Franz Müller hat in seiner langjährigen Tätigkeit als Finanzexperte unzählige Gründer begleitet. Seine Erfahrung zeigt: Die meisten jungen Unternehmer stolpern über ähnliche finanzielle Herausforderungen. Im Interview mit dem Unternehmerblatt teilt der Experte, der sich mit seiner unabhängigen Finanzberatung in Regensburg auf die Begleitung von Gründern und KMUs spezialisiert hat, seine wertvollsten Erkenntnisse.
„Viele Gründer unterschätzen die Komplexität der Finanzplanung“, erklärt Müller. Besonders in der Anfangsphase fokussieren sich Unternehmer oft ausschließlich auf ihr Produkt oder ihre Dienstleistung. Die finanzielle Seite wird dabei häufig vernachlässigt. Diese Herangehensweise kann sich später rächen, wenn plötzlich Liquiditätsengpässe auftreten oder steuerliche Verpflichtungen unterschätzt wurden.
Die Liquiditätsplanung bezeichnet Franz Müller als das wichtigste Instrument für junge Unternehmen. „Ohne ausreichende Liquidität stirbt jedes noch so innovative Geschäftsmodell“, betont der Finanzexperte. Viele Gründer verwechseln Gewinn mit Liquidität und unterschätzen, wie schnell das verfügbare Kapital aufgebraucht sein kann.
Besonders kritisch sind die ersten Monate nach der Gründung. Kunden zahlen oft später als erwartet, während Ausgaben pünktlich anfallen. Müller empfiehlt, stets einen Liquiditätspuffer einzuplanen, der eine angemessene Zeitspanne überbrücken kann. „Ein detaillierter Liquiditätsplan sollte regelmäßig aktualisiert werden“, rät der Experte. Dabei sollten verschiedene Szenarien durchgespielt werden: Was passiert, wenn Großkunden später zahlen? Wie wirken sich saisonale Schwankungen aus? Diese Fragen müssen Gründer beantworten können, bevor Probleme auftreten. Hilfreich ist ein konsequentes Forderungsmanagement mit klaren Zahlungsabläufen und transparenten Rechnungen. Wer Zahlungsziele aktiv verhandelt und früh den Dialog mit Kunden sucht, reduziert Ausfallrisiken. Auch ein offenes Gespräch mit der Hausbank über kurzfristige Überbrückungen oder Kontokorrentlinien kann Spielräume schaffen. Digitale Tools zur Cashflow-Prognose liefern zusätzliche Sicherheit, sofern die Daten laufend gepflegt werden.
Ein Fehler, den Franz Müller immer wieder beobachtet: Gründer investieren alles ins Unternehmen und vergessen dabei ihre private Absicherung. „Das Unternehmertum ist mit Risiken verbunden. Umso wichtiger ist eine solide private Vorsorgestrategie“, mahnt der Finanzberater.
Viele Selbstständige zahlen nur die Mindestbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung oder sind gar nicht pflichtversichert. Die Altersarmut ist damit vorprogrammiert. Müller empfiehlt, von Anfang an einen festen Betrag für die private Altersvorsorge einzuplanen. Auch die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit wird häufig unterschätzt. „Gründer arbeiten oft bis zur Erschöpfung. Das Risiko einer gesundheitlichen Beeinträchtigung ist real“, warnt der Experte. Eine durchdachte Vorsorgestrategie sollte daher verschiedene Bausteine umfassen: Altersvorsorge, Berufsunfähigkeitsschutz und eine Notfallreserve für unvorhergesehene Ereignisse.
Die Steuerlast kann für junge Unternehmen zur echten Belastung werden. Franz Müller beobachtet regelmäßig, dass Gründer die steuerlichen Aspekte ihrer Geschäftstätigkeit unterschätzen. „Wer erst bei der Steuererklärung an Optimierung denkt, hat bereits viel Geld verschenkt“, stellt der Finanzexperte klar.
Die Wahl der richtigen Rechtsform, die Gestaltung von Verträgen und die Dokumentation von Ausgaben – all das hat erhebliche steuerliche Auswirkungen. Müller rät dazu, von Anfang an mit einem versierten Steuerberater zusammenzuarbeiten. Besonders wichtig: Die Trennung von privaten und geschäftlichen Ausgaben muss sauber erfolgen. Auch die Möglichkeiten der Investitionsförderung und steuerlichen Abschreibungen sollten Gründer kennen und nutzen. Je nach Geschäftsmodell spielen zudem umsatzsteuerliche Besonderheiten eine Rolle, etwa bei grenzüberschreitenden Leistungen. Sorgfältige Belegführung und eine strukturierte Buchhaltung erleichtern Prüfungen und verhindern teure Korrekturen. Wer Förderprogramme prüft und die Voraussetzungen sauber dokumentiert, sichert sich zusätzlichen finanziellen Spielraum. „Eine vorausschauende Steuerplanung kann die Liquidität erheblich verbessern“, betont der Experte aus seiner langjährigen Beratungspraxis.
Aus seinen Erfahrungen hat Franz Müller konkrete Empfehlungen für Gründer entwickelt. Der erste Schritt: Ein realistischer Businessplan mit konservativen Annahmen. „Lieber vorsichtig kalkulieren und positiv überrascht werden“, rät der Finanzberater. Wichtig ist auch die regelmäßige Überprüfung und Anpassung der Finanzplanung.
Ein weiterer Baustein erfolgreicher Finanzstrategien ist die Diversifikation. Gründer sollten nicht von einem einzigen Großkunden abhängig sein. Auch bei der Finanzierung empfiehlt Müller einen Mix aus Eigenkapital, Fremdkapital und möglichen Förderungen. Die kontinuierliche Weiterbildung in Finanzthemen hält der Experte für unverzichtbar. „Unternehmer müssen keine Finanzexperten werden, aber die Grundlagen verstehen“, betont er. Regelmäßige Gespräche mit unabhängigen Beratern können helfen, blinde Flecken zu identifizieren und rechtzeitig gegenzusteuern. Der wichtigste Rat: Finanzplanung ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Zentral ist ein Set relevanter Kennzahlen, das regelmäßig betrachtet wird, etwa zur Entwicklung von Umsatz, Marge und Zahlungsfähigkeit. Ein einfaches Reporting schafft Transparenz und verankert Verantwortlichkeiten im Team. Ebenso sinnvoll ist ein Notfallplan, der Handlungsoptionen für unerwartete Umsatzeinbrüche oder Kostensteigerungen definiert.
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