Die Frage, ob die bekannte Süßwarenkette Hussel insolvent ist, beschäftigt derzeit viele Kunden und Branchenbeobachter. Tatsächlich musste Hussel einst eine der größten Confiserie-Fachhandelsketten Deutschlands in den vergangenen Jahren zweimal Insolvenz anmelden. Doch heißt das, dass Hussel kurz vor dem endgültigen Aus steht? Aktuell deutet vieles darauf hin, dass die Marke Hussel trotz großer Zahlungsschwierigkeiten durch einen Investor gerettet wurde und nicht komplett von der Pleite bedroht ist. Im Folgenden werden die Hintergründe, die Insolvenzen von 2021 und 2024 sowie die aktuelle Situation im Jahr 2025 beleuchtet.
Hussel ist seit Jahrzehnten ein fester Begriff für hochwertige Pralinen, Schokoladen und Konfekt. Gegründet 1949 in Hagen, wuchs die Kette zu einem der führenden deutschen Süßwareneinzelhändler mit hunderten Filialen. 2018 wurde Hussel von der norddeutschen Arko-Gruppe inklusive der Tee-Fachmarke Eilles übernommen, mit dem Ziel, gemeinsam zu expandieren. Durch den Zusammenschluss von Arko, Eilles und Hussel entstand zeitweise Europas größter Confiserie-Fachhändler mit rund 450 Filialen und etwa 2000 Mitarbeitern. Doch der erhoffte langfristige Erfolg blieb aus. Statt Wachstum geriet das Unternehmen in eine ernste Schieflage, zu der mehrere Faktoren beitrugen: ein schwieriges Marktumfeld im stationären Handel, wachsender Wettbewerbsdruck durch Online-Anbieter und Discounter sowie die COVID-19-Pandemie als entscheidender Einschnitt.
Im Frühjahr 2020 traf die Corona-Krise den Einzelhandel mit voller Wucht. Lockdowns und Umsatzeinbrüche brachten auch die Deutsche Confiserie Holding, unter deren Dach Hussel, Arko und Eilles vereint waren, in existenzielle Nöte. Im Januar 2021 meldeten Hussel und die Schwestermarken erstmals Insolvenz an, ausgelöst durch drastische Umsatzeinbußen in der Pandemie. Damals nutzte die Gruppe ein sogenanntes Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung, um sich selbst zu sanieren. Der Eigentümer, die Unternehmerfamilie Morzynski, stockte das Kapital auf, sodass der Geschäftsbetrieb weiterlaufen konnte. Bereits im Oktober 2021 hob das Amtsgericht die Insolvenz wieder auf. Hussel und die anderen Marken hatten sich also vorerst gerettet, indem Filialen geschlossen, Kosten gesenkt und Investorenmittel genutzt wurden. Die Strategie sah vor, das Sortiment zu straffen und alle Arko-Filialen schrittweise in Hussel umzubenennen. Zudem wurde eine Anleihe für Investoren mit 7 Prozent Zins aufgelegt, um frisches Geld zu beschaffen. Trotz dieser Maßnahmen blieb die Lage angespannt.
Ende 2023 machten steigende Kosten, vor allem für Rohstoffe wie Kakao, und eine konsumzurückhaltende Kundschaft den Sanierungserfolgen einen Strich durch die Rechnung. Die Confiserie-Gruppe rutschte erneut in die Verlustzone. Eine außergerichtliche Weiterfinanzierung war nicht mehr möglich. Am 31. Januar 2024 folgte daher der erneute Insolvenzantrag für Hussel, Arko und Eilles beim Amtsgericht Norderstedt. Das war ein Schock für Mitarbeiter und Kunden, zumal es die zweite Insolvenz innerhalb von drei Jahren war. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der erfahrene Anwalt Dietmar Penzlin bestellt. Rund 300 Filialen mit etwa 1200 Beschäftigten umfasste das Filialnetz zu diesem Zeitpunkt noch. Durch das Insolvenzgeld waren Löhne und Gehälter der Mitarbeiter zunächst für drei Monate gesichert. Die zentrale Frage war nun: Findet sich ein Investor, der Hussel und die Schwesterfirmen übernimmt und weiterführt? Ohne einen Käufer drohte die Gruppe endgültig vor dem Aus zu stehen.
Die Insolvenzverwaltung leitete umgehend einen Investorenprozess ein, und tatsächlich gab es Interessenten für die Traditionsmarken. Bereits im Frühjahr 2024 konnte eine Lösung präsentiert werden: Der mittelständische Süßwarenhersteller Viba Sweets aus Thüringen übernahm einen Großteil der Geschäfte von Hussel, Arko und Eilles. Viba ist vor allem für Nougat und Schokoladen bekannt und betreibt selbst einige Confiserie-Filialen. Die Übernahme, die zum 1. Mai 2024 wirksam wurde, erfolgte als sogenannter Asset-Deal im Rahmen einer übertragenen Sanierung. Konkret bedeutete das: Viba kaufte die Markenrechte und übernahm ausgewählte Standorte sowie Mitarbeiter aus der Insolvenzmasse. Von vormals etwa 200 eigenen Filialen der drei Ketten konnten rund 160 Standorte erhalten bleiben, inklusive Franchise-Shops. Etwa 600 Arbeitsplätze wurden gerettet und in die Viba-Gruppe integriert. Die übrigen Filialen mussten allerdings geschlossen werden, sodass das Verkaufsnetz nun deutlich kleiner ist als vor der Insolvenz.
Die neuen Eigner zeigten sich zuversichtlich, Hussel und die Schwesterfirmen in eine stabile Zukunft führen zu können. Wenn es uns gelingt, den Einkauf in unseren Filialen zum Erlebnis für Kunden werden zu lassen, sind wir zuversichtlich, dass sich unsere Fachgeschäfte am Markt behaupten und ein wertvoller Baustein attraktiver Innenstädte bleiben, erklärten die Viba-Gesellschafter Karl Heinz Einhäuser und Holger Storch. Gleichzeitig warnte Viba vor zu hohen Erwartungen: Die Integration finde in wirtschaftlich turbulenten Zeiten statt, insbesondere gestiegene Rohstoffkosten stellten eine Herausforderung dar. Wir sind uns bewusst, dass der gemeinsame Weg herausfordernd wird, so das Unternehmen weiter. Mit anderen Worten: Hussel ist zwar gerettet, aber der Neuanfang wird kein Selbstläufer.
Heute, im Herbst 2025, firmiert das fortgeführte Filialnetz unter dem Dach der Hussel Confiserie GmbH mit Sitz in Thüringen, einer neu gegründeten Gesellschaft der Viba-Gruppe. Die Traditionsmarke Hussel bleibt also erhalten, wenn auch in verkleinerter Form. Kunden merken die Änderung kaum: Viele der geretteten Läden treten weiterhin unter dem bekannten grünen Hussel-Logo auf, teils ergänzt um das Sortiment der neuen Muttergesellschaft Viba. Hinter den Kulissen wurden jedoch zentrale Strukturen verändert: Verwaltung, Logistik und Einkauf wurden in die Viba-Unternehmensgruppe integriert. Auch das Sortiment wird vereinheitlicht. So findet man nun vermehrt Viba-Nougat und Produkte der Viba-Tochter Confiserie Heilemann in den Regalen der Hussel- und Arko-Geschäfte. Die Marke Arko bleibt als regionaler Name teils bestehen, soll aber perspektivisch in Hussel aufgehen. Die Franchise-Nehmer der früheren Arko-Läden sind weiterhin an Bord und betreiben ihre Filialen in Kooperation mit Viba. Zudem beliefert Viba weiterhin über 3500 Verkaufsstellen im Lebensmitteleinzelhandel mit Produkten der übernommenen Marken. Dieser Vertriebskanal, etwa in Supermärkten von Edeka oder Rewe, blieb erhalten und bietet ein zusätzliches Standbein.
Finanziell befindet sich Hussel dank der Übernahme zunächst auf sichererem Terrain. Die akute Zahlungsunfähigkeit, die Anfang 2024 zur Insolvenz führte, ist beseitigt, da Viba frisches Kapital eingebracht hat und unwirtschaftliche Filialen geschlossen wurden. Branchenexperten betonen allerdings, dass die Herausforderungen für stationäre Fachhändler weiterhin bestehen. Besonders Pralinen und Confiserie-Artikel haben es schwer, da jüngere Kundengruppen seltener klassische Pralinenläden aufsuchen und generell eine Kaufzurückhaltung im Einzelhandel spürbar ist. Viba setzt daher auf ein modernes Einkaufserlebnis und hochwertige Marken, um Hussel erfolgreich weiterzuführen. Erste Anzeichen sind positiv: Viele Stammkunden sind nach dem Eigentümerwechsel zurückgekehrt, und das Weihnachtsgeschäft 2024 lief besser als im Krisenjahr zuvor. Konkrete Umsatzzahlen wurden zwar nicht veröffentlicht, doch die Stimmung in den weiterhin betriebenen Hussel-Filialen ist verhalten optimistisch.
Nein, aktuell ist Hussel nicht von einer Pleite bedroht. Zwar war die Hussel GmbH als eigenständiges Unternehmen im Jahr 2024 insolvent und befindet sich in Abwicklung, doch die Marke und viele Filialen wurden gerettet. Durch die Übernahme durch Viba Sweets konnten rund 160 Geschäfte weitergeführt und 600 Jobs erhalten werden. Hussel ist nun Teil eines größeren mittelständischen Süßwarenunternehmens, das genügend finanzielle Mittel und Erfahrung mitbringt, um den Betrieb vorerst zu sichern. Der Traditions-Confiseriehändler steht also nicht vor dem sofortigen Aus, sondern hat eine zweite Chance bekommen. Allerdings bleibt abzuwarten, ob der eingeschlagene Sanierungskurs langfristig greift. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Hussel unter dem Dach von Viba wieder dauerhaft profitabel arbeiten kann. Für die Kunden jedenfalls gibt es vorerst Entwarnung: Die vertrauten Hussel-Läden mit ihrer Auswahl an Pralinen, Schokoladen und Gebäck bleiben ihnen in vielen Städten weiterhin erhalten, und ein Stück Traditionssüße damit bewahrt.
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