letzte Aktualisierung: März 2026
Aktualisierung – März 2026
Dieser Artikel wurde im März 2026 vollständig neu verfasst. Mindfactory ist seit Februar 2025 insolvent. Der Geschäftsbetrieb wurde am 30. Juni 2025 von der heise Gruppe übernommen. Seit dem 31. Juli 2025 firmiert das Unternehmen als heise mindfactory gmbh. Der Shop läuft weiter.
Mindfactory auf einen Blick – Stand: März 2026
| Insolvenzstatus | Ja. Antrag 28. Februar 2025, vorläufige Eigenverwaltung ab 13. März 2025, Verfahren eröffnet 1. Juni 2025. |
| Ergebnis | Übernahme durch heise Gruppe. Vertrag unterzeichnet 30. Juni 2025, Übergang vollzogen 31. Juli 2025. |
| Neuer Name | heise mindfactory gmbh (ab 31. Juli 2025). Marke Mindfactory bleibt erhalten. |
| Arbeitsplätze | Alle rund 100 Mitarbeiter übernommen. Standort Wilhelmshaven bleibt erhalten. |
| Shop-Betrieb | mindfactory.de läuft weiter. Sortiment wieder vollständig verfügbar. |
| Insolvenzgericht | Amtsgericht Wilhelmshaven (Sachwalter: Rüdiger Weiß, Kanzlei WallnerWeiß) |
Mindfactory, einer der bekanntesten Online-Händler für PC-Hardware und Gaming-Zubehör in Deutschland, hat Anfang 2025 Insolvenz angemeldet. Das 1996 in Wilhelmshaven gegründete Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 300 Millionen Euro geriet durch massive Steuernachzahlungen und sein knapp kalkuliertes Geschäftsmodell in finanzielle Schieflage.
Die Geschichte hat jedoch ein positives Ende: Das IT-Medienhaus heise aus Hannover übernahm im Sommer 2025 den kompletten Geschäftsbetrieb. Mindfactory.de läuft weiter, alle Mitarbeiter wurden übernommen und der Standort Wilhelmshaven bleibt erhalten. Für Kunden ändert sich im Alltag praktisch nichts.
Chronologie
Mindfactory war seit seiner Gründung 1996 für Hardware-Enthusiasten ein fester Begriff. Das Familienunternehmen aus Wilhelmshaven etablierte sich als einer der günstigsten Online-Händler für PC-Komponenten in Deutschland, war AMD-Partnerdealer und führte zeitweise über 100.000 Artikel im Sortiment. Noch 2022 erzielte das Unternehmen einen Jahresumsatz von rund 303 Millionen Euro bei einem Gewinn von fast acht Millionen Euro.
Ende 2024 und Anfang 2025 häuften sich in Hardware-Foren Berichte über ein ausgedünntes Sortiment, ausstehende Rückzahlungen und einen nicht erreichbaren Kundenservice. Das Unternehmen schwieg zunächst. Hinter den Kulissen war die Lage zu diesem Zeitpunkt bereits kritisch.
Am 28. Februar 2025 stellte die Mindfactory GmbH beim Amtsgericht Wilhelmshaven den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Am 13. März 2025 ordnete das Amtsgericht die vorläufige Eigenverwaltung an. Rüdiger Weiß von der Kanzlei WallnerWeiß wurde als Sachwalter bestellt.
Zeitstrahl: Mindfactory 2025
28. Februar 2025: Mindfactory stellt Insolvenzantrag beim Amtsgericht Wilhelmshaven. Das Unternehmen schweigt zunächst öffentlich.
13. März 2025: Amtsgericht ordnet vorläufige Eigenverwaltung an. Geschäftsführung bleibt im Amt, Sachwalter überwacht das Verfahren.
Ende März 2025: Offizielle Pressemitteilung bestätigt Insolvenz. Shop wieder online, Lieferanten nehmen Warenlieferungen ohne Vorkasse wieder auf. Sanierungsgeschäftsführer Peter Brauer übernimmt die Steuerung.
1. Juni 2025: Amtsgericht Wilhelmshaven eröffnet offiziell das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Gläubigerversammlung für 13. August 2025 angesetzt.
30. Juni 2025: Vertrag unterzeichnet: heise Gruppe aus Hannover erwirbt im Asset Deal den vollständigen Geschäftsbetrieb der Mindfactory GmbH.
15. Juli 2025: Bundeskartellamt gibt grünes Licht. Übernahme ist kartellrechtlich genehmigt.
31. Juli 2025: Operativer Übergang vollzogen. Mindfactory firmiert fortan als heise mindfactory gmbh. Alle Mitarbeiter, Standort und Kundenbeziehungen übernommen.
Hintergründe
Mindfactory hatte jahrelang ein sehr aggressives Preismodell betrieben. Um im Wettbewerb mit Komplettrechner-Anbietern und Systemintegratoren zu bestehen, kalkulierte das Unternehmen mit extrem niedrigen Margen. Das Modell funktionierte solange Liquidität und Lieferantenvertrauen stabil blieben. Dann kam es zu einem unerwarteten Einbruch.
Millionen-Steuernachzahlung: Laut gut informierten Branchenquellen führte eine unerwartete Steuernachforderung des Finanzamts in Millionenhöhe zu einer akuten Liquiditätskrise. Buchhalterische Probleme sollen über Jahre angestaut worden sein.
Verlust der Kreditwürdigkeit: Durch die Steuerschulden verlor Mindfactory das Vertrauen des Kreditversicherers. Lieferanten verlangten daraufhin Vorauszahlungen, was das Geschäft weiter einschränkte.
Knappes Geschäftsmodell: Das Niedrigmargen-Modell bot kaum Puffer für unvorhergesehene Zahlungsverpflichtungen. Dort wo andere Händler Rücklagen hatten, war bei Mindfactory wenig Spielraum.
Kaskadeneffekt: Als Lieferanten Vorkasse verlangten und Waren zurückhielten, brach das Sortiment ein. Das verunsicherte Kunden, verschlechterte die Umsätze weiter und verstärkte die Krise.
Hintergrund: Mindfactory war 1996 gegründet worden und zeitweise als AG sogar börsennotiert. Zuletzt erzielte das Unternehmen einen Jahresumsatz von rund 300 Millionen Euro. Der monatliche Traffic auf mindfactory.de lag bei über vier Millionen Besuchern.
Aktueller Stand
Die Insolvenz endete mit einer überraschenden Lösung: Die heise Gruppe aus Hannover, bekannt durch c’t, heise online und die Preisvergleichsportale Geizhals und guenstiger.de, erwarb im Asset Deal den vollständigen Geschäftsbetrieb. Am 31. Juli 2025 firmierte das Unternehmen offiziell als heise mindfactory gmbh um.
Als neuer Geschäftsführer wurde Marcel Kirchner ernannt, der seit fast 16 Jahren bei Mindfactory im Einkauf tätig war und sich mit 3,57 Prozent am Unternehmen beteiligte. Alle rund 100 Mitarbeiter wurden übernommen, der Standort Wilhelmshaven bleibt vollständig erhalten. Für Kunden ändert sich praktisch nichts: mindfactory.de läuft weiter, das Sortiment ist wieder vollständig verfügbar.
heise-Strategie: Handel als neue Säule
Für heise bedeutet die Übernahme den Einstieg in den Online-Handel als neue Unternehmenssäule neben Content (c’t, heise online), Connect (Online-Marketing) und Compare (Geizhals, guenstiger.de). Die Preisvergleichsplattformen sollen Mindfactory dabei nicht bevorzugen und unabhängig bleiben, wie Ansgar Heise ausdrücklich betonte.
Fazit
Bewertung – März 2026
| Mindfactory GmbH durchlief 2025 ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Antrag 28. Februar, Verfahren eröffnet 1. Juni 2025. | |
| Auslöser waren mutmaßliche Steuernachzahlungen in Millionenhöhe und das knappe Niedrigmargen-Geschäftsmodell. | |
| Vollständige Übernahme durch die heise Gruppe im Asset Deal. Vertrag 30. Juni, operativer Übergang 31. Juli 2025. | |
| Alle Mitarbeiter, Standort Wilhelmshaven und Marke Mindfactory erhalten. Neuer Firmenname: heise mindfactory gmbh. | |
| mindfactory.de ist voll funktionsfähig. Sortiment wieder vollständig. Für Kunden ändert sich nichts. | |
| Kunden mit offenen Rückzahlungen aus der Zeit vor der Insolvenz müssen Forderungen beim Insolvenzverwalter geltend machen. |
Die Mindfactory-Insolvenz ist eine der wenigen Erfolgsstorys in der deutschen Insolvenzkrise: Statt Abwicklung und Markenverlust gelang eine vollständige Übernahme mit Erhalt aller Arbeitsplätze. Die heise Gruppe bringt mit c’t, heise online und Geizhals ein einzigartiges Ökosystem mit, das Mindfactory langfristig stärken könnte.
Für Hardware-Enthusiasten ist der Shop weiterhin eine verlässliche Anlaufstelle. Die Marke lebt, der Standort bleibt, und mit heise im Rücken dürfte Mindfactory auf einer stabileren finanziellen Basis stehen als je zuvor.
Quellen
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