Erstellt von Lana

Gigaset insolvent: Insolvenz 2023, Verkauf an VTech und aktueller Stand 2026

letzte Aktualisierung: März 2026

Aktualisierung – März 2026

Dieser Artikel wurde im März 2026 vollständig neu verfasst. Die Gigaset AG ist seit September 2023 insolvent. Das operative Geschäft wurde im April 2024 an VTech/Snom verkauft. Gigaset-Telefone werden weiterhin produziert und verkauft. Die Gigaset AG i.L. befindet sich weiterhin im Insolvenzverfahren.

Gigaset auf einen Blick – Stand: März 2026

Insolvenzstatus Ja. Insolvenzantrag 19. September 2023. Verfahren eröffnet 2. Januar 2024. Gigaset AG i.L. weiterhin im Verfahren.
Operatives Geschäft Verkauft an VTech/Snom Solutions GmbH. Übernahme abgeschlossen April 2024. Produktion in Bocholt läuft weiter.
Marke Gigaset Aktiv. Neue Produkte 2025/2026 unter der Marke Gigaset (DECT, Smartphones, IP-Telefone).
Smarthome/Alarmanlagen Eingestellt. Cloud-Dienste seit März 2024 offline. Keine Unterstützung mehr.
Insolvenzverwalter Dr. Markus Wischemeyer, Amtsgericht Münster
Eigentümer (operativ) VTech Holdings Limited (Hongkong), über Snom Solutions GmbH

Gigaset war jahrzehntelang Europas Marktführer für schnurlose DECT-Telefone und ein Inbegriff für „Made in Germany“ in der Unterhaltungselektronik. Im Herbst 2023 meldete das Bocholter Traditionsunternehmen Insolvenz an. Was folgte, war ein komplexer Prozess: Das operative Geschäft wurde gerettet und an den Hongkonger Konzern VTech verkauft. Die Gigaset AG als Holdinggesellschaft befindet sich jedoch bis heute im Insolvenzverfahren.

Wer heute ein Gigaset-Telefon kauft, kauft ein Produkt von VTech. Die Marke lebt weiter, das Unternehmen dahinter hat sich grundlegend verändert. Dieser Artikel erklärt, was 2023 passiert ist, was aus dem Geschäft wurde und was Stand März 2026 von Gigaset übrig ist.


Chronologie

Vom Insolvenzantrag zum Neustart unter VTech

Gigaset hatte von der Corona-Pandemie zunächst profitiert. Die Verlagerung ins Homeoffice trieb die Nachfrage nach Festnetztelefonen in die Höhe. Das Unternehmen baute Kapazitäten aus und bestellte Komponenten auf Vorrat. Als der Corona-Schub abebbte, blieb das Unternehmen auf teuer eingekauften Lagerbeständen sitzen. Die Preise fielen, die Nachfrage erholte sich nicht. Im zweiten Halbjahr 2023 brachen die Umsätze dramatisch ein.

Am 19. September 2023 stellte die Gigaset AG beim Amtsgericht Münster Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit. Gleichzeitig beantragte die operative Tochtergesellschaft Gigaset Communications GmbH ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Am 2. Januar 2024 eröffnete das Amtsgericht Münster das Regelinsolvenzverfahren. Dr. Markus Wischemeyer wurde als Insolvenzverwalter bestellt.

Zeitstrahl: Gigaset 2023 bis 2026

19. September 2023: Insolvenzantrag der Gigaset AG und der Gigaset Communications GmbH beim Amtsgericht Münster.

2. Januar 2024: Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Dr. Markus Wischemeyer wird Insolvenzverwalter.

24. Januar 2024: Gigaset Communications GmbH verkauft operativen Geschäftsbetrieb an Snom Solutions GmbH (VTech) im Asset Deal. Übernahme abgeschlossen 2. April 2024.

März 2024: Einstellung aller Smarthome- und Cloud-Dienste. Gigaset-Alarmanlagen und vernetzte Geräte werden nutzlos.

November 2024: Gläubigerversammlung stimmt Insolvenzplan der Gigaset AG einstimmig zu.

11. März 2025: Amtsgericht Münster versagt die Bestätigung des Insolvenzplans, da Planbedingungen nicht vollständig erfüllt wurden. Der neue Investor konnte zugesagte Zahlungen nicht leisten.

2025: Unter VTech laufen Produktion und Vertrieb in Bocholt weiter. Neue Gigaset-Produkte kommen auf den Markt (IP-Tischtelefone, GS6 Smartphone, neue DECT-Modelle).

März 2026: Gigaset AG i.L. weiterhin im Insolvenzverfahren. Gespräche mit potenziellen Investoren für einen weiteren Insolvenzplan laufen. Operatives Geschäft unter VTech wächst.


Hintergründe

Warum Gigaset in die Insolvenz geraten ist

Gigaset war über Jahrzehnte das Maß aller Dinge bei Festnetztelefonen in Europa. Doch das Kerngeschäft mit DECT-Telefonen schrumpfte strukturell, weil immer mehr Haushalte auf reine Mobiltelefonie umstellten. Das Unternehmen versuchte gegenzusteuern: mit Smarthome-Produkten, Android-Smartphones und Business-Telefonie. Keine dieser Diversifikationen erreichte das nötige Gewicht, um den Rückgang im Kerngeschäft aufzufangen.

Struktureller Rückgang des Festnetzmarktes: Immer weniger Haushalte nutzen Festnetztelefone. Das Kerngeschäft von Gigaset schrumpft seit Jahren kontinuierlich.

Corona-Nachfrageüberhang: Gigaset profitierte kurzfristig vom Homeoffice-Boom. Als die Nachfrage abschwächte, blieb das Unternehmen auf teuren Lagerbeständen sitzen.

Allgemeine Konsumzurückhaltung: Die Kauflaune in Deutschland und Europa sank 2023 deutlich. Unterhaltungselektronik war einer der am stärksten betroffenen Bereiche.

Gescheiterte Diversifikation: Smarthome, Smartphones und Business-Telefonie konnten den Verlust im Kerngeschäft nicht kompensieren. Das Smarthome-Geschäft fand keinen Käufer und wurde abgewickelt.


Aktueller Stand

Was aus Gigaset geworden ist: VTech übernimmt, Marke lebt

Das operative Gigaset-Geschäft existiert weiter, allerdings unter neuem Dach. VTech Holdings Limited, der weltweit größte Hersteller von elektronischem Lernspielzeug und Festnetztelefonen, hat über seine Tochtergesellschaft Snom Solutions GmbH den gesamten operativen Betrieb übernommen: Marke, Produkte, Produktionsstätten in Bocholt und alle IP-Rechte.

Unter VTech ist Gigaset wieder auf Wachstumskurs. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 stieg der Umsatz mit Gigaset-Produkten in Europa um mehr als 24 Prozent. Gigaset bleibt die Nummer eins im europäischen DECT-Telefonmarkt. Neue Produkte kommen regelmäßig auf den Markt: Das Gigaset GS6 Smartphone erschien im November 2025, neue IP-Tischtelefone der Pro-Serie wurden Anfang 2025 gelauncht, neue Einstiegsmodelle für Privatkunden folgen.

Wichtiger Unterschied: Die Gigaset AG als börsennotierte Holdinggesellschaft befindet sich weiterhin im Insolvenzverfahren (Gigaset AG i.L.). Der operative Betrieb, also Produktion, Marke und Vertrieb, gehört hingegen VTech und läuft ungestört. Aktionäre der alten Gigaset AG haben ihr Kapital verloren.

Smarthome und Alarmanlagen: was Kunden wissen müssen

Das Smarthome- und Alarmanlagenangebot von Gigaset fand keinen Käufer und wurde nicht von VTech übernommen. Die Cloud-Dienste für vernetzte Gigaset-Geräte wurden im März 2024 vollständig eingestellt. Kameras, Bewegungsmelder, Alarmanlagen und smarte Türklingeln sind seitdem ohne Funktion. Kunden mit diesen Produkten müssen auf alternative Anbieter wechseln.


Fazit

Gigaset ist insolvent, aber die Marke lebt weiter

Bewertung – März 2026

Die Gigaset AG (Holdinggesellschaft) ist seit September 2023 insolvent. Der Insolvenzplan scheiterte im März 2025. Das Verfahren läuft weiter.
Das Smarthome-Geschäft wurde abgewickelt. Cloud-Dienste seit März 2024 eingestellt. Betroffene Geräte funktionieren nicht mehr.
Der operative Geschäftsbetrieb (Marke, Produktion, Vertrieb) wurde an VTech/Snom Solutions GmbH verkauft. Übernahme abgeschlossen April 2024.
Gigaset-Telefone werden weiterhin produziert und verkauft. Neue Modelle erscheinen regelmäßig. Gigaset ist weiterhin Marktführer bei DECT-Telefonen in Europa.
Produktion am Standort Bocholt bleibt erhalten. Unter VTech wächst das Gigaset-Geschäft in Europa wieder deutlich.
Altaktionäre der Gigaset AG haben ihr Kapital verloren. Die Aktie wurde nach dem Insolvenzantrag vom Börsenhandel ausgesetzt.

Der Fall Gigaset ist ein Beispiel für eine gelungene operative Rettung trotz Insolvenz. Die Marke, die Produkte und die Arbeitsplätze in Bocholt wurden durch den Verkauf an VTech erhalten. Rund 500 von ursprünglich 850 Mitarbeitern sind weiterhin beschäftigt. Für Kunden, die Gigaset-Festnetz- oder Businesstelefone nutzen, ändert sich praktisch nichts.

Wer jedoch Gigaset-Smarthome-Produkte besitzt, steht ohne Support und ohne funktionierende Cloud-Dienste da. Hier ist ein Wechsel zu einem anderen Anbieter unvermeidlich.


Quellen

  • Gigaset AG: Ad-hoc-Meldungen und Pressemitteilungen 2023-2025, gst-ag.de
  • Gigaset AG: Zwischenabschluss zum 30. Juni 2025
  • Bundeskartellamt: Freigabe VTech/Gigaset, März 2024
  • VTech Holdings Limited: Interim Results 2025/2026, November 2025
  • connect-professional.de: Gigaset nach der Stunde Null, August 2024

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