Erstellt von Lana

Wem gehört Ferrero?

Ferrero wurde 1946 in der Kleinstadt Alba im norditalienischen Piemont von Pietro Ferrero gegründet. Pietro, ein Konditor mit Innovationsdrang, erfand eine Haselnuss-Kakao-Creme (zunächst Pasta Gianduja genannt), die zum Grundstein des späteren Welterfolgs Nutella wurde. Von Beginn an war Ferrero ein reines Familienunternehmen, finanziert durch die Familie selbst statt durch Börsengänge oder externe Kapitalgeber. Pietros Bruder Giovanni Ferrero senior (nicht zu verwechseln mit Pietros gleichnamigem Sohn) half, ein Vertriebsnetz aufzubauen und die Expansion innerhalb Italiens anzustoßen.

Nach Pietros frühem Tod 1949 blieb das Unternehmen in Familienhand: Michele Ferrero, Pietros Sohn, übernahm in den 1950er-Jahren die Leitung. Unter Michele begann Ferreros Aufstieg zum globalen Süßwarenkonzern. Er erwies sich als visionärer Unternehmer, der konsequent auf Forschung und Entwicklung neuer Produkte setzte. In dieser Ära entstanden Klassiker wie Kinder Schokolade (1968) und Tic Tac (1969), und Ferrero expandierte rasch ins Ausland. Bemerkenswert ist, dass Ferrero trotz des schnellen Wachstums stets in Familienbesitz blieb und nie an die Börse ging. Diese Unabhängigkeit prägte die Firmenkultur: Entscheidungen konnten langfristig getroffen werden, ohne auf kurzfristige Gewinnvorgaben externer Aktionäre achten zu müssen.

Führung in dritter Generation: Giovanni Ferrero an der Spitze

Seit den späten 1990er-Jahren liegt Ferrero in den Händen der dritten Generation der Gründerfamilie. Michele Ferreros Söhne Giovanni und Pietro junior führten ab 1997 gemeinsam den Konzern. Damit blieb Ferrero auch in der neuen Generation ein Familienbetrieb. Im Jahr 2011 ereignete sich jedoch ein tragischer Einschnitt: Pietro Ferrero junior verstarb überraschend (bei einem Fahrradunfall in Südafrika). Von da an stand Giovanni Ferrero als alleiniger Geschäftsführer (CEO) an der Spitze des Unternehmens. Nach dem Tod seines Vaters Michele im Jahr 2015 übernahm Giovanni zudem dessen Rolle als Vorstandsvorsitzender (Executive Chairman).

Heute wird der Konzern von Giovanni Ferrero geführt, der als Executive Chairman die strategische Leitung innehat. Er repräsentiert die Familientradition in einem inzwischen hochglobalisierten Süßwarenkonzern. Seit 2017 hat Ferrero zusätzlich einen familienfremden Geschäftsführer: Der Italiener Lapo Civiletti amtiert als CEO und kümmert sich um das Tagesgeschäft. Diese Aufgabenteilung – Giovanni Ferrero fokussiert sich auf Vision und langfristige Strategie, während Civiletti das operative Geschäft verantwortet – ist Teil der Modernisierung des familiengeführten Unternehmens. Trotz dieser professionellen Unterstützung bleibt aber klar: Die entscheidende Kontrollfunktion liegt weiterhin bei Giovanni Ferrero und damit bei der Familie.

Giovanni Ferrero, geboren 1964, ist der Enkel des Firmengründers Pietro und hat das Familienerbe fest übernommen. Unter seiner Führung hat Ferrero seine internationale Expansion nochmals beschleunigt und gezielt andere Süßwarensparten zugekauft (z. B. den britischen Schokoladenhersteller Thorntons 2015 und Teile des US-Süßwarengeschäfts von Nestlé 2018). Diese Expansion zeigt, dass auch ein Familienunternehmen von Weltrang mithalten und wachsen kann, ohne seine Eigenständigkeit aufzugeben. Giovanni Ferrero gilt als strategischer Kopf mit Weitsicht, der das Unternehmen an neue Marktbedingungen anpasst und zugleich die traditionellen Werte aufrechterhält.

Eigentümerstruktur: Privatbesitz der Ferrero-Familie

Ferrero befindet sich vollständig in Privatbesitz der Familie Ferrero – darin liegt die Antwort auf die Frage „Wem gehört Ferrero?“ klar begründet. Anders als viele multinationale Lebensmittelkonzerne ist Ferrero nicht börsennotiert. Es gibt keine externen Anteilseigner oder Investmentfonds, die am Unternehmen beteiligt wären. Stattdessen kontrolliert die Familie Ferrero über Holding-Gesellschaften alle Anteile. Die zentrale Konzernholding heißt Ferrero International S.A. und hat ihren Sitz in Luxemburg. Von Luxemburg aus steuert die Familie ein Geflecht von weltweit über 100 Tochtergesellschaften und Produktionsstätten.

Innerhalb dieser Struktur spielt eine weitere Gesellschaft eine Rolle: die Schenkenberg-Holding in Luxemburg. Laut Recherchen des Spiegel ist diese Holding die hundertprozentige Eigentümerin der Ferrero-Gruppe. Die Anteile an der Schenkenberg-Holding wiederum liegen bei der Ferrero-Familie selbst. Giovanni Ferrero hält etwa drei Viertel der Anteile an dieser Familienholding. Die restlichen ca. 25 % verteilen sich auf weitere Familienmitglieder – wahrscheinlich vor allem auf seine Mutter Maria Franca Fissolo, die Witwe von Michele Ferrero, und eventuell Treuhänder für andere Angehörige. Diese genaue Aufteilung ist jedoch nicht öffentlich bis ins Detail bekannt, da Ferrero als Privatunternehmen keine umfassende Veröffentlichungspflicht hat und seine internen Strukturen traditionell diskret behandelt.

Die Konsequenz dieser Eigentümerstruktur: Alle Gewinne fließen letztlich an die Familie Ferrero. So berichtete Der Spiegel, dass sich die Eigentümerfamilie für das Geschäftsjahr 2021/22 eine Dividende von 765 Millionen Euro auszahlte. Davon entfielen allein rund 574 Millionen Euro auf Giovanni Ferrero (entsprechend seinem Dreiviertel-Anteil), der Rest auf die übrigen Familiengesellschafter. Trotz solcher Ausschüttungen bleibt die Firma finanziell sehr solide aufgestellt – die Rücklagen der Holding summierten sich laut demselben Bericht auf über sieben Milliarden Euro. Ferrero kann also große Investitionen oder Übernahmen tätigen, ohne auf Fremdkapital angewiesen zu sein.

Zwei in Goldfolie verpackte Ferrero Rocher-Pralinen – eine der bekanntesten Marken des Hauses Ferrero. Auch diese Premium-Pralinen tragen zur starken Marktposition des familiengeführten Unternehmens bei. Ferrero selbst gibt nur sparsam Informationen über seine Finanzen preis, was ebenfalls der Privatsphäre eines nicht börsennotierten Unternehmens entspricht. Bekannt ist jedoch, dass der Konzern im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 18,4 Milliarden Euro erzielte und damit zu den umsatzstärksten Süßwarenherstellern der Welt zählt (in einer Liga mit Mars, Mondelez oder Nestlé). Mit weltweit über 47.000 Mitarbeitern und 37 Produktionsstätten ist Ferrero ein echtes globales Imperium – aber eben eines mit familiären Wurzeln.

Giovanni Ferrero: Italiens reichster Unternehmer

Die Person, die als Eigentümer in dritter Generation hinter Ferrero steht, ist Giovanni Ferrero. Durch seinen dominierenden Firmenanteil hat er ein beeindruckendes Vermögen aufgebaut. Laut Forbes beläuft sich Giovanni Ferreros Privatvermögen im Jahr 2024 auf etwa 43,8 Milliarden US-Dollar, womit er der reichste Mensch Italiens ist. Bereits 2022 wurde sein Vermögen auf rund 36 Milliarden US-Dollar geschätzt, was ihn damals wie heute an die Spitze der italienischen Reichenliste setzte. Dieser enorme Reichtum spiegelt den Wert von Ferrero als Unternehmen wider – und verdeutlicht, wie profitabel das Familienunternehmen ist, wenn alle Anteile in der Familie vereint sind.

Giovanni Ferrero selbst tritt vergleichsweise medienscheu auf. Oft wird er als „geheimnisvoller Nutella-Milliardär“ bezeichnet, da er die öffentliche Aufmerksamkeit meidet und die Geschäfte diskret führt. Er hat einen Abschluss in Marketing und sammelte Auslandserfahrung in Belgien und den USA, bevor er ins Familienunternehmen eintrat. Unter seiner Führung hat Ferrero eine Phase dynamischen Wachstums erlebt: Neben organischem Wachstum kamen zahlreiche Zukäufe hinzu, etwa im Süßwarenbereich (Kinderüberraschungsei-Hersteller Ferrara Candy Company in den USA) oder im Gebäcksegment (Übernahme der Keks-Sparte von Kellogg’s 2019 und sogar der Cerealien-Sparte von Kellogg im Jahr 2025). Diese Strategie zeigt Giovanni Ferreros Ambition, das Unternehmen breiter aufzustellen und zukunftsfähig zu machen.

Trotz professioneller Strukturen und globaler Ausrichtung betont Giovanni Ferrero immer wieder die Bedeutung der familientypischen Werte für den Konzern. „Tradition ist wie ein Bogen. Je stärker wir ihn spannen, desto weiter können wir die Pfeile der Modernität und Innovation schießen“, sagte er 2018 in einem seltenen öffentlichen Zitat. Dieser Satz verdeutlicht, wie die Ferrero-Familie den Spagat zwischen Tradition und Innovation sieht: Die familiären Wurzeln und der Qualitätsanspruch werden hochgehalten, um daraus die Stärke für moderne Entwicklungen zu ziehen. Giovanni Ferrero verkörpert diese Philosophie – als Eigentümer achtet er darauf, dass Neuerungen im Sinne der Familienwerte geschehen und die langfristige Ausrichtung stimmt.

Ferreros Unabhängigkeit als Erfolgsrezept

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Ferrero gehört der Familie Ferrero – und zwar ausschließlich ihr. Diese klare Eigentümerstruktur hat wesentlich dazu beigetragen, den Charakter des Unternehmens zu formen. Seit 1946 blieb Ferrero ein Familienunternehmen und konnte so eine in der Branche seltene Unabhängigkeit bewahren. Entscheidungen werden langfristig und unbeeinflusst von kurzfristigen Börsenerwartungen getroffen. Experten sehen genau darin einen Hauptgrund für den anhaltenden Erfolg und die große Handlungsfreiheit des Konzerns. Ferrero kann erhebliche Gewinne in Forschung, Entwicklung und strategische Zukäufe reinvestieren, ohne Rücksicht auf fremde Anteilseigner nehmen zu müssen.

Gleichzeitig hat die Familientradition dem Unternehmen eine starke Identität verliehen. Werte wie Qualität, Innovation und Verantwortungsbewusstsein sind tief in der Firmenkultur verankert und werden von Generation zu Generation weitergegeben. Trotz seiner Größe und globalen Präsenz agiert Ferrero daher in mancher Hinsicht noch so, wie es ein Familienbetrieb tut – mit großer Diskretion, direkter Verantwortlichkeit der Eigentümer und einer langfristigen Perspektive.

Für die Verbraucher weltweit ist Ferrero vor allem durch seine Produkte präsent – vom Frühstücksbrot mit Nutella bis zur goldverpackten Praline als Geschenk. Hinter diesen Marken steht jedoch unverändert eine Familie.

Wem gehört Ferrero? Die einfache Antwort lautet: Ferrero gehört der Ferrero-Familie. Und diese Familie hat es über drei Generationen hinweg verstanden, aus einer kleinen piemontesischen Konditorei einen Weltmarktführer zu formen, ohne die Zügel aus der Hand zu geben. Das Ergebnis ist ein einzigartiges Unternehmen in der Süßwarenbranche, das zeigt, dass familiäre Tradition und wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand gehen können.

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