Erstellt von Lana

Commerzbank Tochtergesellschaften: Aktuelle Struktur, Marken & wichtige Entwicklungen

Die Commerzbank AG ist als zweitgrößte Privatbank Deutschlands ein breit aufgestellter Finanzkonzern mit zahlreichen Tochtergesellschaften im In- und Ausland. Neben dem Kerngeschäft der Commerzbank AG selbst unterhält der Konzern aktuell vier wesentliche Tochterunternehmen weltweit. Diese ergänzen das Angebot der Bank in speziellen Segmenten oder Märkten. Historisch musste die Commerzbank ihre Konzernstruktur mehrfach an veränderte Rahmenbedingungen anpassen – etwa durch Übernahmen, Integrationen oder Verkäufe von Tochterfirmen. Im Folgenden werden die wichtigsten aktuellen Tochtergesellschaften der Commerzbank vorgestellt und in ihren Funktionen beschrieben, inklusive relevanter historischer Veränderungen.

Commerz Real – Immobilien und Leasing im Konzern

Eine der bedeutendsten inländischen Tochtergesellschaften ist die Commerz Real AG mit Sitz in Wiesbaden. Commerz Real ist ein 100%iges Tochterunternehmen der Commerzbank und zählt zu den größten Asset-Managern für Sachwerte in Deutschland. Das Unternehmen verwaltet ein Vermögen von über 35 Milliarden Euro in Form von Immobilien, erneuerbaren Energien und Infrastrukturinvestitionen. Commerz Real bietet insbesondere offene Immobilienfonds (etwa den Fonds hausInvest), geschlossene Fonds für Immobilien, Schiffe und Flugzeuge sowie Leasing-Dienstleistungen an. Gegründet wurde Commerz Real in der heutigen Form 2007 durch die Fusion zweier Konzerntöchter (Commerz Grundbesitz und Commerz Leasing) – ihre Wurzeln reichen jedoch bis in die 1970er Jahre zurück. Mit rund 1000 Mitarbeitern ist Commerz Real ein zentraler Baustein der Konzernstrategie im Bereich Immobilien- und Objektfinanzierung. Spekulationen über einen Verkauf dieser Sparte erwiesen sich in der Vergangenheit als gegenstandslos; stattdessen wurde die Einheit intern neu ausgerichtet und enger an den Konzern angebunden.

comdirect – vom Online-Broker zur Konzernmarke

Die comdirect bank AG war lange Zeit eine bekannte Tochtergesellschaft der Commerzbank im Direktbank- und Online-Brokerage-Geschäft. Gegründet Ende der 1990er-Jahre als Online-Broker, entwickelte sich comdirect zu einer der modernsten Direktbanken Deutschlands. Die Commerzbank hielt von Anfang an eine Mehrheitsbeteiligung und weitete diese über die Jahre aus. Im Jahr 2020 wurde schließlich die vollständige Übernahme und Integration der comdirect abgeschlossen. Seit der Verschmelzung im November 2020 ist comdirect kein eigenständiges Unternehmen mehr, sondern fungiert nun als Marke innerhalb der Commerzbank. Durch die Integration verbindet die Commerzbank die digitalen Leistungen der ehemals eigenständigen comdirect mit ihrem Filialnetz und Beratungsangebot. Die Online-Tochter galt als innovativer Vorreiter im Brokerage und brachte Assets wie das Finanzportal Onvista in den Konzern ein. Heute profitieren rund 2,5 Millionen ehemals comdirect-Kunden vom kombinierten Angebot unter dem Dach der Commerzbank. Die Bedeutung der comdirect für den Konzern wird auch daran deutlich, dass sie in offiziellen Verlautbarungen der Bank zusammen mit mBank als innovative Onlinebank im Konzernverbund bezeichnet wurde.

mBank – Digitale Banktochter in Polen

Die mBank S.A. mit Sitz in Warschau ist die größte ausländische Tochtergesellschaft der Commerzbank. Sie ist eine führende Digitalbank in Polen und betreut rund 5,6 Millionen Privat- und Firmenkunden. Neben Polen ist mBank auch in Tschechien und der Slowakei tätig. Die Commerzbank hält eine Mehrheitsbeteiligung von 69,3 % an mBank. Ursprünglich war mBank unter dem Namen BRE Bank bekannt, bevor sie 2013 ein modernes Rebranding zur einheitlichen Marke mBank durchlief. Die polnische Tochter operiert weitgehend eigenständig und ist an der Börse Warschau notiert. Sie gilt als Innovationsführer im polnischen Bankenmarkt, insbesondere im Bereich Online- und Mobile-Banking.

In den Jahren 2019/2020 stand mBank kurzzeitig im Fokus eines möglichen Verkaufs: Im September 2019 kündigte die Commerzbank im Rahmen ihrer Strategie Commerzbank 5.0 an, die Mehrheitsbeteiligung an mBank veräußern zu wollen, um Eigenkapital freizusetzen. Aufgrund der COVID-19-Pandemie und ungünstiger Marktbedingungen wurde dieser Plan jedoch im Frühjahr 2020 aufgegeben – die Commerzbank entschied sich, mBank weiter im Konzern zu behalten. „Wir verkaufen ein so wertvolles Asset wie die mBank nur, wenn die Bedingungen stimmen“, begründete Finanzvorständin Bettina Orlopp den Schritt. Seitdem bleibt mBank ein wichtiger Bestandteil der Commerzbank-Gruppe, und aktuelle polnische Marktakteure beobachten die Entwicklung dieser Beteiligung mit Interesse. Die mBank trägt nicht nur zum Kundenwachstum bei, sondern auch zur geografischen Diversifizierung des Konzerns im Retail-Geschäft.

FinTech und Innovation: CommerzVentures, neosfer und Neugelb

Die Commerzbank engagiert sich auch über spezialisierte Einheiten in Finanztechnologie und digitaler Innovation. Eine zentrale Rolle spielt hierbei CommerzVentures – der 2014 gegründete Corporate-Venture-Capital-Ableger der Bank. CommerzVentures investiert als Wagniskapitalgeber in FinTech- und InsurTech-Startups weltweit. Bis heute hat CommerzVentures drei Fonds mit zusammen rund 550 Millionen € Anlagevolumen aufgelegt, wobei die Commerzbank jeweils alleiniger Geldgeber dieser Fonds ist. Zu den bekanntesten Investments zählen Startups wie Marqeta, Coinbase oder eToro. Über CommerzVentures sichert sich die Bank frühzeitig den Zugang zu innovativen Technologien und Geschäftsmodellen im Finanzsektor, ohne diese selbst entwickeln zu müssen.

Parallel dazu unterhält die Commerzbank mit neosfer GmbH (ehemals Main Incubator) eine eigene Innovationseinheit und Frühphasen-Investor. Neosfer wurde 2013 als Main Incubator gegründet und war damit eine der ersten Innovationsplattformen einer deutschen Bank. Das Unternehmen fördert zukunftsweisende Technologien, entwickelt Prototypen und Pilotprojekte und investiert in junge Startups, die für die Bank strategisch relevant sein könnten. 2022 erfolgte die Umbenennung in neosfer, um den Fokus auf digitale Transformation und Nachhaltigkeit stärker zu betonen. Neosfer veranstaltet u.a. den Impact Festival, eine große Messe für nachhaltige Tech-Innovationen, und fungiert als Ideenlabor für neue Lösungen, die später im Konzern ausgerollt werden können.

Ergänzend zu diesen Investmenteinheiten verfügt der Konzern mit Neugelb Studios GmbH über eine digitale Kreativ- und Design-Tochter (gegründet 2018), die benutzerfreundliche Frontends und Apps für die Bank entwickelt. Yellow Automation GmbH ist eine weitere junge Konzerngesellschaft, die sich auf Automatisierungslösungen (etwa im Bereich Robotics Process Automation und KI) konzentriert. Diese spezialisierten Digital-Töchter unterstreichen das Bestreben der Commerzbank, den technologischen Wandel aktiv mitzugestalten und neue Trends frühzeitig für sich zu nutzen.

Weitere spezialisierte Tochterunternehmen und Beteiligungen

Über die genannten Bereiche hinaus hat die Commerzbank zahlreiche weitere Tochtergesellschaften, die spezifische Dienstleistungen für den Konzern oder für Kunden erbringen. Ein Schwerpunkt liegt auf Service- und Abwicklungsgesellschaften: Beispielsweise kümmert sich die Commerz Direktservice GmbH (Duisburg) um Callcenter-Dienstleistungen und Kundenbetreuung im Direktbankgeschäft. Die Commerz Business Consulting GmbH (Frankfurt) erbringt interne Beratungsleistungen innerhalb des Konzerns. Für Firmenkunden bietet die CommerzFactoring GmbH (Mainz) Finanzierungslösungen im Forderungsankauf an. Treuhand- und Verwaltungsdienste, etwa für Stiftungen oder Sondervermögen, werden von der CommerzTrust GmbH (Frankfurt) übernommen.

Im Kapitalmarkt- und Refinanzierungsbereich betreibt die Commerzbank spezielle Vehikel wie die Commerzbank Finance & Covered Bond S.A. in Luxemburg. Diese 100%ige Tochtergesellschaft dient als Pfandbriefbank nach luxemburgischem Recht und emittierte früher Luxemburger Pfandbriefe zur Refinanzierung öffentlicher Kredite. Seit Einstellung des Neugeschäfts 2013 wird ihr Portfolio jedoch sukzessive abgebaut. In den USA unterhält der Konzern mit Commerz Markets LLC (New York) eine Tochter für das Investmentbanking-Geschäft und den Handel an den US-Finanzmärkten. Eine weitere Auslandstochter ist die Commerzbank (Eurasija) AO in Moskau, die bis vor kurzem Firmenkunden in Russland betreute – das Russland-Engagement der Bank wird seit 2022 allerdings drastisch zurückgeführt.

Zudem existieren Back-Office- und IT-Tochterfirmen im Ausland, wie die CERI International (Łódź, Polen) und Commerz Global Services (Malaysia), die kosteneffiziente Abwicklungs- und IT-Dienstleistungen für den Konzern erbringen. Darüber hinaus gehören auch ehemals eigenständige Marken jetzt vollständig zur Bank. So wurde die bekannte Finanzinformationsplattform Onvista als onvista media GmbH in den Konzern integriert. Gleiches gilt für weitere kleinere Einheiten, die der Förderung von Innovation und effizienter Bankprozesse dienen – von Kenstone GmbH bis Soltrx Transaction Services GmbH finden sich diverse Spezialgesellschaften im Beteiligungsportfolio. Laut Geschäftsbericht steht am Ende der offiziellen Anteilsbesitzliste der Commerzbank eine zweistellige Zahl an Unternehmen, an denen die Bank beteiligt ist – ein Beleg für die Breite der Konzernaktivitäten.

Historische Veränderungen und strategische Anpassungen

Die Struktur der Commerzbank-Gruppe hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gewandelt. Wesentlicher Einschnitt war die Übernahme der Dresdner Bank im Jahr 2009, durch die viele Tochtergesellschaften der Dresdner in den Commerzbank-Konzern integriert wurden. Zugleich musste die Commerzbank nach der Finanzkrise (im Zuge staatlicher Stützungsmaßnahmen) eine Reihe von Beteiligungen verkaufen, um EU-Auflagen zu erfüllen. So trennte sich die Bank 2009 von ihrer Fondsgesellschaft Cominvest, die an Allianz Global Investors verkauft und vollständig in den Allianz-Konzern integriert wurde. Ebenfalls veräußert wurden Randaktivitäten im Ausland – beispielsweise die ukrainische Bank Forum oder Beteiligungen in Österreich – um das Geschäftsmodell zu straffen.

Ein großer Name aus der Konzernhistorie ist die Eurohypo AG, einst Europas größter Immobilienfinanzierer, der seit 2006 zur Commerzbank gehörte. Auf Druck der EU sollte die Eurohypo verkauft werden; schließlich entschied man sich jedoch für eine geordnete Abwicklung: Die Eurohypo wurde in Hypothekenbank Frankfurt AG umfirmiert und ab 2012 in den Abbau geschickt. Bis 2016 waren die meisten Bestände an die Commerzbank übertragen, die Banklizenz zurückgegeben und die Gesellschaft auf eine Abwicklungseinheit namens LSF Loan Solutions Frankfurt GmbH reduziert worden. Damit zog sich die Commerzbank weitgehend aus dem volatil gewordenen Geschäft der kommerziellen Immobilien- und Staatsfinanzierung zurück.

Ein weiterer historischer Schritt war die Auflösung des Gemeinschaftsunternehmens Commerz Finanz GmbH im Jahr 2017. Diese in Kooperation mit BNP Paribas Personal Finance betriebene Tochter war auf Konsumentenkredite (Ratenkredite und Teilzahlungsprodukte) spezialisiert. Im August 2017 einigten sich Commerzbank und BNP Paribas darauf, die Joint-Venture-Struktur zu beenden; die rund 300.000 Kreditverträge wurden getrennt und das Geschäft von BNP Paribas unter neuer Marke weitergeführt. Dieser Schritt stand im Einklang mit der Strategie Commerzbank 4.0, sich auf das Kerngeschäft zu fokussieren und komplexe Beteiligungskonstrukte abzubauen.

Zuletzt ist auch die Integration der comdirect im Jahr 2020 als historischer Meilenstein zu nennen. Sie markierte den Abschluss einer Ära, in der die Commerzbank zwei getrennte Marken für das Privatkundengeschäft führte, zugunsten einer einheitlichen Konzernbank.

Insgesamt zeigt die Entwicklung der Tochtergesellschaften der Commerzbank einen ständigen Balanceakt zwischen Fokussierung und Diversifizierung: In Boomphasen hat der Konzern sein Portfolio durch Übernahmen und Neugründungen erweitert (z.B. comdirect, mBank, Commerz Real), während in Krisenzeiten und unter regulatorischem Druck wieder Konsolidierungsschritte folgten (Verkäufe wie Cominvest, Aufgabe von Randaktivitäten). Aktuell präsentiert sich die Commerzbank-Gruppe als Netzwerk aus spezialisierten Einheiten, die jeweils einen Beitrag zur Wertschöpfung leisten – von der digitalen polnischen Retailbank über den Immobilien-Investmentmanager bis hin zur Venture-Capital-Einheit. Für die Zukunft bleibt abzuwarten, wie sich diese Struktur weiterentwickelt, etwa vor dem Hintergrund neuer strategischer Programme oder Marktveränderungen. Klar ist: Tochtergesellschaften bleiben ein wesentliches Instrument, mit dem die Commerzbank flexibel auf neue Chancen und Herausforderungen im Finanzgeschäft reagieren kann.

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