Erstellt von Redaktion

Circus Krone in der Krise: Steht der Traditionszirkus vor der Pleite?

Circus Krone gilt als größter Zirkus der Welt und steht seit über 100 Jahren für glanzvolle Manege-Shows. Doch die Corona-Pandemie hat das Familienunternehmen in eine beispiellose Krise gestürzt. Seit 2020 stellen sich viele Fans die bange Frage: Steht Circus Krone vor der Pleite? In diesem Artikel beleuchten wir ausführlich, wie es um die finanzielle Lage des Traditionszirkus steht, ob Zahlungsschwierigkeiten bestehen, eine Insolvenz droht oder das Unternehmen sogar bankrott ist. Die gute Nachricht vorweg: Aktuell ist Circus Krone nicht insolvent. Allerdings waren die vergangenen Jahre eine enorme Zerreißprobe für den Zirkus, wie unsere Recherche zeigt.

Hohe Kosten trotz monatelanger Spielpause

Im März 2020 musste Circus Krone seinen Spielbetrieb abrupt einstellen. Der erste Lockdown führte zum Abbruch der Tournee und zur Schließung des Münchner Stammhauses, des Krone-Baus. Von einem Tag auf den anderen brachen sämtliche Einnahmen weg, doch die Ausgaben liefen weiter. Besonders die Versorgung der rund 200 Tiere verursachte weiterhin hohe Kosten: Etwa 3.000 Euro pro Tag benötigte der Zirkus allein für Futter. Für die Raubtiere fielen monatlich 20.000 Euro Futterkosten an. In dieser Zeit, in der keine Zuschauer kommen durften und über viele Monate so gut wie nichts mehr lief, beschrieb Zirkusdirektorin Jana Mandana Lacey-Krone die Situation als wirtschaftlichen Albtraum: Ohne Shows sind die laufenden Kosten kaum zu stemmen.

Auch ohne Publikum hielten die Artisten ihr Training ab, doch Einnahmen brachte das keine. Der legendäre Zirkus, der schon Weltkriege überstanden hatte, erlebte seine wohl schwerste Wirtschaftskrise. Zwei Jahre lang, von März 2020 bis Anfang 2022, ging im Krone-Bau kein Vorhang hoch. Zwei Jahre saß der Circus Krone in seinem Winterquartier in München fest. Kein Publikum, keine Einnahmen.

Ausbleibende Staatshilfen und kreative Überlebensideen

Anders als Theater oder Opernhäuser erhält ein reisender Zirkus in Deutschland kaum staatliche Subventionen. Diese Lücke wurde in der Pandemie schmerzhaft spürbar. Zwar legte die Bundesregierung 2020 ein Hilfsprogramm für die Kulturbranche auf, doch die deutsche Zirkusbranche wurde darin nur mit einem Bruchteil der Mittel bedacht. Entsprechend war der Unmut über ausbleibende finanzielle Hilfe von staatlicher Seite groß.

In dieser Notlage bewies das Krone-Team Einfallsreichtum, um irgendwie Geld in die leeren Kassen zu spülen. Unter Wahrung strenger Hygieneregeln durften etwa kleine Besuchergruppen den Proben der Tiertrainer zuschauen. Außerdem richtete man eine kuriose Drive-In-Aktion ein: Clowns wuschen Autos in einer Clown-Waschstraße, während die Fahrer im Wagen blieben. Die wohl ungewöhnlichste Idee war der Verkauf von Löwen-Dung: Gläser mit abgepacktem Löwenkot entwickelten sich zum echten Verkaufsschlager. Der strenge Geruch soll beispielsweise Marder vom Auto fernhalten. Zirkusdirektorin Jana Lacey-Krone betonte, man habe wirklich viele Einfälle und versucht, so lange wie möglich zusammenzuhalten. Jeder wolle anpacken.

Auch die betriebseigene Tier-Farm im oberbayerischen Weßling wurde erstmals für zahlende Besucher geöffnet. Auf dem rund 12 Hektar großen Gelände, das bislang als Gnadenhof für Zirkustiere im Ruhestand diente, konnten Familien nun am Wochenende Führungen buchen. Geboten wurden Ponyreiten, Blicke hinter die Kulissen der Stallungen und sogar kleine Raubtier-Shows mit dem Dompteur Alexander Lacey. Die Idee zu diesen Farm-Führungen sei aus der Not geboren, erklärte Krone-Sprecher Frank Keller – aber sie fand regen Anklang. Bis zu 100 Personen durften pro Termin auf das Gelände, selbstverständlich mit Corona-konformem Konzept.

Ironie der Geschichte: Die Weßlinger Farm hatte schon einmal eine entscheidende Rolle in einer Krisenzeit gespielt. Zirkusgründer Carl Krone hatte das Gelände 1938 erworben, und während des Zweiten Weltkriegs konnten dort die Tiere untergebracht werden, nachdem die Zirkusgebäude in München durch Bomben zerstört worden waren. Über ein halbes Jahrhundert später half das Areal nun erneut dabei, den Zirkus durch eine schwere Zeit zu retten – diesmal wirtschaftlich.

Durchhalten mit Rücklagen und ohne Entlassungen

Trotz aller Nebeneinnahmen blieb die Lage 2020/21 prekär. Viele Zirkusse mussten in dieser Phase ums Überleben kämpfen, einige fürchteten sogar Pleiten in der Branche. Beim kanadischen Weltunternehmen Cirque du Soleil etwa reichten die Reserven nicht – es meldete 2020 Insolvenz an. Circus Krone hingegen konnte dank früherer Rücklagen und privater Mittel der Inhaberfamilie länger durchhalten. So lange würden auch die vor der Pandemie angesparten Rücklagen reichen, erklärte Frank Keller Anfang 2022 optimistisch.

Tatsächlich gelang es Krone, die rund 130 festen Mitarbeiter trotz monatelanger Null-Einnahmen zu halten. Obwohl dieser Leerlauf für sie eine finanzielle Katastrophe war, haben sie an ihren Mitarbeitern festgehalten, keinen entlassen. Auch von keinem Tier getrennt habe man sich in der Krise – selbst die kostspielige Versorgung der Löwen, Tiger, Elefanten, Pferde und weiteren Tiere wurde weiter gewährleistet. An Mensch und Tier wurde nicht gespart: keine Entlassungen, keine Einsparungen am Tierwohl. Dieses Durchhaltevermögen zeugt vom Verantwortungsbewusstsein des Zirkus gegenüber seinen Künstlern und Tieren, hatte aber die Ersparnisse des Unternehmens beinahe aufgebraucht. Für Circus Krone ging es in dieser Phase sprichwörtlich um alles.

Endlich wieder Manege frei (Frühjahr 2022)

Nach fast zwei Jahren erzwungener Pause konnte Circus Krone Anfang 2022 endlich ein Comeback im eigenen Haus wagen. Am 18. Februar 2022 feierte der Zirkus im Münchner Krone-Bau Premiere des neuen Programms New Memories – die erste Vorstellung seit März 2020. Die Erleichterung und Emotion bei allen Beteiligten waren spürbar. Die Artisten sind nicht zu bremsen, die Raubtiere können es kaum erwarten, schrieb ein Bericht über die Premieren-Vorstellung.

Allerdings fand die Show noch unter Auflagen statt. Zu Beginn durften nur rund 600 Zuschauer in das Zirkuszelt, obwohl offiziell bereits 75 Prozent Saalauslastung erlaubt gewesen wären. Die Zirkusleitung entschied sich bewusst für weniger Publikum, um allen Gästen ein Gefühl von Sicherheit und ausreichend Abstand zu geben. Schrittweise sollte die Kapazität dann gesteigert werden. Jana Mandana Lacey-Krone hatte zuvor erklärt, mit einer erlaubten Auslastung von 25 Prozent rechnet es sich für uns einfach nicht – unter diesem Wert hätte man gar nicht erst geöffnet. Nun waren immerhin 50 bis 75 Prozent möglich, und so kehrte langsam wieder Leben in die Manege zurück.

Für die Tiere und Trainer war die Rückkehr des Publikums ebenfalls überfällig. Meine Löwen haben ein Jahr und elf Monate auf diesen Tag gewartet, erzählte Martin Lacey jr. nach seiner Löwen-Nummer, die vom Premierenpublikum mit stehenden Ovationen gefeiert wurde.

Die Wiedereröffnung im Frühjahr 2022 markierte einen entscheidenden Wendepunkt: Endlich flossen wieder Ticket-Einnahmen, und das Unternehmen konnte der Insolvenzgefahr entrinnen. Dieses Vertrauen des Publikums schien sich zu bestätigen – trotz 2G+ Regeln und anhaltender Pandemie-Maßnahmen fanden die Menschen zurück in den Zirkus. Mit dem Neustart im Stammhaus schöpfte Circus Krone die Hoffnung, bald auch wieder auf Tournee gehen zu können.

Starkes Comeback auf Tournee 2023

Im Jahr 2023 gelang dann der endgültige Befreiungsschlag. Circus Krone ging wieder auf große Tournee und knüpfte an frühere Erfolge an. Seit April 2023 gastierte Krone erneut in zahlreichen Städten – 20 Tourneestädte in Süddeutschland standen auf dem Spielplan. Überall strömten die Besucher in das markante gelb-rote Zirkuszelt, froh nach der langen Durststrecke endlich wieder Zirkusluft schnuppern zu können. Natürlich war auch die Tierschutzorganisation PETA sofort wieder zur Stelle und begleitete viele Auftrittsorte mit Protesten. Doch davon ließ man sich nicht beirren – Circus Krone präsentierte 2023 ein modernisiertes Programm, das sogar Kritiker überraschte.

So reisen die Lacey-Krones mittlerweile ohne Elefanten und ohne externe Tiernummern. Die alten Elefantendamen genießen ihren Ruhestand in einem Safaripark in Sevilla, und auch andere Tiere wie Lamas, Zebras und Kamele verbleiben auf der Farm in Weßling. Im Tourneeprogramm sind nur noch die eigenen, langjährigen Tiere der Zirkusfamilie zu sehen – rund 40 Pferde, 16 Raubkatzen (Löwen und Tiger) und ein Dutzend Hunde. Diese Konzentration auf die Familientiere senkt einerseits den logistischen Aufwand, andererseits entspricht sie dem Zeitgeist, ohne jedoch die traditionelle Tierdressur ganz aufzugeben. Die Löwen- und Pferdenummern von Martin und Jana Lacey zählen nach wie vor zu den Höhepunkten der Show, wurden aber behutsam aktualisiert. Die Tiere müssen keine reißerischen Tricks durch Feuerreifen mehr absolvieren; vielmehr begeistern inzwischen oft Szenen, in denen die prächtigen Tiere einfach ihr natürliches Verhalten zeigen dürfen und die Harmonie zwischen Mensch und Tier im Vordergrund steht.

Nach zwei harten Jahren ohne Shows kehrte damit auch finanziell der Aufschwung zurück. Die Tournee war gut besucht, und der Traditionszirkus konnte dringend benötigte Einnahmen generieren. Selbst zusätzliche Herausforderungen – etwa der Ukraine-Krieg, der 2022 zahlreiche ukrainische Artisten und Mitarbeiter von ihrer Heimat abschnitt – meisterte das Krone-Team mit Zusammenhalt. Niemand wurde im Stich gelassen: Ukrainische Ensemble-Mitglieder durften Familienangehörige nachholen, ehemalige Mitarbeiter wurden wieder aufgenommen. Diese Solidarität zahlte sich aus, denn die internationalen Artisten revanchierten sich mit beeindruckendem Einsatz und neuen artistischen Glanzleistungen, die das Publikum verzauberten. Insgesamt wird 2023 als Jahr des Durchatmens und Neustarts in die Firmengeschichte eingehen.

Aktueller Finanzstatus: Keine Pleite in Sicht

Angesichts dieser Entwicklungen lässt sich die eingangs gestellte Frage klar beantworten: Circus Krone ist derzeit nicht pleite oder akut von einer Insolvenz bedroht. Trotz massiver coronabedingter Einbußen hat der Zirkus die Zahlungsunfähigkeit abwenden können. Dank kreativer Überbrückungsmaßnahmen, eiserner Reserven und der Treue von Publikum und Mitarbeitern überstand das Unternehmen die schlimmste Phase der Pandemie. Zwar beschreibt Jana Mandana Lacey-Krone die Corona-Zeit als emotionale Katastrophe und wirtschaftlich ein Desaster, doch letztlich konnte Deutschlands bekanntester Zirkus die Krise überleben. Weder wurde ein Insolvenzverfahren angemeldet noch gab es dauerhafte Zahlungsausfälle – im Gegensatz zu manch anderem Showunternehmen in dieser Zeit.

Aktuell tourt Circus Krone wieder regelmäßig und plant bereits die nächsten Spielzeiten. So läuft im Münchner Krone-Bau wieder traditionell der Weihnachtscircus, und für 2024/2025 sind Tourneetermine in ganz Deutschland angekündigt. Die finanzielle Lage hat sich durch die Wiederaufnahme des Spielbetriebs deutlich stabilisiert. Natürlich bleibt das Geschäft herausfordernd: Die Erfahrungen der Pandemie sitzen allen Beteiligten noch in den Knochen, und externe Faktoren wie gestiegene Energiekosten und Futterpreise erfordern weiterhin umsichtiges Wirtschaften. Doch eine akute Pleitegefahr besteht nach aktuellem Stand nicht. Im Gegenteil – Circus Krone demonstriert, wie ein traditionsreiches Unternehmen mit Zusammenhalt, Flexibilität und Leidenschaft selbst schwerste Krisen meistern kann. Die Manege mag sich zeitweise in eine unerträgliche Leere verwandelt haben, doch nun heißt es wieder: Manege frei! Der Circus Krone hat sein Publikum zurück und blickt zuversichtlich in die Zukunft – der Löwe ist noch lange nicht gezähmt.

Fazit

Obwohl die Corona-Pandemie den Circus Krone finanziell an den Abgrund brachte, ist das Unternehmen nach heutigem Stand weder zahlungsunfähig noch insolvent. Eine klassische Pleite konnte durch große Anstrengungen abgewendet werden. Der berühmte Zirkus befindet sich wieder in der Spur und ist derzeit nicht von einer Insolvenz bedroht. Die Erlebniswelt des Circus Krone – vom Duft der Manege bis zum Applaus unterm Zirkuszelt – bleibt dem Publikum also erhalten. Und damit auch ein Stück Kulturgut, das einmal mehr bewiesen hat: The show must go on gilt selbst in dunkelsten Zeiten.

© All rights reserved.