Erstellt von Lana

Ist der Outdoor-Händler Campz insolvent?

Campz ist ein großer Online-Fachhändler für Outdoor-, Camping- und Trekking-Ausrüstung. Der Shop gehörte zur deutschen Internetstores GmbH, die auch weitere bekannte Online-Shops im Sport- und Bike-Bereich betreibt, darunter Fahrrad.de, Bikester, Addnature und Brügelmann. Campz hat sich seit seiner Gründung einen Namen als Anlaufstelle für Outdoor-Enthusiasten gemacht und zählte zu den führenden Online-Anbietern in diesem Segment. Doch seit Ende 2023 kursiert die Frage, ob Campz in finanziellen Schwierigkeiten steckt oder gar insolvent ist.

In diesem Artikel beleuchten wir ausführlich die aktuelle Lage von Campz. Wir klären, wie es um die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens steht, welche Ereignisse zur Unsicherheit geführt haben und was die neuesten Entwicklungen (Stand 2025) für Kunden und die Zukunft von Campz bedeuten. Im Vordergrund steht dabei die Frage: Ist Campz aktuell von einer Insolvenz oder Pleite bedroht oder konnte der Outdoor-Händler gerettet werden?

Auslöser der Krise: Insolvenzwelle bei der Muttergesellschaft

Die Schwierigkeiten bei Campz sind nicht isoliert entstanden, sondern stehen im Zusammenhang mit der Insolvenz der Muttergesellschaft Signa Sports United (SSU) und ihrer Tochter Internetstores GmbH im Herbst 2023. SSU war ein E-Commerce-Konzern, zu dem zahlreiche Sport- und Outdoor-Onlinehändler gehörten, darunter Fahrrad.de, Bikester, Addnature, Tennis-Point, Wiggle und weitere. Insgesamt umfasste das Portfolio rund 80 Online-Shops, die durch SSU geführt wurden.

Im Oktober 2023 geriet dieses Netzwerk ins Wanken: Die österreichische Signa Holding GmbH, Hauptinvestor von SSU, geführt vom Unternehmer René Benko, zog eine fest zugesagte Finanzierung in letzter Minute zurück. Konkret handelte es sich um eine Eigenkapital-Finanzspritze von 150 Millionen Euro, die zur Stabilisierung von SSU dringend benötigt wurde. Zuvor hatte SSU bereits mit hohen Verlusten zu kämpfen; allein im Geschäftsjahr 2022 verzeichnete der Konzern einen Nettoverlust von rund einer halben Milliarde Euro. Der überraschende Rückzug der Finanzierung erwies sich als finaler Schlag für die ohnehin angeschlagene Gruppe.

In der Folge meldete zunächst die Internetstores GmbH Ende Oktober 2023 beim Amtsgericht Stuttgart Insolvenz an. Internetstores ist die operative Tochter, die die genannten Online-Shops, darunter auch Campz, direkt betreibt. Kurz darauf stellte auch die Muttergesellschaft Signa Sports United N.V. selbst einen Insolvenzantrag beim zuständigen Gericht in Bielefeld. Das vorläufige Insolvenzverfahren wurde eingeleitet; zum vorläufigen Insolvenzverwalter der deutschen Töchter wurde der Sanierungsexperte Dr. Christian Gerloff bestellt. Am 1. Januar 2024 eröffnete das Amtsgericht Bielefeld offiziell das Insolvenzverfahren über die Internetstores GmbH.

Für Campz bedeutete dies zunächst: Der Online-Shop war Teil einer akut zahlungsunfähigen Unternehmensgruppe. Mit der Insolvenz der Muttergesellschaft stand Campz indirekt vor dem Aus, denn eine Fortführung des Gesamtkonzerns schien zunächst unwahrscheinlich. Die deutsche Presse zählte Campz Ende Oktober 2023 explizit zu den vom drohenden Kollaps der Signa Sports United betroffenen Marken. So berichteten mehrere Medien, dass die gesamte Sportgruppe ohne die zugesagte Finanzhilfe insolvent sei – betroffen wären Campz, Wiggle, Fahrrad.de und Brügelmann.

Auswirkungen auf Kunden und Geschäftsbetrieb

Unmittelbar nach dem Insolvenzantrag kam es bei Campz wie bei den Schwester-Shops zu erheblichen Einschränkungen im Geschäftsbetrieb. Auf den Webseiten der Shops informierte das Unternehmen die Kundschaft über temporäre Einschränkungen: Bestellungen konnten sich verspäten, Rücksendungen und Reklamationen wurden vorerst nicht bearbeitet, und der Kundenservice arbeitete nur eingeschränkt. Ein Hinweis lautete etwa, dass aktuell keine Retouren abgewickelt werden können.

Viele Kundinnen und Kunden von Campz und Bikester bemerkten die Probleme schnell. Zahlreiche Erfahrungsberichte tauchten in der Folgezeit online auf, etwa auf Bewertungsportalen und in sozialen Medien. Dort schilderten Käufer, dass sie wochenlang auf Lieferungen warteten oder auf Erstattungen retournierter Ware hofften. Der Schweizer Konsumentenschutz warnte Mitte November 2023 öffentlich vor Bestellungen bei den Internetstores-Shops und riet vorerst davon ab. Hintergrund war, dass bezahlte Bestellungen teils nicht geliefert wurden und Rückerstattungen ausblieben. Diese Berichte deckten sich mit den Erfahrungen zahlreicher Käufer in dieser Phase der Insolvenz.

Erst gegen Ende November 2023 gab es leichte Entwarnung bezüglich des Kundenservice: Die Internetstores GmbH teilte mit, dass sie ab dem 31. Oktober 2023 wieder Retouren und Reklamationen bearbeite, wenn auch mit Verzögerungen. Tatsächlich zeigten spätere Bewertungen ein gemischtes Bild: Einige Kunden erhielten im November und Dezember ihre Waren oder Rückzahlungen, während andere weiterhin auf Lieferungen warteten. Auch beim Outdoorshop Campz selbst tauchten ab Ende November negative Kundenbewertungen auf, die ausbleibende Lieferungen monierten. Für Verbraucher blieb die Situation also bis zum Jahresende 2023 unsicher. Wer in dieser Phase bei Campz bestellte, ging das Risiko ein, Ware und Geld eventuell zu verlieren, falls das Unternehmen nicht gerettet würde.

Sanierungsbestrebungen: Verkauf statt vollständige Abwicklung

Angesichts der Größenordnung des Unternehmens versuchten der Insolvenzverwalter und das Management intensiv, Lösungen zu finden, um zumindest profitablen Teilen der Firma eine Zukunft zu ermöglichen. Eine vollständige Liquidation des gesamten Internetstores-Konzerns hätte erhebliche Verluste für Gläubiger und Investoren bedeutet und Tausende Kunden dauerhaft verprellt. Daher bemühte man sich um Investoren, die einzelne Sparten oder Marken übernehmen könnten.

Zunächst wurde geprüft, ob ein Verkauf der Gruppe als Ganzes möglich sei. Doch bereits im Winter 2023/24 zeichnete sich ab, dass sich kein Käufer für alle Bereiche von Internetstores finden würde. Brancheninsider berichteten, dass eine Fortführung des Unternehmens in Gänze unwahrscheinlich sei. Stattdessen kristallisierte sich ein Teilverkauf der Einzelmarken als realistischste Lösung heraus – ein Ansatz, den der Insolvenzverwalter schließlich verfolgte.

Die Bemühungen trugen Erfolg: Bis Ende März 2024 konnte Insolvenzverwalter Dr. Christian Gerloff für alle wesentlichen Marken der Internetstores GmbH einen Käufer präsentieren. Er erklärte, dass alle wichtigen Marken nun die Chance hätten, unter neuer Eigentümerschaft neu zu starten. Diese Teillösungen seien angesichts der angespannten Marktlage im Sportartikelhandel und der komplexen Konzernstruktur keineswegs selbstverständlich.

Übernahme von Campz: Neuer Investor übernimmt das Ruder

Für die Outdoor-Marke Campz fand sich konkret ein Investor aus der Sportartikelbranche, der jedoch vorerst ungenannt bleiben wollte. In einer offiziellen Mitteilung Ende April 2024 bestätigte Internetstores diesen Deal: Neben den bereits zuvor vereinbarten Verkäufen der Fahrrad-Sparte (Fahrrad.de und Bikester) und der skandinavischen Outdoor-Tochter Addnature wurde nun auch Campz an einen neuen Eigentümer übertragen. Die Markenrechte und Domains von Campz wechselten demnach in den Besitz des unbekannten Brancheninvestors. Damit war Campz gerettet und sollte unter neuer Regie weitergeführt werden.

Ein kurzer Überblick über die Aufspaltung von Internetstores im Frühjahr 2024 zeigt die Lösungen im Einzelnen:

  • Fahrrad.de und Bikester (Bike-Sparte Europa): René Marius Köhler, der Gründer von Internetstores, kaufte über seine Investmentgesellschaft diese Kernmarken seines früheren Unternehmens zurück. Ab 1. Mai 2024 übernahm Köhlers neue Firma offiziell den Betrieb von Fahrrad.de und Bikester in Zentraleuropa. Auch vier von fünf stationären Fahrrad.de-Läden in Deutschland blieben erhalten.
  • Addnature und Bikester (Skandinavien): Die schwedische Firma WeSports Scandinavia AB erwarb die Internetstores-Tochter Addnature AB vollständig sowie die Markenrechte von Bikester für Norwegen, Schweden und Finnland. WeSports war bereits 2022 durch die Übernahme des deutschen Onlinehändlers Keller Sports bekannt geworden.
  • Campz (Outdoor-Sparte Europa): Ein strategischer Investor aus der Sportartikelbranche übernahm Marke und Domain von Campz. Der Name dieses Investors wurde nicht genannt. Branchenkreise spekulierten, dass es sich um einen etablierten Marktteilnehmer handeln könnte, der sein Online-Portfolio im Outdoor-Bereich erweitern möchte. Für Campz bedeutete dies in jedem Fall eine Zukunftsperspektive unter neuem Eigentümer.

Mit diesen Verkäufen waren die wichtigsten Teile von Internetstores verwertet und gleichzeitig fortführungsfähig gemacht. Das insolvente Unternehmen selbst wurde damit faktisch zerschlagen. Die Marke Campz jedoch wurde nahtlos in die Strukturen des neuen Besitzers integriert, sodass der Online-Shop für Kunden weiterhin erreichbar war. Bereits im Laufe des Jahres 2024 normalisierte sich der Betrieb schrittweise: Lieferungen und Rücksendungen konnten wieder im üblichen Rahmen abgewickelt werden, da nun ein zahlungsfähiger Betreiber im Hintergrund stand.

Aktuelle Situation 2025: Ist Campz (noch) von einer Pleite bedroht?

Nach erfolgreicher Übernahme durch den Investor hat sich die Lage bei Campz deutlich stabilisiert. Der Online-Shop wird unter neuer Regie fortgeführt und ist weiterhin am Markt aktiv. Für die Kundschaft macht sich der Eigentümerwechsel vor allem dadurch bemerkbar, dass Campz nun Teil eines anderen Unternehmensverbunds ist. Die Website Campz.de läuft inzwischen über die Infrastruktur eines etablierten Outdoor-Händlers. Die Bestellabwicklung, das Sortiment und der Service entsprechen wieder dem Standard eines funktionierenden Versandhändlers.

Kurz gesagt: Campz ist aktuell nicht von einer Pleite bedroht. Im Gegenteil, nach der Insolvenz im Jahr 2023 wurde der Shop im Zuge der Restrukturierung gerettet. Diese neue Eigentümerschaft ist inzwischen Realität und Campz nutzt diese zweite Chance. Der Investor, der Campz übernommen hat, stellt offenbar sicher, dass der Geschäftsbetrieb weiterläuft und Kunden ihre Bestellungen erhalten. Damit sind die schlimmsten Befürchtungen, etwa einer endgültigen Schließung oder Liquidation, vorerst vom Tisch.

Ausblick

Die Outdoor-Branche insgesamt erlebte in den letzten Jahren turbulente Zeiten. Nach einem Boom während der Pandemie folgte teils eine Sättigung und Überbestände, was einigen Händlern Probleme bereitete. Auch Campz war indirekt Opfer dieser Marktentwicklung und der finanzpolitischen Entscheidungen bei seinem früheren Mutterkonzern. Doch mit der aktuellen Lösung zeigt sich, dass starke Marken in der Regel Überlebenschancen haben, wenn Investoren Potenzial sehen.

Für die Kunden bedeutet die Fortführung von Campz, dass sie weiterhin bei dem vertrauten Online-Shop einkaufen können. Allerdings lohnt sich ein Blick auf die Impressumsangaben: Dort findet man nun den neuen Betreiber. Transparenz seitens des neuen Eigentümers und eine verlässliche Kundenbetreuung werden entscheidend sein, um verlorenes Vertrauen nach der Insolvenzkrise zurückzugewinnen.

Fazit

Nach heutigem Stand ist Campz nicht pleite und auch nicht in akuten Zahlungsschwierigkeiten. Die Insolvenz gehörte zur Vergangenheit im Zuge des Signa-Sports-Desasters. Inzwischen steht Campz unter neuer Führung. Die Frage, ob Campz insolvent ist, kann somit verneint werden: Campz ist aktuell nicht von einer Insolvenz bedroht, sondern wird im Rahmen des übernommenen Geschäfts weitergeführt. Für Outdoor-Fans und Kunden sind das gute Nachrichten: Der Shop bleibt bestehen, und die dramatischen Monate Ende 2023 sind überwunden. Damit hat Campz vorerst die Kurve gekriegt und kann optimistisch in die Zukunft blicken.

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