Ist der Photovoltaik-Anbieter EPP Solar in Zahlungsschwierigkeiten oder gar insolvent? Diese Frage sorgt seit Monaten für Unruhe bei Kunden und in der Solarbranche. EPP Solar, bekannt für Balkonkraftwerk-Komplettsets, feierte zunächst große Erfolge. Doch Berichte über ausbleibende Lieferungen, Kommunikationsprobleme und schließlich eine mögliche Insolvenz häuften sich im Jahr 2025. Aktuelle Recherchen zeigen ein klares Bild: Das Unternehmen hat tatsächlich Insolvenz angemeldet und ist nicht mehr operativ tätig. Im Folgenden beleuchten wir den Aufstieg von EPP Solar, die Warnsignale der Krise und den aktuellen Stand, um zu klären, ob das Unternehmen vor der Pleite steht oder bereits zahlungsunfähig ist.
EPP Solar (offiziell EPP Energy Peak Power GmbH) wurde 2015 gegründet und hat seinen Sitz in Hamburg. Das Unternehmen spezialisierte sich auf steckfertige Solaranlagen für Balkone, sogenannte Balkonkraftwerke. Diese Komplettpakete richten sich vor allem an Mieter oder Hausbesitzer mit wenig Platz, die unkompliziert eigenen Solarstrom erzeugen möchten. Anders als klassische Solartechnik-Firmen, die individuelle Dachanlagen planen, bot EPP Solar standardisierte Pakete an, oft inklusive Solarmodulen, Wechselrichter und optionalen Batteriespeichern. Verkauft wurde hauptsächlich über den firmeneigenen Onlineshop; persönliche Beratung oder Vor-Ort-Installation gehörten nicht zum Geschäftsmodell.
Im Zuge des Booms der Solarenergie in den vergangenen Jahren wuchs EPP Solar schnell. Besonders die Energiekrise 2022/23 und gestiegene Strompreise erhöhten die Nachfrage nach privaten Solarlösungen. In Deutschland wurden allein 2023 rund 15 Gigawatt neue PV-Kapazität installiert – ein Rekordwert, der viele Anbieter zu ambitioniertem Ausbau verleitete. Auch Balkonkraftwerke erlebten einen regelrechten Boom: Über eine Million dieser Mini-Solaranlagen waren bis 2025 bereits auf deutschen Balkonen und Terrassen im Einsatz. EPP Solar schien prädestiniert, von diesem Trend zu profitieren.
Der große Durchbruch gelang EPP Solar im Mai 2024, als ausgerechnet ein Balkonkraftwerk-Set dieses Anbieters beim renommierten Stiftung Warentest einen Testsieg errang. In der Warentest-Untersuchung belegte EPP Solar den ersten Platz – eine medienwirksame Auszeichnung, die der Firma schlagartig hohe Bekanntheit und Vertrauen einbrachte. Viele Verbraucher, die ein Balkonkraftwerk suchten, griffen nun bevorzugt zu dem Testsieger-Produkt von EPP Solar.
In der Folge dürfte die Auftragslage 2024 stark angezogen haben. EPP Solar wurde in Vergleichen als etablierter Anbieter genannt, etwa auch in Ratgeber-Artikeln der Boulevardpresse. Die Kombination aus positiver Mundpropaganda, Test-Siegel und allgemeinem Solaranlagen-Boom bescherte dem Unternehmen einen rasanten Aufstieg. Doch der Erfolg brachte auch Herausforderungen mit sich, wie sich später zeigte.
Bereits Ende 2024 und Anfang 2025 traten erste Warnzeichen auf. Kunden beklagten sich vermehrt über Lieferverzögerungen, mangelhaften Kundenservice und defekte Komponenten. Auf der Bewertungsplattform Trustpilot häuften sich kritische Stimmen: Nutzer berichteten von falsch gelieferten Kabeln, schwer erreichbarem Support und langen Wartezeiten bei Reklamationen. Einige Käufer schilderten, dass Ersatzteile oder Reparaturen nur schleppend oder gar nicht erfolgten. Die Zufriedenheitsrate fiel laut Trustpilot-Bewertungen deutlich – im Mai 2025 lag die Durchschnittsbewertung nur noch bei etwa 3 von 5 Sternen, wobei über ein Drittel aller Bewertungen die schlechteste Note vergaben.
Besonders auffällig war die Kommunikationsschwäche der Firma. Kunden monierten, dass weder per Telefon noch per E-Mail jemand erreichbar war. EPP Solar betrieb zwar ein Ticket-System auf der Website, doch dieses schien ab einem gewissen Zeitpunkt ebenfalls nicht mehr zu funktionieren. Einige Supportanfragen blieben wochenlang unbeantwortet. Diese Probleme führten zu wachsendem Frust und nährten den Verdacht, bei EPP Solar könnte es ernste interne Schwierigkeiten geben.
Ein kurioses Beispiel illustriert die chaotischen Zustände: Ein Testredakteur erhielt seine bestellte EPP-Solaranlage zwar, jedoch mitten in der Nacht geliefert. Der Spediteur rief um 1:15 Uhr nachts an und stand wenig später um 2 Uhr morgens mit den Paketen vor der Tür. Diese ungewöhnliche Express-Overnight-Lieferung wirkte auf den Tester unseriös und unorganisiert, zumal eine Kontrolle der Ware im Dunkeln kaum möglich war. Solche Vorfälle trugen dazu bei, dass Zweifel an der Professionalität von EPP Solar laut wurden.
Im Frühjahr 2025 spitzte sich die Lage drastisch zu. Ab März/April 2025 berichteten immer mehr Kunden, bestellte Ware nicht mehr zu erhalten. Zahlreiche Käufer warteten vergeblich auf bereits bezahlte Balkonkraftwerke – Lieferzusagen wurden immer wieder verschoben oder blieben ganz aus. Gleichzeitig brach die Erreichbarkeit des Unternehmens offenbar vollständig zusammen. Ab Mai 2025 war die Website von EPP Solar plötzlich offline, E-Mails kamen unzustellbar zurück. Ein Nutzer schilderte Mitte Mai: Das Unternehmen ist nicht mehr! Alle untergeordneten Firmen sind auch verschwunden. Das Lager Magdeburg – zu! Die Internetadressen sind tot. Diese drastische Aussage zeigte, wie klar viele Beobachter bereits die Situation einschätzten.
Verunsicherte Kunden suchten nach Informationen, doch offiziell gab es zunächst keine Erklärung. Branchenkenner und Technik-Influencer schlugen Alarm und berichteten im Mai 2025 öffentlich über eine Insolvenz von EPP Solar. Kurz darauf verdichteten sich die Meldungen: Achtung, Anbieter EPP Solar ist insolvent – Kundenmeldungen über nicht gelieferte Ware und fehlenden Support bestätigten den Befund.
Tatsächlich verdichteten sich die Hinweise, dass EPP Solar finanzielle Schwierigkeiten hatte. Am 6. Mai 2025 wurde der Insolvenzantrag gestellt. Einige Kunden erhielten sogar von EPP Solar selbst eine Mitteilung über die Zahlungsunfähigkeit: EPP ist insolvent – keine Gewährleistung oder andere Ansprüche mehr möglich nach einem Kauf. Diese Nachricht zeigte, dass das Unternehmen seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte und dies gegenüber Reklamierenden einräumte.
Die genauen Hintergründe der Insolvenz wurden bislang nicht öffentlich erläutert, doch Branchenexperten vermuten eine Mischung aus Überforderung und Marktveränderungen. Durch den plötzlichen Bestellboom nach dem Warentest-Sieg könnte EPP Solar in Liquiditätsprobleme geraten sein – etwa durch Vorfinanzierung von Waren oder Logistik – zumal das Jahr 2024 branchenweit schwieriger verlief als erhofft. Der Photovoltaik-Markt kühlte sich 2024 ab, während viele neue Anbieter um einen schrumpfenden Markt konkurrierten. Falls EPP Solar auf weiterhin steigende Umsätze gesetzt hatte, traf sie der Nachfrageeinbruch umso härter. Hinzu kommen mögliche interne Versäumnisse in Kundenservice und Qualitätskontrolle, die das Vertrauen untergruben.
Im Sommer 2025 wurde die Insolvenz dann auch offiziell bestätigt: Das Amtsgericht Hamburg eröffnete am 28. Juli 2025 formal das Insolvenzverfahren über die EPP Energy Peak Power GmbH. Als Insolvenzverwalter wurde ein Hamburger Rechtsanwalt bestellt. Damit ist klar: EPP Solar ist nicht nur von einer Insolvenz bedroht, sondern befindet sich inmitten des Insolvenzverfahrens. Öffentlich einsehbare Register vermerken den Status des Unternehmens seit diesem Datum als zahlungsunfähig.
Für bestehende Kunden bedeutet das, dass Gewährleistungs- und Garantieansprüche nur noch im Rahmen des Insolvenzverfahrens angemeldet werden können – praktisch oft ein schwieriges Unterfangen. Viele Kunden dürften auf bereits gezahlten Beträgen sitzen bleiben. Die Verärgerung ist entsprechend groß, einige sprechen von Betrug und ziehen rechtliche Schritte in Betracht. Allerdings schützt ein Insolvenzverfahren das Unternehmen vorerst vor Klagen, während ein Insolvenzverwalter die Masse verwaltet.
Aktuell (Stand Oktober 2025) ist EPP Solar nicht mehr am Markt aktiv. Die offizielle Firmenwebsite ist offline, das Büro am Hamburger Sitz wohl nicht mehr besetzt. Telefonische Hotlines sind abgeschaltet, was Kunden bereits seit Monaten feststellen mussten. Das Lager in Magdeburg – offenbar ein Zentrallager von EPP – wurde geschlossen. In den sozialen Medien oder auf der Unternehmensseite gibt es keine Mitteilungen; EPP Solar hat sich öffentlich nicht zur Situation geäußert.
Dennoch sind vereinzelt Restposten von EPP-Produkten noch im Umlauf. So werden beispielsweise Balkonkraftwerk-Sets von EPP Solar nach wie vor auf Online-Marktplätzen wie Amazon oder eBay angeboten. Dies liegt vermutlich daran, dass Händler oder Zwischenlager noch Restbestände verkaufen. Experten warnen jedoch ausdrücklich davor, solche Schnäppchenkäufe zu tätigen: Gewährleistung und Service sind faktisch nicht mehr vorhanden, da EPP Solar als Hersteller keine Unterstützung mehr leisten kann. Wer jetzt noch ein EPP-Set kauft, bleibt im Problemfall auf sich allein gestellt – es gibt keinen Kundendienst und keine Ersatzteile vom insolventen Anbieter mehr.
Interessant ist, dass einige Kunden spekulierten, EPP Solar könnte unter gleicher Adresse erneut aktiv sein. Diese Vermutung basiert wohl darauf, dass der Firmenname weiterhin auftaucht und möglicherweise neue Firmen mit ähnlichem Namen gegründet wurden. Konkrete Hinweise auf einen Neustart von EPP Solar gibt es aber nicht. Sollte tatsächlich versucht werden, die Geschäfte neu aufzunehmen, wäre dies sicherlich öffentlich bekannt gemacht worden. Bislang deutet alles darauf hin, dass EPP Solar vom Markt verschwunden ist und ein Comeback unwahrscheinlich erscheint.
Der Fall EPP Solar ist kein Einzelfall, sondern Teil einer größeren Entwicklung in der Solarbranche. Nach dem Boomjahr 2023 kam 2024/25 für viele Anbieter der Realitätsschock: Hohe Zinsen, Förderunsicherheiten und ein Sättigungseffekt führten zu einem Nachfragerückgang, insbesondere im Privatkundensegment. Statistiken belegen einen sprunghaften Anstieg von Insolvenzen im Solar- und Elektroinstallationsgewerbe. Während im 2. Quartal 2022 bundesweit 37 Insolvenzen in der PV-Installation gezählt wurden, waren es im 2. Quartal 2025 bereits 110 Verfahren – ein dramatischer Zuwachs, der zeigt, wie angespannt die Lage ist.
Auch namhafte Unternehmen blieben nicht verschont: Bereits Anfang 2024 meldete etwa der Berliner Solaranbieter Eigensonne Insolvenz an und wurde von einem Konkurrenten übernommen. Im Laufe des Jahres folgten weitere Pleiten und Restrukturierungen – vom mittelständischen Installationsbetrieb bis hin zu Start-ups wie Zolar, das große Teile seiner Belegschaft entlassen musste. Die Gründe sind vielfältig: Neben der gesunkenen Nachfrage spielen Preisverfall bei Solarmodulen, starker Konkurrenzdruck durch billige Asien-Importe und politische Unsicherheit bei Förderregelungen eine Rolle. EPP Solar reiht sich in dieses Bild ein: Ein relativ junges Unternehmen, das den Boom mitgenommen hat, dann aber in Schwierigkeiten geriet, als der Markt anspruchsvoller wurde.
Nach intensiver Recherche lässt sich die eingangs gestellte Frage eindeutig beantworten: Ja, EPP Solar ist insolvent. Das Unternehmen hat im Mai 2025 Insolvenz angemeldet und liefert seitdem keine Produkte mehr aus. Kundenberichte, Brancheninsider und offizielle Register bestätigen, dass EPP Solar zahlungsunfähig ist und der Geschäftsbetrieb eingestellt wurde. Von einer akuten Pleitebedrohung kann nicht mehr die Rede sein – die Pleite ist bereits eingetreten.
Für Verbraucher bedeutet dies, dass EPP Solar derzeit nicht mehr als verlässlicher Anbieter existiert. Wer in der Vergangenheit bei EPP bestellt hat und noch auf Ware oder Rückerstattung wartet, muss diese Forderungen im Insolvenzverfahren anmelden – die Chancen auf Erstattung sind jedoch ungewiss. Neue Bestellungen bei EPP Solar sind praktisch unmöglich, da die Webseite offline ist und keine Vertriebsaktivität mehr stattfindet. Und auch wenn noch vereinzelt Restprodukte von EPP im Handel auftauchen, wird ausdrücklich abgeraten, hier zuzuschlagen.
Insgesamt zeigt der Fall EPP Solar exemplarisch, wie schnell ein Shooting-Star der Energiewende-Branche abstürzen kann. Vom gefeierten Warentest-Testsieger 2024 zum insolventen Unternehmen in 2025 – dieser Verlauf mahnt zur Vorsicht. Kunden sollten bei neuen, stark wachsenden Anbietern genau hinsehen, ob Service und Stabilität mit dem Wachstum Schritt halten. Im Fall von EPP Solar haben die Warnzeichen früh auf eine Schieflage hingedeutet. Aktuell ist EPP Solar zahlungsunfähig und nicht mehr tätig. Für die Solarbranche bleibt zu hoffen, dass aus solchen Fällen gelernt wird, um künftige Insolvenzen zu vermeiden und das Vertrauen der Verbraucher in die Energiewende nicht zu erschüttern.
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