Die Einrichtungskette Depot sorgt seit 2024 für Schlagzeilen – Filialschließungen, Entlassungen und ein Insolvenzantrag haben viele Kunden und Beobachter verunsichert. Ist Depot insolvent, gar pleite? Und droht dem Unternehmen das endgültige Aus? Nach eingehender Recherche lässt sich ein klares Bild zeichnen: Depot befindet sich seit Juli 2024 in einem Insolvenzverfahren, konnte den Geschäftsbetrieb jedoch vorerst retten. Die Kette steht finanziell mit dem Rücken zur Wand, hat aber mit drastischen Maßnahmen einen Neustart nach Insolvenz eingeleitet. Aktuell ist Depot nicht komplett von einer Pleite im Sinne einer vollständigen Betriebsaufgabe bedroht, doch nur dank eines harten Sanierungskurses. Was das genau bedeutet und wie es so weit kam, beleuchtet dieser Artikel.
Depot, bekannt für Deko- und Wohnaccessoires, war einst eine Erfolgsgeschichte im Einzelhandel. Vor einigen Jahren betrieb die Kette in ihren besten Zeiten rund 680 Filialen im In- und Ausland. Doch in den letzten Jahren geriet das Unternehmen zunehmend in Schwierigkeiten. Sinkende Umsätze und externe Krisen brachten Depot in die roten Zahlen.
Bereits 2023 zeigte sich die Talfahrt deutlich: Der Umsatz lag mit rund 330 Millionen Euro weit unter früheren Bestmarken, vor der Corona-Pandemie waren es noch über 410 Millionen Euro jährlich. Unterm Strich schrieb Depot Verluste. Firmeninhaber Christian Gries, Enkel des Firmengründers, machte dafür mehrere Faktoren verantwortlich:
All diese Faktoren führten zu erheblichen Liquiditätsproblemen. Bereits Anfang 2024 war klar, dass Depot ohne tiefgreifende Veränderungen kaum überleben würde. Christian Gries zog Konsequenzen: Er kehrte im März 2024 selbst an die Unternehmensspitze zurück, trennte sich von der bisherigen Geschäftsführung und bereitete einen harten Sparkurs vor. Rund 90 Filialen mit auslaufenden Mietverträgen stellte er auf den Prüfstand – nur bei Mietnachlässen der Vermieter sollten diese Standorte weiterbetrieben werden. Man hoffte, wenigstens die Hälfte dieser gefährdeten Läden retten zu können. Doch letztlich reichten alle diese Vorgriffe nicht aus, um eine Insolvenz abzuwenden.
Am 15. Juli 2024 zog Depot die Reißleine: Die Gries Deco Company GmbH, Betreiberin der Depot-Filialen, stellte beim Amtsgericht Aschaffenburg einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung. Konkret beantragte man ein Schutzschirmverfahren, eine besondere Form des Insolvenzverfahrens, bei dem die Firmenleitung unter Aufsicht eines Sachwalters selbst die Sanierung in die Hand nimmt. Das Gericht gab grünes Licht.
Die Insolvenz in Eigenverwaltung sollte Depot vor dem unmittelbaren Zugriff der Gläubiger schützen und Zeit für einen Rettungsplan verschaffen. Christian Gries betonte, dieser Schritt sei bewusst gewählt, um eine nachhaltige Neuausrichtung des Unternehmens zu ermöglichen. Zwei erfahrene Restrukturierungsexperten, Sven Tischendorf und Alexander Höpfner, wurden ins Management geholt, um die Sanierung zu begleiten. Der Geschäftsbetrieb sollte ohne Einschränkungen weiterlaufen, Gehälter waren vorerst bis September 2024 gesichert. Das primäre Ziel laut Firmenmitteilung: Depot den neuen Marktbedingungen anzupassen, in enger Zusammenarbeit mit Vermietern und Lieferanten.
Der Insolvenzplan sollte zügig erarbeitet werden, möglichst vor Jahresende. Ein Kernpunkt der Sanierung war die Überprüfung jeder einzelnen Filiale auf Rentabilität. Im Schutzschirmverfahren konnte Depot ungünstige Mietverträge leichter kündigen oder neu verhandeln. Dies verschaffte der Firma den nötigen Spielraum, um sich von defizitären Standorten zu trennen – eine Maßnahme, die als unumgänglich angesehen wurde, da laut Restrukturierer Tischendorf jede Filiale künftig einen positiven Deckungsbeitrag liefern muss.
Schon kurz nach Insolvenzantrag begann Depot, sein Filialnetz drastisch zu verkleinern. Ende 2024 wurden zunächst mindestens 27 Filialen in Deutschland geschlossen. 17 davon sind bereits dichtgemacht worden, bestätigte Christian Gries im November 2024. Betroffen waren Filialen in vielen Städten, etwa Berlin, Dortmund, Frankfurt, Hamburg und weitere mittelgroße Städte quer durch die Republik. Läden, mit denen wir kein Geld verdienen, werden wir konsequent schließen, begründete Gries diesen Schritt deutlich.
Durch diese erste Welle schrumpfte das deutsche Depot-Netz auf etwa 285 Geschäfte. Die meisten der betroffenen Mitarbeiter konnten auf andere Filialen verteilt werden. Dennoch verloren rund 50 der insgesamt 3.350 Beschäftigten dadurch ihren Job. Auch in der Zentrale in Niedernberg in Unterfranken gab es einen Personalabbau: Dort sank die Mitarbeiterzahl seit Jahresbeginn 2024 von etwa 650 auf 500.
Diese Einschnitte waren jedoch nur der Anfang. Anfang 2025 zeichnete sich ab, dass noch weit umfangreichere Schließungen notwendig würden, um Depot wieder profitabel zu bekommen. Gries kündigte im Frühjahr 2025 einen radikalen Kahlschlag an. Allein im ersten Quartal 2025 wurden bereits 45 Filialen aufgegeben, weitere 54 Schließungen sollten im April und Mai 2025 folgen. Summa summarum bedeutete dies: über ein Drittel der bundesweiten Standorte wird aufgegeben. Die Belegschaft traf es nun mit voller Wucht – rund 2.000 der zuletzt etwa 3.300 Mitarbeiter verlieren im Zuge der Umstrukturierung ihren Arbeitsplatz.
Künftig sollten nur noch 150 bis 180 Depot-Standorte in Deutschland verbleiben. Welche Filialen im Einzelnen geschlossen wurden, entschied sich auch anhand von Verhandlungen mit den jeweiligen Vermietern. Noch im Frühjahr 2025 liefen Gespräche über Mietsenkungen, um eventuell den einen oder anderen Standort doch zu erhalten. Allerdings wurde klargestellt, dass eine Erweiterung der Schließungsliste nicht ausgeschlossen sei, falls die Sanierung es erfordert.
Auch international hinterließ die Krise Spuren: In der Schweiz wurden alle 34 Filialen dichtgemacht, dort meldete die Depot-Tochter Ende Januar 2025 Konkurs an. In Österreich schrumpfte das Netz auf nur noch 27 Standorte. Besonders die vollständige Aufgabe des Schweizer Marktes sorgte für Aufsehen, galt Depot doch auch dort als etablierte Marke. Laut einer Mitteilung in der Schweiz fand sich trotz großer Anstrengungen keine tragfähige Lösung, um den Geschäftsbetrieb langfristig aufrechtzuerhalten, sodass schließlich alle Filialen an einem Tag geschlossen wurden.
Für Kundinnen und Kunden von Depot brachte die Insolvenz einige Unannehmlichkeiten mit sich. Gutscheine der Kette können seit Juli 2024 nicht mehr eingelöst werden. Weder in den Filialen noch im Online-Shop werden Gutscheinkarten derzeit akzeptiert. Wer noch einen Depot-Gutschein besitzt, steht nun vor dem Problem, dass dieser womöglich wertlos wird. Betroffene sollten versuchen, ihre Forderungen auf Auszahlung der Gutscheine geltend zu machen, allerdings nicht bei Depot selbst, sondern direkt beim Insolvenzverwalter. Die Chancen auf vollständige Erstattung sind jedoch gering. In Insolvenzfällen erhalten Gläubiger meist nur eine Quote auf ihre Forderungen, oft gehen Gutscheininhaber mangels Masse sogar leer aus.
Ähnliches gilt für Umtausch und Retouren: Laut einer Mitteilung auf der Depot-Website können Artikel, die vor dem 16. Juli 2024 gekauft wurden, zurzeit nicht retourniert werden. Kunden mit offenen Bestellungen oder Rückgabe-Wünschen müssen sich an den Kundenservice wenden – auch hier steht eine endgültige Klärung aus, bis der weitere Verlauf des Insolvenzverfahrens absehbar ist. Depot selbst äußerte sich auf Medienanfragen zurückhaltend zu diesen Themen und verwies lediglich auf das laufende Verfahren.
Trotz aller Einschnitte gibt es auch eine Perspektive jenseits der Insolvenz: Depot wird fortgeführt, allerdings in deutlich verkleinerter Form und unter neuem Dach. Im April 2025 wurde bekannt, dass die ursprüngliche Firmenhülle, die Gries Deco Company (GDC), im Zuge des Insolvenzverfahrens abgewickelt wird. Stattdessen hat man eine Auffanggesellschaft gegründet: die GDC Deutschland GmbH. In diese neue Gesellschaft wird der operative Geschäftsbetrieb von Depot übertragen. Der Gläubigerausschuss stimmte diesem Übernahmeplan bereits zu, was den Gläubigern zumindest eine teilweise Befriedigung ihrer Forderungen ermöglicht.
An der Spitze des neuen Depot steht weiterhin Christian Gries. Unterstützt wird er in der Geschäftsführung der GDC Deutschland GmbH von Marco De Benedetti, dem ehemaligen Deutschland-Chef von Tupperware. Gemeinsam will man Depot wieder in ruhigeres Fahrwasser führen. Wir können unser Geschäft wieder auf Erfolgskurs bringen – indem wir die Kosten gezielt optimieren und Depot neuen Schwung verleihen, gibt sich Gries optimistisch. Diese Neuausrichtung sieht er als einzige Überlebenschance für das Traditionsunternehmen.
Strategisch will Depot künftig einiges anders machen: Das Unternehmen soll agiler und trendbewusster agieren, um mit dem veränderten Verbraucherverhalten Schritt zu halten. Sortimente sollen schneller an aktuelle Wohntrends angepasst werden, anstatt lange im Voraus zu planen. Vorbild sind offenbar erfolgreiche Händler wie große Modeketten, die Trends zügig in die Läden bringen. Auch der Online-Handel soll deutlich gestärkt werden, um mit Plattformen wie Amazon oder Temu mithalten zu können.
Zugleich setzt Depot auf neue Vertriebskonzepte: Bereits vor der Insolvenz hatte die Kette sogenannte Shop-in-Shop-Flächen in Supermärkten erprobt, kleine Depot-Verkaufsinseln etwa in Rewe- oder Edeka-Märkten. Rund 165 solcher Flächen gibt es aktuell. Diese sollen weiterhin bestehen bleiben und möglicherweise ausgebaut werden, da sie kostengünstig sind und neue Kundschaft erreichen. Insgesamt soll Depot schlanker, digitaler und näher am Kunden agieren, um neben der harten Konkurrenz bestehen zu können.
Nach der umfassenden Restrukturierung stellt sich die Kernfrage erneut: Ist Depot insolvent und vor dem Aus – oder hat die Firma noch eine Zukunft? Die Antwort fällt differenziert aus. Ja, Depot ist insolvent im juristischen Sinne: Das Unternehmen musste 2024 wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden. Doch nein, Depot ist nicht pleite im Sinne einer kompletten Geschäftsaufgabe: Trotz Insolvenzverfahren laufen die Geschäfte in deutlich reduzierter Form weiter. Durch das Schutzschirmverfahren und die Überführung in eine neue Gesellschaft konnte Depot vorerst vor dem Untergang bewahrt werden.
Aktuell ist Depot also nicht von einer sofortigen Schließung aller Läden bedroht. Im Gegenteil: Die Marke Depot besteht fort, und nach Abschluss des Insolvenzplans ab 2025 soll das Unternehmen finanziell stabilisiert und wieder rentabel gemacht werden. Allerdings geschieht dies um den Preis eines drastischen Schrumpfkurses – rund die Hälfte der Filialen wurde aufgegeben, tausende Mitarbeiter verloren ihren Job. Übrig bleibt ein kernsanierter Betrieb, der sich nun erst noch beweisen muss.
Ob die Sanierung auf lange Sicht gelingt, bleibt abzuwarten. Die Rahmenbedingungen im Einzelhandel bleiben herausfordernd: Die Konkurrenz durch Online-Giganten und Billigangebote wird weiter zunehmen, und die Kauflaune der Verbraucher ist von wirtschaftlichen Entwicklungen abhängig. Depot hat jedoch durch das Insolvenzverfahren seine Kostenstruktur verschlankt und Altlasten abgebaut – ein nötiger Befreiungsschlag, so schmerzhaft er für viele Beteiligte war. Derzeit gilt die Kette nicht als akut pleitegefährdet, nachdem Gläubiger und Eigentümer den Neuanfang ermöglicht haben. Sollte der eingeschlagene Kurs Früchte tragen, hat Depot eine Chance, sich neu am Markt zu positionieren und wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Andernfalls wären weitere Einschnitte oder am Ende doch das Aus nicht ausgeschlossen.
Fazit: Depot ist zwar insolvent, aber (noch) nicht am Ende. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Traditionshändler den Turnaround schafft. Die Weichen für eine Rettung sind gestellt, doch die Herausforderungen bleiben enorm.
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