Unternehmerblatt.de: Hallo Tobias, es ist schön, dass du dir Zeit für das Interview nimmst. Kommen wir direkt zur Sache: Du hast vor deiner Plattformgründung (WKDM) eine erfolgreiche Digitalagentur geleitet. Wir wissen aus Recherchen, dass du stark in SEO und Programmierung unterwegs warst. War dieses Wissen der Schlüssel zur Gründung von „Wir kaufen dein Motorrad“?
Tobias Peuckert: Danke, ich freue mich hier zu sein – Ganz klar: ja. Ich komme aus der digitalen Praxis, SEO, Performance Marketing, Automatisierung, das war mein Tagesgeschäft. Aber vielleicht noch wichtiger war: Ich hatte über Jahre ein Team aufgebaut, das technisch stark war und eigenständig denken konnte. Dieses Team hat den Weg mit mir gemeinsam gemacht. Wir sind zusammen von der Agenturwelt in die Produktwelt gewechselt und haben mit „Wir kaufen dein Motorrad“ (WKDM) ein System geschaffen, das komplett digital tickt. Ohne dieses eingespielte Team hätte das nicht funktioniert.
Unternehmerblatt.de: Ihr seid heute eine der schnellsten und erfolgreichsten Ankaufsplattformen in Europa. Ist Geschwindigkeit euer größter Wettbewerbsvorteil?
Tobias Peuckert: Sie ist ein ganz entscheidender. Der klassische Gebrauchtfahrzeugverkauf dauert. Man inseriert, wartet, schreibt Mails, telefoniert, organisiert Übergabe, verhandelt. Bei uns dauert es oft nur Minuten bis zum Angebot, und wenige Tage bis zur Abholung und Zahlung. Viele Verkäufer wollen einfach schnell ein faires Angebot und das Thema vom Tisch haben. Genau das liefern wir, ohne Kompromisse bei Preis oder Transparenz. Deshalb sagen wir: Wir sind nicht nur schnell, wir sind auch klar und fair. Das ist die Kombination, die zieht.
Unternehmerblatt.de: Apropos fair: Als Plattform, die zwischen Verkäufer und Händler steht, müsst ihr auch verdienen. Wie schafft ihr es, dennoch die „fairsten Preise am Markt“ zu halten?
Tobias Peuckert: Indem wir nicht wie ein klassischer Zwischenhändler kalkulieren. Wir haben keine Verkaufsflächen, keine Vertriebsabteilungen, kein Papierchaos. Stattdessen: Datenmodelle, automatisierte Prozesse und ein europaweites Händlernetzwerk. Die Preisermittlung basiert auf realen Marktdaten, kombiniert mit Erfahrung und Künstlicher Intelligenz. Dadurch reduzieren wir Streuverluste und Marge. Und: Wir vertreten die Interessen des Verkäufers. Unser Ziel ist, den besten Preis für das Fahrzeug zu erzielen.
Unternehmerblatt.de: Du sprichst es an – ihr nutzt AI Engineering. Wie konkret unterstützt euch KI im Tagesgeschäft?
Tobias Peuckert: In ganz vielen Bereichen. Zum Beispiel analysiert unser Bewertungssystem automatisch Tausende Vergleichspreise, Modellhistorien, Saisonalitäten, und schlägt darauf basierend eine marktgerechte Preisrange vor, in Echtzeit. Oder: Unsere Systeme erkennen automatisch unstimmige Angaben oder Bildfehler, schlagen optimierte Angebote vor, sortieren Leads nach Relevanz. Auch die Händleranbindung ist KI-gestützt. Passende Bikes werden automatisch in die richtigen Portfolios gematcht. Das spart Zeit, reduziert Fehler und macht die gesamte Plattform skalierbar.
Unternehmerblatt.de: Ihr habt das größte Händlerverzeichnis Europas. Wie ist das gewachsen?
Tobias Peuckert: Organisch, durch gute Erfahrungen und gezielte Zusammenarbeit. Wir haben früh mit ausgewählten Partnern gearbeitet, Prozesse standardisiert, Zuverlässigkeit geliefert. Die Händler wussten schnell: Wenn ein Bike von uns kommt, stimmt der Zustand, die Dokumentation ist vollständig, und der Preis ist marktgerecht. Dadurch ist das Netzwerk gewachsen. Heute arbeiten wir mit mehreren Hundert Händlern europaweit, in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Polen, Litauen, Großbritannien. Das gibt uns Reichweite, aber auch Tiefe. Wir können praktisch für jede Maschine in kürzester Zeit einen passenden Abnehmer finden.
Unternehmerblatt.de: Es gibt andere Verkaufsplattformen, bei denen Verkäufer oft tagelang zwischen Anfragen hin- und herschalten. Bei euch ist das anders – warum?
Tobias Peuckert: Weil wir den gesamten Prozess einmal radikal zu Ende gedacht haben – aus Sicht des Verkäufers. Der will kein Bieterkarussell. Der will Klarheit. Bei uns ist das Prinzip: „Eingeben, Angebot erhalten, bestätigen, fertig.“ Keine versteckten Gebühren, keine Endlosverhandlungen, keine Rückfragen. Wir haben bewusst viele Reibungspunkte entfernt und das funktioniert. Die meisten Verkäufer sagen uns nach dem Verkauf: „Ich hätte nicht gedacht, dass es so einfach geht.“ Genau das wollen wir hören.
Unternehmerblatt.de: Neben dem Motorradmarkt habt ihr auch mit „Fahrrad Online Verkaufen“ eine Plattform im E-Bike- und Fahrradsegment aufgebaut. Funktioniert das Modell dort genauso gut?
Tobias Peuckert: Ja, fast noch besser. Der Markt ist anders, aber das Bedürfnis ist ähnlich: Wer ein hochwertiges Fahrrad oder E-Bike verkaufen will, hat oft keinen Nerv für Kleinanzeigen oder Flohmärkte. Gleichzeitig sind viele Räder technisch anspruchsvoll. Akku, Sensoren, Schaltung – da braucht es Käufer, die wissen, was sie tun. Wir bieten auch hier: faire Bewertung, Abholung, sofortige Bezahlung. Und weil Fahrräder leichter zu transportieren sind, geht vieles sogar noch schneller. Der Marktzugang ist da und wir bauen das Projekt konsequent weiter aus.
Unternehmerblatt.de: Im Vorgespräch hast du angedeutet, dass es weitere Projekte in Planung gibt – teils neu gegründet, teils aufgekauft. Was kannst du darüber sagen?
Tobias Peuckert: Nicht viel – noch nicht. Wir haben in den letzten Monaten sehr intensiv an neuen Konzepten gearbeitet, auch Akquisitionen getätigt. Alles bewegt sich im Mobilitäts- und Zweirad-Ökosystem, aber darüber hinaus möchte ich aktuell keine Namen nennen. Ich kann nur sagen: Die Leserinnen und Leser werden in den nächsten Monaten davon hören und vermutlich merken, dass sich ein paar Dinge im Markt verändern.
Unternehmerblatt.de: Wenn man euch genauer betrachtet, sieht man: Die gesamte Firma ist von A bis Z digital aufgestellt. War das von Anfang an so geplant?
Tobias Peuckert: Absolut. Wir sind kein klassischer Händler, der jetzt nachträglich digitalisiert. Wir sind digital-first von Tag eins. Das bedeutet: Jedes Formular, jeder Prozess, jeder Kundenkontakt ist online gedacht. Wir haben keine Papierverträge, keine Außendienstler, keine Hotline mit Wartezeiten. Alles läuft automatisiert, aber mit persönlichem Service dort, wo es wichtig ist. Das ist effizient und gibt uns die Skalierung, die wir brauchen. Nur so konnten wir in wenigen Jahren europaweit aktiv werden.
Unternehmerblatt.de: Tobias, letzte Frage: Viele unserer Leser denken gerade darüber nach, selbst zu gründen. Was würdest du ihnen mitgeben, gerade, wenn sie wie du aus einem Agenturkontext kommen?
Tobias Peuckert: Erstens: Gründet nicht einfach, um zu gründen. Löst ein Problem, das ihr selbst nachvollziehen könnt – das war bei mir der Motorradverkauf. Zweitens: Holt euer Team mit. Alleine geht’s vielleicht schneller, gemeinsam kommt man weiter. Ich wäre ohne mein Team heute nicht da. Und drittens: Denkt in Systemen. Es reicht nicht, eine gute Website zu bauen, man muss Prozesse automatisieren, skalieren, digital abbilden. Nur dann wird aus einer Idee auch ein wachstumsfähiges Unternehmen. Und keine Angst vor Technik: Viele Dinge sind heute einfacher umsetzbar als je zuvor.
Unternehmerblatt.de: Tobias, danke für das Gespräch. Wir sind gespannt, was du und dein Team als Nächstes auf die Beine stellt!
Tobias Peuckert: Ich danke euch, bis bald!
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