Erstellt von Lana

Gründer von Adidas: Die Geschichte von Adi Dassler und dem Bruderstreit

letzte Aktualisierung: Apr. 2026

Adidas wurde von einem Mann gegründet, der nie das Rampenlicht suchte, aber die Sportschuhe der Weltgeschichte prägte. Adolf „Adi“ Dassler, Sohn eines fränkischen Schuhmachers, baute in der Waschküche seiner Mutter den Grundstein für einen der bekanntesten Konzerne der Welt. Was folgte, war nicht nur eine Unternehmensgeschichte, sondern einer der härtesten Bruderkämpfe der deutschen Wirtschaft.

Wer hat Adidas gegründet?

Gründer von Adidas ist Adolf Dassler, bekannt als Adi Dassler, geboren am 3. November 1900 in Herzogenaurach in Bayern. Er gründete die Adidas AG formell am 18. August 1949, als er die Firma unter dem Namen „Adolf Dassler adidas Sportschuhfabrik“ ins Handelsregister eintragen ließ. Der Name Adidas setzt sich aus seinem Spitznamen Adi und den ersten drei Buchstaben seines Nachnamens Dassler zusammen.

Jahr Meilenstein
1900 Geburt von Adolf Dassler in Herzogenaurach
1920 Erste Sportschuhe in der Waschküche der Mutter
1924 Gründung der Gebrüder Dassler Schuhfabrik mit Bruder Rudolf
1936 Jesse Owens gewinnt vier Olympia-Goldmedaillen in Dassler-Schuhen
1948 Trennung der Brüder: Rudolf gründet Puma
1949 Offizielle Gründung von Adidas, Eintragung ins Handelsregister
1954 Deutschland wird Weltmeister in Adidas-Schuhen (Wunder von Bern)
1960er Adidas wird mit 550 Mitarbeitern größter Sportschuhhersteller weltweit
1978 Tod von Adi Dassler in Herzogenaurach

Herkunft und frühe Jahre: Schuhe aus der Waschküche

Adolf Dassler wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater Christoph Dassler war Schuhmacher in Herzogenaurach, seine Mutter Pauline führte den Haushalt. Nach der Volksschule absolvierte Adi eine Bäckerlehre, folgte dann aber einem alten Traum: Er wollte Sportschuhe bauen, die so perfekt auf den Fuß des Athleten passen, wie es bis dahin kein Schuh getan hatte.

Um 1920 begann er in der Waschküche seiner Mutter, erste Sportschuhe aus Leinen zu fertigen. Die Materialknappheit der Nachkriegsjahre zwang ihn zu Einfallsreichtum: Er verwendete alte Militärhelme als Rohstoff, schnitt Riemen zurecht und bastelte daraus funktionsfähige Laufschuhe. Was nach Bastelei klingt, war der Beginn einer Unternehmerdynastie.

Die Gebrüder Dassler Schuhfabrik: Gemeinsamer Aufstieg

1924 stieg Adis älterer Bruder Rudolf Dassler in das Unternehmen ein. Die beiden ergänzten sich zunächst ideal: Adi war der Tüftler und Schuhentwickler, Rudolf der Kaufmann und Verkäufer. Gemeinsam ließen sie am 1. Juli 1924 die „Gebrüder Dassler Schuhfabrik“ (kurz: GeDa) ins Handelsregister eintragen.

Das Unternehmen wuchs schnell. Die Dassler-Schuhe galten in Sportlerkreisen als technisch überlegen. Adi entwickelte Schuhe, die individuell auf die Füße der jeweiligen Athleten abgestimmt wurden. Dieses Prinzip war für die damalige Zeit revolutionär.

Jesse Owens und die Olympischen Spiele 1936: Einer der größten frühen Marketingcoups gelang Adi Dassler bei den Olympischen Spielen in Berlin 1936. Er überredete den amerikanischen Sprinter Jesse Owens, in maßgefertigten Dassler-Schuhen zu starten. Owens gewann vier Goldmedaillen und wurde zum Star der Spiele. Adi Dassler zog damit den Zorn von Adolf Hitler auf sich, der deutsche Siege gewollt hatte. Für Dassler war es der internationale Durchbruch.

Der Bruderstreit: Herzogenaurach wird geteilt

Die Zusammenarbeit der Brüder endete nach dem Zweiten Weltkrieg in einem der bittersten Familienstreitigkeiten der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Die genauen Ursachen des Zerwürfnisses sind bis heute nicht vollständig rekonstruiert. Sicher ist: Charakterliche Unterschiede, verschiedene Vorstellungen über die Unternehmensführung und gegenseitige Anschuldigungen im Zusammenhang mit der Entnazifizierung nach 1945 trieben einen unüberbrückbaren Keil zwischen die Brüder.

1948 trennten sie das gemeinsame Unternehmen auf. Adi behielt das Werk am Bahnhof, Rudolf übernahm die Fabrik an der Würzburger Straße. Rund zwei Drittel der Mitarbeiter entschieden sich für Adi. Rudolf gründete seine eigene Firma und nannte sie nach seinem Spitznamen: Puma. Adi nannte seine Firma Adidas. Beide Unternehmen haben ihren Sitz bis heute in Herzogenaurach, nur wenige hundert Meter voneinander entfernt.

Adolf und Rudolf Dassler sollen bis zu ihrem Tod kein Wort mehr miteinander gesprochen haben. Geschäftliche Kommunikation wurde über Mittelsmänner abgewickelt. Selbst als Rudolf 1974 starb, gab die Familie seines Bruders keinen Kommentar ab.

Adidas allein: Der Aufstieg zur Weltmarke

Mit seiner neuen Firma baute Adi Dassler das auf, was er immer wollte: ein Unternehmen, das technisch überlegene Sportschuhe entwickelt und diese in den Profisport bringt. Bereits ein Jahr vor der offiziellen Gründung hatte er 1948 einen Fußballschuh mit drei parallel angebrachten Riemen an der Seite entwickelt, die zur Stabilisierung von Schuh und Fuß beitragen sollten. Was als technisches Detail gedacht war, wurde zum ikonischen Markenzeichen der drei Streifen.

Der entscheidende Durchbruch kam 1954. Deutschland spielte bei der Fußball-Weltmeisterschaft in der Schweiz in Adidas-Schuhen. Im berühmten Finale von Bern besiegte die deutsche Mannschaft den Favoriten Ungarn 3:2 und wurde Weltmeister. Das „Wunder von Bern“ machte Adidas schlagartig zur bekanntesten Sportschuhmarke Deutschlands. Der Schuhverkauf stieg unmittelbar danach von 157.000 auf 221.000 Paar, der Umsatz kletterte von 3,1 auf 4,9 Millionen D-Mark.

Adi Dassler als Erfinder und Unternehmer

Adi Dassler war in erster Linie Erfinder. In seinem Leben meldete er über 700 weltweit anerkannte Patente und Gebrauchsmuster an. Zu seinen wichtigsten Innovationen zählen die stetige Weiterentwicklung von Schraubstollen für Fußballschuhe, auswechselbare Dornen für Leichtathletik-Schuhe sowie die erste Nylonsohle 1957, die das Gewicht der Schuhe deutlich reduzierte.

1967 ließ er die ersten Trainingsanzüge mit den drei Streifen fertigen und legte damit den Grundstein für Adidas als Modemarke weit über den Sport hinaus. Für die Olympischen Spiele 1972 in München entwarf sein Unternehmen das Dreiblatt-Logo, das heute als Trefoil-Logo bekannt ist und auf Adidas-Retro-Produkten weltweit verwendet wird.

Innovation Jahr Bedeutung
Drei-Streifen-Fußballschuh 1948 Späteres Markenzeichen von Adidas
Schraubstollen-Patent 1952 Revolutionierte den Fußballschuh
Erste Nylonsohle 1957 Deutliche Gewichtsreduzierung der Schuhe
Erster Trainingsanzug 1967 Grundstein für Adidas als Lifestyle-Marke
Trefoil-Logo 1972 Bis heute das Retro-Logo von Adidas

Adidas nach Adi Dassler

Adi Dassler starb am 6. September 1978 in Herzogenaurach. Das Unternehmen, das er gegründet hatte, war zu diesem Zeitpunkt bereits Weltmarktführer für Sportartikel. Seine Frau Käthe und sein Sohn Horst übernahmen die Führung. Horst Dassler hatte bereits 1959 den Grundstein für die internationale Expansion gelegt, als er Adidas Frankreich aufbaute. Er starb überraschend 1987 mit nur 51 Jahren.

In den folgenden Jahren geriet Adidas in eine Krise. Die Kinder der Gründerfamilie verkauften das Unternehmen Ende der 1980er Jahre. 1993 übernahm Robert Louis-Dreyfus die Führung und sanierte den Konzern. 1995 ging Adidas an die Börse. Heute ist die Adidas AG eine global börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Herzogenaurach und der zweitgrößte Sportartikelhersteller der Welt hinter Nike.

Adidas und Puma heute: Zwei Weltmarken aus einer Stadt

Was als Familienstreit begann, schuf eines der bemerkenswertesten Doppel der Wirtschaftsgeschichte. Adidas und Puma teilen dieselbe Gründerfamilie, dieselbe Stadt und denselben Ursprung. Beide Unternehmen gehören heute zu den bekanntesten Sportmarken der Welt. Adidas ist mit einem Jahresumsatz von zuletzt über 23 Milliarden Euro der deutlich größere Konzern, Puma liegt mit rund 8 Milliarden Euro Umsatz im Mittelfeld der globalen Sportartikelindustrie.

Die Geschichte der Dassler-Brüder zeigt, wie persönliche Rivalität und unternehmerischer Ehrgeiz zusammen eine ganze Branche prägen können. Herzogenaurach, eine Stadt mit rund 30.000 Einwohnern, ist bis heute Stammsitz beider Konzerne.

Weitere Gründergeschichten finden sich in den Artikeln Gründer von Nike und Gründer von IKEA.

Foto: https://unsplash.com/de/fotos/ein-paar-weiss-grune-sneaker-mit-goldener-aufschrift-RIdRbMYmPQs

© All rights reserved.