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Steht Montana Energie vor der Pleite?

Montana Energie gehört seit Jahren zu den bekanntesten mittelständischen Energieanbietern in Deutschland. Angesichts turbulenter Entwicklungen auf dem Energiemarkt insbesondere der Insolvenzwelle zahlreicher Billig-Stromanbieter in den Jahren 2021 und 2022 stellen sich viele Kunden die Frage: Ist Montana Energie in Zahlungsschwierigkeiten oder gar von einer Insolvenz bedroht? Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, aktuelle Medienberichte und die derzeitige Situation des Unternehmens im Jahr 2025, um diese Frage zu beantworten.

Hintergrund: Energiekrise und Insolvenzen in der Branche

In den vergangenen Jahren geriet der Energiemarkt in Aufruhr. Ab 2021/22 explodierten die Großhandelspreise für Gas und Strom, zeitweise um mehrere hundert Prozent, was vor allem Billig-Anbieter unter enormen Druck setzte. Viele dieser Discounter hatten auf kurzfristige Einkaufstrategien gesetzt und gaben Preisvorteile in guten Zeiten an die Kunden weiter. Als die Beschaffungspreise an den Börsen plötzlich in die Höhe schossen, konnten etliche dieser Anbieter ihre Versprechen nicht mehr halten. Die Konsequenz: massenhafte Vertragskündigungen und sogar Insolvenzen in der Branche.

Die Verbraucherzentrale NRW zählte Anfang 2022 zahlreiche Strom- und Gasanbieter auf, die entweder vorzeitig die Belieferung eingestellt oder Verträge gekündigt haben. Besonders viele Verbraucher waren von Kündigungen bei Immergrün und Gas.de betroffen; auch beim Anbieter Stromio wurden sämtliche Verträge überraschend beendet. Parallel dazu meldete rund ein Dutzend Versorger tatsächlich Insolvenz an, angefangen mit der Otima Energie (Oktober 2021) folgten unter anderem Lition Energie, Smiling Green Energy, Fulminant Energie, Neckermann Strom und weitere. Grundversorger wie die Rheinenergie in Köln mussten zehntausende Kunden in der Not übernehmen, allerdings zu deutlich höheren Tarifen, die zeitweise auf Rekordniveau lagen.

Diese Lage führte dazu, dass Verbraucher misstrauisch auf jeden Energieversorger blickten, der auffällige Preisanpassungen vornahm. In Foren und sozialen Medien machten Fragen die Runde, ob auch größere unabhängige Anbieter wie Montana Energie ins Straucheln geraten könnten. Doch Montana gehörte weder zu den Anbietern mit Lieferstopp noch zu denen mit Insolvenzverfahren, das Unternehmen verfolgte einen anderen Weg, um die Krise zu bewältigen.

Montana Energie: Maßnahmen während der Krise

Montana Energie ist ein Familienunternehmen mit Sitz in Grünwald bei München und über 60 Jahren Erfahrung am Energiemarkt. Seit 2013 bietet Montana bundesweit Strom an, zuvor vor allem Heizöl und Erdgas, und beliefert heute rund 600.000 Kunden in Deutschland und Österreich. Als im Herbst 2021 die Großhandelspreise davongaloppierten, geriet auch Montana unter Druck. Anstatt jedoch den Betrieb einzustellen, griff Montana zu einem harten Mittel: Vertragskündigungen und Preiserhöhungen.

Bereits im Oktober 2021 berichteten Medien von einzelnen Fällen, in denen Montana bestehende Gasverträge kündigte. So erhielt zum Beispiel eine Kundin in Köln Post vom bayerischen Gasanbieter Montana, dass ihr Vertrag zu den vereinbarten Konditionen beendet werde. Montana bot ihr zwar einen neuen Vertrag an, allerdings zu deutlich schlechteren, teureren Konditionen. Montana war damit nicht allein: Auch andere Versorger wie Maingau gingen ähnlich vor oder stellten die Belieferung komplett ein, sodass betroffene Kunden in die teure Ersatzversorgung fielen.

Vor allem aber hob Montana wiederholt die Preise für Bestandskunden an. Zwischen August 2021 und Januar 2023 verschickte Montana eine Serie von Preiserhöhungsschreiben, in mehreren Schritten schnellte der Arbeitspreis von zunächst rund 25 Cent auf schließlich über 60 Cent pro kWh hoch. Zur Begründung verwies Montana auf explodierende Beschaffungskosten: eine Schieflage aus Angebot und Nachfrage, verbunden mit Produktionsausfällen in Frankreich sowie den russischen Krieg gegen die Ukraine und dessen Auswirkungen auf den Energiemarkt. Solche drastischen Preissprünge galten als außergewöhnlich. Verbraucherschützer vermuteten, dass Montana nur einen relativ geringen Teil seiner benötigten Strom- und Gasmengen langfristig im Voraus gesichert hatte und deshalb die hohen Börsenpreise fast ungefiltert an die Kunden weitergeben musste.

Kritik kam insbesondere an der formalen Umsetzung der Preiserhöhungen: Juristische Experten monierten, Montana habe nicht alle Transparenz-Anforderungen gemäß Energiewirtschaftsgesetz erfüllt. So wurden Kunden teils mehrfach binnen kurzer Zeit mit Tariferhöhungen konfrontiert, was viele verunsicherte. Verbraucherhilfe-Portale rieten Kunden, gegen überzogene Erhöhungen Widerspruch einzulegen und gegebenenfalls ihr Sonderkündigungsrecht zu nutzen. Die Verbraucherzentrale stufte die einseitigen Vertragskündigungen der Krisenzeit ohnehin als wahrscheinlich rechtswidrig ein und empfahl Betroffenen, Schadenersatz zu fordern. Montana stand hier also in der Kritik, allerdings teilte das Unternehmen dieses Schicksal mit vielen Versorgern, die versuchten, der Kostenlawine Herr zu werden.

Wichtig festzuhalten: All diese Maßnahmen, so umstritten sie für die Kunden waren, dienten letztlich dazu, Montana Energie finanziell handlungsfähig zu halten. Durch Kündigungen und Preisweitergaben vermied Montana offenbar Verluste, die das Eigenkapital aufzehren könnten. Anders als einige Billiganbieter hat Montana somit die teuersten Monate der Energiekrise überstanden, ohne selbst Insolvenz anzumelden. Es gab keinerlei öffentliche Meldung, dass Montana zahlungsunfähig sei; im Gegenteil, das Unternehmen lieferte weiter Energie, wenn auch zu hohen Konditionen, und blieb am Markt präsent.

Aktuelle Situation (Stand 2025)

Nach Überwindung der akuten Krise stabilisierte sich der Energiemarkt ab 2023 wieder. Die Großhandelspreise für Strom und Gas sanken zwischenzeitlich deutlich, auch dank staatlicher Preisbremsen. Seit Winter 2024 ziehen die Gaspreise zwar wieder leicht an, erreichen aber bei weitem nicht mehr die Höhen der Energiekrise. Diese entspanntere Marktlage kommt allen Versorgern zugute, auch Montana. Eine Recherche in aktuellen Medienberichten und Unternehmensquellen ergibt keine Hinweise darauf, dass Montana Energie derzeit zahlungsgefährdet wäre. Im Gegenteil deuten mehrere Anzeichen auf eine solide Verfassung hin:

Hohe Kundenzahlen und Umsatz

Montana hat eigenen Angaben zufolge rund 600.000 Kunden und gehört zu den größten mittelständischen Energielieferanten in Deutschland. Durch die extremen Preise stieg auch der Umsatz rasant: Im Geschäftsjahr 2022/23 erzielte die Montana-Gruppe rund 1,455 Milliarden Euro Umsatz. Eine hohe Kundenbasis und Milliardenumsätze sprechen eher für ein gefestigtes Unternehmen.

Erfolgreiches Jahr 2023

In einem Fachinterview im Oktober 2023 berichtete Geschäftsführer Stefan Koburger, dass Montana sehr erfolgreich ins Jahr 2023 gestartet sei. Nach den Worten des geschäftsführenden Gesellschafters konnte Montana die Turbulenzen offenbar in geschäftlichen Erfolg ummünzen, möglicherweise auch, weil viele Verbraucher nach den Insolvenzen anderer Anbieter zu etablierten Versorgern wie Montana gewechselt sind. Diese Aussage des Managements unterstreicht, dass Montana derzeit wirtschaftlich auf Kurs ist.

Vertrauen von Partnern und Kunden

Ein weiterer Indikator ist die Kooperation mit dem ADAC. Millionen ADAC-Mitglieder erhielten Ende 2023 Post mit der Empfehlung, zum Energieanbieter Montana zu wechseln. Der Automobilclub pries Montanas günstige Preise und faire Konditionen an, insbesondere für Ökostrom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien. Dass eine so große Organisation Montana als Vorteilspartner auswählt, deutet darauf hin, dass man dem Unternehmen Stabilität und Zuverlässigkeit zutraut. Auch auf Kundenportalen schneidet Montana ordentlich ab, auf Trustpilot etwa hält Montana 4 von 5 Sternen bei fast 10.000 Bewertungen, was für einen Energieversorger ein vergleichsweise guter Wert ist. Viele Kunden loben den freundlichen Service und würden Montana weiterempfehlen. Von einer Insolvenzatmosphäre ist hier nichts zu spüren.

Unabhängigkeit und langfristige Strategie

Montana betont seit jeher seine finanzielle Unabhängigkeit. Das Unternehmen ist ein mittelständisches Familienunternehmen, geführt von der Gründerfamilie Koburger in zweiter Generation. Investitionen würden ausschließlich aus Eigenkapital getätigt, absolut bankenunabhängig, so beschrieb es Stefan Koburger bereits 2015. Zwar liegt diese Aussage einige Jahre zurück, doch Montana hat diesen Kurs offenbar beibehalten, es sind keine Meldungen über Verkauf an Großinvestoren oder übermäßige Verschuldung bekannt. Die Konstanz in der Eigentümerstruktur und der Fokus auf nachhaltiges Wirtschaften sprechen dafür, dass Montana nicht kurzfristig in existenzielle Schieflagen geraten sollte.

Zusätzlich hat die Politik Lehren aus der Krise gezogen: Seit März 2023 gelten in Deutschland die Strom- und Gaspreisbremsen, welche extreme Kosten für Verbraucher deckeln und indirekt auch Versorgern Planungssicherheit geben. Zwar enden diese staatlichen Stützungsmaßnahmen voraussichtlich Ende 2023/Anfang 2024, doch bis dahin konnten Anbieter und Kunden etwas durchatmen. Montana selbst informiert seine Kunden regelmäßig über die Marktentwicklung und macht transparent, dass sich die Preise 2024/25 zwar leicht erhöhen, aber auf moderaterem Niveau bewegen. All dies schafft Vertrauen.

Kundenperspektive: Probleme und Sicherheit

Aus Sicht der Kunden verlief also nicht alles reibungslos, insbesondere die starken Preiserhöhungen haben bei einigen für Ärger gesorgt. Verbraucherschützer hielten Montana zwar für seriöser als manch undurchsichtigen Discount-Anbieter, kritisierten aber die Höhe der Aufschläge. Auf Beschwerdeportalen wie Reclabox findet man vereinzelt Klagen etwa über verzögerte Guthabenauszahlungen oder späte Jahresabrechnungen. Allerdings zeigen diese Fälle auch, dass Montana reagiert und Probleme löst, so wurde zum Beispiel ein gemeldetes Guthaben binnen weniger Tage nachgezahlt. Systemische Zahlungsschwierigkeiten gegenüber Kunden, etwa massenhaft einbehaltene Guthaben wie sie bei insolventen Anbietern vorkamen, sind bei Montana nicht zu beobachten. Im Gegenteil: Die meisten Kundenanliegen betreffen eher den üblichen Vertragsservice wie Erreichbarkeit und Abrechnungsthemen und nicht die Sorge, dass Montana Leistungen nicht erfüllen könnte.

Zudem hat Montana Anfang 2022 seine Tarifbedingungen der neuen Gesetzeslage angepasst: Seit Vertragsabschlüssen ab dem 1.3.2022 können Verträge nach einer automatischen Verlängerung monatlich gekündigt werden. Dadurch sind Kunden flexibler und weniger in langfristigen teuren Verträgen gefangen, was auf Seiten Montanas ebenfalls das Vertrauen stärken dürfte. Montana zeigt sich also bemüht, kundenfreundlicher aufzutreten und aus der Kritik zu lernen.

Fazit: Keine akute Insolvenzgefahr bei Montana Energie

Nach umfassender Recherche lässt sich die eingangs gestellte Frage klar beantworten: Montana Energie ist aktuell weder pleite noch unmittelbar von Insolvenz bedroht. Trotz der heftigen Turbulenzen der letzten Jahre hat das Unternehmen durch Preisanpassungen und vorausschauendes Management seine wirtschaftliche Stabilität bewahrt. Anders als etliche kleinere Wettbewerber ist Montana weiterhin am Markt aktiv und versorgt seine Kunden zuverlässig mit Strom und Gas. Aktuelle Medienberichte und Aussagen des Managements zeichnen das Bild eines finanziell gesunden Unternehmens, das sogar von der Krise profitieren konnte, indem es Marktanteile gewann.

Natürlich bleiben Energiepreise volatil und kein Anbieter ist vollkommen immun gegen zukünftige Marktkrisen. Doch Stand Ende 2025 spricht nichts dafür, dass Montana in ernsthaften Zahlungsschwierigkeiten steckt. Weder liegen Meldungen über Liquiditätsprobleme oder Gläubigerklagen vor, noch zeigen sich Anzeichen eines Kundenschwunds, im Gegenteil, Kooperationen wie die Empfehlung durch den ADAC untermauern das Vertrauen in Montana. Kunden können also beruhigt sein: Eine plötzliche Pleite von Montana Energie ist derzeit nicht absehbar. Sollte sich die Lage ändern, würden Aufsichtsbehörden und Medien dies frühzeitig aufgreifen.

Für Verbraucher gilt jedoch generell, wachsam zu bleiben: Preisänderungen sollten geprüft und nicht hingenommen werden, wenn sie unplausibel hoch erscheinen. Die Erfahrungen aus 2021/22 haben gezeigt, dass man im Ernstfall Rechte geltend machen kann, etwa Sonderkündigung oder Schadenersatz bei unzulässigen Kündigungen. Im Fall von Montana Energie aber deutet alles darauf hin, dass das Unternehmen seine Hausaufgaben gemacht hat und robust aufgestellt ist. Eine akute Pleitegefahr besteht aktuell nicht, sodass Montana-Kunden sich primär auf die Tarifkonditionen und ihren Energieverbrauch konzentrieren können, anstatt auf die Stabilität ihres Versorgers.

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