Corporate Podcasts gelten in vielen Unternehmen noch immer als experimentelles Nebenprojekt. Mal werden sie intern „on top“ zur bestehenden Kommunikation gestartet, mal mit falschen Erwartungen an Reichweite und Geschwindigkeit. Nicht selten verlieren solche Formate nach wenigen Folgen an Energie, weil Ziel, Rolle und Verantwortlichkeiten von Beginn an unklar waren.
Wir haben mit Corporate-Podcast-Stratege Wolfgang Patz gesprochen, Co-Gründer von NextGen Podcast. In diesem Interview erklärt er, warum Corporate Podcasts oft falsch eingeschätzt werden, wie Unternehmen strategischer denken können und weshalb es sich lohnt, zuerst bei ihm eine Konsultation einzuholen, bevor überhaupt die Produktion beginnt.
Unternehmerblatt: Warum tun sich Unternehmen mit Corporate Podcasts oft schwer?
Wolfgang Patz: Ich erlebe oft, dass Teams schon einen Podcast gestartet haben, aber ehrlich gesagt unter ziemlich schwierigen Bedingungen. Das ist ganz normal. Podcasts sind für viele Unternehmen einfach noch Neuland.
Was fast immer unterschätzt wird, ist nicht das Mikrofon oder die Software, sondern der organisatorische Aufwand. Ein Podcast darf nicht nebenbei laufen. Er braucht einen festen Platz. Wenn dieser Gedanke einmal sitzt, verändert sich der Blick auf das Medium komplett.
Unternehmerblatt: Welche Herausforderungen begegnen Ihnen am häufigsten?
Wolfgang Patz: Am häufigsten stoße ich auf eine mentale Barriere, nicht auf technische Hürden. Viele gehen mit der Erwartung rein, dass ein Podcast wie ein Social-Media-Format funktionieren muss, also kurz, schnell und möglichst reichweitenstark.
In Wirklichkeit geht es bei Corporate Podcasts um etwas ganz anderes. Sie schaffen Orientierung und Nähe. Besonders in Change-Prozessen oder in der internen Kommunikation sieht man, wie erleichtert Teams sind, wenn sie merken, dass ein Podcast keine Show sein muss, sondern Raum für echte Gespräche bietet.
Unternehmerblatt: Ist das Medium also unterschätzt?
Wolfgang Patz: Ja, absolut. Podcasts sind extrem persönlich. Mitarbeitende hören ihre Führungskräfte ganz anders, als man das aus Videos oder klassischen Formaten kennt. Dabei entsteht eine Nähe, die man sonst kaum erreicht.
Meiner Erfahrung nach scheitert selten der Podcast selbst. Es sind die Rahmenbedingungen, die nicht passen. Wenn man hier früh ansetzt, kann man sehr viel richtig machen.
Unternehmerblatt: Sie haben bereits Konzerne wie Wikimedia begleitet, also die Organisation hinter Wikipedia. Wie unterscheidet sich so ein Projekt von klassischen Corporate Formaten?
Wolfgang Patz: Internationale Projekte sind natürlich etwas anders gelagert. Bei Wikimedia saßen die Beteiligten in Los Angeles, Hongkong und Berlin. Da geht es nicht nur darum, dass der Ton stimmt, sondern dass der gesamte Ablauf für alle möglichst einfach ist.
Solche Projekte zeigen sehr deutlich, dass Corporate Podcasts heute ohne Probleme global umgesetzt werden können. Viele Unternehmen wissen gar nicht, wie stabil Remote-Aufnahmen inzwischen sind. Deshalb starte ich immer mit Beratung, nicht mit Technik. Ein sauberer Prozess nimmt gerade in großen Organisationen viel Komplexität raus.
Unternehmerblatt: Braucht man für Corporate Podcasts zwingend externe Unterstützung?
Wolfgang Patz: Nein, zwingend ist das nicht. Es gibt Teams, die sind intern sehr gut organisiert. Trotzdem holen sich viele zu Beginn jemanden dazu, der ein bisschen Erfahrung mitbringt und weiß, wo es oft hakt.
Mir geht es dabei nicht darum, irgendwem den Schnitt abzunehmen. Der Unterschied liegt im strategischen Rahmen. Viele starten ohne klares Ziel und merken nach wenigen Folgen, dass der Podcast an Kraft verliert. Wenn man diese Ziele am Anfang sauber klärt, spart das später enorm viel Zeit und Reibung.
Unternehmerblatt: Was kann ein Corporate Podcast für ein Unternehmen leisten?
Wolfgang Patz: Ein Podcast kann extrem viel leisten, wenn er richtig eingesetzt wird. Intern, im Employer Branding oder auch in der Fachkommunikation.
Der eigentliche Wert liegt aber in der Nähe. Wenn jemand zwanzig oder dreißig Minuten zuhört, entsteht Vertrauen. Das schafft kein anderer Kanal in dieser Form.
Und ganz nebenbei liefert ein Podcast ständig Inhalte, die man für Social Media nutzen kann. Viele Unternehmen stellen erst später fest, wie viel Arbeit ihnen das eigentlich abnimmt.
Unternehmerblatt: Wie läuft eine Zusammenarbeit mit Ihnen in den ersten Wochen ab?
Wolfgang Patz: Die Zusammenarbeit startet immer mit einem Gespräch. Bevor wir über Technik oder Produktion sprechen, geht es darum zu verstehen, was das Unternehmen wirklich vorhat.
Viele Teams haben eine erste Idee, aber noch kein klares Ziel. Genau das sortieren wir gemeinsam. Welches Format passt zu diesen Zielen? Braucht es Interviews, regelmäßige Updates oder etwas anderes? Erst danach kümmern wir uns um die Umsetzung. Ohne klare Strategie bringt der beste Ablauf nichts.
Unternehmerblatt: Wie finden Unternehmen heraus, ob Sie der richtige Ansprechpartner sind?
Wolfgang Patz: Das merkt man meistens sehr schnell. Ich biete immer ein erstes, unverbindliches Gespräch an. Dabei geht es nicht darum, etwas zu verkaufen, sondern Klarheit zu schaffen. Ich spreche offen über Möglichkeiten, aber auch über mögliche Herausforderungen.
Viele Teams melden sich danach zurück und sagen, dass sie jetzt genau wissen, wie sie das Projekt aufsetzen wollen. Diese Klarheit ist mir persönlich wichtiger als alles andere.
Unternehmerblatt: Was brauchen Unternehmen, damit die Zusammenarbeit gut funktioniert?
Wolfgang Patz: In erster Linie Offenheit. Ein Corporate Podcast bringt immer Veränderung mit sich, und dafür muss man bereit sein. Ich versuche, alles so verständlich wie möglich zu erklären und lasse unnötige Technikdetails bewusst weg. Wichtig sind klare Abläufe und Ruhe im Prozess.
Außerdem braucht ein Podcast Zeit. Nicht jahrelang, aber einige Wochen oder Monate, um wirklich zu sehen, was passiert. Wer das akzeptiert, wird am Ende ein sehr stabiles Format haben.
Unternehmerblatt: Warum sollten Unternehmen, die über einen Podcast nachdenken, zuerst mit Ihnen sprechen?
Wolfgang Patz: Am Anfang stehen immer viele Fragen, und die entscheiden später über den Erfolg. Ich unterstütze Unternehmen dabei, dieses Fundament erstmal sauber zu klären, bevor es um Budgets oder Umsetzung geht.
Man muss nicht sofort starten. Aber man sollte sofort herausfinden, welcher Weg der richtige ist. Genau dabei unterstütze ich Unternehmen.
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