Erstellt von Lana

Felgenhersteller BBS insolvent? Fakten und aktuelle Lage

BBS ist einer der bekanntesten deutschen Felgenhersteller, gegründet 1970 in Schiltach. Das Unternehmen lieferte zum Beispiel Leichtmetallräder für Formel-1-Wagen, etwa Michael Schumachers Ferrari, und genießt international hohes Ansehen. In den letzten Jahren häuften sich allerdings Berichte über Finanzprobleme: BBS musste mehrfach Insolvenz anmelden. Aktuell kursiert deshalb die Frage, ob der Traditionsbetrieb pleite ist oder nicht. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe und zeigt, was an den Gerüchten dran ist.

Rückblick: Insolvenz-Vorgeschichte bei BBS

Zwischen 2017 und 2024 durchlief die Firma BBS bereits fünf Insolvenzverfahren. Schon in den Jahren 2007, 2011 und 2020 war das Unternehmen in die Pleite geraten, danach übernahm der Fahrwerksspezialist KW unter der Leitung von Klaus Wohlfahrt Teile des Geschäftsbetriebs. Trotz mehrerer Sanierungsversuche musste BBS erneut Insolvenz anmelden, zuletzt 2023 und 2024. Zum Zeitpunkt des letzten Insolvenzantrags Ende 2024 standen die Werke in Schiltach und Herbolzheim praktisch still.

Kernfakten:

  • Zwischen 2017 und 2024 durchlief BBS fünf Insolvenzverfahren.
  • Im Oktober 2024 wurde das Insolvenzverfahren über die BBS Autotechnik GmbH eröffnet. Rund 240 Mitarbeiter wurden gekündigt.
  • Im März 2025 erwarb Unternehmer Klaus Wohlfahrt (KW-Gruppe) wesentliche BBS-Anlagen und startete die Felgenproduktion neu.
  • Die Markenrechte an BBS lagen während der Krise beim Investor Wohlfahrt/KW, nicht in der Insolvenzmasse.
  • Andere Geschäftsbereiche wie BBS Motorsport, BBS Japan und BBS USA blieben von der Insolvenz unberührt.

Krise 2024

Der Sommer 2024 brachte die bittere Klarheit: Medien berichteten, dass die Löhne monatelang ausgeblieben waren, nachdem der türkische Investor ISH das Werk in Werdohl übernommen hatte. Die angekündigten Gelder blieben aus, und die Pläne für eine Produktionsverlagerung nach Werdohl scheiterten, da BBS den Kaufpreis nicht gezahlt hatte. Dadurch verschärften sich die finanziellen Probleme zusätzlich. Zudem kam es zu einem Markenrechtsstreit, da die ISH Group zwar Anlagen gekauft, aber zunächst nicht die Markenrechte erworben hatte.

Am 1. Oktober 2024 wurde schließlich das Insolvenzverfahren eröffnet. Nach Angaben des Insolvenzverwalters hatte BBS zu diesem Zeitpunkt keinen Geschäftsbetrieb, keine Aufträge und kein Geld auf dem Konto. Fast alle der damals etwa 240 Beschäftigten erhielten Kündigung mit dreimonatiger Frist, da das Insolvenzausfallgeld auslief und keine Lohnzahlungen mehr möglich waren. In den folgenden Monaten wurde das Inventar veräußert und die Hallen geräumt.

Neuanfang im Frühjahr 2025

Trotz der dramatischen Lage kam es Anfang 2025 zur Kehrtwende. Im März 2025 gaben Insolvenzverwalter und Investor grünes Licht für die Wiederaufnahme der Produktion. Unternehmer Klaus Wohlfahrt, der Inhaber der Marke BBS und Gründer von KW Automotive, erwarb wesentliche Vermögenswerte aus der Insolvenzmasse. Dazu gehören Werkzeuge, Maschinen und Lagerbestände. An den traditionellen Standorten Schiltach und Herbolzheim wurde eine neue Produktionsgesellschaft gegründet.

Unter der Führung von KW Automotive soll die Felgenproduktion schlank und zukunftsweisend fortgeführt werden. Man verzichtet auf eine eigene Gießerei und setzt auf stark automatisierte Prozesse. Der Fokus liegt auf dem Aftermarket, also auf individualisierten Sonderrädern für Autoliebhaber. Bereits im Frühjahr 2025 wurden erste neue BBS-Felgen gefertigt und ausgeliefert.

Ein weiterer Schlüsselfaktor ist, dass die Markenrechte an BBS unverändert im Besitz von Wohlfahrt und der KW-Gruppe geblieben sind. Wohlfahrt hatte die Rechte vor der Krise übernommen und bereits vor der Insolvenz einen Vorrat an Felgen aufgebaut. Er betonte, er verfüge neben den Markenrechten über Produkte, Kunden und eine emotionale Bindung zur Marke. Das ermöglichte es ihm, unmittelbar nach dem Erwerb der Anlagen den Vertrieb neu zu starten und Lagerbestände abzubauen.

Ausblick: Ist BBS pleite?

Die aktuellen Entwicklungen zeigen eindeutig: BBS ist derzeit nicht pleite. Zwar wird die ursprüngliche BBS Autotechnik GmbH abgewickelt, aber die Marke selbst lebt weiter. Unter neuer Leitung ist die Produktion wieder angelaufen. Anders als noch vor einem Jahr gibt es keine Meldungen über offene Gehälter oder Produktionsausfälle. Vielmehr plant der neue Eigentümer, den Geschäftsbetrieb auszubauen. Auch BBS Motorsport, die Tochter der japanischen BBS-Gruppe, rechnet mit einer deutlichen Produktionssteigerung.

Insolvenzverwalter Dirk Pehl bezeichnete die Wiederaufnahme der Felgenproduktion als Lichtblick. Kurz gesagt: Es droht aktuell keine neue Insolvenz. Die Marke BBS und ihre Felgen werden weiter hergestellt, und der traditionsreiche Name ist damit vorerst gerettet.

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