letzte Aktualisierung: März 2026
Wenn der Name Tesla fällt, denken die meisten sofort an Elon Musk. Der exzentrische Milliardär ist heute das unbestrittene Gesicht des Unternehmens, führt es als CEO, prägt seine öffentliche Wahrnehmung und hat seinen Namen unlösbar mit der Marke verbunden. Doch wer Tesla wirklich gegründet hat, ist eine andere Geschichte – eine, die mit zwei weitgehend vergessenen Ingenieuren beginnt und in einem Rechtsstreit endet.
Tesla Motors Incorporated wurde am 1. Juli 2003 in San Carlos, Kalifornien, ins Firmenregister eingetragen. Die Gründer waren Martin Eberhard und Marc Tarpenning – zwei US-amerikanische Softwareingenieure, die sich bereits seit 1988 kannten und regelmäßig zum Kaffee trafen. Elon Musk war zu diesem Zeitpunkt nicht dabei.
Eberhard, Jahrgang 1960, hatte an der University of Illinois einen Bachelor in Computerentwicklung und später einen Master in Elektroingenieurwesen erworben. Tarpenning war ebenfalls Ingenieur und langjähriger Geschäftspartner. Gemeinsam hatten die beiden zuvor das Unternehmen NuvoMedia aufgebaut, das eines der ersten elektronischen Lesegeräte der Welt, das Rocket eBook, entwickelte. Im Jahr 2000 verkauften sie NuvoMedia für 187 Millionen US-Dollar an einen amerikanischen Medienkonzern – ein bemerkenswerter Exit für damalige Verhältnisse.
Wie so manche Gründungsgeschichte beginnt auch die von Tesla nicht im Konferenzraum, sondern in einem persönlichen Erlebnis. Eberhard erzählte später, er habe sich nach seiner Scheidung im Jahr 2000 mit einem Sportwagen trösten wollen. Im Autohaus angekommen, sei er jedoch vom Kraftstoffverbrauch der verfügbaren Modelle so schockiert gewesen, dass er den Kauf nicht über sich brachte. Das sei der Moment gewesen, in dem er begann, sich ernsthaft mit Elektroautos zu beschäftigen.
Was er dabei feststellte: Die Batterietechnologie hatte sich in den Jahren zuvor durch die Massenproduktion von Laptop-Akkus erheblich verbessert. Es gab Lithium-Ionen-Zellen, die leistungsstark genug waren, um ein Fahrzeug anzutreiben – man musste sie nur richtig zusammenschalten. Eberhard überzeugte Tarpenning von der Idee, und im Sommer 2003 gründeten die beiden Tesla Motors mit dem Ziel, ein leistungsstarkes, alltagstaugliches Elektroauto zu bauen, das mit konventionellen Sportwagen konkurrieren konnte.
Der Name Tesla wurde von Eberhard gewählt – in Anlehnung an Nikola Tesla, den Pionier der Wechselstromtechnik. Der Überlieferung nach fiel ihm der Name beim Besuch des Themenrestaurants Blue Bayou in Disneyland ein.
Um das Unternehmen finanzieren zu können, suchten Eberhard und Tarpenning im Silicon Valley nach Investoren. Im Februar 2004 fanden sie ihren ersten großen Geldgeber: Elon Musk, der zuvor als Mitgründer des Bezahldienstes PayPal beim Verkauf an eBay rund 165 Millionen US-Dollar verdient hatte und auf der Suche nach einem vielversprechenden Elektromobilitäts-Startup war.
| Person | Rolle | Einstieg |
|---|---|---|
| Martin Eberhard | Gründer, erster CEO | Juli 2003 (Gründung) |
| Marc Tarpenning | Gründer, erster CFO | Juli 2003 (Gründung) |
| Ian Wright | Mitgründer, früher Mitarbeiter | Herbst 2003 |
| Elon Musk | Hauptinvestor, später CEO | Februar 2004 |
| J.B. Straubel | Mitgründer, Cheftechniker | Mai 2004 |
Musk investierte in der ersten Finanzierungsrunde der Serie A 6,5 Millionen der insgesamt 7,5 Millionen US-Dollar und wurde damit sofort zum dominierenden Geldgeber. Als Gegenleistung übernahm er den Vorsitz des Verwaltungsrats. Weitere frühe Investoren waren unter anderem die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page sowie der erste eBay-Präsident Jeff Skoll.
Um Zeit und Kosten zu sparen, entschieden sich Eberhard, Tarpenning und Musk, kein Fahrzeug von Grund auf neu zu entwickeln. Stattdessen lizenzierten sie die Plattform des britischen Sportwagenherstellers Lotus Cars, konkret die des Lotus Elise. In diesen Rahmen integrierten die Tesla-Ingenieure ein Paket aus Laptop-Lithium-Ionen-Akkus und einen Elektromotor. Das Ergebnis: ein leichter, schneller Roadster, der von 0 auf 100 km/h in etwa vier Sekunden beschleunigte und eine Reichweite von über 300 Kilometern bot.
Am 24. Juli 2006 präsentierte Tesla den Roadster erstmals der Öffentlichkeit. Das erste Serienfahrzeug kam 2008 auf den Markt, zu einem Preis von rund 109.000 US-Dollar. Bis zur Einstellung der Produktion 2012 wurden knapp 2.500 Stück verkauft. Es war das erste Serienfahrzeug weltweit mit Lithium-Ionen-Batterien und das erste Elektroauto mit einer Reichweite von über 200 Meilen pro Ladung.
| Modell | Markteinführung | Besonderheit |
|---|---|---|
| Roadster | 2008 | Erstes Serienfahrzeug, Basis Lotus Elise |
| Model S | 2012 | Erster eigener Durchbruch unter Musk |
| Model X | 2015 | Elektro-SUV mit Flügeltüren |
| Model 3 | 2017 | Massenmarkt-Durchbruch, meistverkauft |
Hinter den Kulissen entwickelte sich zunehmend ein Machtkampf. Martin Eberhard war bis 2007 CEO von Tesla, Musk blieb zunächst Verwaltungsratsvorsitzender. Doch nach Darstellung Eberhards begann Musk schon früh, seinen Einfluss systematisch auszubauen. Im August 2007 wurde Eberhard vom Vorstand aus seiner CEO-Position enthoben – eine Entscheidung, an der er nach eigener Aussage nicht beteiligt war. Zunächst ersetzte ihn Michael Marks, danach übernahm Ze’ev Drori als CEO, bevor Musk 2008 die Führung selbst übernahm.
Marc Tarpenning verließ Tesla ebenfalls 2008, gemeinsam mit Eberhard. Beide schieden aus dem Unternehmen aus, das kurz darauf mit dem Model S seinen eigentlichen Durchbruch erlebte. An diesem kommerziellen Erfolg waren die ursprünglichen Gründer nicht mehr beteiligt.
Martin Eberhard und Marc Tarpenning blieben dem Unternehmertum treu. Sie gründeten gemeinsam das Start-up InEVit, das Batteriemodule und Antriebsstränge für Elektrofahrzeuge entwickelte. 2017 wurde InEVit vom chinesischen Unternehmen SF Motors übernommen. Eberhard übernahm dort die Rolle des Chefentwicklers. Tarpenning arbeitet bis heute als Angel-Investor und Berater im Silicon Valley.
Bis heute treffen sich die beiden jeden Mittwoch auf einen Kaffee – eine Gewohnheit, die seit 1988 besteht. Im Jahr 2025 wurde Martin Eberhard zum Mitglied der National Academy of Engineering gewählt – eine späte Anerkennung für seine ingenieurstechnischen Leistungen.
Musks Rolle bei Tesla ist trotz der Gründungsstreitigkeiten nicht zu unterschätzen. Ohne seine Investitionen und seine spätere operative Führung wäre Tesla möglicherweise nie zum Weltkonzern geworden. Er trieb den Aufbau der Gigafactories voran, verantwortete die Entwicklung der meistverkauften Modelle und machte Tesla zur bekanntesten Elektroautomarke der Welt.
Ob Musk langfristig mehr Nutzen oder Schaden für die Marke bedeutet, ist seit seinen politischen Aktivitäten und seiner Twitter-Übernahme zunehmend umstritten. Mehrere Unternehmen und Behörden haben Tesla-Fahrzeuge aus ihren Fuhrparks genommen.
Die Geschichte von Tesla ist lehrreich für jeden Unternehmer. Sie zeigt, wie wichtig die frühzeitige vertragliche Absicherung von Gründerrechten ist – auch und gerade gegenüber großen Investoren. Wer Kapital annimmt, gibt Mitspracherechte ab. Wer das nicht klar regelt, riskiert, die eigene Firma zu verlieren.
Für Unternehmer, die eine GmbH oder UG gründen wollen, ist das Thema Gesellschafterrechte und Stimmrechtsverhältnisse von Anfang an zentral. Wer sich über die passende Rechtsform informieren möchte, findet weiterführende Informationen in den Artikeln UG gründen 2026 und Holding gründen.
Die Antwort ist eindeutig: Tesla wurde am 1. Juli 2003 von Martin Eberhard und Marc Tarpenning gegründet. Elon Musk stieg erst im Februar 2004 als Hauptinvestor ein und übernahm 2008 die CEO-Position. Rechtlich gesehen gilt er heute als Co-Gründer – aufgrund eines außergerichtlichen Vergleichs mit Eberhard, nicht aufgrund seiner historischen Rolle bei der Unternehmensgründung.
Die Geschichte von Tesla zeigt: Hinter den großen Namen der Wirtschaft stehen oft Pioniere, die kaum jemand kennt. Eberhard und Tarpenning hatten die Idee, die Vision und den Mut, ein Unternehmen in einem Bereich zu gründen, den nahezu alle für aussichtslos hielten. Dass heute tatsächlich 13 Prozent aller weltweit verkauften Autos elektrisch angetrieben werden, ist auch ihr Verdienst.
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