Erstellt von Lana

Benninghoff Reisen insolvent? Busreise-Unternehmen vor dem Aus

Benninghoff Reisen aus Wiehl (Oberbergischer Kreis, NRW) gilt seit Jahrzehnten als renommierter Busreiseveranstalter. Doch in den vergangenen Monaten sorgten beunruhigende Nachrichten für Verunsicherung bei Kunden und Mitarbeitern: Steckt Benninghoff Reisen in Zahlungsschwierigkeiten? Ist das Unternehmen von Insolvenz bedroht oder sogar bereits pleite? Aktuellen Medienberichten zufolge musste Benninghoff Reisen tatsächlich Insolvenz anmelden. Der Geschäftsbetrieb wurde Ende März 2025 nach über 60 Jahren eingestellt. Knapp 100 Mitarbeiter an fünf Standorten verloren ihre Arbeitsplätze, als das Familienunternehmen den Betrieb abrupt herunterfuhr. Das Amtsgericht Köln eröffnete Anfang Februar 2025 ein Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Es lief in Eigenverwaltung, was der Geschäftsführung zunächst eine letzte Chance zur Sanierung geben sollte. Doch die Realität sieht düster aus: Alle Reisen wurden abgesagt, die Busse stehen still, und für Kunden sowie Beschäftigte stellt sich die Frage, wie es nun weitergeht.

Tradition seit den 1960ern – vom Schulbus zum Reiseprofi

Benninghoff Reisen blickt auf eine lange Firmengeschichte zurück. Gegründet wurde das Unternehmen in den 1960er Jahren von der Familie Benninghoff in Wiehl-Marienhagen. Zunächst betrieb man vor allem Schülerbeförderung im Oberbergischen. Ab den 1990er Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt jedoch auf touristische Busreisen im In- und Ausland. Europaweite Rundreisen, Vereins- und Gruppenfahrten sowie Seniorenreisen prägten zunehmend das Angebot.

Ein entscheidender Einschnitt erfolgte 2009: Firmeninhaber Klaus Benninghoff übergab das traditionsreiche Busreiseunternehmen an den Investor Klaus-Peter Zimmer aus Osnabrück. Zimmer, ein Quereinsteiger in der Touristikbranche, übernahm das Ruder und leitete das Unternehmen fortan in zweiter Generation. Unter seiner Führung wuchs Benninghoff Reisen erheblich. Fuhrpark und Standorte wurden ausgebaut: Statt einst 40 Bussen umfasste der Fahrzeugpark zuletzt 64 moderne Reisebusse. Neben dem Stammsitz in Wiehl-Marienhagen unterhielt man weitere Filialen in Gummersbach, Lindlar, Overath und Lüdenscheid – fünf Standorte insgesamt. In Spitzenzeiten verreisten pro Jahr rund 40.000 Kunden mit Benninghoff-Bussen quer durch Europa. Das Jahr 2024 markierte sogar einen wirtschaftlichen Höhepunkt: Das Unternehmen erzielte einen Rekord-Netto-Umsatz von 5,5 Millionen Euro. Auf den ersten Blick schien Benninghoff Reisen also erfolgreich aus der Corona-Flaute gekommen zu sein. Doch hinter den Kulissen hatten sich offenbar finanzielle Probleme angestaut, die trotz guter Umsätze nicht mehr zu bewältigen waren.

Corona-Krise als Wendepunkt

Die Corona-Pandemie traf die gesamte Reisebranche ab 2020 mit voller Wucht und auch Benninghoff Reisen blieb davon nicht verschont. Geschäftsführer Klaus-Peter Zimmer berichtet, dass bis Ostern 2020 eigentlich alle Busreisen ausgebucht gewesen seien, doch mit den weltweiten Reisebeschränkungen kam der komplette Stillstand. Über viele Monate konnten keine touristischen Fahrten mehr stattfinden. Das Unternehmen schickte seine damals rund 110 Mitarbeiter in Kurzarbeit, 32 Reisebusse mussten zeitweise stillgelegt werden. Zwar erhielt die Firma staatliche Corona-Hilfen, doch diese Gelder durften nicht für Investitionen verwendet werden, sie halfen also nur bedingt, um das Geschäft zukunftsfähig zu halten. Vier Jahre lang konnten wir keine neuen Busse kaufen, vor Corona waren es zwei pro Jahr, erklärt Zimmer rückblickend. Diese erzwungene Investitionspause hinterließ tiefe Spuren.

Erst 2022 und insbesondere 2023 normalisierte sich das Reisegeschäft langsam wieder. Benninghoff Reisen konnte sein Angebot reaktivieren, und die Kundennachfrage stieg an. Das Jahr 2024 brachte dem Unternehmen schließlich besagten Rekordumsatz, doch trotz voller Auftragsbücher waren die Nachwirkungen der Pandemie unübersehbar. Altlasten und neue Probleme belasteten die Firma finanziell so stark, dass am Ende sogar die Insolvenz unausweichlich wurde.

Teure Reparaturen durch alten Fuhrpark

Weil während der Pandemie keine Anschaffungen getätigt werden konnten, war der Fuhrpark von Benninghoff Reisen beim Neustart überaltert. Viele Busse hatten hohe Laufleistungen und wiesen Verschleißerscheinungen auf. Die Folge: hohe Instandhaltungskosten. Laut Zimmer schnellten die Reparaturausgaben zuletzt drastisch in die Höhe, von jährlich etwa 250.000 Euro auf rund 650.000 Euro. Immer wieder fielen Fahrzeuge wegen technischer Defekte aus. Im Jahr 2024 allein registrierte das Unternehmen vier Motorschäden. In einem Fall mussten gestrandete Reisegäste mit Ersatzfahrzeugen aus dem Ausland zurück nach Hause gebracht werden. Einen besonders folgenschweren Vorfall gab es in Frankreich, als ein Bus während einer Reise vollständig ausbrannte. Glücklicherweise wurde dabei kein Fahrgast verletzt. Doch jeder dieser Zwischenfälle bedeutete enorme zusätzliche Kosten und organisatorischen Aufwand. Die steigenden Ausgaben für Wartung und Pannenhilfe nagten erheblich am Gewinn. Das Unternehmen kam in eine Kostenfalle, aus der es eigenständig kaum herausfand.

Weitere Gründe für die Insolvenz

  • Pandemiebedingte Umsatzeinbußen: Während der Lockdowns 2020/21 brach das Geschäft monatelang ein. Fixkosten liefen weiter, während Einnahmen fehlten. Staatshilfen konnten das nur teilweise ausgleichen.
  • Investitionsstau: Die Corona-Hilfen durften nicht in neue Busse fließen. Über Jahre unterblieb die Erneuerung der Flotte, was ab 2022/23 zu vermehrten technischen Ausfällen und hohen Reparaturkosten führte.
  • Überalterter Fuhrpark: Das Durchschnittsalter der Busse stieg, teure Reparaturen häuften sich. Defekte Fahrzeuge und ein Busbrand bedeuteten zusätzliche Verluste.
  • Schleppende Kundenzahlungen: Eine schlechte Zahlungsmoral mancher Kunden riss ein Loch von rund 170.000 Euro in die Kasse. Offenbar zahlten einige Reisegruppen verspätet oder gar nicht, wodurch dem Veranstalter wichtiges Kapital fehlte.
  • Kein Überbrückungskredit: Obwohl das Unternehmen vor der Krise schuldenfrei war, verweigerte die Hausbank einen dringend benötigten Kredit. Zimmer zeigt sich enttäuscht von seiner Bank, die ihm in der Not kein Vertrauen schenkte. Er vermutet, sein Alter habe bei der Kreditabsage eine Rolle gespielt.

Diese Kombination aus externen Kriseneinflüssen und internen Schwierigkeiten erwies sich als fatal. Das alles konnte die Firma nicht verkraften, fasst Klaus-Peter Zimmer die ausweglose Lage zusammen. Letztlich zog er im Frühjahr 2025 die Reißleine, um eine unkontrollierte Insolvenz zu vermeiden.

Insolvenzantrag und Einstellung des Betriebs

Bereits Ende 2024 deutete sich an, dass Benninghoff Reisen ohne Insolvenzverfahren nicht überleben würde. Am 7. November 2024 bestellte das Amtsgericht Köln einen vorläufigen Insolvenzverwalter, was den Ernst der Lage offenbarte. Am 1. Februar 2025 wurde dann das reguläre Insolvenzverfahren offiziell eröffnet, zunächst in Form der Eigenverwaltung. Das bedeutet, die bestehende Geschäftsführung durfte unter Aufsicht weiter agieren, um gegebenenfalls eine Sanierung oder geordnete Abwicklung einzuleiten.

Trotz aller Bemühungen konnte jedoch kein tragfähiges Rettungskonzept gefunden werden. Letztlich war Benninghoff Reisen zahlungsunfähig und überschuldet, sodass der Betrieb nicht fortführbar war. Ende März 2025, nach über sechs Jahrzehnten Firmengeschichte, wurde der Reiseverkehr komplett eingestellt. Alle geplanten Fahrten ab diesem Zeitpunkt mussten abgesagt werden. Das Unternehmen teilte auf seiner Homepage schweren Herzens mit, man habe diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen und danke allen Kunden für ihre langjährige Treue. Damit ging im Oberbergischen Kreis eine Ära zu Ende.

Für die rund 100 betroffenen Mitarbeiter bedeutete die Insolvenz den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Einige Busfahrer, Reiseleiter und Bürokräfte standen von heute auf morgen vor dem Aus. Zwar läuft das Insolvenzverfahren noch, aber der Geschäftsbetrieb ist unwiderruflich beendet. Auch die betriebseigenen Immobilien werden aufgegeben: Das Betriebsgelände in Wiehl-Marienhagen samt Firmengebäude steht inzwischen zum Verkauf, um aus dem Erlös zumindest einen Teil der Gläubigerforderungen bedienen zu können.

Folgen für Kunden – Geld zurück oder Reisegutscheine?

Viele treue Stammkunden von Benninghoff Reisen zeigten sich schockiert über das plötzliche Aus. Wichtigste Frage aus Kundensicht: Was passiert mit bereits gebuchten und bezahlten Reisen? Hierzu hat das Unternehmen auf seiner Website klare Informationen bereitgestellt. Kunden, die noch offene Reisen vollständig bezahlt haben, sollen ihr Geld zurückerhalten oder die Summe bei der genannten Reiseversicherung geltend machen. In Deutschland sind Pauschalreisen gesetzlich durch einen sogenannten Sicherungsschein abgesichert, den Reiseveranstalter ihren Kunden aushändigen. Diese Versicherung springt im Insolvenzfalle ein. Benninghoff Reisen verweist betroffene Reisende an die entsprechende Versicherungsgesellschaft, bei der ein Erstattungsantrag gestellt werden kann. Kunden berichten allerdings teils von Verzögerungen. Angesichts der Insolvenz dürfte sich die Rückabwicklung nun weiter verzögern, doch grundsätzlich sind die Kundengelder durch die Insolvenzversicherung geschützt.

Neue Reisen können bei Benninghoff aktuell natürlich nicht mehr gebucht werden. Die Telefonanschlüsse sind abgeschaltet, die Website wurde mittlerweile vom Netz genommen. Einige Kunden wurden auf andere Busunternehmen in der Region verwiesen. So hat beispielsweise die Oberbergische Verkehrsgesellschaft (OVAG), die mit Benninghoff beim Linienbusverkehr kooperierte, betroffene Linienfahrten auf andere Vertragspartner verteilt, nachdem Benninghoff ausfiel. Für die Urlaubsreisen allerdings müssen Ersatzanbieter individuell gefunden werden, da Benninghoff Reisen als Veranstalter aus dem Markt ausgeschieden ist.

Geschäftsführer: Die Insolvenz tut mir in der Seele weh

Für Klaus-Peter Zimmer, der seit 2009 als Inhaber das Lebenswerk der Gründerfamilie weitergeführt hatte, ist das Scheitern seines Unternehmens auch persönlich ein schwerer Schlag. Die Insolvenz tut mir in der Seele weh, gesteht der 66-Jährige im Gespräch mit der Presse. Sein ganzes Engagement der letzten Jahre sei daran gesetzt gewesen, den Betrieb erfolgreich durch die Krise zu manövrieren. Umso bitterer empfindet er das abrupte Ende. Zimmer betont, die Ursache der Geldprobleme liege nicht in der Attraktivität des Angebots, sondern in der Corona-Krise. Das Reiseprogramm von Benninghoff sei beliebt und gut nachgefragt gewesen. Doch die pandemiebedingten Einschränkungen und deren Folgen hätten dem Unternehmen letztlich den Boden entzogen.

Öffentlich machte Zimmer auch seinem Unmut über die Banken Luft: Meine Bank hat mich im Stich gelassen, kritisiert er, nachdem ihm ein erbetener Überbrückungskredit verweigert wurde. Obwohl Benninghoff Reisen zum Zeitpunkt der Anfrage schuldenfrei gewesen sei, habe die Bank wegen seines Alters keinen Kredit mehr gewähren wollen. Diese Entscheidung der Hausbank habe ihm die letzte Chance genommen, das Ruder noch herumzureißen. Letztlich blieb nur der Gang zum Insolvenzgericht.

Fazit: Benninghoff Reisen ist insolvent – und eine Fortführung ist nicht in Sicht

Nach eingehender Recherche lässt sich die Frage klar beantworten: Ja, Benninghoff Reisen ist insolvent. Das Unternehmen steckt nicht nur in vorübergehenden Zahlungsschwierigkeiten, sondern hat bereits Insolvenz angemeldet und den Betrieb vollständig eingestellt. Ein Fortbestand oder eine Rettung in letzter Sekunde erscheint äußerst unwahrscheinlich. Weder ein Investor noch ein Sanierungsplan konnten die Traditionsmarke retten, sodass von einer endgültigen Geschäftsaufgabe auszugehen ist. Aktuell ist Benninghoff Reisen also faktisch pleite, alle Hinweise deuten darauf hin, dass das Unternehmen abgewickelt wird und vom Reisemarkt verschwindet.

Für die Region Oberberg und die Stammkundschaft bedeutet dies das Ende eines bekannten Reiseanbieters. Viele ältere Reisefreunde verlieren einen vertrauten Veranstalter, der über Jahrzehnte Busreisen und Ausflüge organisiert hat. Die Insolvenz von Benninghoff Reisen steht exemplarisch für die wirtschaftlichen Schäden, die die Corona-Krise in der Touristik hinterlassen hat. Trotz zwischenzeitlicher Erholung konnte sich das Unternehmen von den Folgen der Pandemie und den strukturellen Problemen letztlich nicht erholen.

Die klare Aussage ist daher: Benninghoff Reisen ist zahlungsunfähig und befindet sich in der Insolvenzabwicklung. Eine akute Pleitebedrohung liegt nicht mehr vor, sie hat sich bereits realisiert. Kunden sollten keine neuen Buchungen mehr erwarten, sondern gegebenenfalls ihre Ansprüche anmelden. Mitarbeiter und Geschäftspartner müssen sich anderweitig orientieren. Somit endet die Geschichte von Benninghoff Reisen mit einem insolvenzbedingten Kapitel, das man in Wiehl und Umgebung so schnell nicht vergessen wird. Die Frage, ob das Unternehmen von einer Pleite bedroht ist, beantwortet sich tragischerweise von selbst: Benninghoff Reisen ist bereits zahlungsunfähig, das Kapitel eines einst florierenden Busreiseveranstalters schließt mit dem Gang zum Insolvenzgericht.

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