Der Modehändler Peek & Cloppenburg (P&C) mit Sitz in Düsseldorf galt lange als eines der größten Modehäuser Deutschlands. Doch seit der Corona-Pandemie geriet das Familienunternehmen in finanzielle Schwierigkeiten, so sehr, dass es im März 2023 den Gang zum Insolvenzgericht antreten musste. Viele Kunden und Beschäftigte fragen sich seitdem, ob Peek & Cloppenburg vor der Pleite steht oder die Insolvenz gar schon Realität ist. Aktuelle Entwicklungen zeigen jedoch ein differenziertes Bild: Zwar musste P&C 2023 ein Schutzschirmverfahren durchlaufen, doch heute ist das Unternehmen nicht akut von einer Insolvenz bedroht. Wie es dazu kam und wie die Lage 2025 einzuschätzen ist, fasst dieser Bericht zusammen.
Am 3. März 2023 meldete die Peek & Cloppenburg KG Düsseldorf Insolvenz in Eigenverwaltung an, genauer gesagt ein Schutzschirmverfahren. Dieses spezielle Verfahren bietet einem zahlungsgefährdeten Unternehmen die Chance, sich unter Aufsicht des Gerichts selbst zu sanieren, anstatt in ein reguläres Insolvenzverfahren mit Zerschlagung zu gehen. P&C reiht sich damit in die Liste prominenter Handelsunternehmen ein, die in der damaligen Konsumkrise strauchelten: Kurz zuvor hatten bereits der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof und der Schuhhändler Görtz Insolvenz angemeldet.
Warum Schutzschirmverfahren? Ein Schutzschirmverfahren wird nur gewährt, wenn zwar eine Insolvenz droht, das Unternehmen aber noch zahlungsfähig ist und Aussicht auf Sanierung besteht. Es hat den Vorteil, dass P&C in Selbstverwaltung bleiben konnte. Das Management blieb also im Amt, allerdings überwacht von einem Sachwalter und unterstützt von Restrukturierungsexperten. So stand den P&C-Geschäftsführern Thomas Freude und Steffen Schüller ab März 2023 Sanierungsexperte Dirk Andres beratend zur Seite, während Sachwalter Horst Piepenburg die Verfahrenstreue überwachte.
Bereits bei Antragstellung betonte P&C, dass der Geschäftsbetrieb vorerst uneingeschränkt weiterläuft. Alle 67 Verkaufshäuser in Deutschland blieben geöffnet, ebenso der Online-Shop. Anders als bei manch anderer Handelsinsolvenz waren Filialschließungen zunächst nicht geplant. Vielmehr sollte P&C in den nächsten Monaten in Eigenregie saniert werden. Für die rund 6.800 Beschäftigten bedeutete das Verfahren zunächst einmal finanzielle Absicherung durch den Staat: Die Bundesagentur für Arbeit übernahm drei Monate lang die Löhne und Gehälter. Dennoch war früh klar, dass schmerzhafte Einschnitte kommen würden, insbesondere ein Abbau von Verwaltungspersonal. Allein in der Zentrale arbeiteten etwa 800 Mitarbeiter, eine Größe, die nicht zum Geschäftsvolumen passt. In der Verwaltung inklusive Führungsebenen war ein nicht unwesentlicher Personalabbau notwendig. In den Filialen hingegen sollten betriebsbedingte Kündigungen möglichst vermieden werden.
Kurz erklärt: Ein Schutzschirmverfahren ist zwar eine unerfreuliche Maßnahme, hat aber Vorteile. Unternehmen in Eigenverwaltung können mit einem Schlag große Kostenblöcke abstoßen, Personalkosten reduzieren, Mieten senken und sonstige Verbindlichkeiten kappen. P&C nutzte dieses Instrument, um Altlasten loszuwerden und sich finanziell zu entlasten.
Nicht zu verwechseln mit P&C Hamburg: Wichtig ist der Hinweis, dass es in Deutschland zwei eigenständige Firmen namens Peek & Cloppenburg gibt – eine mit Zentrale in Düsseldorf (um die es hier geht) und eine mit Zentrale in Hamburg. Die Düsseldorfer P&C-Gruppe betreibt die meisten Häuser in Deutschland und war von der Insolvenz betroffen, P&C Hamburg hingegen nicht. Letzteres Unternehmen blieb von den Turbulenzen unberührt und führt seine Geschäfte separat weiter.
Die Insolvenz von Peek & Cloppenburg Düsseldorf kam nicht aus heiterem Himmel, sondern war Ergebnis einer anhaltenden wirtschaftlichen Schieflage infolge mehrerer Krisen. P&C selbst nannte eine ganze Reihe von Faktoren als Gründe für den Insolvenzantrag:
Im Schutzschirmverfahren erarbeitete P&C einen Sanierungsplan, um das Unternehmen wieder auf stabile Füße zu stellen. Kostensenkung stand dabei an erster Stelle. Mithilfe der Insolvenzordnung konnte P&C zahlreiche Verträge neu verhandeln oder kündigen – von Mietverträgen für Filialen bis zu Lieferantenkrediten. Dadurch sollten die Fixkosten erheblich reduziert werden.
Ein wichtiger Hebel war auch der bereits erwähnte Personalabbau in der Düsseldorfer Zentrale. In Verwaltung und Management wurde die Belegschaft deutlich verkleinert, um die Organisation schlanker und kosteneffizienter zu machen. Vor der Sanierung beschäftigte P&C rund 6.800 Mitarbeiter, danach waren es etwa 6.000. Ein Großteil der Reduktion entfiel auf die Verwaltung, während die Verkaufsmitarbeiter in den Filialen weitgehend gehalten wurden.
Filialnetz erhalten: Anders als etwa Galeria Karstadt Kaufhof, das in seinem Insolvenzplan Dutzende Warenhäuser schließen musste, konnte Peek & Cloppenburg alle Häuser retten. Tatsächlich betreibt P&C auch Ende 2025 noch nahezu alle Verkaufshäuser weiter. Dieses Festhalten am Filialnetz war Teil der Strategie: Man setzte darauf, die Innenstadthäuser langfristig wieder profitabel zu machen, statt sie aufzugeben.
Unterstützung der Eigentümer: P&C ist ein Familienunternehmen, und die Eigentümerfamilie hatte früh signalisiert, den Sanierungskurs zu unterstützen. Sie brachten Eigenkapital ein bzw. verzichteten auf Forderungen, um die Insolvenzplan-Lösung zu ermöglichen.
Gläubiger ziehen mit: Ein entscheidender Meilenstein war der 24. August 2023, an dem die Gläubiger des Unternehmens dem Insolvenzplan zustimmten. Damit akzeptierten Lieferanten, Vermieter und andere Geldgeber die vorgeschlagenen Zugeständnisse. Anfang Oktober 2023 hob das Amtsgericht Düsseldorf das Verfahren offiziell auf. Nach rund sieben Monaten unter dem Schutzschirm war Peek & Cloppenburg juristisch gesehen nicht mehr insolvent. Geschäftsführer Thomas Freude zeigte sich erleichtert und erklärte, man könne sich nun wieder vollständig auf das Tagesgeschäft konzentrieren.
Gut zwei Jahre nach dem Insolvenzantrag hat sich die Lage bei Peek & Cloppenburg Düsseldorf deutlich stabilisiert. Das Schutzschirmverfahren ist abgeschlossen, und der Fortbestand des Unternehmens wurde gesichert. P&C hat seine Kostenstruktur verbessert und sein Geschäftsmodell angepasst, um den veränderten Marktbedingungen zu begegnen. Geschäftsführer Thomas Freude berichtete Anfang 2024, man sei wieder auf dem Weg, eine schwarze Null zu erreichen. Zwar schrieb P&C zuletzt noch keinen hohen Gewinn, aber die Verluste konnten offenbar gestoppt werden und man peilt eine nachhaltige Rückkehr in die Gewinnzone an.
Ist Peek & Cloppenburg nun insolvent? Nein. Peek & Cloppenburg ist derzeit nicht insolvent, das Unternehmen läuft ganz normal weiter. Nach erfolgreicher Sanierung in Eigenverwaltung hat P&C alle rechtlichen Insolvenzauflagen hinter sich gelassen. Aus heutiger Sicht droht keine akute Zahlungsunfähigkeit. Im Gegenteil: Das Unternehmen investiert wieder, eröffnet neue Filialen und zeigt sich am Markt aktiv.
Natürlich bleibt die Branche unter Druck. Hohe Inflation, Konsumflaute und der Wettbewerb mit Online-Händlern stellen P&C weiterhin vor Herausforderungen. Doch mit einer schlankeren Organisation, einer klareren Preisstrategie und neuen Konzepten für Innenstadt-Standorte hat das Unternehmen gute Chancen, langfristig zu bestehen.
Peek & Cloppenburg ist nicht pleite. Das Traditionsunternehmen aus Düsseldorf hat eine harte Sanierung hinter sich, befindet sich aber Stand 2025 wieder auf Kurs. Weder ist derzeit ein neues Insolvenzverfahren anhängig, noch gibt es Hinweise auf eine drohende Zahlungsunfähigkeit. Im Gegenteil, P&C versucht mit angepasstem Konzept und alter Stärke im Markt zu bestehen. Aktuell ist Peek & Cloppenburg nicht von einer Pleite bedroht. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Neuaufstellung nachhaltig Früchte trägt. Für den Moment aber können Kunden und Mitarbeiter aufatmen: Peek & Cloppenburg bleibt im Geschäft und arbeitet daran, es auch in Zukunft zu bleiben.
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