letzte Aktualisierung: Juni 2026
Wer früher eine wirklich erstklassige Kunstausbildung suchte, landete unweigerlich in den staubigen Ateliers teurer Privat-Akademien oder musste jahrelange Wartelisten an staatlichen Hochschulen in Kauf nehmen. Klassisches Handwerk – das präzise Zeichnen, die Lehre von Licht und Schatten oder die Anatomie des menschlichen Körpers – blieb oft einem kleinen, privilegierten Kreis vorbehalten. Doch der Bildungsmarkt ist im Wandel, und die Digitalisierung macht vor der Leinwand nicht halt.
An der Spitze dieser Bewegung steht Cepand Yegani mit seinem Unternehmen LIVARTO. Die Vision ist so simpel wie ambitioniert: Akademisches Wissen soll kein Luxusgut mehr sein, sondern für jeden Menschen mit Internetzugang und Leidenschaft für Kreativität zur Verfügung stehen. In einer Welt, in der wir Sprachen per App lernen und komplexe Business-Strategien online studieren, schließt LIVARTO eine klaffende Lücke im kreativen Sektor.
Im Interview mit unserer Redaktion erklärt der Gründer, wie er die Haptik der Kunst in die digitale Welt übersetzt und warum Qualität für ihn die wichtigste Währung im EdTech-Bereich ist. Es ist die Geschichte eines Startups, das beweist, dass sich Tradition und Innovation nicht ausschließen, sondern gegenseitig befeuern.
Unternehmerblatt.de: Herr Yegani, eine klassische Kunstausbildung ist oft an feste Orte und hohe Kosten gebunden. Wie kamen Sie auf die Idee, diesen doch sehr traditionellen Markt aufzubrechen und mit LIVARTO eine digitale Lösung für angehende Künstler zu schaffen? Was war der entscheidende Moment für die Gründung?
Cepand Yegani: Das war eine Umfrage in meiner damaligen Facebook-Gruppe. Sie sollte eigentlich nur den Kurs optimieren. Sie wurde aber zum unerwarteten Wendepunkt für alles, was danach kam.
Um das zu verstehen, muss ich zwei Schritte zurück. Bis zum Jahr 2020 hatte ich einen Online-Zeichenkurs am Laufen, der im DACH-Raum zum Bestseller geworden war. Der Kurs kam sehr gut an, ich hatte eine enge Bindung zu meiner Community und machte alles aus Liebe zu den Teilnehmern. Trotzdem hat mich etwas gestört. Ich konnte nicht genau sagen, was. Ich wusste nur:
Das ist es noch nicht!
Deshalb habe ich eine Umfrage gestartet, ganz pragmatisch, um den Kurs datenbasiert zu optimieren und hoffentlich herauszufinden, was das war.
Die letzte Frage, die mir beim Aufsetzen sehr unauffällig erschien, hat dann alles verändert. Sie lautete: „Hast du noch etwas auf dem Herzen, das du mit mir teilen möchtest?“
Ich rechnete mit einem freundlichen Dankeschön oder ein paar Verbesserungshinweisen. Stattdessen bekam ich lange, sehr persönliche Nachrichten zurück. Teilnehmer berichteten davon, wie das Zeichnen ihr Leben verändert hatte. Sätze wie „Durch das Zeichnen bin ich endlich meine Depression losgeworden.“ oder „Ich hatte jahrelang Probleme mit dem Schlaf, jetzt schlafe ich endlich wieder durch.“ Nicht alle Nachrichten gingen so tief, aber genug, dass ich beim Lesen kaum fassen konnte, was da gerade passierte.
Bis zu diesem Moment war ich davon überzeugt, dass Zeichnen für die meisten ein nettes Hobby ist und für Profis ein Werkzeug, um Geld zu verdienen. Die Leute hatten ja auch genau aus diesem Grund meinen Kurs gekauft: Sie wollten besser werden und schönere Ergebnisse erzielen.
Aber durch die Hingabe zu meinen Schülern habe ich indirekt eine Sache von ihnen lernen dürfen, die ich vorher selbst nicht klar gesehen hatte: Hier geht es eigentlich gar nicht in erster Linie um schöne Zeichnungen oder um das Ergebnis. Es geht um den Prozess. Dort passiert die eigentliche Magie.
In diesem Moment hat es bei mir Klick gemacht. Ich sah plötzlich alles mit anderen Augen und verstand zum ersten Mal richtig, was bei meinem Kurs gefehlt hatte. Also schaute ich nach Alternativen. Andere Kurse, andere Systeme, Universitäten, Fernunis, lokale Akademien, Bücher. Aber nichts hat mich wirklich überzeugt.
Nicht, weil das Wissen, das dort vermittelt wird, schlecht wäre. Da draußen gibt es einige unglaublich starke Künstler und Kunstlehrer, die ihr Handwerk auf höchstem Niveau beherrschen. Das Problem liegt woanders. Es liegt nicht im Wissen selbst, sondern im System, mit dem dieses Wissen vermittelt wird.
Hier ging es plötzlich nicht mehr um das Was. Es ging um das Wie.
Wenn man genau hinschaut, hat sich in unseren Systemen fast alles weiterentwickelt. Technologie, Medizin, Wissenschaft. Nur eine Sache ist stehen geblieben: unsere Bildungssysteme. Egal, wohin ich geschaut habe, immer fehlte etwas. Entweder ein klarer roter Lernfaden oder zuverlässiges, konstruktives Feedback, oder die Beständigkeit, ohne zu früh aufzugeben. Niemand macht es ganzheitlich richtig. Jeder bietet nur einen Teil der Lösung.
Dann stand ich vor der Wahl: mich darüber beschweren, wie alle anderen, oder etwas dagegen tun. Und ich dachte mir: Warum eigentlich nicht ich? Wenn nicht ich, wer dann?
Ich habe die Idee für ein wirklich ganzheitliches Lernsystem mit meiner damaligen Community geteilt und sie bewusst gewarnt, dass ich dafür für mindestens ca. vier Monate kaum erreichbar sein würde. Trotzdem waren alle dafür und sehr von der Idee angetan. Aus den vier Monaten wurden am Ende 26 Monate, eingesperrt in meiner Höhle, ohne jegliche Ablenkung. Jede Zelle meines Körpers musste sich zusammenreißen und vereint sein, denn anders wäre einfach nichts ernsthaft Besonderes geworden, das der Vision gerecht würde. Nicht, weil ich perfekt sein wollte, sondern weil ich für dieses Projekt keinen geringeren Standard akzeptieren konnte als Exzellenz.
Im Nachhinein hat mir das auch beantwortet, warum es ein solches System bisher nicht gab: Der Preis für die Verwirklichung ist hoch. Die Umsetzung ist so komplex und so unfassbar aufwändig, dass die meisten gar nicht erst wagen anzufangen. Ich musste dafür gefühlt durch die Hölle gehen. Aber im Nachhinein hat sich jeder einzelne Schritt gelohnt.
Unternehmerblatt.de: Wenn wir uns den Markt für digitale Bildung ansehen, stehen oft Sprachen oder berufliche Weiterbildung im Fokus. Wer genau ist die Zielgruppe von LIVARTO? Erreichen Sie durch den digitalen Ansatz Menschen, die von traditionellen Kunstschulen bisher völlig übersehen wurden?
Cepand Yegani: Was viele überrascht, wenn sie zum ersten Mal von LIVARTO hören: Bei uns lernen komplette Anfänger sowie aber auch Fortgeschrittene im selben System. Menschen, die noch nie einen Stift in der Hand hatten, sitzen neben Illustratoren, Konzept-Zeichnern oder Tattoo-Artists, die seit Jahren professionell arbeiten. Das ist kein Zufall — das ist Konsequenz unseres Ansatzes.
Klassische Kunstausbildung funktioniert nach einem klaren Prinzip: Der Schüler passt sich dem Curriculum an. Bei uns ist es umgekehrt. Das System passt sich dem Teilnehmer an — je nachdem, wo er gerade steht und woran er wirklich wachsen will. Das ist nur möglich, weil wir digital arbeiten. In einer klassischen Akademie mit festen Klassengrößen und Stundenplänen ist diese Individualisierung gar nicht leistbar.
Dadurch erreichen wir Menschen, die traditionelle Kunstschulen schlicht übersehen. Den fünfzigjährigen Hobbyisten, der sich nie getraut hat, sich an einer Akademie zu bewerben. Die berufstätige Mutter, die abends nach Kinderbett-Zeit zeichnen lernen will. Aber genauso den professionellen Illustrator, der technisch herausragend ist — und trotzdem merkt: Sobald er ohne Vorlage arbeitet, hängt er fest.
Genau dort liegt für Profis unser eigentlicher USP, also das wertvollste Element aus dem System — das Zeichnen aus dem Kopf heraus. Die meisten können brillant abzeichnen; sie sehen etwas und übertragen es aufs Papier. Aber sie haben nie gelernt, eigenständig aus der Fantasie heraus zu gestalten. Diese Lücke im kreativen Prozess hat viele in ihrer Karriere ausgebremst, ohne dass sie wussten, wie sie sie schließen können.
Im Endeffekt ist LIVARTO für jeden, der schon immer für sich herausfinden wollte, was wirklich in ihm steckt — egal, wo er heute steht.
Unternehmerblatt.de: Ein praktisches Handwerk wie das Zeichnen rein über einen Bildschirm zu vermitteln, erfordert sicherlich ganz besondere didaktische Konzepte. Welche innovativen Lehrmethoden nutzen Sie konkret in der Zeichenakademie von LIVARTO, um sicherzustellen, dass die Qualität der Ausbildung am Ende auch wirklich einem hohen akademischen Standard entspricht?
Cepand Yegani:Eine Pflanze braucht drei Dinge, um wirklich zu wachsen: Erde, Sonne und Wasser. Genau das geben wir unseren LIVOs.
Erstens: die Erde. Das ist die Nahrung zum Wachsen und gleichzeitig unser strukturierter Lernpfad, der rote Faden. Jeder Teilnehmer lernt unabhängig, in seiner eigenen Zeit und seinem eigenen Tempo, anhand von Videos, die didaktisch aufeinander aufbauen. Die klassischen Fundamente, also Perspektive, Anatomie, Licht und Schatten, fehlen bei uns nicht. Sie sind nur konsequenter strukturiert als auf den meisten anderen Wegen.
Zweitens: die Sonne. Das ist das Feedback. Wer eine Übung gemacht hat, lädt das Ergebnis in unsere Plattform hoch und bekommt direkt darauf eine punktgenaue Analyse von unseren Coaches. Der LIVO überarbeitet, postet erneut, bekommt wieder Feedback. So wird ein Fehler nicht zur Gewohnheit, sondern bewusst aufgelöst. Ergänzend dazu gibt es regelmäßiges Live-Coaching, in dem wir gemeinsam mit den Teilnehmern arbeiten. Diese Kombination aus direktem Feedback unter jeder Übung und Live-Sessions ist etwas, das klassische Online-Kurse strukturell nicht leisten können.
Drittens: das Wasser. Das hält die Pflanze am Leben, und das ist bei uns die Community. Hier lernen die LIVOs gemeinsam und doch unabhängig voneinander. Sie posten ihre Übungen, kommentieren einander, helfen sich gegenseitig weiter. Wer anderen erklärt, was er gerade gelernt hat, festigt sein eigenes Wissen auf einer ganz neuen Ebene. Und wer sieht, dass andere dieselben Hürden haben, hört auf zu glauben, es liege an ihm.
Erde, Sonne und Wasser. Das alles deckt den eigentlichen Zeichen-Lern-Prozess ab, und das ist schon mehr, als die meisten anderen Systeme leisten. Aber es gibt eine Sache, die noch darüber steht. Eine Sache, die im Verborgenen wirkt und genau deshalb von fast allen übersehen wird: die Wurzel. Und genau dort fangen wir bei LIVARTO an.
90 Prozent der Probleme beim Zeichnen finden nicht auf dem Papier statt, sondern im Kopf. Wichtiger als die Zeichnung ist der Zeichenprozess. Wichtiger als der Prozess ist der Zeichen-Lern-Prozess. Und am allerwichtigsten ist das Selbstbild und deine Einstellung beim Lernen. Das ist die Wurzel aller Probleme und gleichzeitig aller Lösungen. Bei uns beginnt die Reise eines LIVOs deshalb nicht mit Informationen übers Zeichnen, sondern mit der Arbeit an genau dieser Wurzel.
Was Lernende auf klassischen Wegen typischerweise in sieben bis zehn Jahren erreichen, schaffen unsere LIVOs in ein bis zwei. Und das mit weniger Zeitaufwand. Nicht, weil sie eine Abkürzung bekommen, sondern weil die Pflanze vermutlich zum ersten Mal alles bekommt, was sie zum gesunden Wachsen braucht.
Unternehmerblatt.de: Die Kunst lebt enorm von der Haptik und der direkten Rückmeldung durch einen erfahrenen Lehrer. Wie lösen Sie diese große Herausforderung auf Ihrer Plattform? Wie schaffen Sie es, das physische Erlebnis und das persönliche Feedback für die Nutzer im digitalen Raum authentisch und hilfreich abzubilden?
Cepand Yegani: Bevor ich diese Frage beantworten kann, müssen wir zwei Begriffe trennen, die oft vermischt werden: Zeichnen und Kunst.
Zeichnen ist die visuelle Sprache — das Handwerk. Genau wie Tischlerei oder Gitarrespielen ist es etwas Messbares, etwas Erlernbares. Es gibt richtig und falsch, Proportion, Perspektive, Linienführung.
Daneben steht die Kreativität — und die ist unser Geburtsrecht. Deshalb sind alle Kinder so kreativ; sie verlieren den Zugang meist erst, wenn sie älter werden. Wenn die Sprache und die Kreativität zusammenkommen, entsteht Poesie — der eigene Ausdruck. Und das ist Kunst.
Diese Unterscheidung ist deshalb so wichtig, weil Kunst an sich gar nicht bewertbar ist. Das Handwerk dahinter aber sehr wohl. Und genau hier liegt unsere Antwort auf die Haptik- und Feedback-Frage: Das eigentliche Zeichnen — Stift, Papier, Hand, Bewegung — passiert in voller analoger Tiefe beim Teilnehmer zu Hause. Digital wird bei uns nicht das Erleben, sondern das Feedback.
Der Ablauf ist denkbar einfach: Der LIVO fotografiert seine Skizze mit dem Handy und lädt sie über unsere App in die Plattform hoch. Darauf bekommt er Feedback – von unseren erfahrenen Coaches und oft auch von LIVOs, die schon weiter sind als er selbst. Das Feedback ist motivierend, konkret und so formuliert, dass es ihn direkt weiterbringt.
Besonders das Feedback unter den LIVOs selbst ist oft enorm wertvoll. Wir bringen ihnen deshalb von Anfang an bei, wie man sich richtig unterstützt: nicht „gefällt mir“ oder „gut gemacht“ — davon hat niemand etwas. Sondern konkrete Beobachtungen, lösungsorientierte Hinweise, ehrliche Reflexion. Genau das ist es, was jemanden weiterbringt. Und es ist online sogar präziser möglich als in einer klassischen Klasse, weil jeder Kommentar dokumentiert ist und nochmal nachgelesen werden kann.
Dadurch hat sich organisch unser sogenanntes Feedback-Lexikon entwickelt – eine Suchmaschinen-Goldgrube, in der du zu jeder erdenklichen Übung die typischen Fehler von den LIVOs und das Feedback, das sie bekommen haben, finden kannst, um daraus für dich zu lernen.
Es gibt noch so viel mehr zu erzählen, aber das würde hier den Rahmen sprengen.
Unternehmerblatt.de: Für unsere Leser aus der Wirtschaft ist natürlich auch das Geschäftsmodell hinter der Plattform sehr spannend. Wie ist LIVARTO wirtschaftlich aufgebaut, um auf der einen Seite bezahlbar für die Kunden zu bleiben und auf der anderen Seite als Unternehmen gesund und profitabel wachsen zu können?
Cepand Yegani: Bevor ich auf das Modell eingehe, eine wichtige Vorbemerkung: Bezahlbar bedeutet für uns nicht „billig“, sondern „im richtigen Verhältnis zum Wert“. Wer bei uns in einem Bruchteil der klassischen Zeit ans Ziel kommt, hat den vielleicht wertvollsten Hebel überhaupt: Zeit. Diese Wert-Logik trägt unser gesamtes Modell.
Strukturell sind wir bewusst kein Massen-Online-Kurs. Wir setzen auf Tiefe statt Breite. Weniger Teilnehmer pro Coach, dafür echtes, kontinuierliches Feedback. Wer reinkommt, durchläuft eine Bewerbung. Nicht aus Exklusivität, sondern weil wir nur diejenigen aufnehmen, bei denen wir wirklich liefern können. Das schützt sowohl die Qualität der Ausbildung als auch unsere wirtschaftliche Gesundheit.
Wirtschaftlich tragen uns dabei drei Hebel, die in einer klassischen Akademie strukturell nicht möglich sind:
Erstens: Der Lernpfad, also Videos, Materialien und Architektur, ist einmal gebaut und skaliert digital, ohne dass die Qualität sinkt.
Zweitens: Die Community trägt einen erheblichen Teil des Lernerfolgs selbst. Wenn fortgeschrittene LIVOs Anfängern Feedback geben, wachsen beide. Und unsere Coaches können ihre Zeit dort investieren, wo sie den höchsten Hebel hat.
Drittens: Empfehlungen unserer Teilnehmer sind heute einer unserer wichtigsten Wachstumshebel. Wer bei uns ankommt, kommt oft, weil jemand aus seinem Umfeld eine echte Transformation durchgemacht hat. Das ist die nachhaltigste Form von Kunden-Akquise, die es gibt.
Hinter dem Ganzen steht eine sehr klare Haltung: Wir handeln aus Liebe zur Community, nicht aus Ego. Das klingt vielleicht ungewöhnlich für ein Wirtschaftsmagazin, ist aber im Kern eine pragmatische Entscheidung. Solange wir konsequent das Beste für unsere Teilnehmer liefern, wachsen wir gesund von alleine. Sobald wir anfangen würden, kurzfristig zu optimieren (größere Klassen, weniger Feedback, aggressivere Sales), würden wir genau das verlieren, was uns wirtschaftlich trägt.
Unternehmerblatt.de: Wer alleine zu Hause vor dem eigenen Bildschirm lernt, verliert vielleicht schneller die Motivation als in einem vollen Atelier. Wie bauen Sie eine aktive Gemeinschaft auf? Welche Rolle spielt der Austausch der Lernenden untereinander für den langfristigen Erfolg und die Bindung an Ihr Unternehmen?
Cepand Yegani: Die Annahme, dass digitales Lernen automatisch einsames Lernen bedeutet, hält sich hartnäckig. Sie ist eines der wichtigsten Missverständnisse über unser Modell. Bei LIVARTO sitzt niemand allein vor dem Bildschirm. Wer bei uns startet, betritt eine aktive, ungewöhnlich herzliche Gemeinschaft.
Konkret bauen wir diese Gemeinschaft auf mehreren Ebenen:
Wir haben unser LIVO-Café, in dem Teilnehmer per Zoom gemeinsam zeichnen. Niemand ist allein an seinem Tisch, außer natürlich, du möchtest lieber alleine zeichnen.
Dazu kommen unsere regelmäßigen Live-Coaching-Sessions, in denen alle zusammenkommen, Fragen stellen und voneinander lernen. Über die Plattform entstehen private Chats und Freundschaften zwischen LIVOs, die teilweise viel weiter gehen als das Zeichnen selbst.
Mindestens einmal pro Jahr veranstalten wir ein großes LIVO-Treffen in Person, bei dem alle physisch zusammenkommen. Und über unsere LIVO-Map kann jeder Teilnehmer LIVOs in seiner geografischen Nähe finden, sich mit ihnen vernetzen und auch lokal treffen, um zu zeichnen.
Aber das eigentlich Wirksame liegt unter dieser Struktur. Wer sieht, wie ein anderer LIVO genau dieselbe Hürde überwindet, an der er selbst gerade hängt, hört auf zu glauben, es liege an ihm. Wer miterlebt, wie sich Mitglieder über Monate und Jahre entwickeln, sieht ein realistisches Bild dessen, was möglich ist. Keine abstrakten Versprechen, sondern reale Transformationen. Und wer anderen erklärt, was er selbst gerade verstanden hat, festigt sein Wissen auf einer ganz anderen Ebene. Die Community ist bei uns nicht Bonus, sondern Lern-Beschleuniger.
Was die langfristige Bindung angeht: LIVOs bleiben nicht primär, weil das Programm gut ist. Sie bleiben, weil sie Teil einer Bewegung sind, in der sie sich selbst verändern und gleichzeitig anderen helfen, sich zu verändern. Das ist eine Verbindung, die deutlich tiefer geht als eine klassische Anbieter-Kunden-Beziehung. Und genau diese Tiefe ist der Grund, warum unser Wachstum vor allem aus Empfehlungen kommt: Niemand empfiehlt eine Akademie. Aber jeder empfiehlt eine Bewegung, die das eigene Leben verändert hat. Das ist letztendlich etwas, was man zwar versuchen kann zu umschreiben, aber eigentlich nur dann wirklich versteht, wenn man’s für sich selbst erlebt hat.
Unternehmerblatt.de: Lassen Sie uns zum Abschluss des Interviews noch einen Blick nach vorne werfen. Wo genau sehen Sie LIVARTO in den nächsten fünf Jahren? Und wie wird sich der globale Markt für die kreative Online-Bildung Ihrer Einschätzung nach in der nahen Zukunft generell weiterentwickeln?
Cepand Yegani: In fünf Jahren wird LIVARTO eine globale Bewegung sein. Nicht im Sinne von „wir wollen überall verkaufen“, sondern im Sinne von: Wir werden Menschen in vielen Ländern, vielen Sprachen und unterschiedlichsten Lebenslagen den Zugang zum Zeichnen ermöglichen. Heute liegt unser Schwerpunkt im deutschsprachigen Raum. In den kommenden Jahren werden wir Schritt für Schritt internationalisieren und unser System in andere Sprachen und Kulturen übersetzen.
Wir werden mit mehr Künstlern zusammenarbeiten und die Plattform fürs Lernen und Lehren sein. Wir bieten mit LIVARTO nicht nur den Lernenden ein Paradies als Zuhause, sondern auch den Lehrenden.
Inhaltlich werden wir das, was wir heute haben, vertiefen und erweitern. Wir werden nicht bloß beim Zeichnen bleiben. Zeichnen ist lediglich die Mutter aller anderen visuellen Sprachen, die bei LIVARTO noch folgen werden.
Wir kratzen selbst noch an der Oberfläche dessen, was mit unserem System möglich ist. Was Lernende heute in ein bis zwei Jahren erreichen, wird mit jeder weiteren Iteration noch klarer, noch schneller, noch ganzheitlicher werden. Und parallel werden wir die Bewegung selbst sichtbarer machen: durch jährliche Treffen, durch öffentliche Sichtbarkeit der Transformationen unserer Teilnehmer und durch die Kunst, die in unserer Community entsteht.
Mein eigentliches Ziel ist dabei gar nicht primär unternehmerisch. Wenn es uns gelingt, das Zeichnen als das wieder ins Bewusstsein zu bringen, was es eigentlich ist, nämlich die vierte Grundfertigkeit des Menschen neben Lesen, Schreiben und Rechnen, dann haben wir etwas erreicht, das deutlich größer ist als ein Unternehmen.
Was die Marktentwicklung angeht: Der globale Markt für kreative Online-Bildung wird in den nächsten Jahren stark wachsen, aber er wird sich auch klar polarisieren. Auf der einen Seite werden wir eine Flut neuer Anbieter sehen, die mit KI-Tools, kurzen Tutorials und schnellen Versprechen werben. Auf der anderen Seite werden ernsthafte Lernende immer deutlicher erkennen, dass mehr Content nicht das Problem löst. Im Gegenteil: Im KI-Zeitalter wird das, was wir aufgebaut haben, wertvoller, nicht weniger wertvoll. Denn was Menschen wirklich brauchen, ist nicht mehr Information. Sie brauchen Struktur, echtes Feedback und einen Raum, in dem sie sich selbst begegnen können. Genau das ist menschliche Bildung, und die ist durch keine Maschine ersetzbar.
Insofern bin ich überzeugt: Die nächsten Jahre werden nicht denen gehören, die am schnellsten skalieren. Sie werden denen gehören, die am konsequentesten in die Tiefe gehen.
Ich freu mich so so so sehr auf alles, was noch auf uns und die LIVOs zukommt und bin unglaublich dankbar darüber, dass wir das mit den LIVOs gemeinsam gestalten und entwickeln dürfen, denn so, wie sie sich entwickeln, so entwickeln wir uns auch tagtäglich weiter.
Und an dieser Stelle auch danke für diese starken Fragen, die hier gestellt wurden! Ich sage immer, die Qualität unseres Lebens ist von der Qualität unserer Fragen abhängig und was dieses Interview angeht, waren die Fragen sehr originell und einfach erste Klasse.
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