako-o ist eingestellt, über 600 Stellen wurden abgebaut. Stand März 2026 kämpft HABA weiterhin mit dem schwierigen Marktumfeld.
HABA auf einen Blick – Stand: März 2026
| Insolvenzstatus | Verfahren abgeschlossen. Insolvenz in Eigenverwaltung: September 2023 bis 1. März 2024. |
| Unternehmen | Habermaass Familiengruppe (seit 2025), Sitz Bad Rodach. In Familienbesitz seit 1938. |
| Marken | HABA (Spielzeug) und Wehrfritz (früher HABA Pro, Möbel für Kitas). Jako-o eingestellt, Lizenz vergeben. |
| Stellenabbau | Rund 650 Stellen 2023/24 abgebaut. Weiterer Abbau: ca. 100 Stellen August 2024, ca. 50 Stellen Herbst 2025. |
| Insolvenzgericht | Amtsgericht Coburg |
| Aktueller Stand | Unternehmen aktiv. Weiterhin Stellenabbau und Konsolidierung. Neuer Erlebnis-Store in Bad Rodach eröffnet (Februar 2026). |
HABA, der Traditionshersteller von Holzspielzeug aus Bad Rodach, hat 2023 eine der größten Krisen seiner 85-jährigen Geschichte durchlebt. Nach einem Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung im September 2023 konnte das Unternehmen das Verfahren bereits zum 1. März 2024 erfolgreich abschließen. Der Preis war hoch: Der Versandhandel Jako-o wurde eingestellt, über 600 Stellen gingen verloren, ein Produktionsstandort wurde verkauft.
HABA existiert weiter und ist heute wieder eigenständig. Das Unternehmen fokussiert sich auf seine Kernkompetenzen: hochwertiges Holzspielzeug und Kita-Möbel. Der Weg zurück ist lang – auch 2025 gab es weitere Stellenstreichungen und der Markt bleibt schwierig.
Chronologie
HABA war in den vergangenen Jahren mit Expansionsplänen weit über das Kerngeschäft hinausgegangen. Jako-o sollte in zehn europäische Länder expandieren, der Umsatz von 360 Millionen auf 500 Millionen Euro wachsen. Die digitale Vernetzung der drei Geschäftsbereiche HABA, HABA Pro und Jako-o sollte das Unternehmen transformieren. Die Strategie scheiterte – an der Corona-Pandemie, an Lieferkettenproblemen, an Überkapazitäten und einem schwierigen Marktumfeld. Im Frühjahr 2023 verließ der verantwortliche Geschäftsführer das Unternehmen.
Im September 2023 stellte die HABA Sales GmbH & Co. KG beim Amtsgericht Coburg Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Als Sanierungsgeschäftsführer wurde Martin Mucha berufen, als Sachwalter Rechtsanwalt Tobias Sorg bestellt. Das Unternehmen sah im Verfahren eine "Chance auf einen kompletten Neustart".
Zeitstrahl: HABA 2023 bis 2026
Frühjahr 2023: Geschäftsführer verlässt das Unternehmen. Schließung der digitalen Werkstätten (April 2023). Ankündigung Stellenabbau (Juli 2023) und Einstellung Jako-o (August 2023).
September 2023: Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Coburg. Das Amtsgericht gibt dem Antrag statt. Sanierungsexperte Martin Mucha wird berufen.
Dezember 2023: Präsentation des „Zukunftspakts 2030“: Massiver Stellenabbau (~450 Stellen), Schließung des Produktionsstandorts Eisleben, Aufgabe von Jako-o.
1. Januar 2024: Schulmöbelwerk Eisleben wird an Mansfeld Anlagenbau und Umwelttechnik AG verkauft. Mehr als 70 Mitarbeiter übernommen.
1. März 2024: Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung erfolgreich abgeschlossen. HABA ist wieder eigenständig und kann an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen.
August 2024: Weiterer Stellenabbau von rund 100 Mitarbeitern bekannt gegeben. Markt bleibt schwierig, Konsolidierung geht weiter.
Herbst 2025: Erneuter Stellenabbau: rund 50 weitere Mitarbeiter betroffen. Marke Haba Pro wird in Wehrfritz umbenannt; Unternehmensgruppe heißt nun Habermaass Familiengruppe.
Februar 2026: Schließung des Familien-Outlets. Eröffnung des neuen HABA Erlebnis-Stores in der Firmenzentrale in Bad Rodach.
Hintergründe
HABA war über Jahrzehnte ein stabiles, renommiertes Familienunternehmen. Die Krise war hausgemächt: strategisch falsche Entscheidungen in der Pandemiezeit haben das Unternehmen in Schwierigkeiten gebracht.
Fehlgeleitete Expansion: Das Management setzte auf eine große digitale Wachstumsstrategie mit Jako-o in zehn europäischen Ländern und einem angestrebten Umsatzziel von 500 Millionen Euro. Die Strategie passte nicht zur tatsächlichen Marktentwicklung.
Jako-o als Verlustbringer: Der Versandhandel Jako-o für Kindermode und Zubehör schrieb Verluste und konnte den Sanierungsaufwand nicht rechtfertigen. Ein Weiterbetrieb hätte laut Geschäftsführung die Existenz des gesamten Unternehmens gefährdet.
Lieferkettenkrise und Rückgang: Die Pandemie führte zunächst zu Lieferproblemen, später brach die Nachfrage ein. Das Unternehmen blieb auf Lagerware sitzen und hatte Überkapazitäten aufgebaut.
Verlust kommunaler Aufträge: Ein erheblicher Teil des Umsatzes entfällt auf Möbel für Kitas und Schulen. Kommunen dürfen keine Verträge mit insolventen Unternehmen schließen – ein Teufelskreis während des Verfahrens.
Aktueller Stand
HABA ist kein insolventes Unternehmen mehr. Das Verfahren wurde vor über zwei Jahren abgeschlossen, das Unternehmen gehört weiterhin der Familie Habermaass und produziert am Stammwerk in Bad Rodach. Die beiden verbliebenen Marken HABA (Spielzeug) und Wehrfritz (ehemals HABA Pro, Kita-Möbel) werden weiterentwickelt.
Der Weg zurück ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Mehrfache Stellenstreichungen nach Abschluss des Insolvenzverfahrens zeigen, dass der Markt weiterhin Druck macht. Im Herbst 2025 wurden erneut rund 50 Stellen gestrichen. Im Februar 2026 wurde das traditionelle Familien-Outlet geschlossen und durch einen neuen Erlebnis-Store in der Firmenzentrale ersetzt.
Jako-o-Marke lebt weiter: Die Kinderbekleidungsmarke Jako-o wurde nicht vollständig aufgegeben. Die Lizenz wurde an einen externen Textilhersteller vergeben, der die Marke im Bereich Funktionsmode und Textilaccessoires weiterführt. HABA selbst ist aus dem Versandhandelsgeschäft ausgestiegen.
Fazit
Bewertung – März 2026
| Das Insolvenzverfahren wurde am 1. März 2024 erfolgreich abgeschlossen. HABA ist nicht mehr insolvent. | |
| Massiver Stellenabbau: Von ehemals über 1.800 auf heute deutlich weniger als 1.000 Mitarbeiter. Auch 2024 und 2025 gab es weitere Streichungen. | |
| Jako-o als Geschäftsbereich eingestellt. Produktionsstandort Eisleben verkauft. Rückzug aus mehreren Auslandsmärkten. | |
| HABA bleibt ein Familienunternehmen. Produktion in Bad Rodach läuft weiter. Marken HABA und Wehrfritz aktiv. | |
| Der Markt bleibt schwierig. 2026 ist HABA ein deutlich kleineres Unternehmen als vor der Krise – aber ein lebendes. |
HABA hat die Insolvenz überstanden, aber zu einem erheblichen Preis. Das Unternehmen ist kleiner, fokussierter und hat mehrere Geschäftsbereiche aufgegeben. Die Insolvenz war ein Warnschuss für ein Familienunternehmen, das sich mit einer überambitionierten Expansionsstrategie überhoben hatte.
Stand März 2026 kämpft HABA weiterhin mit einem schwierigen Marktumfeld. Die fortlaufenden Stellenabbaurunden zeigen, dass die Sanierung noch nicht abgeschlossen ist. Dennoch: Das Traditionsunternehmen aus Bad Rodach produziert weiter, die Marke HABA steht noch – und das ist angesichts der Krise von 2023 keine Selbstverständlichkeit.
Quellen
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